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Herder Korrespondenz – Ausgabe 5/2008

“Wie leistungsfähig sind naturrechtliche Ansätze in der Ethik?”, fragt Eberhard Schockenhoff in der aktuellen Maiausgaber der Herder Korrespondenz (S. 236 ff.). Der Freiburger Moraltheologe, zugleich Mitglied im Deutschen Ethikrat, kommt am Ende seiner Überlegungen zu dem Schluss: “In der Stärke des Naturrechts, die seinen Forderungen allgemeine Geltung verleiht, liegt aber zugleich seine innere Grenze. Denn nur ein material bescheidenes Naturrecht, das sich auf die unerlässlichen Mindestvoraussetzungen des Menschseins beschränkt, lässt genügend Freiraum für individuelle Lebenserfahrungen und kulturelle Unterschiede unter den Menschen.” (S. 241) Wie schon in seinem Werk “Grundlegung der Ethik” bemüht sich Schockenhoff auch an dieser Stelle darum, zwischen Naturrechtsethik und Konzeptionen Autonomer Moral zu vermitteln: “Viele Neuansätze  der philosophischen und theologischen Ethik erweisen sich bei näherer Betrachtung nicht als Alternativen zum Naturrecht, sondern als Modifikationen innerhalb desselben Paradigmas, die vor allem auf die Integration humanwissenschaftlicher Erkenntnisse zielen, um gesicherte Einsicht in die anthropologische Verfassung des Menschen zu gewinnen.” (ebd.)

Lesenswert ist auch das Interview mit dem Jesuiten Johannes Siebner, Direktor des Kollegs Sankt Blasien im Schwarzwald: “Damit Schule nicht so wichtig ist” (S. 232 ff.). Die Antworten des Schulleiters lassen durchaus ungewohnte und wohltuend besonnene Töne innerhalb der gegenwärtigen, mitunter reichlich überhitzten Bildungsreformdebatte anklingen. So warnt er davor, die Schule nicht mit Erziehungserwartungen zu überfordern, für die gar nicht genügend pädaogisch geschultes Personal zur Verfügung steht: “Wenn es ständig heißt, Kinder sind unsere Zukunft, unsere Hoffnung, dann klingt doch in Klammern immer mit, dass sie auch unsere Enttäuschung, unsere Desillusionierung, unsere geplatzte Hoffnung sein werden. Es wird heute viel zu viel auf die junge Generation projeziert. Wer gute Erziehung leisten will, muss sich dagegen immer wieder einüben zu sagen, dass Kinder und Jugendliche um ihrer selbst willen begleitet und erzogen werden müssen – nicht weil sie unsere Zukunft sind.” (S. 234) Eltern rät er dann auch, die Schule ernst, aber nicht zu wichtig zu nehmen: “Schule [breitet sich] immer mehr im Alltag der Kinder aus, und deshalb wachsen die Erwartungen an Schule geradezu bedrohlich. Wer immer etwas von Jugendlichen will, ob Wirtschaft oder Werbung – alle gehen in die Schule. [...] Schule ist gesellschaftlich so wichtig geworden, dass wir als Schule zunehmend die Aufgabe haben, die Schülerinnen und Schüler zu schützen, indem wir ihnen Räume, Zeit und Ort geben für so etwas wie das Übernützlich. Wir wollen bilden, nicht ausbilden.” (S. 233) Bildungspolitisch spricht sich Siebner für eine Wahlfreiheit der Eltern und Schüler aus – und damit auch gegen die Ganztagesschule als Regelfall für alle Schüler in Deutschland.

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.

Herder Korrespondenz – Ausgabe 4/2008

Titel Herder KorrespondenzDie aktuelle Aprilausgabe der Herder Korrespondenz enthält zwei Bamberger Beiträge, die sozialethisch interessant sind:

Zum einen fragt Heinrich Bedford-Strohm, Direktor der im Januar 2008 an der Universität Bamberg neugeschaffenen Dietrich-Bonhoeffer-Forschungsstelle: “Wie eng ist die Verbindung zwischen Ekklesiologie und Ethik?” (S. 192 – 196). Seine Antwort entwickelt Bedford-Strohm in Auseinandersetzung mit “zwei prominenten ökumenisch relevanten Entwürfen der Sozialethik” (S. 196): Dabei handelt es sich zum einen um die Darstellung seiner Bamberger Kollegin, Marianne Heimbach-Steins, in dem von ihr herausgegebenen Lehrbuch “Christliche Sozialethik” (Regensburg 2004 f.), zum anderen um das Werk “Perspektiven ökumenischer Sozialethik” aus der Feder von Ingeborg Gabriel (katholisch), Ulrich Körtner (evangelisch) und Alexandros Papaderos (orthodox). Bedford-Strohm wendet sich gegen Positionen (z. B. Helge Wulsdorf, Wolfgang Thönissen), die jüngst noch einmal die fortbestehenden fundamentalen Differenzen zwischen katholischer und evangelischer Sozialethik betont haben, beispielsweise im Kirchenverständnis. Der Bamberger Sozialethiker plädiert hingegen für einen verstärkten gemeinsamen Lernprozess. Sein Fazit am Ende: “Ein Blick auf den Pluralismus in der katholischen Ethik und ihr Pochen auf den Sensus fidelium als Quelle der Verbindlichkeit auf der einen Seite und auf die neue Suche nach Verbindlichkeit in der evangelischen Ethik auf der anderen Seite zeigen, dass das wechselseitige Gespräch nicht nur längst begonnen hat, sondern auch schon reife Früchte getragen hat. [...] Es ist Zeit, die Sozialethik und die Ethik überhaupt konsequent als ökumenische Ethik zu begreifen. Der Pluralismus innerhalb der unterschiedlichen konfessionellen Traditionen gibt dazu schon jetzt genügend Ansatzpunkte.” (S. 196).

