Archive for the 'Menschenrechte' Category

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Promotionskolleg Soziale Professionen und Menschenrechte

Zum 1.1.2010 wird an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin, einer staatlich anerkannten Fachhochschule für Sozialwesen, das Promotionskolleg „Soziale Professionen und Menschenrechte“ eingerichtet. Die KHSB möchte mit der Einrichtung des Promotionskollegs den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern und den Forschungsdiskurs zum Thema Menschenrechte innerhalb der Sozialen Professionen vertiefen.

Voraussetzung für die Aufnahme in das Promotionskolleg ist ein abgeschlossenes erstes Hochschulstudium (Diplom, Magister oder Master) in einem Studiengang des Sozial- und Gesundheitswesens (FH oder Universität).

Im Rahmen des Promotionskollegs werden Promotionsstipendien an Frauen ausgegeben.

Nähere Informationen finden Sie unter www.khsb-berlin.de/promotionskolleg

Ihre Bewerbung richten Sie bitte bis zum 30. September 2009 an den Rektor der KHSB:

Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Köpenicker Allee 39-57
10318 Berlin
Tel.: 030 / 50 10 10 13
Fax: 030 / 50 10 10 94
E-Mail: rektorat@khsb-berlin.de

Salzburger Hochschulwoche 2008 zum Nachlesen

Wunibald Müller, promovierter Theologe und Diplompsychologe sowie Leiter des Recollectiohauses in Münsterschwarzach, hat seine Vorträge, die er auf der Salzburger Hochschulwoche 2008 gehalten hat, inzwischen in einem kleinen Bändchen veröffentlicht:

Wunibald Müller: Größer als alles aber ist die Liebe. Für einen ganzheitlichen Blick auf Homosexualität, Ostfildern: Matthias-Grünewald-Verlag  der Schwabenverlag AG 2009, 104 Seiten.

Der Band beschäftigt sich mit dem Thema aus psychologischer, biblischer, theologisch-ethischer und pastoralpraktischer Perspektive.

Das besondere Verdienst von Müller ist, dass er die verschiedenen Positionen innerhalb der christlichen Kirchen, nicht allein der katholischen, reflektiert und sachlich fundiert darstellt, ohne in Einseitigkeiten zu verfallen. Der bekannte Autor, der als einer der ersten Theologen im deutschsprachigen Raum zu diesem Thema geforscht und publiziert hat, vermeidet sowohl restriktive Engführungen als auch idealistische Überhöhungen. Wer sich ausgewogen informieren will, um sich dann ein eigenes Urteil zu bilden, ist mit dem vorliegenden, sehr persönlich geschriebenen Bändchen gut beraten. Eine tiefergehende moraltheologische oder lebensformenethische Reflexion bietet der Verfasser allerdings nicht; hierfür muss man an anderer Stelle suchen. 

Am Ende formuliert Müller pastoral ein sehr kluges Fazit: “Stört die Liebe nicht”. Kirchenpolitisch bleiben allerdings durchaus Fragen offen.

“Neusprech im Überwachungsstaat”

“Wie lassen sich Einschränkungen der Bürgerfreiheit als Gewinn für alle verkaufen? Indem man sie sprachlich vernebelt. Ein Katalog des Neusprech zur Inneren Sicherheit.” – So beginnt “Schäubles Wörterbuch”, das seit kurzem in der Onlineausgabe der “ZEIT” zu finden ist und mit dem die bekannte Hamburger Wochenzeitung die Debatte um die neuen Sicherheitsgesetze kritisch begleiten will. Ergänzungen aus dem Leserkreis sind möglich. “Schäubles Wörterbuch” ist zu finden unter: http://www.zeit.de/online/2009/04/neusprech-schaeuble-lexikon. Dort findet sich auch der Vortrag “Neusprech im Überwachungsstaat” , den der Bamberger Professor Martin Haase Ende November 2008 vor der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. hielt. Der Vortrag lieferte wichtige Anregungen für das Projekt, das die “ZEIT” jetzt gestartet hat.

