Archive for the 'Friedensethik' Category

CfP Forum Sozialethik 2017: “Christliches Abendland”? Zerfallserscheinungen in Europa als Herausforderung Christlicher Sozialethik

Forum Sozialethik

Das Projekt Europa ist in der Krise: Der Brexit, die Finanzkrise, die mangelnde Einigkeit in der Migrationspolitik oder undurchsichtige Bürokratien sind Herausforderungen, die zur Spaltung Europas geführt haben bzw. diese vertiefen. Hinzu kommen rechtspopulistische Bewegungen und Parteien, die sich als legitime Repräsentationsmedien eines „wahren Volkswillens“ verstehen und sich zur Stimme derer machen, die sich von Abstiegsängsten bedroht fühlen. Politische Kräfte in verschiedenen Ländern Europas können bei ihrem mit Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus geführten Kampf um das so genannte „Christliche Abendland“ teilweise beachtliche Erfolge verbuchen.

Europa und der europäische Einigungsprozess dienen jedoch vor allem der Entwicklung und Sicherung des Friedens, die heute keineswegs selbstverständlich, sondern vielfältig bedroht sind. Die Krisen Europas und das Erstarken antieuropäischer Kräfte verlangen deshalb nach grundlegender Analyse und sozialethischer Reflexion.

Das Vorbereitungsteam lädt Interessierte herzlich ein, sich mit einem Beitrag am Forum Sozialethik 2017 (18.-20.09.2017) zu beteiligen und anhand der eigenen Forschung Fragen zu den Herausforderungen Europas zu diskutieren. Die genannten Fragen sind hierbei lediglich als erste Anregungen zu verstehen. Angesprochen sind Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaft­lerinnen (Promotion, Habilitation) sowie fortgeschrittene Studierende des Faches Sozialethik im deutschsprachigen Raum. Vertreterinnen und Vertreter aus benachbarten Disziplinen (Philosophie, Politikwissenschaft, Soziologie usw.) sind herzlich willkommen. Das Forum pflegt einen Werkstattcharakter, d.h. dass besonderer Wert auf den freien wissenschaftlichen Austausch gelegt wird.

Nähere Informationen sowie weiterführende inhaltliche Impulse sind dem Call for Papers zu entnehmen. Der Call ist geöffnet bis zum 3. April 2017.

Alle weiteren Informationen auf der Tagungswebsite.

Universalität der Menschenrechte: Tagung in Tübingen

Menschenrechte

Unter dem Titel “Die Universalität der Menschenrechte und ihre Legitimierung in Christentum und Islam” findet vom 26.-28. Januar 2017 eine interdisziplinäre Tagung an der Universität Tübingen statt. Erörtert werden sollen unter anderem folgende Fragen:

Müssen die Menschenrechte im Rückgriff auf das Wesen des Menschen begründet und formuliert werden? Lässt sich das Wesen des Menschen unabhängig von seiner kulturellen Selbstverständigung und Selbstgestaltung aufweisen? Falls nein, wie lässt sich dann der universale Geltungsanspruch der Menschenrechte verteidigen, ohne kulturelle Differenzen zu nivellieren?

Die Tagung ist offen für Beiträge aus theologischen, philosophischen, sozialwissenschaftlichen und juristischen Perspektiven. Sie wird ausgerichtet vom Forum Scientiarum der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit dem Weltethos-Institut und der Stiftung Weltethos ausgerichtet. Weitere Informationen finden sich im (bis zum 30. November 2016 geöffneten) Call for Papers.

Neuerscheinung und CfP: Zeitschrift für Flüchtlingsforschung

(c) Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) | pixelio.de

Das interdiszplinäre Netzwerk Flüchtlingsforschung hat ein neues Publikationsorgan ins Leben gerufen: die Z’Flucht (Zeitschrift für Flüchtlingsforschung).  Bei der halbjährlich erscheinenden Z’flucht handelt es sich um

ein neues peer-reviewed journal, das wissenschaftliche Beiträge aus unterschiedlichsten Disziplinen zu Fragestellungen der Zwangsmigrations- und Flüchtlingsforschung veröffentlicht. […] Angesichts der unterschiedlichen fachlichen Perspektiven, aus denen entsprechende Fragen gestellt werden können, gilt ein besonderes Augenmerk der interdisziplinären Diskussion [und] dem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis […].

