Archive for the 'Wissenschaftsethik' Category

Neugründung

Am Samstag, 26. Juni 2010, wurde in Köln im Rahmen des Kongresses “Bildungsstandards auf dem Prüfstand” die neue GESELLSCHAFT FÜR BILDUNG UND WISSEN gegründet. Die neue  Gesellschaft versteht sich nicht als Partei, wohl aber als ein Zusammenschluss von Verantwortlichen aus unterschiedlichen Bereichen des Bildungswesens, der bewusst die “offensive politische Kommunikation mit gesellschaftlichen Gruppen und der (Medien-) Öffentlichkeit” sucht. “Die Aktivitäten”, so schreibt die neue Gesellschaft in ihrer Selbstdarstellung, “leben von der Leidenschaft am argumentativen Streit um die gemeinsame Sache von Bildung und Wissen”.

Kontakt und weitere Informationen:

Gesellschaft für Bildung und Wissen e. V.

Goethe-Universität Frankfurt am Main

Sophienstraße 1 - 3

D-60487 Frankfurt am Main

Tel. (0 69) 7 98-2 81 50

Fax (0 69) 7 98-2 27 78

E-Mail: info@bildung-wissen.eu

Internet: www.bildung-wissen.eu


Ethik in der Wissenschaft?

Das Titelthema der neuen Ausgabe (5/2010) von “Forschung und Lehre”, der Zeitschrift des Deutschen Hochschulverbandes, ist sozialethisch besonders interessant: Ethik in der Wissenschaft?

Das Fragezeichen auf dem Titelblatt fällt besonders auf. Beim Lesen fällt dann auf, vor welchen politischen Zielkonflikten die Wissenschaft gegenwärtig steht: So beklagt beispielsweise Bernhard Kempen, der Präsident des Verbandes, in seinem Beitrag die mangelnde sittliche Verantwortlichkeit der akademisch Lehrenden und die zu geringe ethische Verantwortung der Universitäten, die sich nur noch auf die Vermittlung von “Berufsfähigkeit” konzentrieren, ihre Absolventen aber nicht mehr zu einer akademischen Haltung hinführen wollen. Die beiden Beiträge von Hans-Hellmut Nagel und Michael Zürn im weiteren Verlauf des Heftes gehen davon aus, dass in der sogenannten “Wissensgesellschaft” ein enormer Druck bestehe, immer mehr jungen Menschen “eine Ausbildung zu vermitteln, die ihren Einsatz in modern geführten Betrieben erlaubt” und deutlich mehr Glieder eines Jahrgangs akademisch “auszubilden”. Dies ist eine politische Entscheidung - läuft aber den kritischen Anfragen, die Kempen an die heutigen Universitäten richtet, zuwider. Die wissenschaftlich Handelnden werden vor diesem Zielkonflikt nicht mehr lange die Augen verschließen können. Praktisch ist er schon heute wirksam - mit der Folge, dass die Wissenschaft nur noch Getriebene der Politik ist.

Ethik in der Wissenschaft? - Die Christliche Sozialethik sollte sich an dieser wissenschaftsethischen Debatte engagiert beteiligen.

Die Zeitschrift “Forschung und Lehre” kostet für Nichtmitglieder im Abonnement 70 Euro zuzüglich Porto. Weitere Informationen: www.forschung-und-lehre.de.


Bildungsstandards auf dem Prüfstand

2005 erhoben zahlreiche Erziehungswissenschaftler und Pädagogen Einspruch gegen die zunehmende Ökonomisierung und technokratische Umsteuerung des Bildungswesens. Jetzt sollen diese sogenannten “Frankfurter Einsprüche”, veröffentlicht als Sonderheft der Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik, ihre Fortsetzung finden.