Arbeitspapier zum Menschenrecht auf Bildung

Die erste Ausgabe innerhalb dieses Jahres aus der Reihe “Arbeitspapiere der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V.” beschäftigt sich mit dem Menschenrecht auf Bildung. Das Heft 1/2009 dokumentiert einen gleichnamigen Vortrag des Vereins, der am 27. Oktober 2008 in der Evangelischen Studentengemeinde Bamberg stattfand. Anlass war das sechzigjährige Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die am 10. Dezember 1948 verabschiedet worden war. Angereichert wird das Heft durch ein Vorwort des Ersten Vorsitzenden der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V., Dr. Nikolai Czugunow-Schmitt, sowie die Erklärung “Die Menschenrechte – unbekannt und nicht realisiert” des Bamberger Erzbischofs Dr. Ludwig Schick zum sechzigsten Jahrestag des UN-Dokuments. Im Anhang ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 im Wortlaut wiedergegeben. Die Onlineausgabe steht unter www.willy-aron-gesellschaft.de kostenfrei als Download zur Verfügung.

Die 2003 gegründete Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. erinnert an den jüdischen Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Rechtsreferendar Willy Aron, der bereits im Mai 1933 auf brutale Weise im Konzentrationslager Dachau hingerichtet worden war; er war das erste Opfer, das der Terror der Nationalsozialisten aus Bamberg forderte. Der Verein hat sich dem Schutz der Menschenrechte, von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verschrieben. Der Verein organisiert unter anderem jährlich eine Zivilcouragerede im Gedenken an Willy Aron und zeichnet für das Bamberger Projekt “Stolpersteine” verantwortlich. Der Verein wird geleitet von Außenwirtschaftsberater Dr. Nikolai Czugunow-Schmitt, Rechtsanwalt Hendrik Leuker und Dipl.-Psych. Rainer Knappe.

Berliner Werkstattgespräch 2009

Das Berliner Werkstattgespräch der Sozialethikerinnen und Sozialethiker (genauer: die Sektion “Sozialethik” der internationalen Vereinigung für Moraltheologie und Sozialethik) widmet sich in diesem Jahr dem Thema “Identitäten – Zugehörigkeiten – Grenzen. Migration als sozialethische Herausforderung”. Die Tagung findet vom 2. bis 4. März 2009 in der Katholischen Akademie Berlin statt. Eingeladen sind Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus dem Bereich der Christlichen Sozialethik. Voraussetzung der Tagungsteilnahme ist ein abgeschlossenes Promotionverfahren. Anmeldeschluss: 22. Jan. 2009.

Das Programm sieht vor:

  • Soziologische Zugänge zum Thema Migration (MICHAEL BOMMES (angefragt))
  • Sozialethische Zugänge zum Thema Migration (MICHELLE BECKA / CHRISTOPH HÜBENTHAL)
  • Identitäten: Theoretische und praktische Ambivalenzen (Vortrag: WALTER LESCH, Korreferat: HILLE HAKER)
  • Zugehörigkeiten: Citizenship, Partizipation, Inklusion (Vortrag: MICHELLE BECKA, Korreferat: MATTHIAS MÖHRING-HESSE)
  • Grenzen: Sozialethische Anfragen an das Konzept staatlicher Souveränität (Vortrag: ALBERT-PETER RETHMANN, Korreferat: N.N.)
  • Migrationspolitik zwischen Eigeninteresse und ethischem Anspruch. Öffentliche Abendveranstaltung in Kooperation mit der Katholischen Akademie;  Staatsministerin MARIA BÖHMER, MARIANNE HEIMBACH-STEINS u.a.
  • Parallele Workshops zur politischen Relevanz der sozialethischen Reflexion auf Identitäten, Zugehörigkeiten und Grenzen:
  • Workshop 1: Religion – Integrationsmotor oder -hemmnis? Impuls und Leitung: CHRISTOPH BAUMGARTNER, Berichterstatter: CHRISTOPH HÜBENTHAL
  • Workshop 2: Integration durch Bildung? Impuls und Leitung: KATJA NEUHOFF, Berichterstatter: AXEL BERND KUNZE
  • Workshop 3: Genderaspekte in der Migration. Impuls und Leitung: MARIANNE HEIMBACH-STEINS, Berichterstatter: MARIA KATHARINA MOSER

