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Werden Zeitungen in Zukunft aussterben?

"Die Zeitung ist als Leitmedium in der Demokratie unverzichtbar" – so hat es Bundestagspräsident Norbert Lammert 2009 in Köln ausgesagt. Meine sechzehnjährige Tochter vermeidet den Umgang mit Printmedien aller Art. Das Angebot, unsere regionale Tageszeitung oder die bei uns ebenfalls ausliegenden Wochenmagazine in die Hand zu nehmen, bleibt unbeantwortet. Politik interessiere sie nicht, und sie bekäme ausreichend Input mithilfe anderer Kanäle. Ein Einzelfall? Keineswegs, befreundete Elternpaare berichten über die gleichen Erfahrungen mit ihren Kindern – auch Erwachsenen. Für eine größer werdende Zahl von Menschen haben Zeitungen den Status als eine der wichtigsten Informationsquellen längst eingebüßt.

Das große Zeitungssterben hat schon längst begonnen

Lebenserfahrene Altersjahrgänge sind weiterhin zuverlässige Zeitungskäufer. Die Zeitung war und ist für diese Gruppe eine über alle Zweifel erhabene Informationsquelle. Junge Menschen sehen dies bisweilen anders. Das Informationsangebot ist inzwischen riesig. Wie viel leichter sind Informationen auf attraktivere Weise zu erhalten, als sich Inhalte auf Zeitungspapier suchen zu müssen. Die “Frankfurter Rundschau” kann ein Lied davon singen. Mit einem Insolvenzantrag reagiert das Frankfurter Druck- und Verlagshaus einst auf seine Zahlungsunfähigkeit. Dieser Schritt kommt nicht überraschend, seit vielen Jahren ist von einem Umbruch in der Medienbranche die Rede. Und es trifft auch die Großen. Etwa das Verlagsunternehmen Gruner + Jahr; bis auf die Zeitschrift “Capital” will es seine Wirtschaftsblätter vom Markt nehmen. Das beträfe die “Financial Times Deutschland”, “Impulse” sowie “Börse Online”.

Das Internet ist verantwortlich

Für die Verlagshäuser steht die Schuldfrage fest – das Internet provoziert ein Massensterben und entzieht den Printmedien die Leser. Doch heißt es nicht, Konkurrenz belebe das Geschäft? Selbst ein Kulturgut wie das der Zeitungen wird eines Tages Geschichte sein. Das Internet spricht vor allem die jüngere Generation an. Es ist bunt, schnell, vielseitig und schlicht anders. Online-Journalismus ist aktuell und mit wenigen Klicks “druckfrisch” verfügbar. Nachrichten werden weiterhin nachgefragt werden. Eine Welt ohne Informationen ist weder vorstellbar noch wünschenswert. Jedoch hat sich das Mediennutzungsverhalten verändert. Seriöse Inhalte sind heute nicht automatisch an ein papierenes Medium gebunden. Das verstehen nur wenige Verlage. Ihre Online Angebote verstecken sie inzwischen immer mehr hinter Paywalls und erwarten, dass der Leser ein Abo online abschließt. Das Leistungsschutzrecht soll durch die Lobby-Arbeit bei der EU Google in die Knie zwingen und den Verlagen neue Einnahmen bescheren. Für jeden, der das Internet und Google einigermaßen versteht, ein absolutes "Fail", was sehr wahscheinlich nach hinten los geht.

Fest steht, die Kritiker der Verlags-Dinosaurier verheißen diesen einen schleichenden aber absehbaren Tod. Weil die Verlage statt Innovationen anzuschieben und sich um Geschäftsmodelle für Qualitätsjournalismus in der digitalen Welt zu bemühen, lieber Bestandsgarantien einfordern. Ähnlich wie beim sog. Uploadfilter scheint die Politik nicht die Zeichen der Zeit zu erkennen und sich lieber von überholten Vorstellungen der Lobbyisten beeinflussen zu lassen, statt Fortschritt und allgemeine Meinungsfreiheit zu fördern.

Leistungsschutzrecht als Alternative

Verleger sprechen von einer Enteignung durch das Netz. Immer mehr wird am sogenannten Leistungsschutzrecht für Verlage gearbeitet. Verlagsinhalte sind nach einer solchen Regelung online kaum verwertbar. Zumindest nicht, ohne dafür zu zahlen. Mehr und mehr gehen Verlage dazu über, ihr eigenes Produkt auf modernen Wegen an den Verbraucher zu bringen. ePaper-Versionen der Zeitungen können niemals das Allheilmittel sein. Wenn eine ePaper-Ausgabe lediglich eine Kopie der “normalen” Zeitung ist, wird Online wieder zur Zweitverwertung. Neue Ideen sind gefragt, nicht die Verpackung alter Kamellen in bunte Umverpackungen. Diese Täuschung bleibt nicht unentdeckt und wirkt sich nochmal nachteilig aus. Käme ich meiner Tochter so, sie würde mir klare Ansagen machen.