Auf einer Tagung am 26. Juni 2010 (10 bis 18 Uhr) an der Universität zu Köln (Aula 2 im Hauptgebäude, Albertus-Magnus-Platz, 50931 Köln) sollen die seit 2003 entwickelten “nationalen Bildungsstandards” auf den Prüfstand gestellt werden. Der Untertitel der Tagung spricht eine deutliche Sprache: “Der Bluff der Kompetenzorientierung”. In der Tagungsankündigung schreiben die Veranstalter: Keiner der Initiatoren dieser Bildungsstandards “kann mehr als nur allgemeine, triviale oder abstrakte Aussagen zu Kompetenzmodellen machen. Wo darüber hinaus mehr versprochen wird, zeigt eine kritische Analyse der Modellierungen schnell die Inkonsistenz der Konstruktionen. [...] Unbeeindruckt von frühen kritischen Stellungnahmen und substanzieller Argumentation in der Sache setzt die Bildungspolitik auf diese Konzeption. Die offensichtlichen Schwierigkeiten der Operationalisierung nimmt man nicht zur Kenntnis; alternative Vorstellungen zur Verbesserung der Wirksamkeit schulischen Lernens werden ignoriert. Zudem droht die Vielfalt der methodischen Zugänge und thematischen Schwerpunkte nach dem Modell der empirischen Bildungsforschung homogenisiert zu werden. ‘Qualitätsmanagement’ in Form von Vorgaben, Zielvereinbarungen und flächendeckender Lernstandserhebungen sollen zu besseren Lernergebnissen führen. Auf originär pädagogische Elemente scheint man dabei weitgehend verzichten zu können. Gleichzeitig werden Millionen weiterer Mittel in einen Verbund von Bildungsforschungsinstituten gepumpt, aus deren Feder die technokratische Umstellung des Bildungssystems stammt und deren Versprechen auf Optimierungseffekte und Qualitätsentwicklung längst zweifelhaft geworden sind.”

Die genannten Entwicklungen - z. B. Technokratisierung des Bildungswesens, Fehlsteuerungseffekte, zweifelhafter Umgang mit begrenzten Ressourcen - sind bildungsethisch keineswegs neutral oder irrelevant - zumal für eine christliche Sozialethik der Bildung, die sich dem Prinzip der Personalität verpflichtet weiß.

Die Tagung wird veranstaltet von Professor Dr. Andreas Gruschka (Erziehungswissenschaften, Universität Frankfurt a. M.), Professor Dr. Volker Ladenthin (Bildungswissenschaft, Universität Bonn), Professor Dr. Hans Peter Klein (Didaktik der Biowissenschaften, Universität Frankfurt a. M.) sowie Dr. Matthias Burchardt (Allgemeine Pädagogik, Universität Köln). Weitere Referenten sind Professor Dr. Roland Reichenbach (Pädagogik, Universität Basel/Schweiz), Professor Dr. Johannes Bellmann (Erziehungswissenschaften, Universität Münster), Professor Dr. Rainer Dollase (Psychologie, Universität Bielefeld), Professor Dr. Ursula Frost (Allgemeine Pädagogik, Universität Köln), Professor Dr. Lutz Koch (Allgemeine Pädagogik, Universität Bayreuth) und Professor Dr. Frank-Olaf Radtke (Erziehungswissenschaften, Universität Frankfurt a. M.).

Das genaue Programm findet sich unter folgendem Link:

http://www.dphv.de/fileadmin/user_upload/veranstaltungen/Tagungen/flyer_Tagung_koeln_Bildungsstandards.pdf

Im Anschluss an die Tagung findet um 18.00 Uhr die Gründungssitzung der Gesellschaft für Pädagogische Bildung statt.


Neue bildungspolitische Publikationsreihe

Das Gymnasium steht bildungspolitisch immer stärker unter Druck, wie die koaltionspolitischen Entwicklungen an der Saar aktuell einmal mehr zeigen. Eine unkritische Sicht auf das skandinavische Bildungssystem oder eine einseitige Rezeption der PISA-Studien haben in der aktuellen Bildungsdebatte inzwischen deutliche Spuren hinterlassen.

In dieser Situation startet eine neue Publikationsreihe, die den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Dialog über diese tradtionsreiche und erfolreiche Schulform vertiefen will: “Gymnasium - Bildung - Gesellschaft“. Die Reihe wird in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Philologenverband (DPhV)  herausgegeben von Susanne Lin-Klitzing, Schulpädagogin in Marburg a. d. L., David Di Fuccia, Fachdidaktiker sowie Wissenschaftlicher Angestellter an der Technischen Universität Dortmund, und Gerhard Müller-Frerich, Schulleiter eines Gymnasiums in Nordrhein-Westfalen. Die Reihe dokumentiert die jährlichen Sitzungen des Wissenschaftlichen Beirats des Verbandes.