Durch die interdisziplinäre Ausrichtung und beabsichtigte Praxisrelevanz dürfte die Zeitschrift auch für Sozialethiker_innen interessant sein. Sie soll wissenschaftliche Aufsätze, Forumsbeiträge und Rezensionen in deutscher, englischer und französischer Sprache enthalten. Manuskripte können jederzeit bei der Redaktion eingereicht werden. Hinweise für Autoren_innen und weitere Informationen finden sich auf den Websiten des Nomos-Verlags und des Netzwerks Flüchtlingsforschung.

Tagung: “Flucht, Religion und Integration – Interreligiöse Impulse”

Das Jakobushaus in Goslar, die Akademie des Bistums Hildesheim lädt am 15./16. Oktober 2016 zu einer  Tagung “Flucht, Religion und Integration – Interreligiöse Impulse” ein.

Ziel dieser Tagung ist es, den Zusammenhang Flucht – Religion – Integration genauer zu beleuchten und auch zu hinterfragen, ob Religion darin tatsächlich eine relevante Größe ist, oder ob nicht noch andere Faktoren (politische, kulturelle, wirtschaftliche o.ä.) eine bedeutende Rolle spielen. Zu diesem Thema diskutieren Wissenschaftler_innen aus unterschiedlichen Bereichen – Theologie, Religionswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Islamwissenschaft, Sozialwissenschaft etc. Gleichzeitig erfolgt eine Rückschau auf die Flüchtlingshilfe der vergangenen Jahre durch Berichte aus der Praxis: Wie sichtbar (und wichtig) ist Religion bei der Flüchtlingshilfe in Moscheevereinen und kirchlichen Einrichtungen? Und was kann interreligiöser Austausch bei der Integration der Geflüchteten leisten?

Referent_innen sind u. a.  Prof. Dr. Micha Brumlik (Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main und Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg), Dr. Hans-Jürgen Marcus (Diözesan-Caritasdirektor Hildesheim), Prof. Dr. Alexander-Kenneth Nagel (Georg-August-Universität Göttingen), Pater Frido Pflüger SJ (Direktor Jesuiten-Flüchtlingsdienst, Berlin), Prof. Dr. Riem Spielhaus (Georg-August-Universität Göttingen und Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung, Braunschweig) sowie Vertreter_innen der Flüchtlings- und Integrationshilfe der Stadt Goslar.

Mehr Informationen sowie das Programm befinden sich auf der Tagungshomepage.

Migration, Sicherheit und Frieden (S+F 1/2016)

(c) Nomos Verlag

Die neue Ausgabe der Zeitschrift “Sicherheit und Frieden” (S+F) widmet sich interdisziplinären Fragen rund um das Thema Migration. Zu Anlass und Inhalt schreibt Chefredakteurin Patricia Schneider:

Die Vorstellung, dass steigende Opferzahlen im Mittelmeer abschreckend wirken, wie häufig propagiert, hat sich als Fehlschluss herausgestellt. Vielmehr ist die Anzahl der Flüchtlinge, die das Mittelmeer überqueren, aufgrund eines Mangels an legalen Einreisemöglichkeiten und befeuert durch aktuelle Krisen und Konflikte 2015 weiter erheblich gestiegen. Die Zahl der Todesopfer und Vermissten ist auf Rekordhöhe.

Angesichts dieser Situation stehen die Politik- und Sozialwissenschaften vor zahlreichen Fragen, die auch für eine praxisrelevante ethische Auseinandersetzung mit Flucht und Migration beachtenswert sind:

Inwiefern werden die Ursachen in den Herkunftsländern bisher in politischen Konzepten adressiert und wie könnten Ansätze verbessert werden? Welche Auswirkungen hat Migration auf den sozialen Frieden, Freiheit und regionale Stabilität, nicht nur in Anrainerländern von Konfliktstaaten, sondern auch in Aufnahmeländern (Chancen und Risiken)? Ist ein Normenwandel in der Gesellschaft hinsichtlich der Behandlung und Akzeptanz von Flüchtlingen festzustellen? Wie könnte dieser Wandel sich auf Migranten auswirken? Welche Genderaspekte sind zu berücksichtigen? Welches Risiko besteht für Zuwanderungsländer durch Terroristen, die sich als Flüchtlinge tarnen, tatsächlich? Welche Konsequenzen könnte der Diskurs über Flüchtlinge als Risiko und damit als Grenzschutzaufgabe für Menschenrechte und internationale Verpflichtungen haben? Welche Folgen hat der Diskurs über Flüchtlinge als innergesellschaftliches Destabilisierungsrisiko innerhalb der EU?