Zum anderen geht Andreas Lienkamp, Professor für theologisch-ethische Grundlagen Sozialer Arbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und Habilitand an der Universität Bamberg, unter dem Titel “Ansprüche noch nicht Gezeugter” der Frage nach, ob Generationengerechtigkeit als Staatsziel in das Grundgesetz aufgenommen werden sollte, damit die Rechte künftiger Menschen besser als gegenwärtig geschützt werden können (S. 204 – 208). Der Autor plädiert auf Basis seiner menschenrechtsethischen Überlegungen am Ende dafür, entsprechende Parlamentsinitiativen zu unterstützen und “so zum Abbau eines entscheidenden Strukturdefizits auch der deutschen Demokratie beizutragen” (S. 208). Sicherlich wäre es spannend, die genannte Frage auch noch einmal rechtsethisch und rechtssystematisch zu beleuchten.

Desweiteren findet sich in der genannten Ausgabe der Herder Korrespondenz ein Beitrag von Johannes Reiter zur Frage “Menschenwürde oder Forschungsfreiheit? Die Stammzellforschung bleibt umstritten” (S. 178 – 182). Die drei Akademiedirektoren Joachim Hake (Berlin), Stephan Loos (Hamburg) und Joachim Valentin (Frankfurt a. M.) machen sich Gedanken, über die “Aufgabe katholischer Akademien in säkularen Metropolen” (S. 182 – 187). Lesenswert schließlich noch ein Beitrag von Udo Schnieders zum Fundraising in deutschen Bistümern: “Mehr als kirchliches Spendenwesen” (S. 187 – 192).

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.

Veränderungen bei der Zeitschrift “Concilium”

CONCILIUM zieht nach Madras

Ein besonderes Signal in Zeiten der Globalisierung: Die internationale theologische Zeitschrift CONCILIUM, mitbegründet u. a. von Karl Rahner, Yves Congar und Edward Schillebeeckx, hat ihr Hauptquartier aus dem niederländischen Nimwegen nach Madras in Südindien verlegt.

„Das ist eine klare Botschaft auf dem Weg, den die Zeitschrift über Grenzen und Schranken hinweg zu­rückgelegt hat“, sagt Professor Felix Wilfred, der neu­gewählte Präsident der Zeitschrift. Christliche Theolo­gie entsteht heute nicht nur in den Zentren der Alten Welt, sondern überall, wo Menschen im Geiste Christi nach einem Leben in Solidarität mit den Armen und Stummgemachten suchen. Dementsprechend will CONCILIUM noch wesentlich mehr als bisher den Stimmen der ganzen Weltkirche Gehör verschaffen. „Es gibt immer mehr als nur eine Stimme“, sagen die CONCILIUM-Macher mit Blick auf alle Tendenzen zur Zentralisierung und Vereinheitlichung der katholischen Kirche. „Wer wissen will, worüber die christliche Theologie heute nachdenkt, sollte nicht nur nach Europa schauen“, fügt Elaine Wainwright, CONCILIUM-Mit­herausgeberin aus Neuseeland, hinzu.

CONCILIUM lädt deshalb Theologinnen und Theolo­gen in aller Welt zur Mitarbeit ein und hat – neben dem jeweiligen thematischen Schwerpunkt – in jedem Heft nun ein „Theologisches Forum“ eingerichtet, das etwas von den lebendigen christlichen Debatten in aller Welt widerspiegeln soll. So diskutieren im neuesten Heft Theologen aus Brasilien, den Philippinen und aus Deutschland darüber, was sich seit der Veröffentlichung der Enzyklika Humanae vitae vor 40 Jahren in puncto Familienplanung und Sexualität verändert hat.

