Archive for the 'Religion und Gesellschaft' Category

Universalität der Menschenrechte: Tagung in Tübingen

Menschenrechte

Unter dem Titel “Die Universalität der Menschenrechte und ihre Legitimierung in Christentum und Islam” findet vom 26.-28. Januar 2017 eine interdisziplinäre Tagung an der Universität Tübingen statt. Erörtert werden sollen unter anderem folgende Fragen:

Müssen die Menschenrechte im Rückgriff auf das Wesen des Menschen begründet und formuliert werden? Lässt sich das Wesen des Menschen unabhängig von seiner kulturellen Selbstverständigung und Selbstgestaltung aufweisen? Falls nein, wie lässt sich dann der universale Geltungsanspruch der Menschenrechte verteidigen, ohne kulturelle Differenzen zu nivellieren?

Die Tagung ist offen für Beiträge aus theologischen, philosophischen, sozialwissenschaftlichen und juristischen Perspektiven. Sie wird ausgerichtet vom Forum Scientiarum der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit dem Weltethos-Institut und der Stiftung Weltethos ausgerichtet. Weitere Informationen finden sich im (bis zum 30. November 2016 geöffneten) Call for Papers.

Kirchen und Rechtspopulismus: Fachgespräch in Berlin

Die Deutsche Kommission Justitia et Pax lädt ein zum Fachgespräch “Der Herausforderung begegnen: Rechtspopulismus und christliche Kirchen in Deutschland“.

Das Fachgespräch ist die Auftaktveranstaltung einer Reihe, die von der AdHoc-Arbeitsgruppe Rechtsextremismus der bischöflichen Fachkommission Justitia et Pax organisiert und verantwortet wird. Den in der AG mitarbeitenden Institutionen geht es in diesem Fachgespräch darum, Hintergrundinformationen zu Rechtspopulismus, neurechten Bewegungen und Akteuren und deren Anknüpfungspunkte zu kirchlichen Traditionsbeständen und Akteuren offen zu legen und Impulse für eine gelingende Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus im kirchlichen Raum zu geben.

Referenten sind unter anderem SPD-Generalsekretärin Katarina Barley, der Leiter des Berliner Katholischen Büros Karl Jüsten und der Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer. Die Veranstaltung findet statt am 16. Dezember 2016 in der Katholischen Akademie Berlin. Nähere Angaben finden sich im Tagesprogramm.

CfP Salzburg Conference in Interdisciplinary Poverty Research

Der Centre for Ethics and Poverty Research an der Universität Salzburg veranstaltet am 21./22. September 2017 eine Konferenz mit dem Schwerpunktthema “Religion and Poverty”.

Hierzu wurde nun ein Call for Papers veröffentlicht, der evtl. auch für Sozialethiker und Sozialethikerinnen interessant sein könnte. Einsendeschluss ist der 31. März 2017. Nähere Informationen zur Tagung auf der Tagungshomepage.

Stellenausschreibung: Referent_in am Jakobushaus Goslar

An der Akademie des Bistums Hildesheim, dem Jakobushaus in Goslar, ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle einer Referentin/eines Referenten mit dem Schwerpunkt Theologie neu zu besetzen. Zu den Aufgaben gehören unter anderem “die Gestaltung und Weiterentwicklung  […] des Schwerpunktes in Abstimmung mit der Akademieleitung sowie die eigenverantwortliche Planung, Durchführung und Evaluation von akademischen Tagungen und Bildungsveranstaltungen – auch in neuen Formaten”.

Die Ausschreibung richtet sich an studierte, vorzugsweise promovierte Theologinnen und Theologen mit Erfahrungen in Erwachsenenbildung und Tagungsmanagement sowie idealerweise in Öffentlichkeitsarbeit und Drittmitteleinwerbung. Bewerbungsschluss ist der 30.09.2016. Ausführliche Informationen finden sich online in der Stellenausschreibung.