Viele dieser Fragen werden von den aus unterschiedlichen Disziplinen stammenden Autorinnen und Autoren der Ausgabe aufgegriffen. Ein Teil der Beiträge ist zum freien Download verfügbar unter http://www.sicherheit-und-frieden.nomos.de/archiv/2016. Weitere Informationen und Ausgaben finden sich unter http://www.sicherheit-und-frieden.nomos.de/archiv.

Neues aus der Friedensforschung

(c) Thomas Max Müller / pixelio.de

Migration ist ein friedensethisch relevantes Problem: Was fast schon trivial klingt, wird durch das soeben erschienene Friedensgutachten 2016 und den neuen Global Peace Index bestätigt und wissenschaftlich unterfüttert. Die weltweite Zunahme von Flucht- und Wanderungsbewegungen korrespondiert demnach einem globalen “Rückzug” des Friedens und dem bereits im Februar vom Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI konstatierten Anstieg der weltweiten Rüstungsausgaben.

Angesichts dieser Entwicklungen plädieren die Autoren des Friedensgutachtens für strukturelle Veränderungen wie eine gerechtere Welthandelsordnung und mehr Ressourcen für zivile Konfliktbewältigung. In der flankierenden Presseeklärung fordern sie unter anderem ein Ende der Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien, an kurdische Peschmerga-Kämpfer und generell in Krisengebiete. Hinzu kommt scharfe Kritik an Integrationshemmnissen wie der Wohnsitzauflage und dem erschwerten Zugang zu Sprachkursen.

Das Friedensgutachten ist das gemeinsame Jahrbuch des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, des Instituts für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg-Essen, der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und des Internationalen Konversionszentrums. Der ebenfalls jährlich erscheinende Global Peace Index wird herausgegeben vom Institute for Economics and Peace.

“Flucht und Migration” – Communicatio Socialis 1/2016

ComSoc-1_2016-Umschlag-600x915Medienethische Fragen im Kontext von Flucht und Migration sind das Thema des aktuellen Hefts von Communicatio Socialis (Heft 1/2016). Das Heft ist online erschienen; einige Texte sind frei erreichbar. Communicatio Socialis ist eine Zeitschrift für Medienethik und Kommunikation in Kirche und Gesellschaft.

In den Medien ist „Flucht“ omnipräsent. Anne Will diskutierte in sechs von acht Sendungen von Januar bis Anfang März 2016 über Flucht, Flüchtende und die Auswirkungen. So groß wie das öffentliche Interesse scheint auch die Sensibilität der Öffentlichkeit zu sein, wenn es um das Was und Wie der Berichterstattung geht. – Aus medienethischer Perspektive bietet das Thema „Flucht und Migration“ unzählige Anknüpfungspunkte. Dem trägt Communicatio Socialis mit dem Schwerpunkt „Flucht und Migration in den Medien“ Rechnung.

„Das Märchen vom überkochenden Brei“

Der Themenschwerpunkt beginnt mit dem Aufsatz „Das Märchen vom überkochenden Brei“ von Friederike Herrmann über „Narrative in der Berichterstattung zum Flüchtlingsthema“ (frei im E-Journalund auf Übermedien). Der Beitrag fußt auf einer Analyse von TV-Nachrichtensendungen und Tageszeitungen. Die Autorin kann zeigen, dass die in der medialen Massenkommunikation vorherrschenden und meist negativ konnotierten Narrative Fakten verdrängen. Petra Hemmelmann und Susanne Wegner geben einen Überblick über die Flüchtlingsdebatte im Spiegel von Medien und Parteien (frei im E-Journal). Auf „Facebook“ spiegelte sich die Spaltung der Gesellschaft wider, wobei vor allem die AfD und die CSU mit ihren ablehnenden Haltungen zur Aufnahme von Flüchtenden Zuspruch erhalten. Mit der Darstellung von Flucht und Migration im Film befasst sich Thomas Bohrmann. Der Autor stellt sechs verschiedene Filme vor, die den Zuschauer zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema auffordern, weil sie emotionale und kognitive Impulse bieten.

