Amosinternational 4/2011 – Soziale Marktwirtschaft für Europa

Vor wenigen Tagen ist die neue Ausgabe von Amosinternational erschienen. Das von Peter Schallenberg und Arnd Küppers konzipierte Schwerpunktthema “Soziale Marktwirtschaft in Europa” nimmt seinen Ausgangspunkt von dem Faktum, dass “soziale Marktwirtschaft” seit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon zu den festgeschriebenen Zielen der Europäischen Union gehört. Damit ist ein Konzept auf europäische Ebene gehoben worden, das bisher v.a. in deutschsprachigen Diskussionszusammenhängen beheimatet war. Die Artikel des Schwerpunktthemas gehen dementsprechend mit unterschiedlicher Fokussierung der Frage nach, was diese Leitidee für die politische Ausgestaltung der Europäischen Union bedeuten kann:

Im Beitrag “Soziale Marktwirtschaft – deutscher Sonderweg oder europäisches Gemeingut? Eine kulturgeschichtliche Spurensuche” kommen Peter Schallenberg und Arnd Küppers zu dem Ergebnis, dass “soziale Marktwirtschaft” zwar eine deutsche Wortschöpfung darstellt, der dahinterstehende Gedanke einer Verbindung von Freiheit und Solidarität aber durchaus in einem gemeinsamen europäischen Kulturerbe zu verorten ist. Continue reading ‘Amosinternational 4/2011 – Soziale Marktwirtschaft für Europa’

Die Zukunft der Geisteswissenschaften in einer multipolaren Welt

Am 15. und 16. Dezember findet in Berlin eine hochkarätig besetzte und kostenfreie Tagung zum Thema “Die Zukunft der Geisteswissenschaften in einer multipolaren Welt” statt.

In den letzten Jahren war häufig die Klage zu hören, dass die Geisteswissenschaften marginalisiert würden. In der Tat, die Wahrnehmung von Wissenschaft im Allgemeinen und der ‚Humanities’ im Besonderen erfolgt zunehmend in ökonomischer Perspektive und versetzt diese in Rechtfertigungszwänge. Die Frage ist berechtigt: Welche Rolle spielen die Geisteswissenschaften in der vom kulturellen und sozialen Wandel geprägten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts? Welche Bedeutung haben sie in der modernen Wissensgesellschaft? Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Medien diskutieren über die Funktionen und Potenziale der Geisteswissenschaften in einer multipolaren Welt.

Das Thema ist insgesamt von nicht geringem sozialethischen Interesse. Hervorzuheben aber sind die Vorträge von Regina Ammicht Quinn “Vom Sinn des Überflüssigen. Ethik als politische Ethik im Kontext der Geisteswissenschaften” sowie insbesondere der auch separat zu besuchende Abendvortrag von Martha Nussbaum “Not for profit. Why democracy Needs the Humanities”.

Nähere Informationen zu Anmeldung und Tagungsprogramm gibt es hier.

Christ sein heißt politisch sein

Am 25. Dezember 2012 wäre der ehemalige Mainzer Bischof und Wegbereiter einer lehramtlichen Sozialverkündigung Wilhelm Emmanuel von Ketteler 200 Jahre alt geworden.

Anlass genug für den Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, sich in einem vor Kurzem im Herder-Verlag erschienen Buch mit diesem Vordenker christlicher Weltverantwortung zu beschäftigen und seine bleibende Bedeutung herauszuarbeiten:

Marx, Reinhard: Christ sein heißt politisch sein. Wilhelm Emmanuel von Ketteler für heute gelesen, Verlag Herder: Freiburg 2011, 140 Seiten, 14,95 Euro.

Aus diesem Anlass hat Kardinal Marx nun der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) ein Interview gegeben, in dem er ausgehend von seinem Buchtitel eine zentrale Einsicht Kettelers betont:

Soziale Gerechtigkeit gehört unmittelbar zum “depositum fidei”, also zum Glaubenskern dazu und ist kein Anhängsel. So deutlich hat das vor ihm noch keiner gesagt. Alles, was den Menschen berührt und betrifft, sind auch Glaubensfragen. Deshalb muss sich die Kirche äußern, wenn es um die Menschenwürde und das Miteinander geht.

