Archive for the 'Neue Sozialethische Bücher' Category

Veröffentlichung: Demokratie und Partizipation im 21. Jahrhundert

Cover_10644-9_Forum_Sozialethik_17Fischer, Luisa / Zink, Sebastian / Wahl, Stephanie A. / Henkel, Christian (Hgg.): Demokratie und Partizipation im 21. Jahrhundert (= Forum Sozialethik 17), Münster: Aschendorff 2016.

19,80 Euro

ISBN: 978-3-402-10644-0

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts scheint die Demokratie in eine Krise geraten zu sein. In den etablierten liberalen Demokratien des globalen Westens zeigt sich dies vor allem in der steigenden Anzahl derjenigen, die sich nicht mehr an Wahlen und traditionellen Partizipationsprozessen repräsentativer Demokratien beteiligen. Gleichzeitig sind Forderungen nach mehr Transparenz und Beteiligungsmöglichkeiten in so unterschiedlichen Kontexten wie etwa den Protesten gegen städtebauliche Großprojekte, der weltweiten Occupy-Bewegung, in national-populistisch ausgerichteten Bewegungen in ganz Europa oder im Zusammenhang mit sich ausweitenden digitalen Möglichkeiten unüberhörbar.
Der Befreiungsphilosoph Enrique Dussel hat mit seiner Aussage „Alles Politische beginnt (und endet) mit der Partizipation“ auf den zentralen Stellenwert der Partizipation für die Demokratie hingewiesen. Nimmt man dies ernst, so zwingen die gegenwärtigen Entwicklungen zu einer erneuten Auseinandersetzung um die Zukunft von Demokratien sowie um die Möglichkeiten und Bedingungen von Partizipation in der Demokratie.
Die Beiträge des vorliegenden Tagungsbandes nehmen sich dieser Herausforderung aus der Perspektive einer Christlichen Sozialethik an. Die Fülle der unterschiedlichen Herangehensweisen und Schwerpunktsetzungen macht dabei deutlich, dass es sich dabei im Rahmen einer anwendungsbezogenen politischen Ethik um ein komplexes Gefüge unterschiedlichster Herausforderungen handelt, für die keine einfachen und eindeutigen Lösungen postuliert werden können.
Die Vielfalt der im vorliegenden Band versammelten Ansätze zeigt freilich auch, wie im wissenschaftlichen Diskurs um die Beantwortung drängender Fragen der Gegenwart gerungen wird. Das Forum Sozialethik gewährleistet seit nunmehr 25 Jahren einen solchen Rahmen insbesondere für Nachwuchswissenschaftler_Innen der Christlichen Sozialethik und benachbarter Disziplinen. Aus Anlass dieses Jubiläums wurden in den Tagungsband auch zwei Beiträge aufgenommen, die Gründung und geschichtliche Entwicklung des Forums reflektieren und als gelungenes Partizipationsprojekt im Rahmen der Wissenschaftscommunity ausweisen.

G8 oder G9? – Band bündelt bildungsethische und -wissenschaftliche Argumente

Viele Bundesländer haben die Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre verkürzt. Das bildungspolitische Vorhaben ist umstritten – bis heute. Die nicht abebbende öffentliche Diskussion um diese nicht vorrangig pädagogisch, sondern ökonomisch begründete Schulzeitverkürzung zeigt, dass die Bildungspolitik das Problem nicht weiterhin ignorieren kann. Bildung ist nicht beliebig verkürzbar oder stauchbar, ohne sich auch qualitativ zu verändern. Schüler (und ihre Eltern) haben ein Recht auf möglichst tiefe und breite Bildung. Und nur eine solche Bildung wird sich auch gesellschaftlich wie volkswirtschaftlich als nachhaltig erweisen.