Das neue Heft ist ab sofort online abrufbar. Die Artikel können auch einzeln erworben werden. Wie gewohnt erscheint die neue Ausgabe auch in gedruckter Form. Die Zeitschrift Communicatio Socialis erscheint im verzögerten Open Access: 12 Monate nach Erscheinen eines Artikels ist er frei im Netz zugänglich.

CfP: Konferenz der Flüchtlingsforschung 2016

Vom 06.-08.10.2016 findet an der Universität Osnabrück die erste Konferenz der Flüchtlingsforschung statt. Ausgerichtet wird sie vom Netzwerk Flüchtlingsforschung, das seit einigen Jahren über alle Fächergrenzen hinweg Wissenschaftler_innen verbindet, die in oder mit Bezug zu Deutschland an Fragen von Flucht und Migration arbeiten. Sichtbares Ergebnis dieser Netzwerkarbeit ist unter anderem der lesenswerte und regelmäßig aktualisierte FlüchtlingsforschungsBlog.

Die Konferenz umfasst 34 Panels, von denen einige – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der diesjährigen Forumstagung zum Thema Migration – auch für Sozialethiker_innen interessant sein dürften. Darunter befinden sich zwei Panels zu “Flucht und Bildung” (Nr. 12), eines zu ethischen Fragen der Flüchtlingspolitik (Nr. 14) sowie eines zu Flüchtlingsarbeit als Friedensarbeit (Nr. 15).

Abstracts für Vorträge zu einzelnen Panels können noch bis zum 31.03.2016 eingereicht werden. Alle relevanten Informationen dazu sowie eine Liste der Panels enthält der ausführliche Call for Papers; für Nützliches und Wissenswertes zur Tagung gibt es zudem eine eigene Informationsseite.

Stellenausschreibung: Geschäftsführer_in und Bildungsreferent_in bei pax christi

pax christi-Logo

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt für den Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi eine/einen Geschäftsführer/in und Bildungsreferenten/in, Schwerpunkt Friedensbildung (zusammen 100 %). Erwünscht sind unter anderem Erfahrungen in der Friedens-, Verbands- oder Bildungsarbeit sowie ein pädagogisches, theologisches oder sozialwissenschaftliches Studium.

Die Stelle ist befristet bis zum 31.12.2018; die Bewerbungsfrist endet am 13.03.2016. Dienstort ist Stuttgart. Alle relevanten Informationen und Kontaktangaben finden sich online und zum Download in der Stellenausschreibung.

Mehr als ein Fall für die Caritas: Stellungnahme zur christlichen Flüchtlingsarbeit

(c) Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) | pixelio.de

Warum sollen Christinnen und Christen sich für Flüchtlinge engagieren? Wie soll dieses Engagement konkret aussehen? Und wie kann die Erfahrung der gegenwärtigen Flüchtlingskrise als „Zeichen der Zeit“ („Gaudium et spes“, Nr. 4) das theologische Denken, Schreiben, Reden und Handeln beeinflussen? Mit diesen Fragen hat sich die auf der Jahrestagung des Forum Sozialethik 2014 gebildete Arbeitsgruppe Friedensethik über mehrere Monate hinweg auseinandergesetzt. Aus den theologischen Reflexionen und praktischen Erfahrungen der AG-Teilnehmer ist ein Positionspapier entstanden, das jetzt als pdf-Datei zum Herunterladen, Nach- und Weiterlesen verfügbar ist.

[…] Zu den wichtigsten Orten einer „großherzigen Nächstenliebe“ („Evangelii gaudium“, Nr. 28) gehört daher die christliche Gemeinde […]. Wie für die individuelle Hilfe gibt es auch im Gemeindebereich bereits viele Vorbilder und inspirierende Beispiele, die zeigen, wie eine – gleich, wie „alte“ oder „junge“, „lebendige“ oder „verstaubte“ – Pfarrgemeinde das Leben der Menschen vor Ort mit dem der Ankommenden verbinden und dadurch neues Er-Leben schaffen kann, das alles andere als lebensfern und oberflächlich ist.

