Archive for the 'Neue Sozialethische Bücher' Category

Dokumentation des XXII. Deutschen Kongresses für Philosophie

Auf dem Open-Access-Server der Universitätsbibliothek München ist der XXII. Deutsche Kongress für Philosophie dokumentiert worden, darunter auch die Beiträge aus der Sektion für Bildungsphilosophie.

Ein Beitrag beschäftigt sich ausdrücklich mit der aktuellen bildungsethischen Debatte:
Bildung als Freiheitsrecht – eine Kritik des neueren sozialethischen Bildungsdiskurses. URL: http://epub.ub.uni-muenchen.de/12476/1/Bildungsgerechtigkeit.pdf.

Erziehung setzt Beziehung voraus

Bildung und Erziehung setzen Beziehung voraus. Vielen Erwachsenen fällt es aber zunehmend schwer, tragfähige Beziehungen zu ihren Kindern aufzubauen. Dies meint der Bonner Kinder- und Jugendpsychotherapeut Michael Winterhoff in seinem neuen Buch “Lasst Kinder wieder Kinder sein!”. Die sozialpsychologischen Ursachen hierfür seien vielfältig: Das Leben sei schnelllebiger und unbeständiger geworden, der Entscheidungsdruck habe zugenommen, die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf lösten sich auf. Das Web 2.0 gaukle uns eine Entscheidungsfreiheit vor, die mehr ein beständiger Entscheidungsdruck sei – mit belastenden Folgen für unsere Psyche: “Wer ständig Angst vor Fehlentscheidungen hat, gerät unter Stress. Er verliert nicht nur einerseits die Fähigkeit, überhaupt noch sicher zu beurteilen, ob er wirlich eine falsche Wahl getroffen hat, sondern die ständige Stressüberlastung des Gehirns führt andererseits dazu, dass er im weiteren Verlauf tatsächlich in immer größerer Gefahr steht, Fehlentscheidungen zu treffen, weil objektive Entscheidungskriterien eine zunehmend untergeordnete Rolle spielen” (S. 75 f.).
Bestsellerautor Winterhoff (“Warum unsere Kinder Tyrannen werden”, “Tyrannen müssen nicht sein”, Persönlichkeiten statt Tyrannen”) will nicht anklagen oder Schuld zuweisen, sondern aufklären: “Aufklärung über gesellschaftliche Zusammenhänge, die sich auf die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern auswirken und dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche zunehmend keine Chance haben, sich in einem entscheidenden Bereich ihrer Psyche zu entwickeln” (S. 12). Auf überzeugende Weise macht Winterhoff deutlich, wie struktuelle und sozialpsychologische Fragestellungen zusammenhängen. Gerade das macht sein Buch für Sozialethiker lesenswert. Zunehmend wird Bildung zu Recht als ein sozialethisches Thema wahrgenommen. Doch müssen die besten sozialethischen Anstrengungen im Bildungsbereich ins Leere laufen, wenn sie nicht mit pädagogischen und psychologischen Fragen korreliert werden.
Genau dies mahnt das neue Buch von Winterhoff an. Aus psychologischer Sicht macht der Verfasser deutlich, warum viele Bildungsreformen der vergangenen Jahre ins Leere laufen: “In Grundschulen gehört es heute zum ganz normalen Alltag, dass die ersten Monate nach der Einschulung weniger damit angefüllt sind, mit dem Erlernen des Schreibens, des Rechnens zu beginnen. Bevor es soweit ist, müssen Lehrer sich zunächst einmal damit befassen, einigermaßen sicherzustellen, dass Unterricht überhaupt möglich ist, sprich: zu erreichen, dass der Großteil der Klasse sich auf den Unterricht und den Lehrer konzentriert, ihm zuhört und Regeln akzeptiert, ohne die eine Klassengemeinschaft nicht funktionieren kann. Dazu sind heute immer weniger Kinder in der Lage, weil ihnen die notwendigen Entwicklungsschritte der Psyche im sozialen und emotionalen Bereich fehlen. Der Lehrer wird dadurch nicht als Lehrer erkannt, das Gleiche gilt für Strukturen und Abläufe, die für den Lernerfolg notwendig sind” (S. 9 f.).
Michael Winterhoff plädiert für eine “Rückkehr zur Intuition” in unserem Bildungs-, Erziehungs- und Familiensystem. Dabei legt er kein pädagogisches Rezeptbuch vor, davon gibt es schon genug. Theologisch kann sein Anliegen als Ruf zur Umkehr interpretiert werden – und diese gelingt nur im individuellen Durchdenken und Überdenken unserer gegenwärtigen Lebensweise. Die streitbaren Thesen Winterhoffs sind es wert, auch bildungsethisch diskutiert zu werden.