Ein Band aus der Reihe “Pädagogik in Europa in Geschichte und Zukunft” führt erstmals die wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Argumente und Positionen zur Problematik des G 8 zusammen. Die Diskussion erhält so wissenschaftliche Tragfähigkeit und demokratische Kontur. Die Beiträge von beiden Seiten plädieren dafür, das Problem endlich im Sinne einer fundierten Bildung unserer Schüler zu lösen:

Volker Ladenthin, Anja Nostadt, Jochen Krautz (Hgg.): weniger ist weniger. G8 und die Kollateralschäden. Analysen und Materialien, Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft Dr. Thomas Schirrmacher 2016, 234 Seiten:

  1. Keine Zeit für -Bildung und Wissen. Die Gymnasien werden zu G8-Reparaturwerkstätten umfunktioniert (Hans Peter Klein)
  2. Hat das Gymnasium in der bildungsethischen Debatte noch eine Zukunft? (Axel Bernd Kunze)
  3. G8 als Baustein eines Reformputsches gegen die humanistische Bildungskultur (Matthias Burchardt)
  4. Ein Jahr Schule macht ein Jahr mehr Qualität. G8-Bildungspolitik: mit Widersprüchen ins argumentative Abseits (Rainer Dollase)
  5. G9: Mit Druck in dei Zukunft! Anmerkungen aus universitärer Sicht (Christian Baldus)
  6. Kompetenz statt Bildung? Kompetenzorientierung ist keine Lösung, sondern das Problem (Jochen Krautz)
  7. Beobachtungen an studienspezifischen Leistungen jüngerer Studierender (Volker Ladenthin)
  8. Verstehendes Lernen braucht Zeit (Volker Ladenthin, Hans Peter Klein)
  9. Breite Mehrheit der Bevölkerung wünscht g9 an den Gymnasien – Ein politisches Lehrstück zur direkten Demokratie (Anja Nostadt)

JCSW 56 /2015 erschienen

JCSW2015_Cover_V1b.inddHeimbach-Steins, Marianne (Hg.): Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften. 56. Band: Ethische Herausforderungen der Energiewende. Münster: Aschendorff 2015, 297 Seiten. ISBN: 978-3-402-10988-5. 38,00 Euro.

Der 56. Band des Jahrbuchs für Christliche Sozialwissenschaften stellt die ethischen Herausforderungen der Energiewende, die seit dem Reaktorunfall in Fukushima 2011 vor allem in Deutschland forciert wird, ins Zentrum einer interdisziplinären Erörterung. Erstmals in der nunmehr über 50-jährigen Geschichte des Jahrbuchs ist ein Band damit einem ökologischen bzw. umweltethischen Thema gewidmet. Wissenschaft und Politik wie auch die kirchliche Sozialverkündigung fokussieren den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und den schonenden Umgang mit Primär-Energiequellen als zentrale Herausforderung der „ökologischen Umkehr“. Sozialethische, juristische, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Beiträge, u. a. von M. Vogt, D. Fuchs und A. Graf, O. Renn, J. Wiemeyer, M. Heimbach-Steins und A. Lienkamp, beleuchten interdisziplinär und facettenreich die ethischen Herausforderungen, die mit der Energiewende als komplexem gesellschaftlichem Transformationsprozess verbunden sind.

Weitere Forschungsartikel zur Sozialethik befassen sich mit dem Denkansatz des Sozialethikers Hermann Josef Wallraff SJ (1913–1995) und mit der Theorie der Menschenrechte als Ergebnis einer Wertegeneralisierung. Berichtet wird über sozialethische Tagungen in Maribor, Berlin, Schwerte und Heppenheim sowie über laufende und in jüngster Zeit abgeschlossene wissenschaftliche Arbeiten zur katholischen Sozialethik (Habilitationsschriften, Dissertationen und besonders qualifizierte Examensarbeiten).

Inhaltsverzeichnis, Tagungsberichte und Liste der Qualifikationsarbeiten sind ab sofort im Open Access frei verfügbar.

Ausführliche Informationen finden sich hier.

Grundkurs Menschenrechte liegt vollständig vor

“Der Menschenrechtsbildung […] kommt insofern ein anderer Status zu, als sie einen Eigenwert als Querschnitt-Aufgabe hat: Neben dem ‘harten’, also gesetzten und einklagbaren Charakter der Rechte zielt die Menschenrechtsbildung auf die ‘weiche’ Seite: auf die Bildsamkeit von Menschen, die dann auch doch auch wieder in klare und deutliche Handlungsperspektiven münden soll. ‘ Auch wen die Menschenrechte unteilbar sind, kommt dem Recht auf Bildung menschenrechtspolitisch gleichwohl eine besondere Aufgabe zu. Denn die Menschenrechte bedürfen selbt der Förderung durch pädagogisches Handeln und sind zugleich ein wichtiger Schlüssel für die Inanspruchnahme anderer Rechte’ (Kunze 2013: 19 f.).”

aus: Otto Böhm/Doris Katheder: Grundkurs Menschenrechte. Die 30 Artikel. Kommentare und Anregungen für die politische Bildung, Band 5, Würzburg: Echter 2015, S. 21 f.