Update: Die Stelle ist erneut ausgeschrieben – Bewerbungsschluss ist der 04.01.2017. Ausführliche Informationen finden sich in der aktualisierten Stellenbeschreibung

Tagung: Religions go green – Natur und Umwelt in den Religionen

Vom 7. bis 9. Oktober 2016 veranstaltet die Katholische Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart eine Tagung zu Natur und Umwelt in den Religionen.

Der Einsatz für Belange der Natur ist ein gemeinsames Anliegen der Religionen. Aufgrund ihrer jeweiligen Traditionen, Schriften, Lehren und Moralvorstellungen haben diese je besondere Perspektiven und Motivationen. Mit philosophischen und politischen Ansätzen haben diese vielfach Berührungspunkte, aber auch spezifische Eigenheiten und können nicht zuletzt in besonderem Maße den kritischen Blick für mögliche Einseitigkeiten schärfen und zu einem Einsatz motivieren, der über theoretische Begründungen hinausreicht. Die Tagung wird die unterschiedlichen religiösen Hintergründe sondieren im Blick auf Ansätze für heutiges Umwelthandeln, auch in gemeinsamer Perspektive etwa im Sinne eines “ökologischen Weltethos”.

Einbezogen sind zum einen Experten aus unterschiedlichen Disziplinen, welche die globale Agenda ebenso bearbeiten wie die spezifischen Herausforderungen im europäischen und deutschen Kontext. Zum anderen treten wir ins Gespräch mit Vertretern religiös motivierter Umweltbewegungen, wie sie zuletzt entstanden sind mit “Jews go green” oder der Organisation “HIMA e.V.”, die für eine neue Bewegung des Einsatzes für Umwelt und Naturschutz aus jüdischer bzw. islamischer Perspektive stehen.

Das detaillierte Tagungsprogramm sowie nähere Informationen finden sich hier.

Die EU nach dem Brexit: Ein sozialethischer Diskussionsbeitrag

Im Weblog der AG Christliche Sozialethik ist Ende Juli ein Beitrag von Joachim Wiemeyer zum Zustand und den Perspektiven der Europäischen Union nach dem Brexit erschienen. Darin befasst sich der Autor neben politischen und ökonomischen Aspekten der gegenwärtigen Lage unter anderem auch mit den europabezogenen Haltungen und Wertvorstellungen katholischer Ortskirchen. Sein Urteil fällt vergleichsweise skeptisch aus:

Nicht erst die unterschiedlichen Haltungen deutscher und französischer Bischöfe im Gottesbezug des Lissaboner Vertrages, die tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten jüngst in der Flüchtlingskrise oder die durch massive Unterstützung von Bischöfen, Klerus usw. ins Amt gehobene neue polnische Regierung oder die Unterstützung Orbans durch ungarische Bischöfe machen deutlich, dass es keine katholische Haltung zu Europa gibt. […] Ebenso fehlen eine kommunikative Vernetzung und ein wissenschaftlicher Austausch zwischen katholischen Ethikern der einzelnen EU-Länder, soweit es überhaupt Christliche Sozialethik als eigene Disziplin in anderen Ländern gibt.
Angesichts der tiefgreifenden Divergenzen selbst unter den europäischen Katholiken plädiert Wiemeyer dafür, Europa “wieder von einem geschichtsphilosophisch überhöhten Projekt auf die Realität” zurückzuholen. Rückmeldungen und weitere Diskussionsbeiträge sind durch die AG CSE ausdrücklich erwünscht.

Tagung: “Flucht, Religion und Integration – Interreligiöse Impulse”

Das Jakobushaus in Goslar, die Akademie des Bistums Hildesheim lädt am 15./16. Oktober 2016 zu einer  Tagung “Flucht, Religion und Integration – Interreligiöse Impulse” ein.

