Archive for the 'Zeitschriftenlese' Category

Neuerscheinung zu kirchlichen Schulen

Die aktuelle Ausgabe (Nr. 363) der Publikationsreihe Kirche und Gesellschaft, die von der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Mönchengladbach herausgegeben wird, widmet sich dem Themenfeld Bildungsethik. Pater Klaus Mertes SJ, Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, beschäftigt sich darin mit dem Profil kirchlicher Schulen unter den Bedingungen einer pluralen Gesellschaft.

Klaus Mertes: Kirchliche Schulen in pluraler Gesellschaft (Kirche und Gesellschaft; 363), herausgegeben von der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Mönchengladbach, Köln: J. P. Bachem 2009, 16 Seiten.


“Neusprech im Überwachungsstaat”

“Wie lassen sich Einschränkungen der Bürgerfreiheit als Gewinn für alle verkaufen? Indem man sie sprachlich vernebelt. Ein Katalog des Neusprech zur Inneren Sicherheit.” - So beginnt “Schäubles Wörterbuch”, das seit kurzem in der Onlineausgabe der “ZEIT” zu finden ist und mit dem die bekannte Hamburger Wochenzeitung die Debatte um die neuen Sicherheitsgesetze kritisch begleiten will. Ergänzungen aus dem Leserkreis sind möglich. “Schäubles Wörterbuch” ist zu finden unter: http://www.zeit.de/online/2009/04/neusprech-schaeuble-lexikon. Dort findet sich auch der Vortrag “Neusprech im Überwachungsstaat” , den der Bamberger Professor Martin Haase Ende November 2008 vor der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. hielt. Der Vortrag lieferte wichtige Anregungen für das Projekt, das die “ZEIT” jetzt gestartet hat.


Arbeitspapier zum Menschenrecht auf Bildung

Die erste Ausgabe innerhalb dieses Jahres aus der Reihe “Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.” beschäftigt sich mit dem Menschenrecht auf Bildung. Das Heft 1/2009 dokumentiert einen gleichnamigen Vortrag des Vereins, der am 27. Oktober 2008 in der Evangelischen Studentengemeinde Bamberg stattfand. Anlass war das sechzigjährige Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 verabschiedet worden war. Angereichert wird das Heft durch ein Vorwort des Ersten Vorsitzenden der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V., Dr. Nikolai Czugunow-Schmitt, sowie die Erklärung “Die Menschenrechte - unbekannt und nicht realisiert” des Bamberger Erzbischofs Dr. Ludwig Schick zum sechzigsten Jahrestag des UN-Dokuments. Im Anhang ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 im Wortlaut wiedergegeben. Die Onlineausgabe steht unter www.willy-aron-gesellschaft.de kostenfrei als Download zur Verfügung.

Die 2003 gegründete Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. erinnert an den jüdischen Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Rechtsreferendar Willy Aron, der bereits im Mai 1933 auf brutale Weise im Konzentrationslager Dachau hingerichtet worden war; er war das erste Opfer, das der Terror der Nationalsozialisten aus Bamberg forderte. Der Verein hat sich dem Schutz der Menschenrechte, von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verschrieben. Der Verein organisiert unter anderem jährlich eine Zivilcouragerede im Gedenken an Willy Aron und zeichnet für das Bamberger Projekt “Stolpersteine” verantwortlich. Der Verein wird geleitet von Außenwirtschaftsberater Dr. Nikolai Czugunow-Schmitt, Rechtsanwalt Hendrik Leuker und Dipl.-Psych. Rainer Knappe.


Armut und Prekariat - Amosinternational, Ausgabe 2/2008

Logo Zeitschrift AmosMit „Armut und Prekariat“ rückt das Heft ein zweifellos aktuelles Thema in den Blickpunkt. Werner Schönig kritisiert gängige Ansätze und Begriffe der Armutsforschung, welche mittelschichtsorientiert seien und Formen extremer sowie „akut-finaler“ Armut ausblendeten.