Ähnlich formuliert Marx auch im Nachwort seines Buches:

“Eine Lektüre der Schriften Wilhelm Emmanuel von Kettelers regt auch heute dazu an, sich über das eigene Handeln Rechenschaft abzulegen, und ermutigt dazu, die Botschaft Jesu Christi in Wort und Tat zu verkünden und sich nicht von gesellschaftlichen und politischen Umständen davon abhalten zu lassen. [...] Unser christlicher Glaube ist kein Relikt vergangener Epochen, sondern Nährboden für unser Leben hier und heute. Seien wir also mutig, den Auftrag Jesu, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, auch im großen Feld von Gesellschaft und Politik zu beherzigen.”

Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Artikel von Gerhard Kruip in der Novemberausgabe der HerderKorrespondenz, der unter dem Titel “Vorreiter und Vorbild. Zur bleibenden Bedeutung von Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler” (S. 564-567) dem Buch von Kardinal Marx eine durchaus wertschätzende Rezension zukommen lässt und den vom Autor herausgestellten Vorbildcharakter Kettelers um den Aspekt einer Reform der Kirche ergänzt, “die in jeder Zet neu vor der Herausforderung steht, Kirche in der Welt von heute zu sein.” (S. 564)

Weitere, eher biographisch orientierte Bücher zu Wilhelm Emmanuel von Ketteler:

  • Grosse Kracht, Hermann-Josef: Wilhelm Emmanuel von Ketteler – Ein Bischof in den sozialen Debatten seiner Zeit, Ketteler Verlag: Köln 2011.
  • Brehmer, Karl: Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Arbeiterbischof und Sozialethiker, Schnell + Steiner: Regensburg 2009.

Call for papers: Ethik und Migration (Societas ethica)

Die Jahrestagung der “Europäischen Forschungsgesellschaft für Ethik” (Societas Ethica) befasst sich 2012 mit dem Thema “Ethik und Migration”. Ethikerinnen und Ethiker aus allen Disziplinen sind herzlich eingeladen, einen Beitrag zur Diskussion zu leisten.

Der Call for papers ist bis zum 31.03.2012 geöffnet.

Die Tagung findet vom 23. bis 26. August 2012 im rumänischen Sibiu statt.

Medizinethischer Workshop zu “Ethics of Care”

Am 30. November 2011 findet an der Goethe-Universität Frankfurt ein Workshop zum Thema “Der Ansatz der Ethics of Care und ihr Ertrag für die Medizinethik” statt. Neben einer Einführung in die Geschichte und aktuellen Positionen der Ethics of Care, soll diese auf ihre Tragfähigkeit für den medizinethischen Diskurs in Theorie und Praxis beleuchtet werden. Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Workshop ist eine verbindliche Anmeldung bis zum 25. November. Anmeldungen sind zu richten an: ethik-in-der-klinikseelsorge@em.uni-frankfurt.de.

Weitere Informationen finden sich hier.

Ausschreibung des Förderpreises Christliche Sozialethik

Für das Jahr 2012 schreibt der Verein der Freunde und Förderer der Kommende Dortmund den Förderpreis Christliche Sozialethik aus. Der Preis wird für eine wissenschaftlicheArbeit, die ein gesellschaftliches Thema aus christlich-sozialethischer Perspektive behandelt, ausgeschrieben. Die Arbeit muss für eine Publikation – auch in einer Fachzeitschrift – geeignet und sollte nicht älter als zwei Jahre sein. Die Ausschreibung kann hier eingesehen werden.

CfP “Recht und Moral – eine produktive Spannung”

Vom 21.-23. März 2012 findet der 11. Workshop Ethik im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurodstatt. Das diesjährige Thema lautet: „Recht und Moral – eine produktive Spannung“.

Das Vorbereitungsteam lädt herzlich ein, die Diskussionen beim elften Workshop Ethik durch ein 20-minütiges Referat anzuregen. Hierzu sollen Titel und die wesentlichen Inhalte Ihres Referates bis zum 1.12.2011 auf ein bis zwei DIN A4-Seiten per E-mail an cfp@workshop-ethik.de geschickt werden.