Ziel dieser Tagung ist es, den Zusammenhang Flucht – Religion – Integration genauer zu beleuchten und auch zu hinterfragen, ob Religion darin tatsächlich eine relevante Größe ist, oder ob nicht noch andere Faktoren (politische, kulturelle, wirtschaftliche o.ä.) eine bedeutende Rolle spielen. Zu diesem Thema diskutieren Wissenschaftler_innen aus unterschiedlichen Bereichen – Theologie, Religionswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Islamwissenschaft, Sozialwissenschaft etc. Gleichzeitig erfolgt eine Rückschau auf die Flüchtlingshilfe der vergangenen Jahre durch Berichte aus der Praxis: Wie sichtbar (und wichtig) ist Religion bei der Flüchtlingshilfe in Moscheevereinen und kirchlichen Einrichtungen? Und was kann interreligiöser Austausch bei der Integration der Geflüchteten leisten?

Referent_innen sind u. a.  Prof. Dr. Micha Brumlik (Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main und Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg), Dr. Hans-Jürgen Marcus (Diözesan-Caritasdirektor Hildesheim), Prof. Dr. Alexander-Kenneth Nagel (Georg-August-Universität Göttingen), Pater Frido Pflüger SJ (Direktor Jesuiten-Flüchtlingsdienst, Berlin), Prof. Dr. Riem Spielhaus (Georg-August-Universität Göttingen und Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung, Braunschweig) sowie Vertreter_innen der Flüchtlings- und Integrationshilfe der Stadt Goslar.

Mehr Informationen sowie das Programm befinden sich auf der Tagungshomepage.

Einladung Forum Sozialethik 2016

Vom 05.-07. September findet 2016 die Jahrestagung des Forum Sozialethik statt. Das Thema könnte aktueller kaum sein: “Flucht – Zuwanderung – Integration. Multidisziplinäre und normative Vergewisserungen zu Herausforderungen der Migration”.

Etwa eine Millionen Menschen haben allein im letzten Jahr Zuflucht in Deutschland gesucht. Klatschende Bürger/innen, die die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen haben, wurden zum Symbol einer neuen deutschen Willkommenskultur. Monate später ist das Engagement der Freiwilligen ungebrochen – nicht nur in Deutschland –, doch es bilden sich auch nationalistische Gegenbewegungen.

Die gegenwärtigen Ereignisse stellen uns deshalb vor die Aufgabe, im gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs, Antworten auf höchst komplexe Fragen rund um die „Herausforderungen der Migration“ zu finden. Nicht zuletzt müssen normative Begründungen für konstruktive Lösungen auch die Akzeptanz einer Gesellschaft gewinnen, denn Deutschland und die EU-Mitgliedsstaaten ringen bis heute um langfristige und tragfähige Ansätze zur Aufnahme und Verteilung derjenigen Flüchtlinge, die Europa erreichen.

Das Forum Sozialethik 2016 möchte ein Beitrag zu diesen – nicht nur ethisch bedeutsamen – Diskursen sein. Angefangen bei der Frage „Grenzen setzen oder öffnen?“ beleuchten wir diesen Themenkomplex aus der „Perspektive Integration“. Dabei setzen wir uns mit der Rolle von „Identität und Religion“ auseinander und suchen nicht zuletzt Antworten hinsichtlich der „Vorbeugung von Fluchtursachen“.

Dazu laden das Vorbereitungsteam und die KOMMENDE Dortmund herzlich ein. Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung finden sich auf der Tagungswebsite.

Tagungsbericht: „Der philosophische Pragmatismus in der Bewährung“

(von Ana Honnacker)

Am 3. und 4. Juni 2016 lud das Rottendorf-Projekt an der Hochschule für Philosophie München zu seinem jährlich stattfindenden Symposion ein. Ziel der Veranstaltung unter Leitung von Prof. Dr. Alexander Filipović war es, die philosophische Tradition des Pragmatismus auf dessen Potentiale für die Bearbeitung „gesellschaftliche[r] Konflikte zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ (so der Untertitel der Konferenz) hin zu befragen.

