2005 erhoben zahlreiche Erziehungswissenschaftler und Pädagogen Einspruch gegen die zunehmende Ökonomisierung und technokratische Umsteuerung des Bildungswesens. Jetzt sollen diese sogenannten “Frankfurter Einsprüche”, veröffentlicht als Sonderheft der Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik, ihre Fortsetzung finden.
Auf einer Tagung am 26. Juni 2010 (10 bis 18 Uhr) an der Universität zu Köln (Aula 2 im Hauptgebäude, Albertus-Magnus-Platz, 50931 Köln) sollen die seit 2003 entwickelten “nationalen Bildungsstandards” auf den Prüfstand gestellt werden. Der Untertitel der Tagung spricht eine deutliche Sprache: “Der Bluff der Kompetenzorientierung”. In der Tagungsankündigung schreiben die Veranstalter: Keiner der Initiatoren dieser Bildungsstandards “kann mehr als nur allgemeine, triviale oder abstrakte Aussagen zu Kompetenzmodellen machen. Wo darüber hinaus mehr versprochen wird, zeigt eine kritische Analyse der Modellierungen schnell die Inkonsistenz der Konstruktionen. [...] Unbeeindruckt von frühen kritischen Stellungnahmen und substanzieller Argumentation in der Sache setzt die Bildungspolitik auf diese Konzeption. Die offensichtlichen Schwierigkeiten der Operationalisierung nimmt man nicht zur Kenntnis; alternative Vorstellungen zur Verbesserung der Wirksamkeit schulischen Lernens werden ignoriert. Zudem droht die Vielfalt der methodischen Zugänge und thematischen Schwerpunkte nach dem Modell der empirischen Bildungsforschung homogenisiert zu werden. ‘Qualitätsmanagement’ in Form von Vorgaben, Zielvereinbarungen und flächendeckender Lernstandserhebungen sollen zu besseren Lernergebnissen führen. Auf originär pädagogische Elemente scheint man dabei weitgehend verzichten zu können. Gleichzeitig werden Millionen weiterer Mittel in einen Verbund von Bildungsforschungsinstituten gepumpt, aus deren Feder die technokratische Umstellung des Bildungssystems stammt und deren Versprechen auf Optimierungseffekte und Qualitätsentwicklung längst zweifelhaft geworden sind.”
Die genannten Entwicklungen - z. B. Technokratisierung des Bildungswesens, Fehlsteuerungseffekte, zweifelhafter Umgang mit begrenzten Ressourcen - sind bildungsethisch keineswegs neutral oder irrelevant - zumal für eine christliche Sozialethik der Bildung, die sich dem Prinzip der Personalität verpflichtet weiß.
Die Tagung wird veranstaltet von Professor Dr. Andreas Gruschka (Erziehungswissenschaften, Universität Frankfurt a. M.), Professor Dr. Volker Ladenthin (Bildungswissenschaft, Universität Bonn), Professor Dr. Hans Peter Klein (Didaktik der Biowissenschaften, Universität Frankfurt a. M.) sowie Dr. Matthias Burchardt (Allgemeine Pädagogik, Universität Köln). Weitere Referenten sind Professor Dr. Roland Reichenbach (Pädagogik, Universität Basel/Schweiz), Professor Dr. Johannes Bellmann (Erziehungswissenschaften, Universität Münster), Professor Dr. Rainer Dollase (Psychologie, Universität Bielefeld), Professor Dr. Ursula Frost (Allgemeine Pädagogik, Universität Köln), Professor Dr. Lutz Koch (Allgemeine Pädagogik, Universität Bayreuth) und Professor Dr. Frank-Olaf Radtke (Erziehungswissenschaften, Universität Frankfurt a. M.).
Das genaue Programm findet sich unter folgendem Link:
http://www.dphv.de/fileadmin/user_upload/veranstaltungen/Tagungen/flyer_Tagung_koeln_Bildungsstandards.pdf
Im Anschluss an die Tagung findet um 18.00 Uhr die Gründungssitzung der Gesellschaft für Pädagogische Bildung statt.
[Zitationsangaben für diesen Beitrag:]
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Bitte wie folgt zitieren:
Kunze, Axel Bernd (2010): Bildungsstandards auf dem Prüfstand. In: Forum Sozialethik [Weblog], 29 Apr. 2010. Online-Publikation: http://www.forumsozialethik.de/2010/04/29/bildungsstandards-auf-dem-prufstand/. Abrufdatum: September 3, 2010
Alternativ die APA citation:
Kunze, Axel Bernd. (2010). Bildungsstandards auf dem Prüfstand. Retrieved September 3, 2010, from Forum Sozialethik Web site: http://www.forumsozialethik.de/2010/04/29/bildungsstandards-auf-dem-prufstand/
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