Die aktuelle Aprilausgabe der Herder Korrespondenz enthält zwei Bamberger Beiträge, die sozialethisch interessant sind:
Zum einen fragt Heinrich Bedford-Strohm, Direktor der im Januar 2008 an der Universität Bamberg neugeschaffenen Dietrich-Bonhoeffer-Forschungsstelle: “Wie eng ist die Verbindung zwischen Ekklesiologie und Ethik?” (S. 192 - 196). Seine Antwort entwickelt Bedford-Strohm in Auseinandersetzung mit “zwei prominenten ökumenisch relevanten Entwürfen der Sozialethik” (S. 196): Dabei handelt es sich zum einen um die Darstellung seiner Bamberger Kollegin, Marianne Heimbach-Steins, in dem von ihr herausgegebenen Lehrbuch “Christliche Sozialethik” (Regensburg 2004 f.), zum anderen um das Werk “Perspektiven ökumenischer Sozialethik” aus der Feder von Ingeborg Gabriel (katholisch), Ulrich Körtner (evangelisch) und Alexandros Papaderos (orthodox). Bedford-Strohm wendet sich gegen Positionen (z. B. Helge Wulsdorf, Wolfgang Thönissen), die jüngst noch einmal die fortbestehenden fundamentalen Differenzen zwischen katholischer und evangelischer Sozialethik betont haben, beispielsweise im Kirchenverständnis. Der Bamberger Sozialethiker plädiert hingegen für einen verstärkten gemeinsamen Lernprozess. Sein Fazit am Ende: “Ein Blick auf den Pluralismus in der katholischen Ethik und ihr Pochen auf den Sensus fidelium als Quelle der Verbindlichkeit auf der einen Seite und auf die neue Suche nach Verbindlichkeit in der evangelischen Ethik auf der anderen Seite zeigen, dass das wechselseitige Gespräch nicht nur längst begonnen hat, sondern auch schon reife Früchte getragen hat. [...] Es ist Zeit, die Sozialethik und die Ethik überhaupt konsequent als ökumenische Ethik zu begreifen. Der Pluralismus innerhalb der unterschiedlichen konfessionellen Traditionen gibt dazu schon jetzt genügend Ansatzpunkte.” (S. 196).
Zum anderen geht Andreas Lienkamp, Professor für theologisch-ethische Grundlagen Sozialer Arbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und Habilitand an der Universität Bamberg, unter dem Titel “Ansprüche noch nicht Gezeugter” der Frage nach, ob Generationengerechtigkeit als Staatsziel in das Grundgesetz aufgenommen werden sollte, damit die Rechte künftiger Menschen besser als gegenwärtig geschützt werden können (S. 204 - 208). Der Autor plädiert auf Basis seiner menschenrechtsethischen Überlegungen am Ende dafür, entsprechende Parlamentsinitiativen zu unterstützen und “so zum Abbau eines entscheidenden Strukturdefizits auch der deutschen Demokratie beizutragen” (S. 208). Sicherlich wäre es spannend, die genannte Frage auch noch einmal rechtsethisch und rechtssystematisch zu beleuchten.
Desweiteren findet sich in der genannten Ausgabe der Herder Korrespondenz ein Beitrag von Johannes Reiter zur Frage “Menschenwürde oder Forschungsfreiheit? Die Stammzellforschung bleibt umstritten” (S. 178 - 182). Die drei Akademiedirektoren Joachim Hake (Berlin), Stephan Loos (Hamburg) und Joachim Valentin (Frankfurt a. M.) machen sich Gedanken, über die “Aufgabe katholischer Akademien in säkularen Metropolen” (S. 182 - 187). Lesenswert schließlich noch ein Beitrag von Udo Schnieders zum Fundraising in deutschen Bistümern: “Mehr als kirchliches Spendenwesen” (S. 187 - 192).
Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.
[Zitationsangaben für diesen Beitrag:]
[Angaben verbergen]
Bitte wie folgt zitieren:
Kunze, Axel Bernd (2008): Herder Korrespondenz - Ausgabe 4/2008. In: Forum Sozialethik [Weblog], 3 Apr. 2008. Online-Publikation: http://www.forumsozialethik.de/2008/04/03/herder-korrespondenz-ausgabe-42008/. Abrufdatum: March 12, 2010
Alternativ die APA citation:
Kunze, Axel Bernd. (2008). Herder Korrespondenz - Ausgabe 4/2008. Retrieved March 12, 2010, from Forum Sozialethik Web site: http://www.forumsozialethik.de/2008/04/03/herder-korrespondenz-ausgabe-42008/
Letzte Kommentare