Dabei wurde ein weiter thematischer wie disziplinärer Bogen geschlagen, der die Bandbreite der möglichen Anknüpfungspunkte pragmatistischen Denkens aufzeigte, diese zugleich aber immer auch wieder auf ihr Gemeinsames zusammenführte. Dieser rote Faden wurde gelegt mit dem Vortrag von Prof. Andrea Esser (Philosophie, Universität Jena), der, v.a. ausgehend von C.S. Peirce, die grundlegende Denkdynamik des philosophischen Pragmatismus nachzeichnete. Esser stellte insbesondere das kritische Potential, das aus der Hinwendung zum Primat der Praxis entsteht, in den Vordergrund. Die pragmatistische Einsicht in die Fallibilität von Zeichenzusammenhängen und (Selbst-)Deutungen transformiere die Suche nach Wahrheit in eine gemeinsame Bemühung um gesicherte Überzeugungen, ein genuin öffentliches Wissen, das in produktiven Forschungszusammenhängen erreicht und immer wieder neu geprüft wird.

Dr. Mara-Daria Cojocaru (Philosophie, Hochschule für Philosophie München) nahm in ihrem Vortrag die Frage nach den Idealen im Pragmatismus auf. Das formale Ideal des Wachstums, sei es als Zunahme konkreter Vernünftigkeit (Peirce) oder von Selbstverwirklichung (Dewey), führe zur globalen Solidarität. Das „Prinzip gelebten Zweifels“ diene dabei als affektiver Antrieb. Ob allerdings mit Rorty die (Sprach-)Gemeinschaft gegenüber der Erkenntnis Vorrang habe, oder – mit Peirce – umgekehrt, und mit welchem Zugang die Hoffnung auf globale Solidarität stärker zu untermauern sei, bliebe noch zu diskutieren.

Eine deutlich kritische Perspektive auf das Konzept des homo oeconomicus brachte Dr. Andreas Gösele SJ (Sozialethik, Hochschule für Philosophie München) ein. Mit Dewey zeigte Gösele, das diese anthropologische Annahme, gleichwohl weit über die Wirtschaftswissenschaften hinaus wirksam, einem pragmatistischen „Realitätscheck“ nicht standhalten kann. Allein der Theorieansatz, aus einem fixierten und vermeintlich „natürlichen“ Menschenbild allgemeingültige Gesetze über menschliches Handeln abzuleiten, könne als verfehlt betrachtet werden. Dem entgegenzusetzen und zu entwickeln sei vielmehr das alternative Bild des homo democraticus.

Der Vortrag von Prof. Dr. Michael Reder (Philosophie, Hochschule für Philosophie München) brachte die Traditionen des Pragmatismus und des Poststrukturalismus zusammen, um eine angemessene Demokratietheorie zu entwerfen. Dabei hob er zunächst auf die Verkürzungen des prägenden Paradigmas des politischen Liberalismus ab: die Setzung des Sozialen als sekundär gegenüber den als frei aufgefassten Subjekten und die Fokussierung auf Recht und Gerechtigkeitsprinzipien, die auf rein deliberative Verfahren setzen. Unter Rückgriff auf den Pragmatismus könne das Wechselverhältnis von Individuum und Gesellschaft besser gefasst werden und Deliberation um die Komponente der reflexiven Verarbeitung von (disruptiven) Erfahrungen erweitert werden. Jedoch habe, so Reder, auch dieser Ansatz einen blinden Fleck. Der Pragmatismus übersehe nämlich die aporetische Struktur von Demokratie und sei nicht in der Lage, die Vermachtung des Sozialen zu erfassen. Reder plädierte dafür, dass diese Mängel durch eine alternative Heuristik sichtbar gemacht werden müssten, etwa durch Bezug auf Butler oder Foucault.

Dr. Benjamin Herborth (International Relations, University of Gronigen) stellte eine Kritik staatszentrierten Denkens im Anschluss an den „radikalen Demokraten“ Dewey vor, und forderte, vor dem Hintergrund der Globalisierungsdebatte über den Staat hinaus und damit in einem grundlegend anderen begrifflichen Rahmen zu denken. Herborth identifizierte den Begriff des Staates als regelrechte Denkblockade mit quasi-transzendentalem Status, der mit seiner absolutistischen Logik selbst bis in aktuelle transnationale Überlegungen hineinreiche. Als „schlechte Abstraktion“ verstelle er unsere Visionen für politische Lösungen in einer globalisierten Welt.