Integrationspotenziale der bundesdeutschen Sozialpolitik untersucht Udo Lehmann facettenreich, u.a. im Hinblick auf Erwerbsarbeit, Familien, Vorbehalte in Öffentlichkeit und Wirtschaft.

Am Beispiel des Haushalts-Organisations-Trainings (HOT) zeigt Andreas Lob-Hüdepohl die präventive, auf alltagsnahe Kompetenzförderung und eigenverantwortliche Lebensführung ausgerichtete Komponente des Sozialstaates. Freilich verdeutlicht er auch Ambivalenzen sozialstaatlicher Instrumente.

Den Entwicklungszusammenhang der Option für die Armen rekonstruiert Gerhard Kruip sehr differenziert, um sodann nach den Eigenheiten zu forschen, welche eine Option für die Armen heute in Deutschland angesichts globaler Zusammenhänge beinhalten sollte.

Das Interview mit dem in der Arbeitswelt ebenso wie in der Ethik erfahrenen EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla lenkt den Blick auf europaweite Dimensionen von Armut und schließt die zentrale Thematik des Heftes ab.

Ob freilich das Schwerpunktthema nicht zu sehr auf Zustände ausgerichtet ist und zu wenig der (von Lehmann angesprochenen) Prozesshaftigkeit und Dynamik von Ausgrenzung nachgeht? Mehr als auf Armut und Prekariat wäre einzugehen auf Prekarisierung und ihre gesellschaftliche Wirkung, und zwar als Kehrseite der wirtschaftlich und gesellschaftlich erwünschten Flexibilisierung. Die sozialwissenschaftliche Prekarisierungsforschung hat Paradoxien von Integration und Desintegration herausgestellt: Verhalten sich noch oder nicht mehr abhängig Beschäftigte als flexible und marktgängige “Arbeitskraftunternehmer”, so verzichten sie allzu oft zugunsten wenig nachhaltiger und gesicherter Jobs auf langfristige Perspektiven, weil dies den Erhalt oder Erlangung eines Arbeitsplatzes (oder aber mehr persönliche Freiheit) verheißt. Solche „Bereitwilligkeit“ wird hervorgerufen durch globale Konkurrenz und zunehmende Angst vor gesellschaftlicher Entkopplung. Prekarisierung mithin als systemisch bedingten, weit in bislang gesicherte Bevölkerungsschichten wirkenden Prozess zu verstehen, böte eine fruchtbare Grundlage für die Reflexion sozialpolitischer Ansätze und ihrer (Neben-)Wirkungen.

In zwei Tagungsberichten resümieren Bernhard Eder die Fachtagung der AKSB zu Solidaritätsförderung in Lernprozessen (4.-5.3.08 in Nürnberg) und Anna Noweck das zweite Symposion des DFG-Projekts Menschenrecht auf Bildung.

Rezensiert werden folgende Buchveröffentlichungen:

  • Bogner, Daniel: Ausverkauf der Menschenrechte? Herder 2007 (von Andreas Fisch);
  • Wirz, Stephan: Erfolg und Moral in der Unternehmensführung. Eine ethische Orientierung im Umgang mit Managementtrends. Peter Lang Verlag 2007 (von Christoph Giersch);
  • Stahlmann, Michael / Wendt-Kleinberg, Walter: Zwischen Engagement und innerer Kündigung. Fortschreitender Personalabbau und betriebliche Interaktionskulturen. Verlag Westfälisches Dampfboot 2008 (von Norbert Zöller);
  • Kruip, Gerhard / Fischer, Michael (Hg.): Gerechtigkeiten. Hannoversche Zwischenrufe 2006 (von Christof Mandry) - Dieser Band fasst die Beiträge einer Ringvorlesung zu gerechtigkeitstheoretischen Ansätzen, Kontexten und Anwendungsfeldern zusammen;
  • Wagner, Thomas: Draußen - Leben mit Hartz IV. Eine Herausforderung für die Kirche und ihre Caritas. Lambertus 2008 (von Richard Geisen).