Zitat: Axel Bernd Kunze: Das Recht auf Bildung. Anforderungen an die rechtliche und politische Implementierung, Münster (Westf.) u. a.: Waxmann 2013.

Mit Band 5 liegt der an der Bamberger Bistumsakademie Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg entstandene “Grundkurs Menschenrechte” nun vollständig vor. Das fünfbändige Kommentarwerk wendet sich vor allem an Jugend- und Erwachsenbildungsreferenten, die in der Menschenrechtsbildung tätig sind. Band 5 kommentiert die Artikel 24 bis 30 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948, darunter auch das Recht auf Bildung (Art. 26 AEMR 1948). Jeder Band enthält zudem einen eigenen inhaltlichen Schwerpunkt; in diesem Fall geht es um die “Menschenrechte als kommunales Entwicklungsfeld” (S. 232 ff.).Die Einleitung des Bandes erläutert – unter Bezug auf den Aufbau des Kommentarwerks – zentrale didaktische Aspekte, die für die Menschenrechtsbildung von Bedeutung sind.

Innerkirchliche Teilhabe von wiederverheiratet Geschiedenen – ein Diskussionsbeitrag

Im Verlauf der Bischofssynode zu Fragen von Ehe und Familie, die im Herbst in Rom fortgesetzt werden wird, hat der Münchner Pneuma-Verlag, der stets theologisch sehr fundierte Werke herausbringt, einen interessanten Diskussionsbeitrag vorgelegt, welche die sexual- und lebensformenethische Debatte sowie den dogmatisch-kirchenrechtlichen Diskurs um die Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zur Eucharistie neu beleben könnte:

Thomas Schumacher: Teilhabe von wiederverheirateten Geschiedenen am eucharistischen Mahl, München: Pneuma, 216 Seiten, Euro 19,95, 216 Seiten.

Kann man zu Recht solche Glieder der Kirche, die zur Gruppe der zivilrechtlich wiederverheirateten Geschiedenen gehören, per se als Nichtzugelassene zur Teilhabe am eucharistischen Mahl betrachten? Der Autor Thomas Schumacher verneint diese Frage aus theologischer Perspektive und legt auf der Basis theologischer Vertiefungen sowie unter Berücksichtigung theologiegeschichtlicher Entwicklungen und Paradigmenwechsel eine neuartige Sichtweise vor. Continue reading ‘Innerkirchliche Teilhabe von wiederverheiratet Geschiedenen – ein Diskussionsbeitrag’

Neuerscheinung zur Tugendlehre Kants

Die für Kant in der Tugendlehre im Begriff des “Pflichtzwecks” verbundene Relation des formalen Pflichtgedankens mit dem eines materialen Zwecks ist nicht mehr mit der ausschließlich formalen Grundlegung seiner eigenen Ethik vereinbar, und die Akte des Gesamtprojekts einer Ethik als Metaphysik der Sitten kann somit geschlossen werden – jedenfalls dann, wenn man sich einem Großteil der wissenschaftlichen Beurteilung dieser ethischen Spätschrift anschließt.

Eine an der Universität Regensburg entstandene und nun im Druck vorliegende Dissertation geht einen anderen Weg: Denn räumt man diesbezüglich, so ist ihr Verfasser, Tino Landmann, überzeugt, Kants eigener Argumentation allerdings ein wenig Kredit ein, legt das die Vermutung nahe, dass auch die Tugendlehre in einem systematischen Kontext mit dem in den Grundlegungsschriften dargelegten ethischen Konzept kategorisch-imperativer Demonstration von Freiheit stehen müsse, was wiederum in einem systematischen Zusammenhang mit dem Projekt einer Ehtik als Metaphysik der Sitten gelesen werden kann.

