Die Piratenpartei hat in Berlin für eine gewaltige Wahlüberraschung gesorgt; den Internetaktivisten ist es gelungen, aus dem Stand deutlich über die Fünfprozenthürde zu springen und ins Abgeordnetenhaus einzuziehen. Wer die Wochenzeitung “Die Zeit” regelmäßig verfolgt, wird hingegen festgestellt haben, dass in dem liberalen Blatt aus Hamburg zunehmend kritischere Töne gegenüber dem Internet zu hören sind. Die Wortführer sind zwei “Zeit”-Redakteure aus dem Wirtschaftsressort. Thomas Fischermann und Götz Hamann warnen davor, dass die Interneteuphorie bald vorbei sein könnte:
Thomas Fischermann/Götz Hamann: Zeitbombe Internet. Warum unsere vernetzte Welt immer störanfälliger und gefährlicher wird, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2011, 255 Seiten.
Am Anfang des Flugverkehrs wurde diskutiert, ob eine Überfluggenehmigung der Grundstückseigentümer notwendig sei. Die Frage wurde verneint. Und man kann sich fragen, wie sich die neue Technik entwickelt hätte, wenn damals anders entschieden worden wäre. Thomas Fischermann und Götz Hamann sehen die Welt heute vor einer ähnlichen Grundsatzentscheidung, wenn auch mit anderer Stoßrichtung: Soll das Internet auf Dauer erfolgreich sein soll, bedarf es politischer Regelungen. Andernfalls, so die Wirtschaftsredakteure der liberalen Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“, könnte das Internet über kurz oder lang an seinem eigenen Erfolg zugrundegehen. Die Autoren entziehen sich der gängigen Interneteuphorie und benennen deutlich die vielfältigen Gefahren von Datenmissbrauch, Cyberattacken und Hackerangriffen. Verteufelt wird das Internet aber keineswegs. Doch wird seine Zukunft davon abhängen, ob es wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich klug genutzt wird. Ein lesenswerter Diskussionsanstoß.
Axel Bernd Kunze (Rez.)
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