Die Rede Papst Benedikts XVI vor der UNO-Vollversammlung am 18. April 2008 kommentiert Ingeborg Gabriel. Ihr Fazit: Viel Licht, insbesondere was die kirchliche Anerkennung und Unterstützung für Menschenrechte und Vereinte Nationen angeht, aber Mangel an konkreten Aussagen zu globalen sozialen Verhältnissen.

In einem weiteren Beitrag stellt Ingeborg Gabriel das Projekt “Sozialethik aus ökumenischer Perspektive” an der katholischen Fakultät der Uni Wien vor.

Abschließend untersucht Günter Wilhelms den Stellenwert von Caritas gegenüber dem kategorialen Rahmen funktionierender Marktwirtschaft. Interessanterweise lässt sich hier eine gegenüber Michael Schramm (im Vorwort) sowie G. Kruip verschiedene Sichtweise möglicher Anwendungsprobleme der Sozialethik erkennen.


Herder Korrespondenz - Ausgabe 5/2008

“Wie leistungsfähig sind naturrechtliche Ansätze in der Ethik?”, fragt Eberhard Schockenhoff in der aktuellen Maiausgaber der Herder Korrespondenz (S. 236 ff.). Der Freiburger Moraltheologe, zugleich Mitglied im Deutschen Ethikrat, kommt am Ende seiner Überlegungen zu dem Schluss: “In der Stärke des Naturrechts, die seinen Forderungen allgemeine Geltung verleiht, liegt aber zugleich seine innere Grenze. Denn nur ein material bescheidenes Naturrecht, das sich auf die unerlässlichen Mindestvoraussetzungen des Menschseins beschränkt, lässt genügend Freiraum für individuelle Lebenserfahrungen und kulturelle Unterschiede unter den Menschen.” (S. 241) Wie schon in seinem Werk “Grundlegung der Ethik” bemüht sich Schockenhoff auch an dieser Stelle darum, zwischen Naturrechtsethik und Konzeptionen Autonomer Moral zu vermitteln: “Viele Neuansätze  der philosophischen und theologischen Ethik erweisen sich bei näherer Betrachtung nicht als Alternativen zum Naturrecht, sondern als Modifikationen innerhalb desselben Paradigmas, die vor allem auf die Integration humanwissenschaftlicher Erkenntnisse zielen, um gesicherte Einsicht in die anthropologische Verfassung des Menschen zu gewinnen.” (ebd.)

Lesenswert ist auch das Interview mit dem Jesuiten Johannes Siebner, Direktor des Kollegs Sankt Blasien im Schwarzwald: “Damit Schule nicht so wichtig ist” (S. 232 ff.). Die Antworten des Schulleiters lassen durchaus ungewohnte und wohltuend besonnene Töne innerhalb der gegenwärtigen, mitunter reichlich überhitzten Bildungsreformdebatte anklingen. So warnt er davor, die Schule nicht mit Erziehungserwartungen zu überfordern, für die gar nicht genügend pädaogisch geschultes Personal zur Verfügung steht: “Wenn es ständig heißt, Kinder sind unsere Zukunft, unsere Hoffnung, dann klingt doch in Klammern immer mit, dass sie auch unsere Enttäuschung, unsere Desillusionierung, unsere geplatzte Hoffnung sein werden. Es wird heute viel zu viel auf die junge Generation projeziert. Wer gute Erziehung leisten will, muss sich dagegen immer wieder einüben zu sagen, dass Kinder und Jugendliche um ihrer selbst willen begleitet und erzogen werden müssen - nicht weil sie unsere Zukunft sind.” (S. 234) Eltern rät er dann auch, die Schule ernst, aber nicht zu wichtig zu nehmen: “Schule [breitet sich] immer mehr im Alltag der Kinder aus, und deshalb wachsen die Erwartungen an Schule geradezu bedrohlich. Wer immer etwas von Jugendlichen will, ob Wirtschaft oder Werbung - alle gehen in die Schule. [...] Schule ist gesellschaftlich so wichtig geworden, dass wir als Schule zunehmend die Aufgabe haben, die Schülerinnen und Schüler zu schützen, indem wir ihnen Räume, Zeit und Ort geben für so etwas wie das Übernützlich. Wir wollen bilden, nicht ausbilden.” (S. 233) Bildungspolitisch spricht sich Siebner für eine Wahlfreiheit der Eltern und Schüler aus - und damit auch gegen die Ganztagesschule als Regelfall für alle Schüler in Deutschland.