Michael Winterhoff (Rez.): Lasst Kinder wieder Kinder sien! Oder: Die Rückkehr zur Intuition, in Zusammenarbeit mit Carsten Tergast, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2011.

Axel Bernd Kunze (Rez.)

Christ sein heißt politisch sein

Am 25. Dezember 2012 wäre der ehemalige Mainzer Bischof und Wegbereiter einer lehramtlichen Sozialverkündigung Wilhelm Emmanuel von Ketteler 200 Jahre alt geworden.

Anlass genug für den Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, sich in einem vor Kurzem im Herder-Verlag erschienen Buch mit diesem Vordenker christlicher Weltverantwortung zu beschäftigen und seine bleibende Bedeutung herauszuarbeiten:

Marx, Reinhard: Christ sein heißt politisch sein. Wilhelm Emmanuel von Ketteler für heute gelesen, Verlag Herder: Freiburg 2011, 140 Seiten, 14,95 Euro.

Aus diesem Anlass hat Kardinal Marx nun der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) ein Interview gegeben, in dem er ausgehend von seinem Buchtitel eine zentrale Einsicht Kettelers betont:

Soziale Gerechtigkeit gehört unmittelbar zum “depositum fidei”, also zum Glaubenskern dazu und ist kein Anhängsel. So deutlich hat das vor ihm noch keiner gesagt. Alles, was den Menschen berührt und betrifft, sind auch Glaubensfragen. Deshalb muss sich die Kirche äußern, wenn es um die Menschenwürde und das Miteinander geht.

Ähnlich formuliert Marx auch im Nachwort seines Buches:

“Eine Lektüre der Schriften Wilhelm Emmanuel von Kettelers regt auch heute dazu an, sich über das eigene Handeln Rechenschaft abzulegen, und ermutigt dazu, die Botschaft Jesu Christi in Wort und Tat zu verkünden und sich nicht von gesellschaftlichen und politischen Umständen davon abhalten zu lassen. [...] Unser christlicher Glaube ist kein Relikt vergangener Epochen, sondern Nährboden für unser Leben hier und heute. Seien wir also mutig, den Auftrag Jesu, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, auch im großen Feld von Gesellschaft und Politik zu beherzigen.”

Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Artikel von Gerhard Kruip in der Novemberausgabe der HerderKorrespondenz, der unter dem Titel “Vorreiter und Vorbild. Zur bleibenden Bedeutung von Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler” (S. 564-567) dem Buch von Kardinal Marx eine durchaus wertschätzende Rezension zukommen lässt und den vom Autor herausgestellten Vorbildcharakter Kettelers um den Aspekt einer Reform der Kirche ergänzt, “die in jeder Zet neu vor der Herausforderung steht, Kirche in der Welt von heute zu sein.” (S. 564)

Weitere, eher biographisch orientierte Bücher zu Wilhelm Emmanuel von Ketteler:

  • Grosse Kracht, Hermann-Josef: Wilhelm Emmanuel von Ketteler – Ein Bischof in den sozialen Debatten seiner Zeit, Ketteler Verlag: Köln 2011.
  • Brehmer, Karl: Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Arbeiterbischof und Sozialethiker, Schnell + Steiner: Regensburg 2009.

Zukunft Internet?

Die Piratenpartei hat in Berlin für eine gewaltige Wahlüberraschung gesorgt; den Internetaktivisten ist es gelungen, aus dem Stand deutlich über die Fünfprozenthürde zu springen und ins Abgeordnetenhaus einzuziehen. Wer die Wochenzeitung “Die Zeit” regelmäßig verfolgt, wird hingegen festgestellt haben, dass in dem liberalen Blatt aus Hamburg zunehmend kritischere Töne gegenüber dem Internet zu hören sind. Die Wortführer sind zwei “Zeit”-Redakteure aus dem Wirtschaftsressort. Thomas Fischermann und Götz Hamann warnen davor, dass die Interneteuphorie bald vorbei sein könnte:

Thomas Fischermann/Götz Hamann: Zeitbombe Internet. Warum unsere vernetzte Welt immer störanfälliger und gefährlicher wird, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2011, 255 Seiten.