Der Auftaktband beschäftigt sich unter den Stichworten “Fördern und Fordern” mit schulischer Begabungsförderung. Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, umschreibt diese Aufgabe folgendermaßen: “Nicht die Reduktion auf die PISA-taugliche, weil dort getestete Kompetenzbereiche ist gefragt, auch nicht die Verengung auf eine Förderung, die einseitig an verwertbaren, wirtschaftlichen Standortfaktoren orientiert ist, sondern die konsequente Ausrichtung auf die breite Palette vielfältigster Begabungsprofile, welche leistungsbereite junge Menschen an unseren Gymnasien mitbringen und die häufig erst entdeckt und bewusst gemacht werden müssen” (S. 161).

Für eine Schwächung, Kürzung oder Abschaffung des Gymnasiums, der bildungspolitisch wie bildungsethisch gegenwärtig viele das Wort reden, spricht dies nicht - im Gegenteil. Das Gymnasium bleibt unverzichtbar, wenn das Bildungswesen vielfältigen Begabungen gerecht werden will. Optimale Begabungsförderung verlangt nicht nach schulstrukturellen Einheitslösungen, sondern nach einem pluralen und durchlässigen Bildungssystem, das die pädagogische Wahlfreiheit der Lernenden und ihrer Eltern achtet.

Die PISA-Studien üben gegenwärtig eine gewaltige Anziehungskraft aus. Doch aus diesen allzu voreilig einfache Schlussfolgerungen abzuleiten, wird einer verantwortlichen sozialethischen Urteilsbildung nicht gerecht. Eine Bildungsethik, welche die aktuelle Schulstrukturdebatte ausgewogen und in ihrer ganzen Breite wahrnehmen will, wird an der neuen Reihe nicht vorbeigehen dürfen.

Susanne Lin-Klitzing, David Di Fuccia, Gerhard Müller-Frerich (Hgg.): Begabte in der Schule - Fördern und Fordern. Beiträge aus neurobiologischer, pädagogischer und psychologischer Sicht (Gymnasium - Bildung - Gesellschaft), Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt 2009, 168 Seiten.

Die Beiträge des Bandes stammen von Winfried Böhm (Würzburg), David-Samuel Di Fuccia (Dortmund), Kurt A. Heller (München), Gerald Hüther (Göttingen), Susanne Lin-Klitzing (Marburg a. d. L.), Heinz-Peter Meidinger (Berlin), Gerhard Müller-Frerich (Iserlohn), Richard Olechowski (Wien), Detlef H. Rost (Marburg a. d. L.), Claudia Solzbacher (Osnabrück), Jörn R. Sparfeldt (Trier), Manfred Spitzer (Ulm) und Albert Ziegler (Ulm).


Stelle in Aachen zur Sterbehilfe

Für das am Institut für Katholische Theologie der Hochschule Aachen (Prof. Lüke) durchgeführte  Forschungsprojekt „Herausforderung Sterbehilfe. Theoretische und praktische Studienhilfen zum Thema Selbstbestimmtes Sterben” ist eine 75%-Stelle ausgeschrieben. Nähere Informationen hier.


Ethik in den Wissenschaften -Wie geht das?

Die Frühjahrsakademie des Ethik-Netzwerks Baden-Württemberg bietet den Teilnehmenden ein Forum, eigene Forschungsprojekte zur Ethik in einem wissenschaftlichen Bereich vorzustellen und ein Feedback über deren Inhalte, Methoden und Organisationsform zu erhalten. Zugleich sollen Themen von allgemeiner Bedeutung gemeinsam diskutiert werden.

Die Veranstaltung richtet sich an fortgeschrittene Studierende, DoktorandInnen und Post-DoktorandInnen aller Disziplinen, in deren Forschungskontext ethische Fragen aufgeworfen werden. Sie sind eingeladen, sich einige Tage intensiv miteinander über diese Fragen auszutauschen.

Interessierte bewerben sich

  • mit einem Abstract (ca. eine Seite) eines möglichen Beitrags zum Thema der Veranstaltung und
  • einem kurzen Curriculum Vitae (Schwerpunkt: Studien- bzw. Forschungsinteressen).

Einsendeschluss: 20. Januar 2009, per E-Mail an:izew.ethik-netzwerk@uni-tuebingen.de.

Nähere Informationen hier.