Solch „neues Leben“ zu fördern, ist über die pfarrliche und kommunale Ebene hinaus zudem eine Aufgabe der Bistümer und ihrer Regionen. Vielleicht mag oder kann nicht jeder moderne epískopos es seinen antiken Vorgängern gleich tun und Reisende, sprich Flüchtlinge, im eigenen Haus aufnehmen – aber eine „aktive Flüchtlingspolitik“ betreiben sollten Bischöfe und Bistümer durchaus. Dazu gehören unter anderem die Einrichtung eigener Projekte (einen Überblick mit weiterführenden Links bietet die Deutsche Bischofskonferenz) das Kirchenasyl, die öffentliche Stellungnahme gegen Fremdenhass (Beispiele stammen u. a. vom Berliner Bischof Koch und dem Lingener Pfarrer Brandebusemeyer), aber auch die Unterstützung und notfalls Ermahnung von Gemeinden […].

Flucht und Migration: ein Tagungshinweis und Material zum Weiterlesen

(c) Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) | pixelio.de

Die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) veranstaltet vom 20.-22.11.2015 (u. a. gemeinsam mit der KU Eichstätt-Ingolstadt) eine Tagung zu Migration – Frieden – Human Security an der Universität Göttingen. Thematisiert werden neben der aktuellen Situation in Europa vor allem Hintergründe von Flucht und Migration sowie politische und gesellschaftliche Handlungsmöglichkeiten. Die Veranstaltung ist interdisziplinär ausgerichtet, es referieren Wissenschaftler, Politiker und Vertreter von Hilfsorganisationen. Eine Programmübersicht bietet der Tagungsflyer; die Anmeldung ist bis zum 16.11. möglich.

Unter den Referenten sind auch Autoren des FlüchtlingsforschungsBlog, auf dem in vergangenen Monaten wieder eine Reihe sehr lesenswerter Beiträge erschienen sind, die auch Nicht-Migrationsforschern ausgezeichnete Blicke hinter die Kulissen der aktuellen Entwicklungen ermöglichen. Wer sich als interessierter Sozialethiker z. B. über Fluchtursachen und ihre Bekämpfung oder über das ehrenamtliche Engagement für Flüchtlinge informieren möchte, findet hier differenzierte, solide recherchierte und mit zahlreichen weiterführenden Links versehene Artikel.

Zum Thema Fluchtursachen sei schließlich noch auf einige Wortmeldungen aus den Kirchen des Nahen Ostens hingewiesen, die Radio Vatikan in den letzten Tagen veröffentlicht hat. Die Aussagen des irakischen Patriarchen, des Bischofs von Aleppo und des syrisch-katholischen Patriarchen von Antiochien zeigen gerade in der Zusammenschau die Komplexität der Fragen auf, die hierzulande wissenschaftlich beleuchtet werden:

Continue reading ‘Flucht und Migration: ein Tagungshinweis und Material zum Weiterlesen’

CfP (Un)sichtbarkeit im Konflikt und (un)sichtbare Konflikte

Die Konferenz des Arbeitskreises junger Wissenschaftler_innen der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK) findet im Jahr 2016 vom 2.-3.- März zum Thema „Making the Invisible Visible: (Un)sichtbarkeit im Konflikt und (un)sichtbare Konflikte” im Gustav Stresemann Institut (GSI) in Bonn statt.

Die Konferenz thematisiert Fragen der Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Konflikt(gescheh)en. Hiermit möchte der Arbeitskreis kritische und innovative Diskussionen zur Repräsentation von Konfliktgeschehen in öffentlichen Debatten befördern. Darüber hinaus sollen auch die Praktiken und Diskurse internationaler Akteure sowie der Friedens- und Konfliktforschung selbst hinterfragt werden. Der breit gefasste Titel zielt darauf ab, junge Forschende aus unterschiedlichen (Teil-)Disziplinen zu ermutigen, „Licht ins Dunkel“ häufig vernachlässigter Aspekte der Friedens- und Konfliktforschung zu bringen.

Für diese Tagung gibt es auch einen Call, der bis zum 15. August 2016 geöffnet ist.