Auf seine Implikationen für die philosophische Ethik hin befragte Prof. Dr. Dr. h.c. Julian Nida-Rümelin (Philosophie, Universität München) den Pragmatismus. Dieser könne vor allem als ein Kontrapunkt zu rationalistischen Ethiken fungieren, die Gefahr liefen, die Quellen der Normativität versiegen zu lassen, indem sie sich rein auf logische Prinzipien beriefen. Moralische Überzeugungen ließen sich jedoch nicht strikt deduktiv-abstrakt gewinnen, sondern seien stets in lebensweltliche Kontexte eingebettet. Keineswegs sei damit jedoch einem Relativismus das Wort geredet, vielmehr diene das in der Praxis angelegte Ideal der inkludierenden Kohärenz zugleich als Kriterium der Beurteilung moralischer Situationen und als Antrieb zu moralischer Entwicklung.

Für ein Zusammendenken der beiden Wurzeln pragmatistischer Religionstheorie sprach sich schließlich Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joas (Religionssoziologie, HU Berlin) aus: die empirische Religionspsychologie von William James mit ihrem Abheben auf individuelle Erfahrung auf der einen Seite, Peirces Semiotik auf der anderen Seite. In Josiah Royces Ansatz sei zwar eine Theorie der Interpretation religiöser Erfahrung vorgelegt worden, die die hermeneutische Lücke zwischen der Erfahrung des Subjekts und der sozial-institutionell vermittelten Deutung zu schließen versuche. Jedoch, so Joas, habe Royce wiederum eine allzu versöhnliche Teleologie eingeführt, die den Sinn für das Tragische, die echten Verluste und Verlustträger der Geschichte, den zumindest James aufweist, verliere. Es gelte, aus den Quellen des Pragmatismus eine Religionstheorie zu schöpfen, die der prekären Situation des Menschen Rechnung trage.

Der Tagung ist es gelungen, den Pragmatismus und dessen Potentiale sowohl für Forschende anderer Denktraditionen zu erschließen und ihn als relevante und produktive Haltung vorzustellen, als auch den „innerpragmatistischen“ Diskurs zu vertiefen und weiter aufzufächern. Die zum Teil lebhaft geführten Diskussionen im Anschluss an die Vorträge und bis in die Pausen hinein können als Zeichen dafür gelesen werden, dass nicht nur die in Deutschlang lange zögerliche Rezeption des Pragmatismus noch weiter vorangetrieben werden muss, sondern auch der Selbstverständigungsprozess darüber, wie sich der Pragmatismus verortet und wohin er führt, noch am (verheißungsvollen) Anfang stehen.

Zum detaillierten Tagungsprogramm

Ana Honnacker, Dr. phil., wiss. Assistentin am Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

CfP: Religiöse Pluralisierung – gesellschaftliche Polarisierung – politische Desintegration

Die Deutsche Sektion der Europäischen Gesellschaft für katholische Theologie lädt vom 3.-5. November 2016 nach Stuttgart-Hohenheim zu einer Fachtagung mit dem Thema “Religiöse Pluralisierung – gesellschaftliche Polarisierung – politische Desintegration. Die Krise Europas als Herausforderung für die Theologie”.

Die europäischen Gesellschaften durchlaufen derzeit einen tiefgreifenden Wandel, der die Integration Europas selbst in Frage stellt: Im europäischen Haus zeigen sich tiefe Risse. Die Dramatik der Krisen erstreckt sich von den Anschlägen von Paris und Brüssel, der Finanzkrise und dem drohenden „Brexit “, über das Erstarken euroskeptischer und nationalistischer Strömungen, die Bedrohung durch den islamistischen Terror und den Anstieg islamophober Stereotypen, bis hin zur Flüchtlingskrise, zur globalen Migration und zur damit verbundene religiösen und kulturellen Pluralisierung. Die Debatten um die „Seele Europas“, um eine europäische Verfassung und um den Stellenwert des religiösen, kulturellen Erbes gerade mit Blick auf den Islam haben deutlich gemacht, dass mit der politischen auch die religiöse Dimension an Bedeutung gewinnt. Damit geht es um Themen, die in den Kernbereich theologischer Arbeit hineinreichen, die öffentliche Positionierung, theologische Aufklärung und interreligiösen Dialog fordern.

