Die katholische Ethik und der Geist des Korporatismus – eine Replik auf Martin Rhonheimer

Jonas Hagedorn, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Frankfurter Nell-Breuning-Institut und am Darmstädter Institut für Theologie und Sozialethik, hat eine Replik auf Einlassungen zur katholischen Soziallehre geschrieben, die Prof. Martin Rhonheimer in der NZZ vom 5. April 2016 sowie in der FAZ vom 17. Mai 2016 veröffentlicht hat.

In seinen Artikeln geht Rhonheimer insbesondere mit der scheinbaren Unterschätzung der Funktion des freien Unternehmers durch die katholische Soziallehre und mit der Kapitalismuskritik des kirchlichen Lehramts hart ins Gericht. Neben der Anerkennung des Unternehmers als treibender Kraft im Wirtschaftsprozess, der sich die katholische Soziallehre bisher sträflich verweigert habe, fordert Rhonheimer – in libertärer Manier – eine uneingeschränkte Akzeptanz marktwirtschaftlicher Arrangements – kurz und gut: das freie Spiel der freien Kräfte. Dieses allein würde auch die Armen besser stellen. Dem Vorbehalt gegenüber einem allzu leichtfertigen Heilsglauben an den „Trickle-down-Effekt“ (gerade wenn tatsächlich alle Effekte, inklusive der ökologischen Kosten etc., aggregiert würden) erteilt er eine deutliche Absage.

Hagedorn weist in seiner Replik darauf hin, dass die Tradition kirchlicher Soziallehre und Sozialethik den Unternehmer mitnichten ignoriert, sondern seine Bedeutung ausgesprochen positiv bewertet. Ein marktradikales Denken, welches Rhonheimer vertritt und in dem der kirchlicherseits immer positiv konnotierte Wohlfahrtsstaat und postliberale Korporatismus keine Rolle spielen, kennt die Tradition der Soziallehre der Kirche zudem nicht. Entsprechende Einlassungen zeugen daher von einem großen Mangel an Traditionsbewusstsein.

Der komplette Text der Replik auf Martin Rhonheimers Interpretation der katholischen Soziallehre von Jonas Hagedorn (Nell-Breuning-Institut/Frankfurt a.M.) findet sich hier.

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