Als Schwerpunktthema der ersten Ausgabe aus Madras packt CONCILIUM jedoch noch eine andere inner­kirchlich äußerst umstrittene Frage an: die christliche Sicht der Homosexualität – oder genauer gesagt: der Homosexualitäten. Anthropologische und historische Forschungen jüngerer Zeit zeigen, dass es „die Homo­sexualität“ gar nicht gibt, sondern nur durch Zeiten und Kulturen hindurch höchst unterschiedliche Ausprägun­gen von gleichgeschlechtlichem Verhalten unter allen Menschen – zwischen Chile und Samoa, Großbritannien und Südafrika. Wenn Theologie und Kirche diesen Be­fund ernst nehmen, wird dies bedeutsame Konsequen­zen für ihre Verkündigung haben.

aus dem Inhalt:

REGINA AMMICHT QUINN
„Wir“ und „die anderen“
NORBERT RECK
Gefährliches Verlangen. Die katholischen Diskurse über gleichgeschlechtliche Sexualität
JULIE CLAGUE
Europas moralische Werte: Kennzeichen oder Wunden der Zivilisation?
CHARLES P. RYAN
Homosexualität in Südafrika
NANCY CARDOSO PEREIRA
Der stille Krieg. Wie die Menschen in Lateinamerika sein können, was sie sein wollen
PHILIP CULBERTSON / TAVITA MALIKO
„Ein G-String-Tanga ist nicht samoanisch“. Erkundun­gen zu einer grenz-überschreitenden pazifischen Theo­logie des Dritten Geschlechts
ERIK BORGMAN
Un-Fixing Nature: Für die Wieder-Befreiung der Natur. Homosexualität und die Erneuerung des Naturrechts
DERYN GUEST
Begegnungen mit Tieren: Lesbische Bibelhermeneutik auf dem Weg
MARCELLA MARÍA ALTHAUS-REID
Queer-Theorie und Befreiungstheologie. Der Durch­bruch des sexuellen Subjekts in der Theologie
JAMES ALISON
Brief an einen jungen schwulen Katholiken

Bestellungen und Rezensionsexemplare unter vertrieb@gruenewaldverlag.de oder im Buchhandel

Ethica – Ausgabe 4/2007

Cover EthicaIn der letzten Ethica-Ausgabe des vergangenen Jahres stellt Hanspeter Schmitt, Inhaber des Lehrstuhls für Theologische Ethik an der Theologischen Hochschule in Chur, unter dem Titel „Gewissensbildung. Zur Soziogenese sittlicher Kompetenz“ (339-375) sein Modell der Entwicklung des Gewissens in pluralen Lebensvollzügen dar. Es geht ihm dabei „um die Beschreibung und Kultur eines gestaltungsfähigen Gewissens, das über die bloße Anpassung an schematisch festliegende Vorgaben und eine lediglich abschließende Beurteilung des Handelns hinauszugehen vermag“ (340). Zu diesem Zweck bestimmt er in Auseinandersetzung mit Kohlberg, Habermas, Freud und Schöpf die Ontogenese des Gewissens als Soziogenese, welche gekennzeichnet ist durch diverse interaktionale Prozesse, die die Grundlage dafür bilden, dass das „Gewissen einmal jene Interaktionskompetenz darstellt, die in der Lage ist, Pluralität zugunsten verantwortlichen Handelns zu gestalten“ (371). Grundlage eines solchen Handelns ist der „Drang, das eigene Leben gelingend zu entfalten“ (361) und entsprechende Interessen möglicher anderer Personen selbstreflexiv in das eigene Wollen und Tun zu integrieren. Abschließend werden schließlich die aufgrund dieser Annahmen nahe liegende Behauptung der sozialen Determiniertheit des Gewissens gegenüber einer dennoch anzunehmenden sittlichen Autonomie und Verantwortung zurückgewiesen sowie erste Folgerungen für eine Gewissenspädagogik gezogen.

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Herder Korrespondenz – Ausgabe 1/2008

Titel Herder Korrespondenz“Abschied von den ‘Heidelberger Thesen’?” – so fragt die Herder Korrespondenz in der ersten Ausgabe des neuen Jahres (S. 20 ff.). Thomas Hoppe, Professor für Katholische Sozialethik an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg, unternimmt eine kritische Lektüre der aktuellen Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Diese war Ende Oktober 2007 unter dem Titel “Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen” veröffentlicht worden.

Angesichts des Titels liegt es nahe, die evangelische Stellungnahme mit der friedensethischen Positionsbestimmung der Deutschen Bischofskonferenz “Gerechter Friede” aus dem Jahr 2000 zu vergleichen. Hoppe erkennt zwischen beiden Dokumenten dann auch durchaus Parallelen, auch wenn der genuin theologische Teil im evangelischen Papier deutlich geringer ausfällt als im seinerzeitigen Dokument der katholischen Bischöfe.

Übersichtlich wird dargestellt, wie sich die aktuelle Denkschrift gegenüber aktuellen Herausforderungen der Friedensethik positioniert; behandelt werden dabei folgende Themen: “Internationale Gerechtigkeit”, “Terrorismus”, “Weiterentwicklung internationaler Institutionen zur Friedenssicherung”, “Humanitär begründete Interventionen” sowie “Ethische Bewertung nuklearer Abschreckung”.

Die Drohung mit Nuklearwaffen – so das Fazit zum letztgenannten Thema – sei heute nicht mehr ein Mittel legitimer Selbstverteidigung. Der Verfasser erklärt am Ende seines Beitrags, dass eine Politik, die daraus auch tatsächlich Konsequenzen ziehe, weiterhin glaubwürdig eingefordert werden müsse. Sein Fazit daher am Schluss: “Dies erneut bekräftigt zu haben, ist ein nicht geringes Verdienst der neuen Friedensdenkschrift” (S. 25).

