Archive for the 'Religion und Gesellschaft' Category

Zwischen Humanität und Wettbewerb

Wege aus der Ökonomisierung – … unter diesem Motto steht eine Hauptpodienreihe auf dem kommenden Zweiten Ökumenischen Kirchentag, der vom 12 bis 16. Mai 2010 in München stattfindet. Dabei sollen Visionen für die Gestaltung einer gerechten und humanen Gesellschaft entwickelt werden.  Geht es in den ersten zwei Tagen um die Gestaltung unseres Gesundheitssystems und das künftige Verhältnis der Generationen, steht am Samstag ein Thema im Vordergrund, das in keinem Wahlkampf der letzten Jahre fehlte: Bildung.

Deutschland steht unter Schock, genauer gesagt: unter dem PISA-Schock. Die erste PISA-Studie vor zehn Jahren hat das Thema Bildung ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt. Bildung wird als der „neue Rohstoff des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet – oder auch als „die neue soziale Frage“. An das Bildungssystem werden zahlreiche wirtschafts- wie sozialpolitische Hoffnungen gleichermaßen geknüpft.

Doch wohin soll die Reise gehen? Über die notwendigen bildungspolitischen Reformen besteht keineswegs Einigkeit. Nicht wenige fragen aber auch, seit Bildung zum politischen „Megathema“ geworden ist: Geht es bei all den Bildungsdebatten überhaupt noch um Bildung? Oder geht es nicht vielmehr darum, dass sich die Schule immer stärker den Anforderungen eines globalisierten Marktes anpasst? Die HARTZ-IV-Schule ist der Titel einer WDR-Dokumentation, mit der die Veranstaltung eröffnet werden soll. Der kurze Filmeinstieg soll exemplarisch zeigen, welchen Spannungen sich die Schule und die in ihr tätigen Lehrer heute gegenübersehen. Angesichts der gegenwärtigen Euro-Krise, deren Ausgang keiner von uns heute überblicken kann, hat die Frage nach dem Standort der Schule Zwischen Humanität und Wettbewerb eine ganz neue Brisanz gewonnen.

Die bildungspolitisch anregende, sicher kontroverse, hoffentlich aber ermutigende Diskussion steht unter Leitung von Maria von Welser, den meisten sicher bekannt als Gründerin des ZDF-Frauenmagazins Mona Lisa.

Es diskutieren miteinander Prof. Dr. Carl Jongebloed (Universität Kiel), Präsident Heinrich Traublinger, MdL a. D. (Handwerkskammer für München und Oberbayern), Staatsministerin Doris Ahnen (Rheinland-Pfalz), Prof. DDr. Thomas Sternberg, MdL (Zentralkomitee der deutschen Katholiken), Dipl.-Päd. Angelika Neubäcker (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft)  und  Quirin Weinzierl (Dekanatsjugendkammer München). Die Veranstaltung wird geleitet von Dr. Lukas Rölli-Alkemper (Forum Hochschule und Kirche), Dr. Lars Allolio-Näcke (Universität Erlangen-Nürnberg) und Dr. Axel Bernd Kunze (Universität Trier) sowie musikalisch umrahmt durch die Schülerband The Fraggllzz aus Hoya.

Das Podium mit dem Titel “Zwischen Humanität und Wettbewerb. Schule im Spannungsfeld einer ökonomisierten Gesellschaft” findet am Samstag, 15. Mai 2010, von 14 Uhr bis 15.30 Uhr in Halle C 2 auf dem Münchner Messegelände statt.


Der theologische Ort der Menschenrechte

Sünde oder Menschenrecht? - unter dieser Frage steht die diesjährige, sozialethisch orientierte Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Schwule Theologie e. V. (AG STh), die vom 15. bis 17. Oktober 2010 in der Akademie Waldschlösschen in Reinhausen (b. Göttingen) stattfindet.