Die Tagung will einen neuen Diskurs um die Zukunft Europas und den Beitrag der Theologie(n) eröffnen. In diesem Rahmen richtet sich dieser Call for Papers ausdrücklich auch an den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Der ausführliche Call for Papers findet sich hier. Abstracts können bis zum 1. August 2016 eingeschickt werden.

CfP: Solidarity in Open Societies

Die Universität Freiburg und die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt veranstalten vom 18.-19.10.2016 eine gemeinsame Tagung “Solidarity in Open Societies” in der Katholischen Akademie München. Zur Erläuterung des Themas schreiben die Organisatoren Ursula Nothelle-Wildfeuer (Universität Freiburg) und Jörg Althammer (KU Eichstätt-Ingolstadt):

Solidarität ist ein zentrales Konzept der angewandten Ethik. […] Ungeachtet des hohen Stellenwertes […] sind Gehalt und normativer Status von Solidarität in der Theorie höchst umstritten.

Vor diesem Hintergrund soll die Konferenz den interdisziplinären Austausch zum Thema Solidarität vorantreiben. Als Keynote Speakers werden Thomas Pogge (Yale University), Vittorio Hösle (Notre Dame University) und Thomas Kohler (Boston College) teilnehmen. Darüber hinaus laden die Veranstalter dazu ein, Papers u. a. aus den Disziplinen Soziologie, Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaften, Philosophie und Theologie einzureichen. Ausdrücklich erwünscht sind Beiträge zum Themenfeld Solidarität und Migration.

Der Call for Contributions ist göffnet bis zum 15.05.2016. Nähere Informationen finden sich überdies auf der Tagungswebsite.

Stellenausschreibung: Geschäftsführer_in und Bildungsreferent_in bei pax christi

pax christi-Logo

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt für den Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi eine/einen Geschäftsführer/in und Bildungsreferenten/in, Schwerpunkt Friedensbildung (zusammen 100 %). Erwünscht sind unter anderem Erfahrungen in der Friedens-, Verbands- oder Bildungsarbeit sowie ein pädagogisches, theologisches oder sozialwissenschaftliches Studium.

Die Stelle ist befristet bis zum 31.12.2018; die Bewerbungsfrist endet am 13.03.2016. Dienstort ist Stuttgart. Alle relevanten Informationen und Kontaktangaben finden sich online und zum Download in der Stellenausschreibung.

KSI-Tagung “Globale Verantwortung 2030″ am 04.-05.03.2016

Was kann die Kirche zur nachhaltigen Entwicklung beitragen? Eine vom Katholisch-Sozialen Institut (KSI) und der Vereinigung Ordo socialis ausgerichtete Tagung widmet sich den 2015 beschlossenen Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen. Im Zuge dieses Nachfolgeprozesses für die sogenannten Millennium Development Goals (MDG) soll unter anderem die weltweite Armut halbiert werden. Inspiriert durch die Enzyklika “Laudato si’“, wollen die Veranstalter diese Neuausrichtung zum Anlass nehmen, “auch aus kirchlicher Perspektive Bilanz zu ziehen” und “aus Erfolgen und Defiziten für die Zukunft zu lernen.”

Als Referenten werden die Kardinäle Peter Turkson und Oscár Rodríguez Maradiaga, der Sozialethiker Prof. Dr. Markus Vogt und weitere Fachleute aus Kirche, Wissenschaft und Hilfsorganisationen an der Tagung teilnehmen. Veranstaltungsort ist das KSI in Bad Honnef, über das auch die Anmeldung läuft. Alle wichtigen Informationen finden sich auf der Tagungswebsite und im Veranstaltungsflyer.