Am Anfang des Flugverkehrs wurde diskutiert, ob eine Überfluggenehmigung der Grundstückseigentümer notwendig sei. Die Frage wurde verneint. Und man kann sich fragen, wie sich die neue Technik entwickelt hätte, wenn damals anders entschieden worden wäre. Thomas Fischermann und Götz Hamann sehen die Welt heute vor einer ähnlichen Grundsatzentscheidung, wenn auch mit anderer Stoßrichtung: Soll das Internet auf Dauer erfolgreich sein soll, bedarf es politischer Regelungen. Andernfalls, so die Wirtschaftsredakteure der liberalen Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“, könnte das Internet über kurz oder lang an seinem eigenen Erfolg zugrundegehen. Die Autoren entziehen sich der gängigen Interneteuphorie und benennen deutlich die vielfältigen Gefahren von Datenmissbrauch, Cyberattacken und Hackerangriffen. Verteufelt wird das Internet aber keineswegs. Doch wird seine Zukunft davon abhängen, ob es wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich klug genutzt wird. Ein lesenswerter Diskussionsanstoß.

Axel Bernd Kunze (Rez.)

Neuerscheinung zur katholisch-sozial orientierten politischen Bildungsarbeit

Im neuen AKSB-Jahrbuch “Position beziehen im 21. Jahrhundert werden zentrale Leitbilder und Wertvorstellungen katholisch-sozial geprägter politischer Bildungsarbeit thematisiert und deren Nutzen für die Herausforderungen der Zukunft diskutiert. Es enthält Beiträge unter anderem von Hermann-Josef Große Kracht (Katholische Sozialprinzipien in der Krise? Eine Warnung vor voreiligen Verabschiedungen), Alexander Filipović (Das Personalitätsprinzip: Zum Zusammenhang von Anthropologie und christlicher Sozialethik), Günter Wilhelms (Subsidiarität), Joachim Wiemeyer (Die Bedeutung außerschulischer politischer Bildung in der Christlichen Sozialethik) und Peter Massing (Gesellschaftliche Relevanz der „Konvention” aus Sicht der Politikdidaktik).

Zum Buch:

  • Wochenschau Verlag Schwalbach/Ts. 2010;
  • ISBN 978-3-89974610-5;
  • 208 S.
  • 24,80 Euro

Weitere Informationen zur Publikation (u.a. das gesamte Inhaltsverzeichnis) sind hier zu finden.

JCSW 51/2010 “Weltwirtschaft und Gemeinwohl. Eine Zwischenbilanz”

Das neue Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften ist soeben erschienen. Zwei Jahre nach dem Manifestwerden der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise diskutieren die Beiträge des 51. Bandes zum Thema „Weltwirtschaft und Gemeinwohl. Eine Zwischenbilanz” aus unterschiedlichen Perspektiven sowohl aktuell drängende als auch grundlegende sozial- und wirtschaftsethische sowie ordnungspolitische Fragestellungen und tragen somit zugleich zur wissenschaftlichen Erkenntnis- und Urteilsbildung und zur Orientierung politischen Handelns angesichts der Krise bei.

Zudem beinhaltet das Jahrbuch einen (Literatur-)Überblick über den wirtschafts- und unternehmensethischen Diskurs in der christlichen Sozialethik der vergangenen zehn Jahre sowie Berichte vom 11. Werkstattgespräch über “Die Finanzkrise als sozialethische Herausforderung” und zum 19. Forum Sozialethik zur “Anthropologie und christliche Sozialethik“.

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Eine Übersicht über die einzelnen Beiträge gibt es hier.

Das aktuelle Jahrbuch  kann im Buchhandel, über den Aschendorff-Verlag, Münster (www.aschendorff-buchverlag.de) oder beim Institut für Christliche Sozialwissenschaften (www.jcsw.de) für 39,- Euro erworben werden.

Neuerscheinung: Die Grenzen der Gerechtigkeit

Grenzen der GerechtigkeitMartha Nussbaums “Die Grenzen der Gerechtigkeit. Behinderung, Nationalität und Spezieszugehörigkeit” ist nun in deutscher Sprache erschienen. Die auf ihre Tanner Lectures of Human Values basierenden Überlegungen widmen sich drei ungelösten, allerdings nicht zu vernachlässigenden Desideraten sozialer Gerechtigkeitstheorien.