Nähere Informationen zum diesjährigen Workshop Ethik sind im Call for Papers  sowie im Internet unter www.workshop-ethik.de zu finden.

Berliner Werkstattgespräch 2012

Das Berliner Werkstattgespräch der  Sektion “Sozialethik” der internationalen Vereinigung für Moraltheologie und Sozialethik beschäftigt sich vom 27. bis 29. Februar 2012 mit dem Thema “Sozialethik in postdemokratischen Zeiten”. Die Tagung findet in der Katholischen Akademie Berlin statt. Eingeladen sind Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dem Bereich der Christlichen Sozialethik, die mindestens ein abgeschlossenes Promotionsverfahren vorweisen können. Anmeldeschluss ist der 31. Januar 2012.

In der Ankündigung heißt es:

Nach einer langen Zeit der Vorbehalte, gerade auch auf katholischer Seite, hat die christliche Sozialethik ihren Frieden mit der Demokratie gemacht – und mehr noch: Sie hat in eben dieser eines ihrer leitenden Grundprinzipien gefunden. Nach den Hochzeiten der Demokratie ist jedoch auch in der Bundesrepublik deren Elan gebrochen, die demokratische Begeiste­rung in der Republik erloschen, leidet die Demokratie an Erlahmung. Der Demokratie inzwischen hoch verpflichtet, wird die christliche Sozialethik durch diese Entwicklung herausgefordert.

Das genaue Programm sowie weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden sich auf dem Flyer.

Wie wirtschaftliche Ungleichheit der Gesellschaft schadet

Richard Wilkinson trägt bei der TED-Konferenz einige Daten (für entwickelte, westliche Gesellschaften) zusammen und kommt zu dem Schluss: Mehr wirtschaftliche Gleichheit (in entwickelten Gesellschaften) ist gut (egal, wie sie erreicht wird). Argumente für eine sehr viel engagiertere ausgleichende Politik?

Lesekreis zu Axel Honneths “Recht der Freiheit”

Auf Theorieblog.de (das Angebot wurde hier bereits vorgestellt) findet ab dem 20. November ein Lesekreis zu Axel Honneths neuestem Buch “Das Recht auf Freiheit” statt.

Es handelt sich dabei um ein interessantes neues Format der gemeinsamen Buchlektüre:

Jede/r Interessierte kann sich – unabhängig vom geographischen Standort – beteiligen, ist völlig frei, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit sie oder er sich wie intensiv einbringen möchte, und trifft vielleicht auf Diskussionspartner, die sich von den „üblichen Verdächtigen“ der Heimatinstitution unterscheiden.

Weitere Informationen gibt es hier.

CfP “Migration as a Sign of the Times”

Das Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen an der Universität Salzburg veranstaltet vom 12.-14. 2012 eine Tagung mit dem Titel “Migration as a Sign of the Times. Perspectives from social sciences and theology”.

An der Tagung ist auch eine “paper session” zum Thema geplant. Abstracts für einen 20minütigen Vortrag können bis zum 31.01.2012 eingereicht werden.

Details zum Call und zum Tagungsprogramm finden sich hier.

Tagung in Genf: “Ethics, Finance and Responsibility”

Kurzer Hinweis auf eine interessante wirtschaftsethische Tagung des Observatoire de la Finance zum Thema “Ethics, Finance and Responsibility” (10. November 2011, Genf). Weitere Informationen hier.

Tagungsbericht Forum Sozialethik 2011

Arbeit – ein Schlüssel für soziale Gerechtigkeit!?
Bericht zum 21. Forum Sozialethik (05.-07.09.2011) in der Katholischen Akademie Schwerte

Spätestens seit dem 19. Jahrhundert erscheint „Arbeit” als Zentralthema christlich-sozialethischer Reflexionen und kirchlicher Soziallehre. Diese Tradition aufnehmend stellte das diesjährige Forum Sozialethik vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in der Arbeitswelt neu die Fragen nach dem Verhältnis von Arbeit und Mensch-Sein, nach gerechten Arbeitsverhältnissen und nach „guter Arbeit”. Junge Sozialethiker(innen) stellten ihre Überlegungen zur Diskussion und tauschten sich mit den rund 35 Teilnehmern aus.