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.


Herder Korrespondenz - Ausgabe 4/2008

Titel Herder KorrespondenzDie aktuelle Aprilausgabe der Herder Korrespondenz enthält zwei Bamberger Beiträge, die sozialethisch interessant sind:

Zum einen fragt Heinrich Bedford-Strohm, Direktor der im Januar 2008 an der Universität Bamberg neugeschaffenen Dietrich-Bonhoeffer-Forschungsstelle: “Wie eng ist die Verbindung zwischen Ekklesiologie und Ethik?” (S. 192 - 196). Seine Antwort entwickelt Bedford-Strohm in Auseinandersetzung mit “zwei prominenten ökumenisch relevanten Entwürfen der Sozialethik” (S. 196): Dabei handelt es sich zum einen um die Darstellung seiner Bamberger Kollegin, Marianne Heimbach-Steins, in dem von ihr herausgegebenen Lehrbuch “Christliche Sozialethik” (Regensburg 2004 f.), zum anderen um das Werk “Perspektiven ökumenischer Sozialethik” aus der Feder von Ingeborg Gabriel (katholisch), Ulrich Körtner (evangelisch) und Alexandros Papaderos (orthodox). Bedford-Strohm wendet sich gegen Positionen (z. B. Helge Wulsdorf, Wolfgang Thönissen), die jüngst noch einmal die fortbestehenden fundamentalen Differenzen zwischen katholischer und evangelischer Sozialethik betont haben, beispielsweise im Kirchenverständnis. Der Bamberger Sozialethiker plädiert hingegen für einen verstärkten gemeinsamen Lernprozess. Sein Fazit am Ende: “Ein Blick auf den Pluralismus in der katholischen Ethik und ihr Pochen auf den Sensus fidelium als Quelle der Verbindlichkeit auf der einen Seite und auf die neue Suche nach Verbindlichkeit in der evangelischen Ethik auf der anderen Seite zeigen, dass das wechselseitige Gespräch nicht nur längst begonnen hat, sondern auch schon reife Früchte getragen hat. [...] Es ist Zeit, die Sozialethik und die Ethik überhaupt konsequent als ökumenische Ethik zu begreifen. Der Pluralismus innerhalb der unterschiedlichen konfessionellen Traditionen gibt dazu schon jetzt genügend Ansatzpunkte.” (S. 196).

Zum anderen geht Andreas Lienkamp, Professor für theologisch-ethische Grundlagen Sozialer Arbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und Habilitand an der Universität Bamberg, unter dem Titel “Ansprüche noch nicht Gezeugter” der Frage nach, ob Generationengerechtigkeit als Staatsziel in das Grundgesetz aufgenommen werden sollte, damit die Rechte künftiger Menschen besser als gegenwärtig geschützt werden können (S. 204 - 208). Der Autor plädiert auf Basis seiner menschenrechtsethischen Überlegungen am Ende dafür, entsprechende Parlamentsinitiativen zu unterstützen und “so zum Abbau eines entscheidenden Strukturdefizits auch der deutschen Demokratie beizutragen” (S. 208). Sicherlich wäre es spannend, die genannte Frage auch noch einmal rechtsethisch und rechtssystematisch zu beleuchten.