Vgl. auch den Flyer zur Tagung.
Kontakt: Prof. Dr. MICHAEL SCHRAMM, Universität Hohenheim (570 C), 70593 Stuttgart
Fon 0711-458282-502
Fax 0711-458282-568
Web: http://www.uni-hohenheim.de/kath-theol/michael_schramm.htm

Neusprech 1984 – 2008

Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. diskutiert über die Sprache der Politik: In ihrer Vortragsreihe zum sechzigjährigen Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte widmete sich die Willy-Aron-Gesellschaft am Montag dem Thema Innere Sicherheit und Schutz der liberalen Grund- und Freiheitsrechte aus einer für dieses Thema eher ungewohnten Perspektive, nämlich aus sprachwissenschaftlicher Sicht. Unter dem Titel: „Neusprech 1984 – 2008: Politikersprache zwischen Orwell und Onlineüberwachung“ untersuchte der Bamberger Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Martin Haase, wie Politiker sprachlich und rhetorisch für Maßnahmen werben wie die Vorratsdatenspeicherung, die heimliche Online-Überwachung, den Abbau von Datenschutz und die Verschärfung von Sicherheitsgesetzen.

Der Referent, der als Professor für romanische Sprachwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg unter anderem über Sprachpflege und Sprachplanung arbeitet, ging von George Orwells düsterem Zukunftsroman 1984 aus, der vor sechzig Jahren veröffentlicht wurde. Darin stellt Orwell eine staatlich verordnete Sprache vor, die er Neusprech nennt. In dieser Sprache werden Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen durch positiv-besetzte Wörter, oppositionelles Verhalten durch negativ-besetzte ausgedrückt: so heißt das allmächtige Sicherheitsministerium minitrue, kritisches Gedankengut wird als crimethink bezeichnet. Orwell bezog diese Idee unter anderem aus zeitgenössischen Arbeiten zur Sprachkritik, zur politischen und unternehmerischen Öffentlichkeits­arbeit (public relations) und zur Werbung. Haase zeigte dann, dass sich die von Orwell schon damals kritisierten sprachlichen Verfahren auch heute wiederfinden – insbesonders wenn es um die Einschränkung von Freiheitsrech­ten bei Maßnahmen der inneren Sicherheit geht. In einer Reihe von zu Gehör gebrachten Tonbeispielen von Politikerreden und Interviews fand der Referent eine Vielzahl von positiv-besetzten Wörtern und sprachlichen Mitteln, die unpopuläre Maßnahmen beschönigen oder den Hörer über die geplanten Änderungen im Unklaren lassen. Dabei beschränken sich die sprachlichen Merkmale nicht auf den Wortschatz, sondern betreffen auch den Bereich der Grammatik und Rhetorik; rhetorische Verfahren der Ablenkung und der Scheinargumentation fielen besonders auf.

An den Vortrag schloss sich eine angeregte Diskussion an. Die Diskussionsteilnehmer fanden weitere Beispiele für den Ersatz negativ-besetzter Wörter aus den Bereichen der Außen- und Verteidigungs­politik, und es wurde diskutiert, inwieweit anhand von sprachlichen Veränderungen politische und gesell­schaft­liche Trends beobachtet und vorhergesagt werden können. Die Teilnehmer empfanden den kritischen Umgang mit Sprache als sehr wichtig.

(Martin Haase, Axel Bernd Kunze)

Einladung Forum Sozialethik 2008

Liebe Freundinnen und Freunde des Forums Sozialethik!

Sicherheit statt Freiheit? Während sich die beiden Begriffe im aktuellen politischen Diskurs um die innere Sicherheit als Antipoden gegenüberliegen, lassen sie sich doch auch als einander wechselseitig bedingend konzipieren: Freiheit durch Sicherheit, oder aber: Sicherheit durch Freiheit. Risiko wiederum ist – als mögliche Folge von Freiheit – ein Gegenpol zu Sicherheit.

