Forum Sozialethik 2008

Thema: Freiheit – Sicherheit – Risiko: Christliche Sozialethik vor neuen Herausforderungen

Vorbereitungsteam: Johannes Frühbauer, Michael Hörter, Anna Noweck

8.-10. September 2008, Tagungsort: Kommende Dortmund.

Tagungsbericht

Freiheit – Sicherheit – Risiko. Christliche Sozialethik vor neuen Herausforderungen

Forum Sozialethik 2008, Tagungsbericht

Vom 8. bis 10. September 2008 tagte das 18. Forum Sozialethik in der Kommende Dortmund. 29 Teilnehmer aus ganz Deutschlands sowie aus Österreich und den Niederlanden diskutierten unter dem Titel „Freiheit – Sicherheit – Risiko“ die in diesem Themenfeld entstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen für die Christliche Sozialethik. Die fachübergreifende Perspektive, die Vorträge von Referenten aus den Politikwissenschaften sowie der Informatik in die Auseinander¬setzung einbrachten, befruchtete die Debatte in besonderem Maße. Bemerkenswert war auch die erstmalige Teilnahme evangelischer Kollegen.

Johannes J. Frühbauer (Augsburg) eröffnete die Vortragsreihe mit einer inhaltlichen Grundlegung des Freiheitsbegriffs und legte damit die Basis für die nachfolgenden Konkretionen der Begriffe Freiheit, Sicherheit und Risiko in verschiedenen Bereichen der sozialethischen Reflexion.
Die politisch-ethische Auseinandersetzung begann mit der ideengeschichtlichen Einführung in die Staatsmodelle von Hobbes und Kant durch Andrea Keller (Hamburg), die den je unterschiedlichen Stellenwert von Freiheit und Sicherheit in den beiden Modellen herausstellte. Davon ausgehend zog der Politikwissenschaftler Oliver Hidalgo (Regensburg) die Verbindung zur Gegenwart und warnte vor der „Rückkehr des Leviathan“ durch die Zerstörung der labilen Balance zwischen Sicherheit und Freiheit durch den globalisierten Terrorismus, durch die die Ausnahme zur Norm zu werden drohe. Freiheit und Sicherheit im Kontext des „Just War against Terror“ war Thema des Vortrags von Christoph Baumgartner (Utrecht). Er stellte den Ansatz der US-amerikanischen Ethikerin Jean Bethke Elstain vor, nach deren Ansicht die USA nur durch das Führen von gerechten Kriegen zur Wiederherstellung einer stabilen Ordnung ihrer Verantwortung für die Welt gerecht werden können. Im zweiten Forum fragte Veronika Bock (Freiburg), ob „Zur Not ein bisschen Folter“ möglich sei, wobei sie sich für ein ausnahmsloses Folterverbot aussprach. Die Rolle der Religion im Zusammenspiel von Freiheit, Sicherheit und Risiko untersuchte Katja Winkler (Münster). Sie stellte die unterschiedliche Stellung der Religion bei Samuel Huntington und Martha Nussbaum vor: Während Huntington die Religion vorrangig als Sicherheitsrisiko betrachtet, sieht Nussbaum in ihr trotz ihrer Instrumentalisierbarkeit zur Gewalt einen stabilisierenden zivilgesellschaftlichen Faktor. Aus dem Bereich der Technikphilosophie brachte Oliver Simoneit (Stuttgart) schließlich die Frage nach den ethischen Implikationen ein, welche die Möglichkeiten technisch hochentwickelter Gesellschaften – insbesondere hinsichtlich einer neuen Qualität von Überwachungspotentialen – mit sich bringen.
Der zweite Schwerpunkt der Tagung lag im medizinethischen Bereich, den Christian Spieß (Münster) eröffnete. Mit seinem Vortrag über die ethische Verantwortbarkeit bestimmter Verfahren im Bereich der Organspende wie Cross-over-Spenden und Organhandel kritisierte er die restriktive bundesdeutsche Praxis, die pro Sicherheit der potentiellen Spender und damit gegen die Freiheit für eben diese agiert, und stieß damit eine spannende Diskussion an. Der evangelische Sozialethiker Alexander Dietz (Heidelberg) stellte im Anschluss die Gefährdungen von Freiheit und Sicherheit angesichts möglicher Kostenengpässe im Gesundheitswesen dar.
Die medienethische Dimension im Feld von „Freiheit – Sicherheit – Risiko“ thematisierte Edeltraut Koller in ihrem Vortrag zur politischen Sicherheitsrhetorik in den Medien, die sie als Aufgabe sozialethischer Auseinandersetzung markierte.
Schließlich standen wirtschaftsethische Themen im Fokus zweier Foren. Arnd Küppers (Freiburg) stellte die Kritik am Arbeitsrecht in der so genannten Insider-Outsider-Theorie vor, die dem Arbeitsrecht den Schutz der Besitzstände der Arbeitnehmer auf Kosten der Arbeitslosen vorwirft. Ist die Sozialethik gehalten, sich mit dieser „neuen sozialen Frage“ auseinanderzusetzen, so darf dabei die überkommene Form der sozialen Frage als Opposition von Arbeit und Kapital nicht übergangen werden: „Es geht in der Tat um eine Neubestimmung von Freiheit und Sicherheit im Arbeitsrecht.“ Franz Gassner (Wien) thematisierte ambivalente Erfahrungen moderner Freiheit im Hinblick auf Konsummentalitäten und -verhalten und entwickelte angesichts dieser konkreten gesellschaftlichen Herausforderungen Perspektiven aus einer bedürfnisethischen Sicht.

Das Forum Sozialethik 2009 wird sich mit dem Thema „Anthropologie und Christliche Sozialethik“ auseinandersetzen. Es tagt vom 14. bis 16. September 2009 in der Kommende Dortmund. Weitere Informationen sind auf der Website www.forumsozialethik.de zu finden.

Anna Noweck
Michael Hörter
Johannes J. Frühbauer

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