Desweiteren findet sich in der genannten Ausgabe der Herder Korrespondenz ein Beitrag von Johannes Reiter zur Frage “Menschenwürde oder Forschungsfreiheit? Die Stammzellforschung bleibt umstritten” (S. 178 - 182). Die drei Akademiedirektoren Joachim Hake (Berlin), Stephan Loos (Hamburg) und Joachim Valentin (Frankfurt a. M.) machen sich Gedanken, über die “Aufgabe katholischer Akademien in säkularen Metropolen” (S. 182 - 187). Lesenswert schließlich noch ein Beitrag von Udo Schnieders zum Fundraising in deutschen Bistümern: “Mehr als kirchliches Spendenwesen” (S. 187 - 192).

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.


Veränderungen bei der Zeitschrift “Concilium”

CONCILIUM zieht nach Madras

Ein besonderes Signal in Zeiten der Globalisierung: Die internationale theologische Zeitschrift CONCILIUM, mitbegründet u. a. von Karl Rahner, Yves Congar und Edward Schillebeeckx, hat ihr Hauptquartier aus dem niederländischen Nimwegen nach Madras in Südindien verlegt.

„Das ist eine klare Botschaft auf dem Weg, den die Zeitschrift über Grenzen und Schranken hinweg zu­rückgelegt hat“, sagt Professor Felix Wilfred, der neu­gewählte Präsident der Zeitschrift. Christliche Theolo­gie entsteht heute nicht nur in den Zentren der Alten Welt, sondern überall, wo Menschen im Geiste Christi nach einem Leben in Solidarität mit den Armen und Stummgemachten suchen. Dementsprechend will CONCILIUM noch wesentlich mehr als bisher den Stimmen der ganzen Weltkirche Gehör verschaffen. „Es gibt immer mehr als nur eine Stimme“, sagen die CONCILIUM-Macher mit Blick auf alle Tendenzen zur Zentralisierung und Vereinheitlichung der katholischen Kirche. „Wer wissen will, worüber die christliche Theologie heute nachdenkt, sollte nicht nur nach Europa schauen“, fügt Elaine Wainwright, CONCILIUM-Mit­herausgeberin aus Neuseeland, hinzu.

CONCILIUM lädt deshalb Theologinnen und Theolo­gen in aller Welt zur Mitarbeit ein und hat – neben dem jeweiligen thematischen Schwerpunkt – in jedem Heft nun ein „Theologisches Forum“ eingerichtet, das etwas von den lebendigen christlichen Debatten in aller Welt widerspiegeln soll. So diskutieren im neuesten Heft Theologen aus Brasilien, den Philippinen und aus Deutschland darüber, was sich seit der Veröffentlichung der Enzyklika Humanae vitae vor 40 Jahren in puncto Familienplanung und Sexualität verändert hat.

Als Schwerpunktthema der ersten Ausgabe aus Madras packt CONCILIUM jedoch noch eine andere inner­kirchlich äußerst umstrittene Frage an: die christliche Sicht der Homosexualität – oder genauer gesagt: der Homosexualitäten. Anthropologische und historische Forschungen jüngerer Zeit zeigen, dass es „die Homo­sexualität“ gar nicht gibt, sondern nur durch Zeiten und Kulturen hindurch höchst unterschiedliche Ausprägun­gen von gleichgeschlechtlichem Verhalten unter allen Menschen – zwischen Chile und Samoa, Großbritannien und Südafrika. Wenn Theologie und Kirche diesen Be­fund ernst nehmen, wird dies bedeutsame Konsequen­zen für ihre Verkündigung haben.

aus dem Inhalt:

REGINA AMMICHT QUINN
„Wir“ und „die anderen“
NORBERT RECK
Gefährliches Verlangen. Die katholischen Diskurse über gleichgeschlechtliche Sexualität
JULIE CLAGUE
Europas moralische Werte: Kennzeichen oder Wunden der Zivilisation?
CHARLES P. RYAN
Homosexualität in Südafrika
NANCY CARDOSO PEREIRA
Der stille Krieg. Wie die Menschen in Lateinamerika sein können, was sie sein wollen
PHILIP CULBERTSON / TAVITA MALIKO
„Ein G-String-Tanga ist nicht samoanisch“. Erkundun­gen zu einer grenz-überschreitenden pazifischen Theo­logie des Dritten Geschlechts
ERIK BORGMAN
Un-Fixing Nature: Für die Wieder-Befreiung der Natur. Homosexualität und die Erneuerung des Naturrechts
DERYN GUEST
Begegnungen mit Tieren: Lesbische Bibelhermeneutik auf dem Weg
MARCELLA MARÍA ALTHAUS-REID
Queer-Theorie und Befreiungstheologie. Der Durch­bruch des sexuellen Subjekts in der Theologie
JAMES ALISON
Brief an einen jungen schwulen Katholiken