Freiheit – Sicherheit – Risiko: Diese drei Termini lassen sich zudem auf eine ganze Reihe unterschiedlicher gesellschaftlicher Bereiche beziehen und kontrovers diskutieren – und sie lohnen zweifellos eine eingehende und facettenreiche sozialethische Auseinandersetzung.

Das Forum Sozialethik 2008 wendet sich diesen Begriffen, ihrer Zuordnung zueinander und den damit verbundenen gesellschaftlichen Herausforderungen in sozialethischer Perspektive zu. Das Verhältnis der Begriffe wird insbesondere in politisch-ethischer, medizinethischer und wirtschaftsethischer Hinsicht diskutiert.

Die KOMMENDE Dortmund und das diesjährige Vorbereitungsteam laden herzlich ein zum gemeinsamen sozialethischen Diskurs und zu angeregten Diskussionen darüber, welche Bedeutung Konzeptionen von Freiheit und Sicherheit in der Gegenwart haben, wie sie sich gesellschaftlich auswirken und inwiefern sich in sensiblen Bereichen unverkennbar Risikodimensionen ergeben.

Alle Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

Johannes Frühbauer
Michael Hörter
Anna Noweck

(Vorbereitungsteam)

Herder Korrespondenz – Ausgabe 4/2008

Titel Herder KorrespondenzDie aktuelle Aprilausgabe der Herder Korrespondenz enthält zwei Bamberger Beiträge, die sozialethisch interessant sind:

Zum einen fragt Heinrich Bedford-Strohm, Direktor der im Januar 2008 an der Universität Bamberg neugeschaffenen Dietrich-Bonhoeffer-Forschungsstelle: “Wie eng ist die Verbindung zwischen Ekklesiologie und Ethik?” (S. 192 – 196). Seine Antwort entwickelt Bedford-Strohm in Auseinandersetzung mit “zwei prominenten ökumenisch relevanten Entwürfen der Sozialethik” (S. 196): Dabei handelt es sich zum einen um die Darstellung seiner Bamberger Kollegin, Marianne Heimbach-Steins, in dem von ihr herausgegebenen Lehrbuch “Christliche Sozialethik” (Regensburg 2004 f.), zum anderen um das Werk “Perspektiven ökumenischer Sozialethik” aus der Feder von Ingeborg Gabriel (katholisch), Ulrich Körtner (evangelisch) und Alexandros Papaderos (orthodox). Bedford-Strohm wendet sich gegen Positionen (z. B. Helge Wulsdorf, Wolfgang Thönissen), die jüngst noch einmal die fortbestehenden fundamentalen Differenzen zwischen katholischer und evangelischer Sozialethik betont haben, beispielsweise im Kirchenverständnis. Der Bamberger Sozialethiker plädiert hingegen für einen verstärkten gemeinsamen Lernprozess. Sein Fazit am Ende: “Ein Blick auf den Pluralismus in der katholischen Ethik und ihr Pochen auf den Sensus fidelium als Quelle der Verbindlichkeit auf der einen Seite und auf die neue Suche nach Verbindlichkeit in der evangelischen Ethik auf der anderen Seite zeigen, dass das wechselseitige Gespräch nicht nur längst begonnen hat, sondern auch schon reife Früchte getragen hat. [...] Es ist Zeit, die Sozialethik und die Ethik überhaupt konsequent als ökumenische Ethik zu begreifen. Der Pluralismus innerhalb der unterschiedlichen konfessionellen Traditionen gibt dazu schon jetzt genügend Ansatzpunkte.” (S. 196).