Eines dieser zentralen Versäumnisse betrifft die Frage nach sozialer Gerechtigkeit gegenüber Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung, insofern ihnen die staatsbürgerliche Gleichheit (beispielsweise in der Erziehung, Ausbildung und Krankenversorgung) nicht anerkannt wird. Darum konzepiert Nussbaum ein neues Verständnis von Bürgerschaft und wirbt darüber hinaus für eine neue Auffassung vom Zweck sozialer Kooperation und eine neue Wertschätzung der Fürsorge als soziales Grundgut.

Darüberhinaus setzt sich die Autorin mit Fragen der transnationalen Gerechtigkeit und der sozialen Gerechtigkeit im Hinblick auf den Umgang mit Tieren auseinander.

Anhand ihres Fähigkeitenansatzes (capabilities approach)  dekliniert sie die genannten Problemfelder sozialer Gerechtigkeitstheorien durch, um zu zeigen, wo kontraktualistische Ansätze an ihre Grenzen stoßen.

Weitere Informationen auf der Website des Suhrkamp-Verlags.

Veröffentlichung: Anthropologie und christliche Sozialethik

forum-sozialethik-8Fast genau ein Jahr nach der Tagung zum Thema “Anthropologie und (christliche) Sozialethik” freut sich das Vorbereitungsteam des Workshops über die Veröffentlichung der Beiträge.

Worum geht es in dem Band? Die grundlegende anthropologische Frage, was wir als Menschen sind bzw. wie wir uns als Menschen verstehen wollen, ist Forschungsgegenstand aller handlungsleitenden Disziplinen. Sie ist damit eine Leitfrage, der sich auch christliche Sozialethik wie politische Ethik gleichermaßen widmen und widmen müssen. Schließlich sind grundsätzliche Annahmen über das Wesen des Menschen die Basis weitergehender ethischer Überlegungen – und zwar sowohl für individuelles Handeln als auch für die Gestaltung sozialer Strukturen. Mit Bezug auf sehr unterschiedliche anthropologische Ansätze veranschaulichen die Beiträge dieses Bandes, dass kein vorherrschendes oder gar einheitliches Bild vom Menschen existiert. Gerade dies macht jedoch die Erörterung der anthropologischen Grundlagen von Ethik ebenso notwendig wie interessant: Welche Perspektiven aus Theologie, Soziologie, Philosophie und Naturwissenschaft können das Verhältnis von Anthropologie und Ethik klären, wo liegen Herausforderungen, die es interdisziplinär zu untersuchen gilt, welche Menschenbilder liegen etwa in Wirtschaft oder Bildungsinstitutionen Pädagogik vor? – Die vielfältigen Antworten auf diese Fragestellungen verstehen sich als Beiträge zur Diskussion um eine modernitätsge-rechte anthropologische Fundierung christlicher Sozialethik.

Die Herausgeber hoffen sehr, dass dieser Band die Diskussion um Anthropologie und christliche Sozialethik bereichert. Weitere Informationen (z.B. das Inhaltsverzeichnis) zu dem Buch hier.

Wer den Band (für sich oder die Bibliothek) bestellen möchte, kann das über die Seite des Aschendorff Verlags tun.

Bibliographische Angaben: Veith, Werner; Bohmeyer, Axel; Filipović, Alexander, Krauß, Christoph (Hg.) (2010): Anthropologie und christliche Sozialethik. Theologische, philosophische und sozialwissenschaftliche Beiträge. Münster: Aschendorff (Forum Sozialethik, 8).

Umstrittene Denkschrift

Kirche und unternehmerisches Handeln. Neue Perspektiven der Dialogarbeit – so heißt ein neuer Sammelband des “Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt” (kda), der sich mit der Unternehmerdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland beschäftigt. Die Beiträge fragen danach, wie der Dialog zwischen Kirche und Wirtschaft heute gelingen kann. Aus genuin sozialethischer Sicht kommentieren Prof. Dr. Hans-G. Ulrich, evangelischer Sozialethiker aus Erlangen, und Dr. Axel Bernd Kunze, katholischer Sozialethiker aus Bamberg, die umstrittene und äußerst kontrovers diskutierte Denkschrift.

Johannes Rehm, Sigrid Reihs (Hgg.): Kirche und unternehmerisches Handeln. Neue Perspektiven der Dialogarbeit, Stuttgart: W. Kohlhammer 2010.

Neuerscheinung zu Militärgesangbüchern

Die tödlichen Anschläge auf Bundeswehrsoldaten in Afghanistan haben jüngst erst wieder deutlich zu Bewusstsein gebracht, wie nah der Soldatenberuf mit existenziellen Fragen verbunden ist. Auch in einer weithin säkularisierten Gesellschaft spielt die Militärseelsorge daher bis heute eine wichtige Rolle.