Bestellungen und Rezensionsexemplare unter vertrieb@gruenewaldverlag.de oder im Buchhandel


Ethica - Ausgabe 4/2007

Cover EthicaIn der letzten Ethica-Ausgabe des vergangenen Jahres stellt Hanspeter Schmitt, Inhaber des Lehrstuhls für Theologische Ethik an der Theologischen Hochschule in Chur, unter dem Titel „Gewissensbildung. Zur Soziogenese sittlicher Kompetenz“ (339-375) sein Modell der Entwicklung des Gewissens in pluralen Lebensvollzügen dar. Es geht ihm dabei „um die Beschreibung und Kultur eines gestaltungsfähigen Gewissens, das über die bloße Anpassung an schematisch festliegende Vorgaben und eine lediglich abschließende Beurteilung des Handelns hinauszugehen vermag“ (340). Zu diesem Zweck bestimmt er in Auseinandersetzung mit Kohlberg, Habermas, Freud und Schöpf die Ontogenese des Gewissens als Soziogenese, welche gekennzeichnet ist durch diverse interaktionale Prozesse, die die Grundlage dafür bilden, dass das „Gewissen einmal jene Interaktionskompetenz darstellt, die in der Lage ist, Pluralität zugunsten verantwortlichen Handelns zu gestalten“ (371). Grundlage eines solchen Handelns ist der „Drang, das eigene Leben gelingend zu entfalten“ (361) und entsprechende Interessen möglicher anderer Personen selbstreflexiv in das eigene Wollen und Tun zu integrieren. Abschließend werden schließlich die aufgrund dieser Annahmen nahe liegende Behauptung der sozialen Determiniertheit des Gewissens gegenüber einer dennoch anzunehmenden sittlichen Autonomie und Verantwortung zurückgewiesen sowie erste Folgerungen für eine Gewissenspädagogik gezogen.

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Herder Korrespondenz - Ausgabe 1/2008

Titel Herder Korrespondenz“Abschied von den ‘Heidelberger Thesen’?” - so fragt die Herder Korrespondenz in der ersten Ausgabe des neuen Jahres (S. 20 ff.). Thomas Hoppe, Professor für Katholische Sozialethik an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg, unternimmt eine kritische Lektüre der aktuellen Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Diese war Ende Oktober 2007 unter dem Titel “Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen” veröffentlicht worden.

Angesichts des Titels liegt es nahe, die evangelische Stellungnahme mit der friedensethischen Positionsbestimmung der Deutschen Bischofskonferenz “Gerechter Friede” aus dem Jahr 2000 zu vergleichen. Hoppe erkennt zwischen beiden Dokumenten dann auch durchaus Parallelen, auch wenn der genuin theologische Teil im evangelischen Papier deutlich geringer ausfällt als im seinerzeitigen Dokument der katholischen Bischöfe.

Übersichtlich wird dargestellt, wie sich die aktuelle Denkschrift gegenüber aktuellen Herausforderungen der Friedensethik positioniert; behandelt werden dabei folgende Themen: “Internationale Gerechtigkeit”, “Terrorismus”, “Weiterentwicklung internationaler Institutionen zur Friedenssicherung”, “Humanitär begründete Interventionen” sowie “Ethische Bewertung nuklearer Abschreckung”.