Zum anderen geht Andreas Lienkamp, Professor für theologisch-ethische Grundlagen Sozialer Arbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und Habilitand an der Universität Bamberg, unter dem Titel “Ansprüche noch nicht Gezeugter” der Frage nach, ob Generationengerechtigkeit als Staatsziel in das Grundgesetz aufgenommen werden sollte, damit die Rechte künftiger Menschen besser als gegenwärtig geschützt werden können (S. 204 – 208). Der Autor plädiert auf Basis seiner menschenrechtsethischen Überlegungen am Ende dafür, entsprechende Parlamentsinitiativen zu unterstützen und “so zum Abbau eines entscheidenden Strukturdefizits auch der deutschen Demokratie beizutragen” (S. 208). Sicherlich wäre es spannend, die genannte Frage auch noch einmal rechtsethisch und rechtssystematisch zu beleuchten.

Desweiteren findet sich in der genannten Ausgabe der Herder Korrespondenz ein Beitrag von Johannes Reiter zur Frage “Menschenwürde oder Forschungsfreiheit? Die Stammzellforschung bleibt umstritten” (S. 178 – 182). Die drei Akademiedirektoren Joachim Hake (Berlin), Stephan Loos (Hamburg) und Joachim Valentin (Frankfurt a. M.) machen sich Gedanken, über die “Aufgabe katholischer Akademien in säkularen Metropolen” (S. 182 – 187). Lesenswert schließlich noch ein Beitrag von Udo Schnieders zum Fundraising in deutschen Bistümern: “Mehr als kirchliches Spendenwesen” (S. 187 – 192).

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.

Hirtenwort von Karl Kardinal Lehmann zum Thema Integration

Unter dem Titel “Jeder Mensch – eine Chance. Über einige praktische Folgen der Menschenwürde in unserer Gesellschaft” hat Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz, ein Hirtenwort zur Österlichen Bußzeit veröffentlicht, das das Thema Beteiligung – Inklusion – Integration umkreist. Zitat:

“Das Phänomen [der Ausgrenzung, des Ausgeschlossenseins, af] ist in den letzten Jahren gewachsen. Es sind nicht nur Einzelfälle. Es gibt auch in ganz Europa solche Situationen. Darum gibt es seit einiger Zeit sozialwissenschaftliche Untersuchungen, die sich mit dieser Gruppe von Menschen eigens beschäftigen. Dabei geht es nicht nur um die alte Unterscheidung von Oben und Unten. Quer durch die Schichten und Milieus zieht sich eine Spaltung zwischen denen, die von den Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse profitieren, und jenen, die nicht mithalten können. Es sind auch nicht nur Randgruppen, sondern das Phänomen des Ausgeschlossenseins wandert mehr und mehr bis in die Mitte der Gesellschaft. Man erfährt sich dann als Bittsteller des Staates, meidet eher soziale Kontakte und verliert auch zusehends das Vertrauen zu sich selbst. Mancher ist überrascht, wie schnell er auf diesem Weg in das soziale Abseits gerät.” (Quelle)

Die Thematik hat das Forum Sozialethik im Jahr 2006 behandelt: “Mittendrin und nicht dabei?”. Auf die daraus entstandene Publikation weist Lehmann im Anhang (“Erste Literaturhinweise”) erfreulicher Weise auch hin.