Der Verfasser lehrt Philosophie an einem Bayreuther Gymnasium und ist Lehrbeauftragter für Philosophiedidaktik an der Universität Regensburg.

Tino Landmann: Der Begriff des Pflichtzwecks in der Tugendlehre Immanuel Kants. Das Verhältnis von Form und Materie im Projekt einer Ethik als Metaphysik der Sitten (Boethiana. Forschungsergebnisse zur Philosophie; 114), Hamburg: Dr. Kovac 2015, 245 Seiten.

Grüne Reihe greift bildungsethische Fragen auf

Sind Bildungsfragen Gesellschaftsfragen? – Dieser Frage widmet sich das aktuelle bildungsethische Heft 417 aus der sogenannten “Grünen Reihe” der Katholisch-Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle: Welche Rolle spielt Bildung für die Aufrechterhaltung jener Werthaltungen, sozialen Tugenden und Dispositionen, die für ein demokratisches Zusammenleben unerlässlich sind? Welche Bildungs- und Erziehungsaufgaben ergeben sich daraus? Wie kann gesellschaftliche Teilhabe durch Bildung menschenrechtlich abgesichert werden? Das Heft macht deutlich, dass zwischen Bildungs- und Erziehungsauftrag demokratiepädagogisch klar zu unterscheiden ist, wenn die Freiheit im Bildungssystem erhalten bleiben soll. Die Hefte der Reihe “Kirche und Gesellschaft eignen sich für die Bildungsarbeit. Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit unter www.ksz.de.

Axel Bernd Kunze: Sind Bildungsfragen Gesellschaftsfragen? Überlegungen zur demokratiepädagogischen Bedeutung eines Rechts auf Bildung (Kirche und Gesellschaft; 417), Köln: J. P. Bachem Medien 2015.

Veröffentlichung: armgemacht – ausgebeutet – ausgegrenzt?

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Blanc, Julia/Brinkschmidt, Maria/Krauß, Christoph/Reichert, Wolf-Gero (Hgg.): armgemacht – ausgebeutet – ausgegrenzt? Die “Option für die Armen” und ihre Bedeutung für die Christlich Sozialethik (= Forum Sozialethik 14), Münster: Aschendorff 2014.

19,80 Euro

ISBN: 978-3-402-10640-2

Rund ein Jahre nach der Tagung des Forum Sozialethik “Was tun (wir – mit den – für) die Armen? Die Bedeutung der Option für die Armen in der Sozialethik” kann sich das Herausgeberteam über die daraus hervorgegangene Veröffentlichung freuen.

Die biblische „Option für die Armen“ bildet eine zentrale Leitperspektive christlich profilierter Sozialethik. Sie fordert dazu auf, ethische Problemlagen aus Sicht derer zu betrachten, die „arm“ sind bzw. „arm gemacht“ werden. Die „Option für die Armen“ wurde von der lateinamerikanischen Ortskirche wieder-entdeckt, von Papst Johannes Paul II. in die gesamtkirchliche Sozialverkündigung (Sollicitudo Rei Socialis) integriert und aktuell von Papst Franziskus mit seinem Leitwort „einer armen Kirche für die Armen“ (Evangelii Gaudium) erneut in den Blickpunkt gerückt: Es ist ein Appell an die Christliche Sozialethik bzw. die Theologie insgesamt, an die Institution Kirche und nicht zuletzt an Christinnen und Christen vor Ort, einen Perspektivenwechsel zu vollziehen und entsprechendes Engagement zu zeigen.

Zu bestellen ist der Band  über die Seite des Aschendorff Verlags.

Veröffentlichung: Interdisziplinarität – eine Herausforderung für die Christliche Sozialethik

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Riedl, Anna Maria/Ostheimer, Jochen/Berenz, Thomas/Veith, Werner (Hgg.): Interdisziplinarität – eine Herausforderung für die Christliche Sozialethik (= Forum Sozialethik 13), Münster: Aschendorff 2014.

19,80 EUR

ISBN 978-3-402-10638-9

Gut eineinhalb Jahre nach der Tagung des Forum Sozialethik “Interdisziplinarität – eine Herausforderung für die Christliche Sozialethik” kann sich das Herausgeberteam über die entsprechende Veröffentlichung freuen.