Zwischen Medizin- und Militärethik: “Ethik & Militär” 1/2015

(c) Katharina Wieland Müller| pixelio.de

Die neue Ausgabe des halbjährlich erscheinenden E-Journals “Ethik und Militär” widmet sich einem ethischen “Randgebiet” im doppelten Wortsinn: Medizinische Hilfeleistungen in Gewaltkonflikten werfen sowohl militär- als auch medizinethische Probleme auf. Damit bewegen sie sich nicht nur an den Rändern verschiedener ethischer Spezialgebiete, sondern erscheinen auch im Gesamtbild der (Sozial-)Ethik zunächst marginal.

Was auf den ersten Blick exotisch wirkt, bietet bei näherem Hinsehen eine Fülle von Anknüpfungspunkten an andere ethische Diskussionen. So ist etwa das Thema Human Enhancement, also die Steigerung menschlicher Leistungsfähigkeit z. B. durch technische und pharmazeutische Mittel, in militärischen und militärmedizinischen Kontexten von besonderer Brisanz, wie Bernhard Koch in seinem Artikel ausführt. Die in diesem Zusammenhang relevante Frage, ob Soldaten bevorzugt Zugang zu leistungssteigernden Mitteln und medizinischen Leistungen erhalten sollten, stellt sich im weiteren Sinn schon bei der Behandlung Verwundeter und Kranker in Konflikt- und Krisensituationen, in denen sowohl Soldaten als auch Zivilisten der Hilfe bedürfen – und Militärärzte bzw. Sanitäter sich in Rollenkonflikten wiederfinden. Ethisch akzentuierte Perspektiven dazu bieten neben anderen die Beiträge von Daniel Messelken und Paul Bouvier. Abgerundet wird die Ausgabe u. a. durch diverse praxisbezogene Beiträge aus den Reihen der Bundeswehr und internationaler Hilfsorganisationen.

Alle Artikel sind nachzulesen unter ethikundmilitaer.de. Wie bei den bisherigen Ausgaben verhelfen kurze Abstracts zu den einzelnen Artikeln sowohl dem interessierten Laien als auch dem kursorisch lesenden Experten zu einem guten Überblick.

Flüchtlingsforschung – ein neuer Blog und ein ethisch bedeutsames Thema

(c) Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) | pixelio.de

Flucht, Vertreibung und durch wirtschaftliche Not erzwungene Migration gibt es vermutlich schon mindestens so lange wie die Menschheit. Dass Menschen sich gezwungen sehen, ihre bisherige Heimat zu verlassen und nach neuen Orten zu suchen, kann viele Gründe haben – und wirft noch mehr Fragen auf. Angesichts der jüngsten Tragödien im Mittelmeer wird wieder einmal deutlich, wie vielschichtig “die Flüchtlingsproblematik” ist und wie schwierig sich der Umgang damit gestaltet: Politiker wollen unter dem Druck der öffentlichen Meinung die Ursachen bekämpfen und Flüchtlingsströme regulieren – doch die Ursachen sind so vielfältig wie die Entwicklungszusammenarbeit mühsam ist. Hilfsorganisationen und die italienische Marine möchten so viele Menschenleben wie möglich retten – doch je mehr es ihnen gelingt, desto mehr Menschen wagen die gefährliche Überfahrt. Schleuser profitieren von millionenfacher Not und Verzweiflung einerseits und strikten Einwanderungsregeln andererseits. Die europäischen Bürger schwanken zwischen Hilfsbereitschaft, Ratlosigkeit und undifferenzierter Fremdenfeindlichkeit. Und die tatsächlich irgendwo angekommenen Flüchtlinge sehen sich mit ungeahnten Schwierigkeiten konfrontiert …

Die zahlreichen unterschiedlichen Aspekte und Detailprobleme haben inzwischen eine Vielzahl wissenschaftlicher Herangehensweisen in verschiedenen Disziplinen inspiriert, die lose unter dem Schlagwort Flüchtlingsforschung zusammengefasst werden:

“Die Flüchtlingsforschung – oder konkreter die Zwangsmigrations- und Flüchtlingsforschung – konzentriert sich auf die wissenschaftliche Untersuchung u.a. rechtlicher, politischer, sozialer, geographischer und kultureller Aspekten der Zwangsmigration. So erklärt sich, dass die Flüchtlingsforschung multi- und interdisziplinär ist und u.a. die Soziologie, Politik-, Geschichts- oder Rechtswissenschaft, Ethnologie, Wirtschaftswissenschaften, Geographie, Kultur- und technische Wissenschaften oder medizinische Wissenschaftsfelder umfasst.” (Ulrike Krause)