Veröffentlichung: Beteiligung, Inklusion, Integration

Cover Beteiligung Forum Sozialethik 5Fast genau ein Jahr nach der Tagung zum Thema “Beteiligung, Inklusion, Integration” freut sich das Vorbereitungsteam des Workshops über die Veröffentlichung der Beiträge.
Worum geht es in dem Band? Die Erfahrung, von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen abgeschnitten und ausgegrenzt zu sein, ist bei immer mehr Menschen zu beobachten. Diese Entwicklung stellt eine politische Herausforderung dar: Die Einbindung der Menschen in die gesellschaftlichen Verhältnisse wird zunehmend schwieriger. Die Ermöglichung der Teilhabe und Teilnahme am wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Leben der Gesellschaft erscheint als eine entscheidende politische Aufgabe des 21. Jahrhunderts.
Beteiligung, Inklusion und Integration sind Begriffe, die auf diese Phänomene sowohl in beschreibender als auch in normativer Hinsicht „reagieren“. Auf diese Weise stellen sie geeignete Erkenntnisinstrumente für sozialethische Probleme der modernen Gesellschaft dar. Die Bedeutung dieser Konzepte für das christlich-sozialethische Denken im interdisziplinären Kontext herauszuarbeiten und an konkreten Beispielen zu verdeutlichen, ist Ziel des Bandes.
Die einzelnen Beiträge orientieren sich an der Leitfrage: Welche Konzepte und welche ethischen Vorstellungen können mit Beteiligung, Inklusion und Integration verbunden werden und inwieweit eignen sich diese als normative Orientierungen für die moderne Gesellschaft?
Die Herausgeberin und die Herausgeber hoffen sehr, dass dieser Band die Diskussion um Beteiligung, Inklusion und Integration im sozialethischen Kontext bereichert. Weitere Informationen zu dem Buch hier.
Wer den Band (für sich oder die Bibliothek) bestellen möchte, kann das mit diesem Formular tun.
Bibliographische Angaben: Eckstein, Christiane; Filipović, Alexander; Oostenryck, Klaus (Hg.) (2007): Beteiligung, Inklusion, Integration. Sozialethische Konzepte für die moderne Gesellschaft. Münster, Westf.: Aschendorff (Forum Sozialethik, 5).

Informations-Technik und Ethik

Technik (oder Technologie?) kann heile oder kaputt sein. Das sind dann aber eher Probleme, die Ingenieure zu lösen haben. Technikethik als sozialethischer Bereich hat andere Fragestellungen im Blick, die die Zusammenhänge von Technik und Gesellschaft berühren. Auf www.netzwerk-medienethik.de macht Michael Nagenborg auf den UNESCO-Report “Ethical Implications of Emerging Technologies” (Paris 2007) aufmerksam. Ich zitiere:

“The Infoethics Survey of Emerging Technologies prepared by the NGO Geneva Net Dialogue at the request of UNESCO aims at providing an outlook to the ethical implications of future communication and information technologies. The report further aims at alerting UNESCO’s Member States and partners to the increasing power and presence of emerging technologies and draws attention to their potential to affect the exercise of basic human rights.” (S. 4)

Bildungsgerechtigkeit – Kurzer Tagungsrückblick

Schon vorletztes Wochenende fand eine Expertentagung zum Thema „Das Menschenrecht auf Bildung“ in Nürnberg statt (19./20.01.07, Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus). Das Symposium ist Teil eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projektes zu zentralen Fragen der Bildungsgerechtigkeit. Beteiligt sind der Bamberger Lehrstuhl für Christliche Soziallehre und Allgemeine Religionssoziologie (Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins) und das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover (FIPH, Prof. Dr. Gerhard Kruip). Ein ausführlicherer Tagungsbericht von Axel Bernd Kunze ist hier veröffentlicht.

Einen größeren Auftritt hatten Katia Neuhoff und Axel Bernd Kunze. Beide bearbeiten im Rahmen des Projektes ihre Qualifikationsarbeiten und haben erste Ergebnisse vorgestellt. Ich empfand das als ein Oberseminar der besonderen Art: Vor einer kleinen, aber zum Teil hochkarätigen und kritischen Fachöffentlichkeit wissenschaftliche Forschungsergebnisse zu präsentieren und in der Diskussion zu rechtfertigen ist “nicht ohne”. Beide waren sehr sortiert und genau und haben spannend referiert.

Christof Mandry und Alexander Filipovic hatten einen Kurzauftritt: Sie konnten am Samstag Morgen jeweils einen kurzen zusammenfassenden Diskussionsimpuls einbringen. Die übrigen Referenten: PD Dr. Heiner Bielefeldt (Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte), Dr. Michael Griesbeck (Vizepräsident im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge), Dr. Hans Hesselmann (Leiter des Menschenrechtsbüros der Stadt Nürnberg).

Die Beiträge der Tagung erscheinen im Herbst im Band 1 der Reihe “Forum Bildungsethik” im W. Bertelsmann Verlag. Ein zweites Symposium zum Thema ist für Anfang nächsten Jahres geplant.