Gegenstand der Christlichen Sozialethik ist die Reflexion gesellschaftlicher Strukturen, die nur in einem intensiven Austausch mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen gelingen kann. Wichtige Gesprächspartner sind neben den theologischen Fächern und der philosophischen Ethik die Sozial-, Kultur-, Natur- und Technikwissenschaften, die für eine umfassende Analyse der Bedingungszusammenhänge des Menschen unerlässlich sind. Eine solche interdisziplinär angelegte Ausrichtung stellt die Christliche Sozialethik vor hohe Herausforderungen: Denn neben der Bereitschaft, sich auf fachfremde Theorien und Sprachen einzulassen, bedarf es einer ständigen Auseinandersetzung mit den eigenen Traditionen, Sprachen und Arbeitsweisen.

Dieser Aufgabe sowie den Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen des Dialogs zwischen Christlicher Sozialethik und ihren wissenschaftlichen Gesprächspartnern widmet sich der vorliegende Band. Das Spektrum der Beiträge reicht von der Frage nach den wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Interdisziplinarität bis zum Aufzeigen ganz konkreter Desiderate interdisziplinärer Zusammenarbeit, von der Reflexion normativer Fragen bis zum konkreten Anwendungsbezug. Dabei geraten Status und Arbeitsweise der Christlichen Sozialethik ebenso in den Blick wie das Menschenbild als Basis und Ansatzpunkt interdisziplinärer Verständigung. Angesichts der fundamentalen Bedeutung der Interdisziplinarität und der gegenwärtigen sozialethischen Debatten erhält der spannende und dringend gebotene Diskurs hiermit neue Impulse.

Zu bestellen ist der Band  über die Seite des Aschendorff Verlags.

Neue Buchreihe des ICS Münster

Ab diesem Frühjahr wird am Institut für Christliche Sozialwissenschaften (ICS) Münster die neue Buchreihe “Gesellschaft – Ethik – Religion. Schriften des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften. Neue Folge (GER)” herausgegeben.

Die Reihe erscheint im Schöningh-Verlag und setzt unter neuem Namen die traditionsreichen “Schriften des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften” fort. Damit soll ein neuer Rahmen für Tagungsbände, herausragende Qualifikationsschriften und Monographien aus dem Bereich der Christlichen Sozialethik / Sozialwissenschaften bereitgestellt werden.

In der Perspektive der Sozialethik und ihrer Bezugswissenschaften sollen ethisch herausfordernde Fragen der modernen Gesellschaft fachlich kompetent und multidisziplinär bearbeitet werden: Das Spektrum konkreter sozialwissenschaftlicher und sozialphilosophischer Problemstellungen reicht dabei von Nachhaltigkeit im Umgang mit natürlichen Lebensgrundlagen über drängende Gerechtigkeitsherausforderungen bis hin zu Wertekommunikation unter den Bedingungen weltanschaulicher Pluralität. Ebenso können Beiträge zur sozialethischen Grundlagenforschung – Paradigmen ethischer Argumentation, Quellen, Begründungsmuster und Gesprächsfähigkeit religiös gebundener und säkularer Ethik – Aufnahme in die neue Reihe finden.

Als erster Band erschien vor wenigen Wochen die Dokumentation der Tagung zum 60jährigen Bestehen des ICS im Oktober 2011 unter dem Titel:

Heimbach-Steins-Marianne (Hg.): Ressourcen – Lebensqualität – Sinn. Gerechtigkeit für die Zukunft denken, Paderborn 2013.

Der Reihenflyer mit weiteren in Planung befindlichen Bänden findet sich hier.