Die 2007 veröffentlichten Yogyakartaprinzpien legen die Menschenrechte erstmals explizit in Bezug auf sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität aus. Das von internationalen Menschenrechtsvertretern in der gleichnamigen indonesischen Stadt erarbeitete Dokument hat eine breite Kontroverse ausgelöst, viele ablehnende Stimmen waren nicht zuletzt religiös motiviert. An diese Diskussion schließt die Tagung an und thematisiert - so der Untertitel - den Zusammenhang von “schwuler Emanzipation, Theologie und Menschenwürde”. Referenten sind u. a. Prof. Dr. Hans-Joachim Suhr (Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin) und Volker Beck (Hirschfeld-Eddy-Stiftung). Gefragt werden soll im Verlauf der Tagung beispielsweise nach dem theologischen Ort der Menschenrechte, nach dem Stellenwert von Menschenrechtsdiskursen in den Kirchen oder nach dem Zusammenhang von Naturrecht und Menschenrecht.

Weitere Informationen finden sich unter www.waldschloesschen.org (Veranstaltungsnummer: VA 612) oder www.westh.de. Der Tagungsbeitrag beträgt 135 Euro (Ermäßigung in bestimmten Fällen möglich).


Neuerscheinung zu Militärgesangbüchern

Die tödlichen Anschläge auf Bundeswehrsoldaten in Afghanistan haben jüngst erst wieder deutlich zu Bewusstsein gebracht, wie nah der Soldatenberuf mit existenziellen Fragen verbunden ist. Auch in einer weithin säkularisierten Gesellschaft spielt die Militärseelsorge daher bis heute eine wichtige Rolle.

An der Universität Bamberg ist eine literaturwissenschaftliche Dissertation entstanden, die auch für alle in der Sozialethik quellen- und mentalitätsgeschichtlich von Belang ist, die sich mit friedens- oder militärethischen Fragen beschäftigen. Andreas F. Wittenberg, bis 1999 Berufssoldat der Bundeswehr, zuletzt im Range eines Brigadegenerals, hat es unternommen, die deutschen Gesang- und Gebetbücher für Soldaten vom achtzehnten Jahrhundert bis in die Gegenwart umfassend zu sichten und gründlich auszuwerten. Wittenberg schließt damit eine wichtige Forschungslücke. Denn wie er in seiner Arbeit darlegen kann, bieten Militärgesangbücher mitunter verlässlichere und authentischere Informationen als Werkausgaben oder Kriegserinnerungen.

Soldatengesangbücher sind nicht zwangsläufig notwendig. Sie entstanden zunächst einmal deswegen, weil sich eine eigenständige Militärseelsorge mit eigenen kirchlichen Strukturen entwickelte. Doch haben Sie sich als äußerst zweckmäßig und hilfreich erwiesen - nicht allein deshalb, weil sie auf die Bedürfnisse von Soldaten zugeschnitten sind und von ihrer Größe her für das Feldgepäck gedacht sind. Sie geben Halt, wecken Zuversicht und Hoffnung. So lässt Wittenberg einen Militärpfarrer, der im Kosovo tätig war, und eine Soldatin, die in Afghanistan eingesetzt war, zu Wort kommen. Diese erklären im Blick auf die bekannten Zeilen Bonhoeffers “Von guten Mächten wunderbar geborgen”, die sich in den aktuell verwendeten Militärgesangbüchern finden: “Diese Gewissheit hat viele Soldaten und mich durch den Einsatz getragen.” Oder: “Es ist unser Lied gegen die Angst” (beide Zitate: S. 359). Der Verfasser beschließt seine Arbeit dann auch mit den Worten: Wenn es Militärgesangbücher “nicht gäbe, müsste man sie erfinden” (S. 367).

Die Arbeit wurde 2009 mit dem “Melchior-Otto-Voit-von-Salzburg-Preis” des Präsidenten der Otto-Friedrich-Universität Bamberg ausgezeichnet. Der Verfasser stellt seine Thesen am 19. Mai 2010 um 20.00 c. t. auf einem Wissenschaftlichen Abend der Leipziger Burschenschaft Alemannia zu Bamberg (www.alemannia-bamberg.de) vor.

Andreas F. Wittenberg: Die deutschen Gesang- und Gebetbücher für Soldaten und ihre Lieder (Mainzer Hymnologische Studien; 23), Tübingen: Francke Verlag 2009, 444 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.)