An der Universität Bamberg ist eine literaturwissenschaftliche Dissertation entstanden, die auch für alle in der Sozialethik quellen- und mentalitätsgeschichtlich von Belang ist, die sich mit friedens- oder militärethischen Fragen beschäftigen. Andreas F. Wittenberg, bis 1999 Berufssoldat der Bundeswehr, zuletzt im Range eines Brigadegenerals, hat es unternommen, die deutschen Gesang- und Gebetbücher für Soldaten vom achtzehnten Jahrhundert bis in die Gegenwart umfassend zu sichten und gründlich auszuwerten. Wittenberg schließt damit eine wichtige Forschungslücke. Denn wie er in seiner Arbeit darlegen kann, bieten Militärgesangbücher mitunter verlässlichere und authentischere Informationen als Werkausgaben oder Kriegserinnerungen.

Soldatengesangbücher sind nicht zwangsläufig notwendig. Sie entstanden zunächst einmal deswegen, weil sich eine eigenständige Militärseelsorge mit eigenen kirchlichen Strukturen entwickelte. Doch haben Sie sich als äußerst zweckmäßig und hilfreich erwiesen – nicht allein deshalb, weil sie auf die Bedürfnisse von Soldaten zugeschnitten sind und von ihrer Größe her für das Feldgepäck gedacht sind. Sie geben Halt, wecken Zuversicht und Hoffnung. So lässt Wittenberg einen Militärpfarrer, der im Kosovo tätig war, und eine Soldatin, die in Afghanistan eingesetzt war, zu Wort kommen. Diese erklären im Blick auf die bekannten Zeilen Bonhoeffers “Von guten Mächten wunderbar geborgen”, die sich in den aktuell verwendeten Militärgesangbüchern finden: “Diese Gewissheit hat viele Soldaten und mich durch den Einsatz getragen.” Oder: “Es ist unser Lied gegen die Angst” (beide Zitate: S. 359). Der Verfasser beschließt seine Arbeit dann auch mit den Worten: Wenn es Militärgesangbücher “nicht gäbe, müsste man sie erfinden” (S. 367).

Die Arbeit wurde 2009 mit dem “Melchior-Otto-Voit-von-Salzburg-Preis” des Präsidenten der Otto-Friedrich-Universität Bamberg ausgezeichnet. Der Verfasser stellt seine Thesen am 19. Mai 2010 um 20.00 c. t. auf einem Wissenschaftlichen Abend der Leipziger Burschenschaft Alemannia zu Bamberg (www.alemannia-bamberg.de) vor.

Andreas F. Wittenberg: Die deutschen Gesang- und Gebetbücher für Soldaten und ihre Lieder (Mainzer Hymnologische Studien; 23), Tübingen: Francke Verlag 2009, 444 Seiten.

Axel Bernd Kunze (Rez.)

engagement 1/2010

Druckfrisch liegt das neue Themenheft 1/2010 der Zeitschrift “engagement. Zeitung für Erziehung und Schule” auf dem Tisch. Unter den Autoren befinden sich zwei Mitglieder des Forums Sozialethik:

Anna Noweck (missio – Internationales katholisches Missionswerk, München) schreibt über das Projekt “missio: Partner machen Schule. Eine Kooperation im Rahmen der neuen gymnasialen Oberstufe in Bayern” (S. 30 ff.).

Axel Bernd Kunze (Bereich Bildungswissenschaften der Universität Trier) berichtet unter dem Titel “Plädoyer für eine Freiheit aus christlicher Verantwortung” über das neue Handbuch der Katholischen Soziallehre (S. 46 ff.).

Das aktuelle Themenheft, verantwortet von Rafael Frick (PH Ludwigsburg), beschäftigt sich mit der Berufsorientierung Katholischer Schulen. Als weitere Themen sind in diesem Jahr geplant: Koedukation, Biedukation und Monoedukation (Heft 2/2010), Ganztagsschule (Heft 3/2010), Lehrerbildung (Heft 4/2010). Den Auftakt im kommenden Jahr bildet das Thema Institution und Familie in der Bildung (Heft 1/2011).

Die Zeitschrift “engagement” wird herausgegeben vom Arbeitskreis Katholischer Schulen in freier Trägerschaft in der Bundesrepublik Deutschland (AKS) unter der Schriftleitung von Lukas Schreiber. Die Zeitschrift erscheint im Münsteraner Verlag Aschendorff; ein Jahresabonnement kostet 25 Euro zuzüglich Porto.