Beruf: Hochschullehrer

“Durch Flachschulreife mehr Gerechtigkeit” – so titelte die F.A.Z. in der Pfingstwoche. Bernd Rüthers zeichnet in seinem Beitrag ein schwarzes Bild der Universitäten in Deutschland: “Unterfinanziert, überverwaltet, mit unlösbaren Aufgaben konfrontiert: Die Zukunft der Universität als Ort besonderer Intelligenz ist gefährdet.” (F.A.Z., 22. Mai 2013, S. N5) – Die Dauerreformen der vergangenen Jahre haben das Gesicht der Universität grundlegend gewandelt. Aus einer Stätte akademischer Bildung ist – zumindest im Bachelorstudium – ein verschulter Ort der  Berufsqualifizierung geworden. Bis heute gibt es innerhalb der Professorenschaft deutliche Vorbehalte gegenüber den Bolognabeschlüssen. Gleichwohl zeigen Studien ein hohes Maß an Berufszufriedenheit in der Berufsgruppe. Berufliche Zufriedenheit setzt die Erfahrung von Sinn voraus. Woraus schöpfen Hochschullehrer ihre Gewissheit, dass ihr Tun sinnvoll ist?

Ein Band aus dem Verlag Ferdinand Schöningh lässt Vertreter der Wissenschaftsprofession selber zu Wort kommen. Die Autoren kommen aus der Pädagogik, den Sprachwissenschaften und der Theologie: Wie stellen sich Forschung, Lehre und Studium aus der Sicht von Dozenten dar? Wie erleben Hochschullehrer die Veränderungen der Hochschule? Warum und worüber streiten Gelehrte? Wie bewerten Wissenschaftler den Einfluss gesellschafts- und universitätspolitischer Faktoren auf ihre Arbeit an der Universität? Wie verstehen Hochschullehrer ihre Aufgaben in der universitären Lehrerbildung?

Fragen dieser Art behandeln die Autoren vor dem Hintergrund ihres beruflichen Selbstverständnisses und ihrer Erfahrungen. So präsentiert der Band unterschiedliche Positionen zu Anspruch, Wirktlichkeit und Perpektiven der wissenschaftlichen Arbeit an Hochschulen.

Der Band ist als Festschrift zum sechzigsten Geburtstag des Bonner Erziehungswissenschaftlers Volker Ladenthin erschienen.

Hildegard Krämer, Axel Bernd Kunze, Harald Kuypers (Hgg.): Beruf: Hochschullehrer. Ansprüche, Erfahrungen, Perspektiven, Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2013, 286 Seiten, 34,90 Euro.

 

 

 

Wandlungen in Ehe und Familie

Die kirchliche Sexualalethik steckt in einer tiefen Legitimationskrise. Und so nimmt es nicht wunder, dass diese auch innerhalb des innerkirchlichen Dialogprozesses ein wichtiges Thema ist. Ehe und Familie haben in den vergangenen Jahrzehnten gewaltige Wandlungsprozesse durchlaufen, neue Lebensformen sind hinzugekommen – ohne dass dieser Wandel in der kirchlichen Familien- und Sexualethik angemessen reflektiert worden wäre. Wer sich mit familienethischen, sexualethischen oder sexualpädagogischen Fragestellungen beschäftigt, sollte wissen, wie sich die Institution Ehe und Familie im Laufe der Geschichte verändert hat. Nur dann wird er auch zeitbedingte Ausformungen dieser Institutionen bei seiner Urteilsbildung richtig einordnen und einschätzen können.

Der Bonner Genealoge Manfred Kersten hat es unternommen, die verschiedenen Wandlungsprozesse, die Ehe und Familie im Laufe der Geschichte durchlaufen haben, in einem Band zu bündeln, und zwar von der Antike bis zur Postmoderne – einen ähnlichen Band gibt es zurzeit nicht. Kersten nimmt seine Leser auf eine gewaltige Zeitreise, sein Gang durch die Jahrhunderte gleicht einer Art Zeitraffer. Kersten gelingt es, einen kompakten Überblick zu geben, wobei er deutlich zwischen Ehe und Familie unterscheidet. Allerdings hätte man sich mitunter eine stärkere Systematik in den Inhalten und eine stärkere Gewichtung der behandelten Phänomene und Entwicklungen gewünscht. Viele Entwicklungen, Zahlen oder Fakten werden nacheinnder aufgelistet, ohne zu fragen, ob ihnen tatsächlich dieeelbe gesellschaftliche Relevanz zukommt. Der Band listet auf, hält sich mit normativen Gewichtungen aber sehr zurück (außer vielleicht beim Thema Gender, bei dem bevorzugt genderkritische Stimmen herangezogen werden). Doch wer bei Kersten auf bestimmte Stichworte oder Phänomene gestoßen ist, kann von dort aus weiterrecherchieren – was im Zeitalter des Internets schnell zu realisieren ist.