Netzwerk Gesellschaftsethik

Der zweite Ökumenische Kirchentag in München steht vor der Tür (12. bis 16. Mai 2010). Das Netzwerk Gesellschaftsethik e. V., das unter anderem als Herausgeber des Onlinemagazins “Denk doch mal” aktiv ist, wird in Halle B 5 auf dem Messegelände dabei sein, gemeinsam mit weiteren kirchlichen Sozialverbänden. Vorgestellt wird unter anderem eine Veröffentlichung mit Stellungnahmen zur neuen Sozialenzyklika Benedikts XVI. “Caritas in veritate”.

Die Sonderausgabe von “Denk doch mal. Onlinemagazin für Bildung - Arbeit - Gesellschaft” ist ab Mai 2010 online abrufbar unter www.denk-doch-mal.de. Herausgeber von “Denk doch mal” und Vorsitzender des Netzwerkes Gesellschaftsethik e. V. ist Gerhard L. Endres.


engagement 1/2010

Druckfrisch liegt das neue Themenheft 1/2010 der Zeitschrift “engagement. Zeitung für Erziehung und Schule” auf dem Tisch. Unter den Autoren befinden sich zwei Mitglieder des Forums Sozialethik:

Anna Noweck (missio - Internationales katholisches Missionswerk, München) schreibt über das Projekt “missio: Partner machen Schule. Eine Kooperation im Rahmen der neuen gymnasialen Oberstufe in Bayern” (S. 30 ff.).

Axel Bernd Kunze (Bereich Bildungswissenschaften der Universität Trier) berichtet unter dem Titel “Plädoyer für eine Freiheit aus christlicher Verantwortung” über das neue Handbuch der Katholischen Soziallehre (S. 46 ff.).

Das aktuelle Themenheft, verantwortet von Rafael Frick (PH Ludwigsburg), beschäftigt sich mit der Berufsorientierung Katholischer Schulen. Als weitere Themen sind in diesem Jahr geplant: Koedukation, Biedukation und Monoedukation (Heft 2/2010), Ganztagsschule (Heft 3/2010), Lehrerbildung (Heft 4/2010). Den Auftakt im kommenden Jahr bildet das Thema Institution und Familie in der Bildung (Heft 1/2011).

Die Zeitschrift “engagement” wird herausgegeben vom Arbeitskreis Katholischer Schulen in freier Trägerschaft in der Bundesrepublik Deutschland (AKS) unter der Schriftleitung von Lukas Schreiber. Die Zeitschrift erscheint im Münsteraner Verlag Aschendorff; ein Jahresabonnement kostet 25 Euro zuzüglich Porto.


Jahrbuch Christliche Sozialwissenschaften 2009 (Bd. 50): "Was hält die Gesellschaft zusammen?"

Das Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften (Bd. 50, 2009) ist erschienen: Die Beiträge des fünfzigsten Bandes des Jahrbuchs für Christliche Sozialwissenschaften befassen sich mit dem Thema “Was hält die Gesellschaft zusammen?”. Aus soziologischer und sozialethischer Perspektive werden die sozialen Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenhalts ebenso unter die Lupe genommen wie das Phänomen der religiösen und kulturellen Pluralität in modernen Gesellschaften. Insbesondere werden einige der grundlegenden politisch-philosophischen Antworten auf die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt vorgestellt und erörtert.

Zum Buch:

  • 272 Seiten, Kt., 15×23,5cm, erschienen 2009, ISBN 978-3-402-10982-3
  • 33,00 EUR
  • Leseprobe: Vorwort und Inhaltsverzeichnis können Sie als PDF-Dokument herunterladen.
  • Das Jahrbuch können sie erwerben beim Institut für Christliche Sozialwissenschaften (ics@uni-muenster) oder beim Aschendorff-Verlag.

Weitere Informationen hier.


Neuerscheinung: Stefan Meyer-Ahlen - Ethisches Lernen

Hier ein Hinweis auf das gerade erschienene Buch des theologischen Ethikers Stefan Meyer-Ahlen:

Vor dem Hintergrund einer pluralistischen Gesellschaft kommt Fragen der Wertevermittlung, der Werterziehung – oder allgemeiner – der Unterstützung bei der Suche nach verlässlichen Orientierungsangeboten für das eigene Handeln eine wachsende Bedeutung zu.

Bei Überlegungen zum ethischen Lernen aus Pädagogik, Philosophie, Soziologie und Psychologie wird gezeigt, dass auch die religiöse Dimensionen überaus relevant ist. Sie schafft einen zusätzlichen Ermöglichungsgrund und eine besondere Motivation, sich auf den je persönlichen Weg des Findens von Werten und Maßstäben zu machen.