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.

Amos – Ausgabe 4/2007

Logo Zeitschrift AmosDas im November erschienene Heft 4/2007 versammelt Beiträge zum Schwerpunkt- thema “Internationale Finanzmärkte”. Das Konzept des Schwerpunktthemas stammt laut Impressum von Bernhard Emunds; das Editorial von Peter Klasvogt. Jürgen Kädtler untersucht zunächst den “Finanzmarktkapitalismus” (S. 3-9) und versteht diesen nicht als neue Epoche des Kapitalismus, sondern als ziemlich problembehaftetes Entwicklungsstadium unserer Wirtschaftsform. Luc Van Liedekerke und Peter-Jan Engelen versuchen eine ethische Beurteilung des “Insiderhandels mit Aktien” (S. 10-18). In dem Beitrag belegen sie die finanzmarkttheoretischen Schwächen rechtswissenschaftlicher und philosophischer Ansätze. Vor allem zeige sich am Insiderhandel der “Wert” von Informationen. Wenn man, so ihr Fazit, Insiderhandel für moralisch problematisch halte, und dafür gebe es gute Gründe, dann solle man auch die Vergütung von Managern mit Aktionsoptionspaketen für moralisch problematisch halten.

Mit dem Ziel einer Ethik der Internationalen Finanzmärkte schreibt Bernhard Emunds über “Gerechtigkeitsprobleme bei privaten Finanzströmen in Schwellen- und Transformationsländern” (S. 19-26). Dafür begreift er die “internationalen Finanzmärkte als einen inter-nationalen Kooperationszusammenhang” (S. 19) und fordert eine entwicklungsförderliche Gestaltung internationaler Finanzmärkte (S. 25f.). Christian Spieß beleuchtet (unterbrochen von der Mittelseite “Amos und Kunst”) unter dem Titel “Freiheit – Effizienz – Gerechtigkeit” Finanztransaktionen aus Sicht der Sozialenzykliken. Die römische Eigentumslehre eigne sich recht gut, so Spieß, “für eine ethische Bewertung von Transaktionen auf internationalen Finanzmärkten” (S. 27).

Ein wiederum interessantes Interview beschließt das Schwerpunktthema: Karin Kortmann, Parlamentarische Staatssekretärin im BMZ, antwortet auf Fragen zu dem Zusammenhang von Finanzmärkten und Entwicklungsfinanzierung.

Nach einer Vorstellung der Schuldenkrise am Beispiel von Sambia und den Berichten (unter anderem ein Bericht zum Forum Sozialethik 2006) folgen die Buchbesprechungen: Udo Lehmann bespricht einen wirtschaftsethischen Sammelband zum Thema der Sozialwirtschaft (“Vielfalt differenzierter Argumente”), Hans-Joachim Höhn teilt seine Einschätzung zu Matthias Sellmanns sozialethischer Dissertation “Religion und soziale Ordnung” mit (“souveräne Kenntnis”, “instruktiver Einblick”, “verdient es, [...] rezipiert und diskutiert zu werden”) und Peter Schallenberg lobt Heinrich Pompeys Kommentar zur Enzyklika Deus Caritas estZur Neuprofilierung der caritativen Diakonie der Kirche” (“rundum gelungen”, “eine Bereicherung”).

Das nächste Heft erscheint im Februar zum Thema Energie/Klimawandel.

Die Ausgaben der Zeitschrift “Amos – Gesellschaft gerecht gestalten” erscheint vierteljährlich im Aschendorff Verlag (Münster) und kostet im Jahresabonnement 49,80 Euro (ermäßigt 39,80 Euro). Informationen zum Bezug des Heftes hier.

Ethica – Ausgabe 3/2007

Cover EthicaGegenwärtig wird vor dem Hintergrund großer Fortschritte in der Hirnforschung die Frage gestellt, ob die Willensentschlüsse eines Menschen wirklich noch als unabhängig von den zerebralen Funktionen angenommen werden können, oder ob diese nicht eigentlich als den konkreten biologischen und neurophysiologischen Prozessen innewohnend gedacht werden müssten. Nicht zum ersten Mal in der Geistesgeschichte steht damit die Unabhängigkeit des menschlichen Willens und damit die Annahme einer in der Transzendenz verankerten menschlichen Grundfähigkeit zur willentlichen Selbstbestimmung, wie sie die in der antiken Philosophie fundierte christliche Tradition kennt, zur Debatte.