Den ersten thematischen Block der Tagung unter dem Stichwort „Arbeit und Mensch-Sein” eröffnete Christian Stoll (Wien). Er stellte fest, dass Arbeit auch in der modernen Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft überwiegend Tätigkeiten umfasse, die vom Ausführenden nicht als Teil seiner personalen Vollzüge verstanden werden. Der integrale Zusammenhang von Person und Arbeit, wie ihn etwas Laborem exercens beschreibe, sei daher als kritisches Potential zu nutzen, um die Selbstentfaltung des Einzelnen und der Gesellschaft in Arbeit zu befördern.

Ergänzend hierzu brachte Sonja Sailer-Pfister (Vallendar) den Aspekt der Muße ein. Diese werde in einer zunehmend beschleunigten Arbeitsgesellschaft stark vernachlässigt. Ihre theologische Relevanz verdeutlichte Sailer-Pfister im Rekurs auf die biblische Fundierung der Sabbattradition im göttlichen Schöpfungsakt – Muße als Teilhabe an der Ruhe Gottes am 7. Schöpfungstag, als Vergegenwärtigung des Schöpfungswerkes, das getan wurde. Forderungen nach dem Schutz des freien Sonntags seien auf dieser Grundlage vehement zu unterstützen.

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Neue Ausgabe von “Ethik und Gesellschaft” erschienen

eugNeu erschienen: Sonderheft der Zeitschrift “Ethik und Gesellschaft” 2011: Arbeit – Eigentum – Kapital. Zur Kapitalismuskritik der großen Sozialenzykliken.
Das ›Sonderheft 2011‹ der ›Ethik und Gesellschaft‹ stellt sich die Aufgabe, zentrale Themen und Motive der langen Tradition päpstlicher Sozialverkündigung in der modernen kapitalistischen Industriegesellschaft noch einmal Revue passieren zu lassen und auf ihre Zukunftspotenziale hin zu befragen.
In diesem Sonderheft der Online-Zeitschrift finden sich verschiedene Texte der 1. Heppenheimer Tage zur christlichen Gesellschaftsethik dokumentiert. Weitere Informationen hier.

Zukunft Internet?

Die Piratenpartei hat in Berlin für eine gewaltige Wahlüberraschung gesorgt; den Internetaktivisten ist es gelungen, aus dem Stand deutlich über die Fünfprozenthürde zu springen und ins Abgeordnetenhaus einzuziehen. Wer die Wochenzeitung “Die Zeit” regelmäßig verfolgt, wird hingegen festgestellt haben, dass in dem liberalen Blatt aus Hamburg zunehmend kritischere Töne gegenüber dem Internet zu hören sind. Die Wortführer sind zwei “Zeit”-Redakteure aus dem Wirtschaftsressort. Thomas Fischermann und Götz Hamann warnen davor, dass die Interneteuphorie bald vorbei sein könnte:

Thomas Fischermann/Götz Hamann: Zeitbombe Internet. Warum unsere vernetzte Welt immer störanfälliger und gefährlicher wird, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2011, 255 Seiten.

Am Anfang des Flugverkehrs wurde diskutiert, ob eine Überfluggenehmigung der Grundstückseigentümer notwendig sei. Die Frage wurde verneint. Und man kann sich fragen, wie sich die neue Technik entwickelt hätte, wenn damals anders entschieden worden wäre. Thomas Fischermann und Götz Hamann sehen die Welt heute vor einer ähnlichen Grundsatzentscheidung, wenn auch mit anderer Stoßrichtung: Soll das Internet auf Dauer erfolgreich sein soll, bedarf es politischer Regelungen. Andernfalls, so die Wirtschaftsredakteure der liberalen Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“, könnte das Internet über kurz oder lang an seinem eigenen Erfolg zugrundegehen. Die Autoren entziehen sich der gängigen Interneteuphorie und benennen deutlich die vielfältigen Gefahren von Datenmissbrauch, Cyberattacken und Hackerangriffen. Verteufelt wird das Internet aber keineswegs. Doch wird seine Zukunft davon abhängen, ob es wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich klug genutzt wird. Ein lesenswerter Diskussionsanstoß.

Axel Bernd Kunze (Rez.)