Anhand ausgewählter Positionen lassen sich zudem Spezifika einer theologischen Ethik herausarbeiten, die zeigen, dass im christlichen Glauben entscheidende Dimensionen auszumachen sind, die zu ethischem Lernen motivieren und ein Finden der eigenen Wertmaßstäbe gelingen lassen können. Ethisches Lernen ist demzufolge zutiefst ein Anliegen der theologischen Ethik. (Verlagstext)

Bibliografische Angaben:

Meyer-Ahlen, Stefan (Hg.) (2010): Ethisches Lernen. Eine theologisch-ethische Herausforderung im Kontext der pluralistischen Gesellschaft. Paderborn: Schöningh Paderborn.


Call for Papers: Contesting Religious Identities

I should like to refer to the international conference “Contesting Religious Identities” that will be held at Utrecht University (the Netherlands) on October 13th-15th, 2010. The conference is organized by the Research Institute for Theology and Religion (INTEGON) of the Department of Religious Studies and Theology of Utrecht University.

Information concerning the conference can be found at the conference website. There is also a Call for Papers that can be found here.

[via Email von C. Baumgartner]


Deutschlandradio sucht Redakteur

Der Sender “Deutschlandradio” sucht für sein Programm “Deutschlandradio Kultur” einen Redakteur oder eine Redakteurin für die Abteilung Kultur und Gesellschaft. Zum Aufgabengebiet zählen u. a. die Redaktion und Moderation der Sendung “Religionen” und die Redaktion der Sendung “Aus der jüdischen Welt” sowie die qualifizierte Beratung der Redaktionen in Fragen zu Religion, Kirchen und Weltanschauung. Vorausgesetzt wird u. a. ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Theologie oder Religionswissenschaften. Bewerbungen sind mit den üblichen Unterlagen, der Gehaltsvorstellung und dem frühestmöglichen Eintrittstermin bis 23. Februar 2010 möglich beim Deutschlandradio, Funkhaus Berlin, Personalabteilung, Hans-Rosenthal-Platz, 10825 Berlin.


Ausschreibung: Junior-Fellowship am Forschungskolleg Collegium Helveticum-Basel/Zentrum

Thema: Wirtschaft und Religion heute

Das Collegium Helveticum-Basel/ZRWP vergibt für ein interdisziplinäres Forschungskolleg im Kollegjahr 2010/11 ein Junior-Fellowship an NachwuchswissenschaftlerInnen, die auf dem Forschungsfeld der Interdependenzen von Wirtschaft und Religion einschlägig qualifiziert sind.
Insgesamt fünf Fellows bearbeiten gemeinsam ein selbst bestimmtes Thema in dem genannten Forschungsbereich.

Dazu sind ab April/Mai 2010 mehrere Zusammenkünfte (Workshops mit einer Dauer von 2 Tagen bis ca. 3 Wochen) in Basel vorgesehen, die sich auf insgesamt 8 Wochen verteilt über zwei Jahre belaufen. Das Collegium Helveticum-Basel ist Teil des mit Schweizerischen Bundesmitteln geförderten interuniversitären Zentrums für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP), das von den Universitäten Basel, Lausanne, Luzern und Zürich sowie dem Collegium Helveticum gemeinsam getragen wird.

Aussagekräftige Bewerbungen (Motivationsschreiben, 1-2 seitige Forschungsskizze, CV, Literaturverzeichnis, Zeugniskopien) werden bis zum 18. Dezember 2009 per E-Mail erbeten an Prof. DDr. Peter Seele, Zentrum für Religion, Wirtschaft, Politik, Universität Basel, Peter.Seele@unibas.ch

Leitung des Collegium Helveticum-Basel/ZRWP
Prof. Dr. Georg Pfleiderer
Professur für Systematische Theologie/Ethik
Universität Basel
Tel.: 0041-61-263 78 20
e-mail: Georg.Pfleiderer@unibas.ch

Für Rückfragen:
Koordinator Dr. Alexander Heit; Tel. 0041-61-534 17 14; e-mail: Alexander.Heit@unibas.ch
Weitere Informationen: www.zrwp.ch