Josef Römelt geht im Bewusstsein dieser Diskussion in seinem Aufsatz (S. 227-240) von einem geschichtlichen

„Wandel von Konzepten einer Willenstheorie, die den Willen als eine Grundkraft im Menschen deuten und stark machen, hin zu schwachen Theorien der Willensphänomene als flexible Orientierungsversuche des Individuums im Kontext der sich wandelnden Biographie“ (S. 229)

aus und reflektiert dieses gewandelte Verständnis auf kulturelle Dimensionen hin. Über einen Durchgang durch die geistesgeschichtliche Entwicklung des Willensverständnisses und eine summarische Auseinandersetzung mit sprachphilosophischen und handlungstheoretischen Ansätzen sowie eher therapeutischen Konzepten kommt er zu dem Schluss, dass auch „in den unübersichtlichen Welten der komplexen Wirklichkeiten“ (S. 238) der Postmoderne die theologisch vermittelte transzendente Verankerung menschlicher Seinsweisen dem Menschen bei seiner Suche nach stabilen Willenserfahrungen unterstützen kann. –

„Sie [die transzendente Verankerung, SZ] versteht sich jedenfalls als ein wesentliches Moment der Ermutigung, in den komplizierten Verwerfungen und Risiken menschlichen Lebens eine stabile Willensintegration und Lebensgestaltung zu wagen. Sie ist Ausdruck der Hoffnung, dass sich menschliches Leben in seinen Risiken in diesem Sinne tatsächlich humanisieren lässt“ (239).

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Herder Korrespondenz – Ausgabe 10/2007

Titel Herder KorrespondenzIn der neuen Oktoberausgabe der Herder Korrespondenz finden sich wieder einige sozialethisch relevante Beiträge: “Wenig neu, doch neu genug” – Unter diesem Titel beschäftigt sich Matthias Möhring-Hesse, Professor für philosophische und theologische Grundlagen sozialer Dienste an der Hochschule Vechta, mit der aktuellen Debatte um den Mindestlohn (S. 507 – 511). Dabei kommt er zum Schluß, daß ein Mindestlohn den Beschäftigungsstand stabilisieren könnte und durchaus im Einklang mit der Tarifautonomie zu realisieren wäre. Stefan Leibold, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Christliche Sozialwissenschaften der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, fragt “Was ist gute Pflege?” und nimmt eine kritische Bewertung der gegenwärtigen Pflegereform vor (S. 525 – 529). Leibold plädiert am Ende für die Einführung einer Bürgerversicherung: “Und bei einer solchen echten Strukturreform der Pflege in Deutschland, die die Gesellschaft sich auch etwas kosten lässt, muss Oma auch nicht zu McPflege” (S. 529). Elisabeth Hurt, Dozentin, Lerntherapeutin und Publizistin aus Wiesbaden, thematisiert die ambivalente Rolle des Themas Religion in der “Bild”-Zeitung (S. 529 – 533) – ein Thema, das spätestens seit der Papstwahl in Deutschlands größter Boulevardzeitung unübersehbar geworden ist. Kommentare beschäftigen sich unter anderem mit der neuen kirchlichen Initiative zum Sonntagsschutz (S. 490 – 492) und mit der “Streitschrift zu Gott, Aids, Afrika und Kirche” aus der Feder Stefan Hipplers, der als Pfarrer in Südafrika tätig ist.

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.

Ethica – Ausgabe 2/2007

Titel EthicaViele aktuelle Problemlagen etwa in den Bereichen der Ökologie oder Ökonomie aber auch z.B. der Blick auf die Krise der sozialen Sicherungssysteme machen deutlich, dass sozialethisches Denken sich nicht mehr nur auf die gegenwärtigen Gegebenheiten richten kann, sondern auch die mittel- und langfristigen Folgen von Weichenstellungen in den Blick nehmen muss. Dies ist der Ansatzpunkt von Werner Veith, der in seinem Aufsatz (S. 173-193) einen Versuch startet, Grundzüge einer Theorie intergenerationeller Gerechtigkeit zu entwerfen (er tut dies im Anschluss an seine Dissertation von 2006, in welcher er sich mit diesem Themenbereich ausführlich beschäftigt). Veith beginnt mit einem Überblick über verschiedene Konzepte des Generationenbegriffs aus dem er Generationenidentität und –differenz als konstitutive Merkmale von Generationen herausarbeitet. Mit diesen sowie

„mit dem Wandel und den Relationen der Generationen lässt sich die zeitlich-soziale Bedingtheit des Menschen als konstitutives Element gesellschaftlicher Ordnung identifizieren und hinsichtlich der Kategorien ‚objektive Zeit’ sowie ‚subjektive Zeitdeutung’ ausdeuten. Die explizite Rezeption der zeitlich-sozialen Positionierung von Generationen erschließt somit Möglichkeiten, die neuen gesellschaftlichen Problemlagen und ihre zeitlich eingeschränkten Gefährdungspotentiale zu erfassen, systematisch einzuordnen und für eine zeitlich erweiterte normative Reflexion zu erschließen“ (S. 187f.).