Podiumsdiskussion “Wie viel Christentum braucht unser Land?”

“Wie viel Christentum braucht unser Land?” – Unter dieser Frage stand die Tagung des Arbeitskreises der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg und des Landeselternbeirates Baden-Württemberg, die vom 11. bis 12. Februar 2016 im Tagungszentrum Hohenheim der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart stattfand. Die zentrale Podiumsdiskussion, in der es um die Zukunft von Schule und Religionsunterricht ging, kann im Akademiekanal auf Youtube nachgehört werden: www.youtube.com/watch?v=CO-NmLZXFBg

Auf dem Podium saßen: Oberkirchenrat Werner Baur (Evangelische Landeskirche in Württemberg); Leitender Pastor Steffen Beck (International Christian Fellowship in Karlsruhe, Vorsitzender der Evangelischen Allianz Karlsruhe); Emina Corbo-Mesic (Lehrbeauftragte an der Pädaogischen Hochschule Ludwigsburg); Privatdozent Dr. Axel Bernd Kunze (Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Christlicher Sozialethiker); Dr. Carsten-Thomas Rees (Landeselternbeirat Baden-Württemberg); Dr. Michael Schmidt-Salomon (Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, freier Philosoph und Schriftsteller); Kurt Wolfgang Schatz (Arbeitskreis der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg); Ministerialrat Ernst Schüly (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg); Moderation: Dr. Stefan Meißner (Arbeitskreis der Religionslehrerverbände in Baden-Württemberg).

Mehr als ein Fall für die Caritas: Stellungnahme zur christlichen Flüchtlingsarbeit

(c) Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) | pixelio.de

Warum sollen Christinnen und Christen sich für Flüchtlinge engagieren? Wie soll dieses Engagement konkret aussehen? Und wie kann die Erfahrung der gegenwärtigen Flüchtlingskrise als „Zeichen der Zeit“ („Gaudium et spes“, Nr. 4) das theologische Denken, Schreiben, Reden und Handeln beeinflussen? Mit diesen Fragen hat sich die auf der Jahrestagung des Forum Sozialethik 2014 gebildete Arbeitsgruppe Friedensethik über mehrere Monate hinweg auseinandergesetzt. Aus den theologischen Reflexionen und praktischen Erfahrungen der AG-Teilnehmer ist ein Positionspapier entstanden, das jetzt als pdf-Datei zum Herunterladen, Nach- und Weiterlesen verfügbar ist.

[…] Zu den wichtigsten Orten einer „großherzigen Nächstenliebe“ („Evangelii gaudium“, Nr. 28) gehört daher die christliche Gemeinde […]. Wie für die individuelle Hilfe gibt es auch im Gemeindebereich bereits viele Vorbilder und inspirierende Beispiele, die zeigen, wie eine – gleich, wie „alte“ oder „junge“, „lebendige“ oder „verstaubte“ – Pfarrgemeinde das Leben der Menschen vor Ort mit dem der Ankommenden verbinden und dadurch neues Er-Leben schaffen kann, das alles andere als lebensfern und oberflächlich ist.

Solch „neues Leben“ zu fördern, ist über die pfarrliche und kommunale Ebene hinaus zudem eine Aufgabe der Bistümer und ihrer Regionen. Vielleicht mag oder kann nicht jeder moderne epískopos es seinen antiken Vorgängern gleich tun und Reisende, sprich Flüchtlinge, im eigenen Haus aufnehmen – aber eine „aktive Flüchtlingspolitik“ betreiben sollten Bischöfe und Bistümer durchaus. Dazu gehören unter anderem die Einrichtung eigener Projekte (einen Überblick mit weiterführenden Links bietet die Deutsche Bischofskonferenz) das Kirchenasyl, die öffentliche Stellungnahme gegen Fremdenhass (Beispiele stammen u. a. vom Berliner Bischof Koch und dem Lingener Pfarrer Brandebusemeyer), aber auch die Unterstützung und notfalls Ermahnung von Gemeinden […].