Ehe und Familie haben sich im Laufe der Zeit gewandelt, sie wandeln sich auch derzeit – und sie werden sich weiter wandeln. Der geschichtliche Blick, den Kerstens verfolgt,relativiert so manche kirchliche Panikrhetorik. Ehe und Familie werden überleben, keine Frage. Aufgabe kirchlicher Sexualethik bleibt es, den Wandel dieser beiden Institutionen zu begleiten und zu gestalten.

Manfred Kersten: Ehe und Familie im Wandel der Geschichte. Wie sich die Institutionen von Ehe und Familie in den Jahrhunderten verändert haben. Heimbach in der Eifel: Bernardus 2012, 392 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.)

Neuerscheinung zum Verhältnis von Recht und Bildung

Zu Beginn des Jahres ist in der Reihe “Ethik im Unterricht”  neu erschienen:

Axel Bernd Kunze: Das Recht auf Bildung. Anforderungen an die rechtliche und politische Implementierung (Ethik im Unterricht; 12), Münster (Westf.)/New York/München/Berlin: Waxmann 2013, 112 Seiten, 19,90 Euro.

Das Recht auf Bildung verpflichtet den Staat, jedem Einzelnen Bildungschancen zu eröffnen und damit die Möglichkeit, frei und selbstbestimmt leben zu können. Zugleich sichert der Staat auf diese Weise die kulturellen Grundlagen des Zusammenlebens – und auch sein eigenes Fundament als Rechts- und Kulturstaat. Allerdings darf der Staat diese Grundlagen nicht erzwingen. Er kann hierfür nur die äußeren Rahmenbedingungen garantieren, beispielsweise durch ein leistungsfähiges Bildungssystem. Das Recht auf Bildung verpflichtet den Staat, jedem Einzelnen Bildungschancen zu eröffnen und damit die Möglichkeit, frei und selbstbestimmt leben zu können. Zugleich sichert der Staat auf diese Weise die kulturellen Grundlagen des Zusammenlebens – und auch sein eigenes Fundament als Rechts- und Kulturstaat. Allerdings darf der Staat diese Grundlagen nicht erzwingen. Er kann hierfür nur die äußeren Rahmenbedingungen garantieren, beispielsweise durch ein leistungsfähiges Bildungssystem.

Staat und Gesellschaft bleiben auf die Entwicklung der Fähigkeiten ihrer einzelnen Glieder angewiesen. Diese können sich nur dann bestmöglich entwickeln, wenn jeder Einzelne die Möglichkeit hat, seine Persönlichkeit frei zu entfalten. Individuelle Freiheit und individuelle Verschiedenheit sind wichtige Voraussetzungen für Bildung. Die Studie fragt aus pädagogischer und bildungsethischer Perspektive, welche Konsequenzen sich aus dieser Einsicht für die Ausgestaltung eines Rechts auf Bildung ergeben.

Der Verfasser, habilitierter Pädagoge und promovierter Sozialethiker, ist Privatdozent für Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn, Lehrbeauftragter für philosophisch-theologische Grundlagen der Sozialen Arbeit an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München sowie Dozent für Pädagogik und kommissarischer Schulleiter an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Weinstadt. Er war von 2006 bis 2009 Wissenschaftlicher Angestellter und Geschäftsführer des DFG-Forschungsprojekts “Das Menschenrecht auf Bildung: Anthropologisch-ethische Grundlegung und Kriterien der politischen Umsetzung”.

Weitere Informationen zum Buch: www.waxmann.com

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt: www.menschenrecht-auf-bildung.de

Förderpreis Christliche Sozialethik der Kommende Dortmund

Dr. Hansjörg Schmid ist der neue Preisträger des Förderpreises „Christliche Sozialethik“ 2012 des Sozialinstituts Kommende Dortmund. Der Preis in Höhe von 1.500,– € für seine Arbeit „Islam im europäischen Haus. Wege zu einer interreligiösen Sozialethik“ wurde ihm während des Patronatsfestes der Kommende Dortmund überreicht.