Es schließt sich eine Rekonstruktion der Konzeptionen von sozialer Gerechtigkeit und Beteiligungsgerechtigkeit an. Von dieser ausgehend versucht Veith eine temporale Erweiterung der Gerechtigkeitstheorie, welche anhand von Rawls „Gerechtigkeit als Fairness“ vorgestellt und entwickelt wird. Über eine daraus abgeleitete diachrone Grundnorm, durch welche bei der Entwicklung von Gerechtigkeitsgrundsätzen für die Verteilung materialer oder abstrakter Güter jede Form der Zeitpräferenz (weder Gegenwart noch Zukunft) zurückgewiesen wird, führt Veith schließlich die Dimension der „zeitlichen Gerechtigkeit“ bzw. „iustitia temporalis“ ein. Diese ist allerdings nicht identisch mit der intergenerationellen Gerechtigkeit, denn jene ist zu verstehen als umfassendes Gerechtigkeitsmodell, welches die synchronen Aspekte der sozialen Gerechtigkeit bzw. der Beteiligungsgerechtigkeit aufgreift und um die diachrone Dimension erweitert.

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Herder Korrespondenz – Ausgabe 6/2007

Titel Herder KorrespondenzDeutschland steckt gegenwärtig inmitten einer neuen und – wie sich einige Jahre nach der ersten PISA-Studie inzwischen zeigt – mitunter sehr polarisierend geführten Bildungsdebatte. Ende März 2007 veröffentlichte der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Bildung, Vernor Munoz, den Bericht zu seinem Deutschlandbesuch im vergangenen Jahr. Nahezu zeitgleich veröffentlichte der Aktionsrat Bildung im Auftrag der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft sein Jahresgutachten unter dem Titel “Bildungsgerechtigkeit”. Beide Stellungnahmen haben in der öffentlichen Debatte sowohl begeisterte Zustimmung als auch herbe Kritik erfahren. Die Bamberger Sozialethikerin und Projektleiterin des DFG-Projekts “Das Menschenrecht auf Bildung: anthropologisch-ethische Grundlegung und Kriterien der politischen Umsetzung” Marianne Heimbach-Steins (S. 311 – 316) unterzieht beide Stellungnahmen in der neuen Juniausgabe der Herder Korrespondenz einer sozialethischen Kritik, wobei sie die Leseperspektive, die beide Texte jeweils selbst vorgeben, als Maßstab heranzieht: zum einen den menschenrechtlichen, zum anderen den gerechtigkeitstheoretischen Zugriff auf das Thema. Gerade die Stellungnahme des Aktionsrates Bildung zeigt dabei eine “minimalistische Vorstellung von Chancengleichheit” (S. 314), die sozialethischen Ansprüchen keinesfalls genügen kann. Der Text ist online verfügbar.

Angesichts des in Kürze im deutschen Ostseebad Heiligendamm stattfindenden G-8-Gipfels unterzieht Gerhard Kruip in derselben Ausgabe der Zeitschrift das genannte Politgroßereignis einer kritischen Beurteilung mit Hilfe der Entwicklungsenyklika “Populorum Progressio” von Paul VI. (S. 290 – 294). Karl Osner, vormals Ministerialdirigent im Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, stellt einige Seiten weiter die Wirkung sogenannter “Exposureprogramme” dar, die inzwischen zu einem wichtigen Instrument für die Entwicklungspolitik geworden sind (S. 317 – 322).

Gerd Engels, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz, fragt im Blick auf das diskutierte Verbot brutaler Computerspiele “Kulturgut oder Killerkurs?” (S. 303 – 307). In seinem Fazit plädiert er für eine Verschränkung rechtlicher und pädagogischer Maßnahmen: “Es gibt also keinen Grund zur Hysterie. Allerdings muss man bei entsprechend dispnierten Personen von einer Wirkung ausgehen, die einen gesetzlichen Schutz notwendig macht. Es bedarf jedoch vor allem pädagogischer Anstrengungen, um jungen Menschen einen verantwortlichen Umgang mit der Kulturtechnik Computerspiel nahezubringen” (S. 307).

Weitere Beiträge beschäftigen sich mit der Lateinamerikareise Benedikts XVI. (S. 277 – 279), der Rolle der Kirchen innerhalb der Klimaallianz (S. 274 f.) oder dem Verhältnis der Kirche zu den linken Regierungen Lateinamerikas (S. 294 – 298).

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.

Herder Korrespondenz – Ausgabe 5/2007

Titel Herder KorrespondenzWährend es in der diesjährigen Aprilausgabe der Herder Korrespondenz sozialethisch eher ruhig zuging, sieht das im aktuellen Heft 5/2007 nun wieder anders aus: Unter dem Stichwort “Wirtschaftsethik” beschäftigt sich Johannes Wallacher mit der menschenrechtlichen Verantwortung transnationaler Unternehmen (S. 264 – 268). Der Verfasser kommt in seinem Beitrag zum Schluß, daß weder Selbstverpflichtungen der Unternehmen noch rechtlich verbindliche Regeln für sich genommen ausreichen, damit global agierende Unternehmen ihrer Verantwortung für die Einhaltung der Menschenrechte nachkommen. Beide Instrumente müssen sich vielmehr komplementär ergänzen:

“Als erstes gilt es die Effektivität unternehmerischer Selbstverpflichtungen zu verbessern, insbesondere durch eine transparente Berichterstattung sowie durch wirksamere Kontroll- und Verifikationsmechanismen. Ein weiterer und wohl noch wichtigerer Schritt wäre die Bereitschaft und das Engagement einzelner Unternehmen und ihrer Verbände, freiwillige Regeln in verbindliches Recht umzuwandeln, falls sich die Selbstbindung nicht als wirksam erweisen sollte” (S. 268).