Seit anderthalb Jahren existiert in Deutschland das Netzwerk Flüchtlingsforschung, dessen im Februar 2015 neu gestartetem FlüchtlingsforschungsBlog auch das obige Zitat entnommen ist. Netzwerk und Blog versammeln Beiträge aus Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Soziologie, Rechtswissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung, Psychologie, Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften. Eine beeindruckende Bandbreite, in der aus sozialethischer Sicht das scheinbare Fehlen jeglicher ethischen Reflexion auffällt – scheinbar deswegen, weil viele Wortmeldungen und Publikationen aus verschiedenen Disziplinen ethische Fragen zumindest anreißen. Als Beispiel seien die einleitenden Worte eines Kommentars zum EU-Flüchtlingsgipfel zitiert:

“Die Ergebnisse des Flüchtlingsgipfels entsprechen nicht den menschen- und flüchtlingsrechtlichen Verpflichtungen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten. Diese entspringen einer Situation, in der die Europäer selbst Verfolgung ausgesetzt waren. Sie daran heute zu erinnern, ist Aufgabe einer wachen Wissenschaft und Zivilgesellschaft.” (Petra Bendel)

Dass zu einer wachen Wissenschaft und Zivilgesellschaft auch eine wache und interdisziplinär arbeitende Sozialethik gehört, sollte sich eigentlich von selbst verstehen … Im Rahmen des Forum Sozialethik beschäftigt sich derzeit die auf der Forumstagung 2014 ins Leben gerufene AG Friedensethik mit dem Thema Flüchtlinge und Flüchtlingsarbeit – und freut sich jederzeit über Diskussionsanstöße, Informationen und Interessierte, die vielleicht selbst schon an ethisch relevanten Aspekten der Flüchtlingsforschung arbeiten (gerne die Kommentarfunktion auf dieser Seite nutzen)!

E-Journal “Ethik und Militär”: Cyberwar – ein Angriff auf Freiheit und Demokratie?

Quelle: ethikundmilitaer.de | Special 2/2014 - Cybersicherheit in Deutschland

Unangenehme Osterüberraschungen: In den vergangenen Tagen sind mit dem französischen Sender TV5 Monde und der belgischen Zeitung Le Soir zwei Medienunternehmen Ziel aufsehenerregener Hackerangriffe geworden. Solche Attacken, ob sie nun von Terroristen, Kriminellen, Geheimdiensten, Netzaktivisten oder anderen ausgehen, gehören längst zum digitalen Alltag. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt oder gar ignoriert, werfen sie aber deutlich mehr als “nur” technische Fragen auf – und verdienen kritische Aufmerksamkeit auch außerhalb der Büroräume von Kaspersky, McAfee & Co.

Einen ersten Überblick über das Spektrum ethisch relevanter Aspekte im Themenkomplex “Cyberwarfare und IT-Sicherheit” bietet die derzeit aktuelle Ausgabe 2/2014 des noch jungen E-Journals “Ethik und Militär. Kontroversen der Militärethik & Sicherheitskultur”, herausgegeben vom Hamburger Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften (zebis). Die Autorinnen und Autoren der Ausgabe – Politikwissenschaftler, Ethiker, Juristen, Politiker und Computerexperten – thematisieren eine Vielzahl von Fragen: Wird das Internet zum “Schlachtfeld der Zukunft”, auf dem jeder halbwegs fähige kriminelle Hacker mit sehr realen Auswirkungen Krieg spielen kann? Welche Rolle spielen Staaten und Privatwirtschaft? Ist der Cyberspace ein rechtsfreier Raum bzw. inwiefern ist hier geltendes nationales und internationales Recht anwendbar? Und was kann die wissenschaftliche Ethik zur Regulierung des Cyberkriegs beitragen? Die in Deutsch und Englisch verfügbaren Artikel sind relativ kurz gehalten und mit Abstracts versehen, um die behandelten Themen auch über die jeweiligen Fachkreise hinaus zu vermitteln und damit das interdisziplinäre Gespräch anzuregen. Alle Beiträge und Abstracts auf einen Blick finden sich auf ethikundmilitaer.de.