Jahrbuch Christliche Sozialwissenschaften 2009 (Bd. 50): "Was hält die Gesellschaft zusammen?"

Das Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften (Bd. 50, 2009) ist erschienen: Die Beiträge des fünfzigsten Bandes des Jahrbuchs für Christliche Sozialwissenschaften befassen sich mit dem Thema “Was hält die Gesellschaft zusammen?”. Aus soziologischer und sozialethischer Perspektive werden die sozialen Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenhalts ebenso unter die Lupe genommen wie das Phänomen der religiösen und kulturellen Pluralität in modernen Gesellschaften. Insbesondere werden einige der grundlegenden politisch-philosophischen Antworten auf die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt vorgestellt und erörtert.

Zum Buch:

  • 272 Seiten, Kt., 15×23,5cm, erschienen 2009, ISBN 978-3-402-10982-3
  • 33,00 EUR
  • Leseprobe: Vorwort und Inhaltsverzeichnis können Sie als PDF-Dokument herunterladen.
  • Das Jahrbuch können sie erwerben beim Institut für Christliche Sozialwissenschaften (ics@uni-muenster) oder beim Aschendorff-Verlag.

Weitere Informationen hier.

Neuerscheinung: Stefan Meyer-Ahlen – Ethisches Lernen

Hier ein Hinweis auf das gerade erschienene Buch des theologischen Ethikers Stefan Meyer-Ahlen:

Vor dem Hintergrund einer pluralistischen Gesellschaft kommt Fragen der Wertevermittlung, der Werterziehung – oder allgemeiner – der Unterstützung bei der Suche nach verlässlichen Orientierungsangeboten für das eigene Handeln eine wachsende Bedeutung zu.

Bei Überlegungen zum ethischen Lernen aus Pädagogik, Philosophie, Soziologie und Psychologie wird gezeigt, dass auch die religiöse Dimensionen überaus relevant ist. Sie schafft einen zusätzlichen Ermöglichungsgrund und eine besondere Motivation, sich auf den je persönlichen Weg des Findens von Werten und Maßstäben zu machen.

Anhand ausgewählter Positionen lassen sich zudem Spezifika einer theologischen Ethik herausarbeiten, die zeigen, dass im christlichen Glauben entscheidende Dimensionen auszumachen sind, die zu ethischem Lernen motivieren und ein Finden der eigenen Wertmaßstäbe gelingen lassen können. Ethisches Lernen ist demzufolge zutiefst ein Anliegen der theologischen Ethik. (Verlagstext)

Bibliografische Angaben:

Meyer-Ahlen, Stefan (Hg.) (2010): Ethisches Lernen. Eine theologisch-ethische Herausforderung im Kontext der pluralistischen Gesellschaft. Paderborn: Schöningh Paderborn.

Neuerscheinung: Christof Mandry – Europa als Wertegemeinschaft

Das neue Buch des Sozialethikers Christof Mandry (Erfurt) stellt die Debatten über europäische Werte in den Mittelpunkt einer innovativen und kritischen Untersuchung.

Der Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Antwort, die der EU-Verfassungskonvent auf die Frage nach dem politischen Selbstverständnis der Europäischen Union gegeben hat: Der Verfassungsvertrag – ebenso wie der Vertrag von Lissabon – sehen die EU als eine Wertegemeinschaft. In welchem historischen und politischen Kontext hat sich dieser Ausdruck als Identitätsvokabel für die EU durchsetzen können? Welche Bedeutung hat die Bezeichnung als Wertegemeinschaft für die EU als politische Institution? Und welche Rolle spielt die Kontroverse über die religiösen Wurzeln Europas? Wer eine kritische Aufarbeitung der EU als Wertegemeinschaft sucht, findet in diesem Band eine eingehende Analyse der politischen Debatten, eine genaue Untersuchung der Konsequenzen für das politische Selbstverständnis der EU und eine ethische Einordnung und Bewertung des schillernden Begriffs der „Wertegemeinschaft“. Schließlich legt das Buch eine sozialphilosophisch wie ethisch reflektierte Theorie der Wertfundamente politischer Institutionen im pluralistischen Kontext vor.

Bibliografische Angaben:

Mandry, Christof (2009): Europa als Wertegemeinschaft. Eine theologisch-ethische Studie zum politischen Selbstverständnis der Europäischen Union. Baden-Baden: Nomos (Denkart Europa, 9).

Vgl. auch die Verlags-Website.