Der Verfassser ist Professor für Sozialwissenschaften und Wirtschaftsethik an der Hochschule für Philosophie München, Philosophische Fakultät S. J. und Leiter des Forschungs- und Studienprojektes “Globale Solidarität – Schritte zu einer neuen Weltkultur” der Rottendorfstiftung an der genannten Hochschule.

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zuzüglich Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit unter www.herderkorrespondenz.de.

Herder Korrespondenz – Ausgabe 3/2007

Titel Herder Korrespondenz1977: Der Terror der “Rote Armee Fraktion” (RAF) erreicht mit der Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer und der Entführung der Lufthansamaschine “Landshut” seinen Höhepunkt. Dreißig Jahre später wird die Erinnerung an den damaligen sogenannten “Deutschen Herbst” wieder lebendig: Eine mögliche vorzeitige Haftentlassung der beiden RAF-Mitglieder Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar erregt die Gemüter. Für Konrad Hilpert Professor für Moraltheologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, ist die Diskussion durch zahlreiche Missverständnisse geprägt. In der Märzausgabe 2007 (61. Jahrgang) der Herder Korrespondenz antwortet er auf die Debatte der vergangenen Wochen aus genuin moraltheologischer Perspektive (S. 119 – 122). Seine Ausführungen zur Rolle von Gnade, Reue, Vergebung und Versöhnung innerhalb des Rechtsstaates sind aber nicht minder für den sozialethischen Rechtsdiskurs von Interesse. Am Ende seines sehr lesenswerten Beitrags mahnt Hilpert eine bisher vernachlässigte weiterreichende Aufarbeitung des Linksextremismus der Siebzigerjahre an: “Säkular gesprochen und auf die aktuelle Debatte bezogen, hätten demnach auch größere Kreise der Gesellschaft – beispielsweise ehemalige Sympathisanten, Unterstützer, Verharmloser, aber vielleicht auch die Selbstzufriedenen, die damals vermieden haben, Stellung zu beziehen – begründeten Anlass, sich zu erinnern und Gewissenserforschung zu betreiben, und zwar nicht nur in beschönigender Nostalgie, sondern in einer Haltung der Wahrhaftigkeit, die auch dann durchgehalten wird, wenn sie schmerzt. Der Appell zum Mut, endlich einen Schluss zu machen mit dem Kapitel Terrorismus, wie dies von mancher Seite jetzt gefordert wird, greift zu kurz” (S. 122).

Markus Vogt, Professor für Christliche Sozialethik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern und Leiter der dortigen Clearingstelle Kirche und Umwelt, antwortet in derselben Ausgabe der Herder Korrspondenz mit einem “Plädoyer für ein ökosoziales Wohlstandsmodell” auf den am 2. Februar veröffentlichten Weltklimabericht der Vereinten Nationen (S. 130 – 135). Für Vogt sind die Energieprobleme der Zukunft nur durch einen “globalen Gesellschaftsvertrag” zu lösen.

“Eierlegende Wollmichsau” (S. 149 – 153): So bezeichnet Matthias Möhring-Hesse im selben Heft der Herder Korrespondenz die derzeit diskutierten Investivlohnmodelle. “Dem einen Instrument werden zugleich zu viele Ziele aufgebürdet, wobei sich diese Ziele teilweise sogar widersprechen”, meint der Privatdozent für Christliche Sozialwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die derzeitigen Vorstellungen eines Investivlohns seien weit von den früheren Überlegungen Oswald von Nell-Breunings entfernt. Heute gehe es – so Möhring-Hesses Kritik – eher um einen “Sparlohn”, der den Arbeitnehmern ein doppeltes Risiko aufbürde und praktisch auf Lohnverzicht hinauslaufe.

Am Rande sozialethisch relevant sind in der aktuellen Märzausgabe der Herder Korrespondenz ferner ein Überblicksartikel des Mainzer Moraltheologen Johannes Reiter über aktuelle Entwicklungen in der Bioethik und Biopolitik (S. 139 – 144) sowie ein – allerdings wenig überraschendes – Interview (S. 123 – 126) mit Prälat Karl Jüsten, dem Leiter des Katholischen Büros in Berlin, der 2003 auch schon einmal Gast beim “Forum Sozialethik” war.