Die Drohung mit Nuklearwaffen - so das Fazit zum letztgenannten Thema - sei heute nicht mehr ein Mittel legitimer Selbstverteidigung. Der Verfasser erklärt am Ende seines Beitrags, dass eine Politik, die daraus auch tatsächlich Konsequenzen ziehe, weiterhin glaubwürdig eingefordert werden müsse. Sein Fazit daher am Schluss: “Dies erneut bekräftigt zu haben, ist ein nicht geringes Verdienst der neuen Friedensdenkschrift” (S. 25).

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.


Amos - Ausgabe 4/2007

Logo Zeitschrift AmosDas im November erschienene Heft 4/2007 versammelt Beiträge zum Schwerpunkt- thema “Internationale Finanzmärkte”. Das Konzept des Schwerpunktthemas stammt laut Impressum von Bernhard Emunds; das Editorial von Peter Klasvogt. Jürgen Kädtler untersucht zunächst den “Finanzmarktkapitalismus” (S. 3-9) und versteht diesen nicht als neue Epoche des Kapitalismus, sondern als ziemlich problembehaftetes Entwicklungsstadium unserer Wirtschaftsform. Luc Van Liedekerke und Peter-Jan Engelen versuchen eine ethische Beurteilung des “Insiderhandels mit Aktien” (S. 10-18). In dem Beitrag belegen sie die finanzmarkttheoretischen Schwächen rechtswissenschaftlicher und philosophischer Ansätze. Vor allem zeige sich am Insiderhandel der “Wert” von Informationen. Wenn man, so ihr Fazit, Insiderhandel für moralisch problematisch halte, und dafür gebe es gute Gründe, dann solle man auch die Vergütung von Managern mit Aktionsoptionspaketen für moralisch problematisch halten.

Mit dem Ziel einer Ethik der Internationalen Finanzmärkte schreibt Bernhard Emunds über “Gerechtigkeitsprobleme bei privaten Finanzströmen in Schwellen- und Transformationsländern” (S. 19-26). Dafür begreift er die “internationalen Finanzmärkte als einen inter-nationalen Kooperationszusammenhang” (S. 19) und fordert eine entwicklungsförderliche Gestaltung internationaler Finanzmärkte (S. 25f.). Christian Spieß beleuchtet (unterbrochen von der Mittelseite “Amos und Kunst”) unter dem Titel “Freiheit - Effizienz - Gerechtigkeit” Finanztransaktionen aus Sicht der Sozialenzykliken. Die römische Eigentumslehre eigne sich recht gut, so Spieß, “für eine ethische Bewertung von Transaktionen auf internationalen Finanzmärkten” (S. 27).

Ein wiederum interessantes Interview beschließt das Schwerpunktthema: Karin Kortmann, Parlamentarische Staatssekretärin im BMZ, antwortet auf Fragen zu dem Zusammenhang von Finanzmärkten und Entwicklungsfinanzierung.

Nach einer Vorstellung der Schuldenkrise am Beispiel von Sambia und den Berichten (unter anderem ein Bericht zum Forum Sozialethik 2006) folgen die Buchbesprechungen: Udo Lehmann bespricht einen wirtschaftsethischen Sammelband zum Thema der Sozialwirtschaft (”Vielfalt differenzierter Argumente”), Hans-Joachim Höhn teilt seine Einschätzung zu Matthias Sellmanns sozialethischer Dissertation “Religion und soziale Ordnung” mit (”souveräne Kenntnis”, “instruktiver Einblick”, “verdient es, [...] rezipiert und diskutiert zu werden”) und Peter Schallenberg lobt Heinrich Pompeys Kommentar zur Enzyklika Deus Caritas estZur Neuprofilierung der caritativen Diakonie der Kirche” (”rundum gelungen”, “eine Bereicherung”).

Das nächste Heft erscheint im Februar zum Thema Energie/Klimawandel.

Die Ausgaben der Zeitschrift “Amos - Gesellschaft gerecht gestalten” erscheint vierteljährlich im Aschendorff Verlag (Münster) und kostet im Jahresabonnement 49,80 Euro (ermäßigt 39,80 Euro). Informationen zum Bezug des Heftes hier.