Der Förderverein der Kommende Dortmund lobt den Förderpreis für sozialethische Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlern der Christlichen Sozialethik alle zwei Jahre aus.

Mit der Preisverleihung wird die hohe wissenschaftliche Qualität und aktuelle Relevanz der Arbeit von Dr. Hansjörg Schmid gewürdigt. Sie wurde Anfang dieses Jahres als Habilitationsschrift von der Fakultät Katholische Theologie der Ludwig-Maximilian-Universität München angenommen. Schmid entwickelt in der Studie erstmals eine Grundlage für das Programm einer interreligiösen Sozialethik, die sehr bewusst und sehr sensibel die Differenzen und Asymmetrien innerhalb des islamischen Diskurses und zwischen den Religionen wahrnimmt. Insbesondere im Blick auf die zentralen Zukunftsfragen Europas ist das Zusammenleben mit den Muslimen und die gemeinsame Klärung sozialethischer Fragen eine große aktuelle Herausforderung. Neben Einzelthemen wie Familien-, Wirtschafts- oder Umweltethik zeigt Schmid gemeinsame Anliegen als auch Potentiale beider Religionen für die zukünftige Gestaltung Europas auf.

Dr. Hansjörg Schmid arbeitet als Studienleiter an der Katholischen Akademie Rottenburg-Stuttgart und in verschiedenen Netzwerken seit über zehn Jahren im christlich-islamischen Dialog. Diese langjährige Erfahrung spiegelt sich im engen Praxisbezug seiner wissenschaftlichen Studie wieder.

bibliographischer Hinweis: Schmid, Hansjörg: Islam im europäischen Haus. Wege zu einer interreligiösen Sozialethik, Freiburg: Herder 2012.

 

Veröffentlichung: Arbeit – ein Schlüssel zu sozialer Gerechtigkeit

Fisch, Andreas/Kirmse, Daniela/Wahl, Stefanie A./Zink, Sebastian (Hgg.): Arbeit – ein Schlüssel zu sozialer Gerechtigkeit (= Forum Sozialethik 11), Münster: Aschendorff 2012.

19,80 Euro

ISBN: 978-3-402-10637-2    

Ein gutes Jahr nach der Tagung des Forums Sozialethik zum Thema “Arbeit ein Schlüssel für soziale Gerechtigkeit?” kann sich das Herausgeberteam nun über die die entsprechende Veröffentlichung freuen.

 

Eine kurze Zusammenfassung:

Die wesentlichen gesellschaftstheoretischen Konzeptionen, unabhängig ob sie auf bürgerlichen, liberalen oder marxistischen Traditionen fußen, berufen sich auf Arbeit als den zentralen gesellschaftlichen Tatbestand. Zurzeit lassen sich gravierende Veränderungen der Arbeitsbedingungen u.a. unter den Stichworten Beschleunigung und Prekarisierung feststellen. Damit wird (Erwerbs-)Arbeit theoretisch wie empirisch zu einem Ausgangspunkt für Fragen der Gerechtigkeit und der entscheidende Schlüssel zu sozialer Gerechtigkeit in einer Arbeitsgesellschaft.

In diesem Band gehen die Autoren und Autorinnen den Fragen nach, wie diese Ausgangslage die sozialethische Reflexion herausfordert: durch das Potenzial sozialphilosophischer Theorien für die sozialethische Rekonstruktion von aktuellen Problemen und für eine Missachtungsphänomenologie angesichts prekärer Beschäftigung, aber auch zur Bewertung der verschiedenen Formen der Beschleunigung durch Arbeitszeitmodelle. Ein praktischer Bezug nimmt Fürsorge- und Familienarbeit insbesondere in kirchlichen Arbeitsverhältnissen in den Blick, untersucht „Werkstätten für Menschen mit geistiger Behinderung“ als Instrument der Ermöglichung von Teilhabe am Arbeitsmarkt sowie den so genannten „Dritten Weg“ der Kirchen. Schon die Engführung auf Erwerbsarbeit kristallisiert sich als ein Grund für Gerechtigkeitsdefizite. Vielleicht ist das Konzept der Arbeitsgesellschaft selbst zu hinterfragen.

Zu bestellen ist der Band  über die Seite des Aschendorff Verlags.

 

Inhaltsverzeichnis

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