Zwei Beiträge, die nicht allein die Sozialethik betreffen, sollen abschließend nicht unerwähnt bleiben: Chefredakteur Ulrich Ruh setzt sich in zwei Beiträgen mit der Zukunft der Theologie in Deutschland auseinander. Zum einen berichtet er vom Katholisch-Theologischen Fakultätentag Ende Januar in Essen (S. 117- 119), zum anderen fragt er im Leitartikel “Wozu Theologie?” (S. 109 – 111). Ruh zeichnet darin ein durchwachsenes Bild der gegenwärtigen theologischen Landschaft und ruft die Vertreter der Disziplin auf: “Die eigenen Stärken müssen offensiv ins Spiel gebracht werden”. Es stehe – so führt er das Sprachspiel fort – sowohl für das eigene Fach als auch für Kirche und Gesellschaft “zuviel auf dem Spiel”: “Hermetische Sprachwelten, gedankliche Verstiegenheiten, fromme Ergüsse oder flachen Jargon, welcher Herkunft auch immer, kann sich die Theologie gerade heute nicht mehr leisten” (S. 111). Man muss Ruhs Diagnose nicht in allem zustimmen, Anlass zur Diskussion bietet sie auf jeden Fall.

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zuzüglich Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit unter www.herderkorrespondenz.de.

Amos – Ausgabe 1/2007

Logo Zeitschrift AmosDie Ausgaben der Zeitschrift “Amos – Gesellschaft gerecht gestalten” sind als Themenhefte organisiert. In der ersten Ausgabe 2007 (1. Jg.) stehen die Beiträge unter dem Titel “Lohnt die Arbeit?”. Das Editorial von Michael Schramm und Joachim Wiemeyer gibt leider nur wenig Auskunft über die Beiträge und den Aufbau des Heftes. Für das Konzept des Schwerpunktthemas verantwortlich ist laut Impressum Joachim Wiemeyer. Als sozialethisch relevant erscheinen mir besonders folgende Beiträge:

Im ersten Beitrag des Schwerpunktthemas reflektiert Arnd Küppers über die Zukunft des Flächentarifvertrags (“Ende des Flächentarifs? Betriebliche Bündnisse für Arbeit – von der Tarif- zur Betriebsautonomie?”, S. 3-10.). Elke Mack charakterisiert “Arbeit als Beteiligungsrecht” (S. 11-17) und Elmar Nass beschreibt den Zusammenhang von Sozialer Marktwirtschaft deutschen Modells und internationaler Wettbewerbsfähigkeit (“Modell Deutschland am Scheideweg. Kulturelle Identität und Wertkonsens als ökonomische und arbeitsmarktpolitische Erfolgsfaktoren”, S. 18-23). Im letzten Beitrag des Schwerpunktthemas wird von Matthias Möhring-Hesse der Ärztestreik 2006 als Entsolidarisierung gekennzeichnet und eine politische Kompensation gefordert (“Tarifpolitik im weißen Kittel. Erfolge und Defizite exklusiver Solidarität”, S. 24-32).

In der Rubrik Berichte kommen zwei Tagungen zur Sprache: Martin Dabrowski informiert über die Auftaktveranstaltung der “Internationalen Tagungsreihe Sozialethik konkret” in Münster zur Sozialstaatsproblematik (September 2006) und Norbert Zöller berichtet über ein Spitzengesrpäch zwischen Vertretern der Gewerkschaften, dem Erzbistum Paderborn und der wissenschaftliche Sozialethik im November 2006 in der Kommende Dortmund.

Rezensiert werden Werner Veiths Dissertation “Intergenerationelle Gerechtigkeit. Ein Beitrag zur sozialethischen Theoriebildung” (von Joachim Wiemeyer), Udo Lehmanns Dissertation “Ethik und Struktur in internationalen Unternehmen. Sozialethische Anforderungen an die formalen Strukturen internationaler Unternehmen” (von Michael Schramm), ein u.a. von Henriette Crüwell hg. Sammelband zu “Arbeit, Arbeit der Kirche und Kirche der Arbeit” (von Udo Lehmann) und der von Hejo Manderscheit u.a. hg. Sammelband “Wie viel Caritas braucht die Kirche – wie viel Kirche braucht die Caritas?” (von Richard Geisen).

Informationen zum Bezug des Heftes hier.

Amos, eine neue sozialethische Zeitschrift

amos Gestern war im Postkasten die allererste Ausgabe der neuen (internationalen) sozialethischen Zeitschrift “Amos – Gesellschaft gerecht gestalten”. Annähernd im DINA4-Format gehalten, macht das Heft einen anständigen Eindruck. Die Zeitschriftenausgaben werden jeweils als Themenhefte erscheinen; diese Ausgabe bündelt Beiträge zu “Markt für Werte”. Hier gibt es die Bestellunterlagen.

Die Zeitschrift wird gemeinsam herausgegeben von dem Sozialinstitut Kommende Dortmund und der Arbeitsgemeinschaft der deutschsprachigen Sozialethiker.

Zwei Texte betreffen das Forum Sozialethik direkt: Christiane Eckstein und Anna Noweck haben einen Bericht zum Forum Sozialethik 2006 verfasst (S. 43f.) und Detlef Herbers hat das Forum Sozialethik vorgestellt (mit einem Hinweis auf bisher erschienene Tagungsbände, S. 49).

Update (24.01.2007): Mittlerweile gibt es auch eine Website zur Zeitschrift.