Monthly Archive for Oktober, 2011

Tagungsbericht Forum Sozialethik 2011

Arbeit – ein Schlüssel für soziale Gerechtigkeit!?
Bericht zum 21. Forum Sozialethik (05.-07.09.2011) in der Katholischen Akademie Schwerte

Spätestens seit dem 19. Jahrhundert erscheint „Arbeit” als Zentralthema christlich-sozialethischer Reflexionen und kirchlicher Soziallehre. Diese Tradition aufnehmend stellte das diesjährige Forum Sozialethik vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen in der Arbeitswelt neu die Fragen nach dem Verhältnis von Arbeit und Mensch-Sein, nach gerechten Arbeitsverhältnissen und nach „guter Arbeit”. Junge Sozialethiker(innen) stellten ihre Überlegungen zur Diskussion und tauschten sich mit den rund 35 Teilnehmern aus.

Den ersten thematischen Block der Tagung unter dem Stichwort „Arbeit und Mensch-Sein” eröffnete Christian Stoll (Wien). Er stellte fest, dass Arbeit auch in der modernen Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft überwiegend Tätigkeiten umfasse, die vom Ausführenden nicht als Teil seiner personalen Vollzüge verstanden werden. Der integrale Zusammenhang von Person und Arbeit, wie ihn etwas Laborem exercens beschreibe, sei daher als kritisches Potential zu nutzen, um die Selbstentfaltung des Einzelnen und der Gesellschaft in Arbeit zu befördern.

Ergänzend hierzu brachte Sonja Sailer-Pfister (Vallendar) den Aspekt der Muße ein. Diese werde in einer zunehmend beschleunigten Arbeitsgesellschaft stark vernachlässigt. Ihre theologische Relevanz verdeutlichte Sailer-Pfister im Rekurs auf die biblische Fundierung der Sabbattradition im göttlichen Schöpfungsakt – Muße als Teilhabe an der Ruhe Gottes am 7. Schöpfungstag, als Vergegenwärtigung des Schöpfungswerkes, das getan wurde. Forderungen nach dem Schutz des freien Sonntags seien auf dieser Grundlage vehement zu unterstützen.

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Neue Ausgabe von “Ethik und Gesellschaft” erschienen

eugNeu erschienen: Sonderheft der Zeitschrift “Ethik und Gesellschaft” 2011: Arbeit – Eigentum – Kapital. Zur Kapitalismuskritik der großen Sozialenzykliken.
Das ›Sonderheft 2011‹ der ›Ethik und Gesellschaft‹ stellt sich die Aufgabe, zentrale Themen und Motive der langen Tradition päpstlicher Sozialverkündigung in der modernen kapitalistischen Industriegesellschaft noch einmal Revue passieren zu lassen und auf ihre Zukunftspotenziale hin zu befragen.
In diesem Sonderheft der Online-Zeitschrift finden sich verschiedene Texte der 1. Heppenheimer Tage zur christlichen Gesellschaftsethik dokumentiert. Weitere Informationen hier.

Zukunft Internet?

Die Piratenpartei hat in Berlin für eine gewaltige Wahlüberraschung gesorgt; den Internetaktivisten ist es gelungen, aus dem Stand deutlich über die Fünfprozenthürde zu springen und ins Abgeordnetenhaus einzuziehen. Wer die Wochenzeitung “Die Zeit” regelmäßig verfolgt, wird hingegen festgestellt haben, dass in dem liberalen Blatt aus Hamburg zunehmend kritischere Töne gegenüber dem Internet zu hören sind. Die Wortführer sind zwei “Zeit”-Redakteure aus dem Wirtschaftsressort. Thomas Fischermann und Götz Hamann warnen davor, dass die Interneteuphorie bald vorbei sein könnte:

Thomas Fischermann/Götz Hamann: Zeitbombe Internet. Warum unsere vernetzte Welt immer störanfälliger und gefährlicher wird, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2011, 255 Seiten.

Am Anfang des Flugverkehrs wurde diskutiert, ob eine Überfluggenehmigung der Grundstückseigentümer notwendig sei. Die Frage wurde verneint. Und man kann sich fragen, wie sich die neue Technik entwickelt hätte, wenn damals anders entschieden worden wäre. Thomas Fischermann und Götz Hamann sehen die Welt heute vor einer ähnlichen Grundsatzentscheidung, wenn auch mit anderer Stoßrichtung: Soll das Internet auf Dauer erfolgreich sein soll, bedarf es politischer Regelungen. Andernfalls, so die Wirtschaftsredakteure der liberalen Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“, könnte das Internet über kurz oder lang an seinem eigenen Erfolg zugrundegehen. Die Autoren entziehen sich der gängigen Interneteuphorie und benennen deutlich die vielfältigen Gefahren von Datenmissbrauch, Cyberattacken und Hackerangriffen. Verteufelt wird das Internet aber keineswegs. Doch wird seine Zukunft davon abhängen, ob es wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich klug genutzt wird. Ein lesenswerter Diskussionsanstoß.

Axel Bernd Kunze (Rez.)

Befristete Wissenschaft?

Die Evangelische Akademie Hofgeismar führt im November eine Tagung zu einem Thema durch, das Nachwuchswissenschaftler direkt betrifft. In der Tagungsankündigung heißt es:
Hofgeismarer Gespräche zur Wissenschaftspolitik 18./19. November 2011
„Befristete Wissenschaft?“– Das Sonderarbeitsrecht für öffentlich finanzierte Wissenschaftler auf dem Prüfstand

Mit der Reform der Regeln für befristete Arbeitsverträge für Wissenschaftler sollte die Karriereplanung für den wissenschaftlichen Nachwuchs erleichtert werden und ihm zu einem frühen Zeitpunkt überschaubare Perspektiven für die individuelle Lebensplanung verschaffen. Mit der Erweiterung der Drittmittelbefristungsmöglichkeit im WissZeitVG soll flexibler auf biographische Besonderheiten in der individuellen Karriere reagiert werden können. In der Praxis scheinen die Länder und die Hochschulen sowie die außeruniversitären Forschungseinrichtungen durch die Schaffung neuer Personalkategorien einerseits und/oder durch die extensive Ausschöpfung von Befristungsmöglichkeiten andererseits die neuen Spielräume eher in umgekehrter Richtung auszuschöpfen. So wird im Drittmittelbereich auch oft auf die Qualifika­tionsbefristung zurückgegriffen. Damit verwischt das Verhältnis von Qualifikationsforschung und Drittmittelforschung bzw. das Verhältnis von selbstdefinierter Forschungstätigkeit und Auftragsforschung. Fragmentierte Befristungen in Drittmittelprojekte führen zur Entwicklung einer freien Mitarbeiterschaft, wie sie im Kulturbereich bekannt sind. Auch die Nutzung der Qualifikationsbefristung für die Beschäftigung von Personal, das wesentlich Lehraufgaben wahrnimmt, wirft Fragen nach der Zukunftsfähigkeit der Befristungsmöglichkeiten auf. Neben diesen Strukturen stehen im Bereich der Ressortforschung Einrichtungen mit Forschungsaufgaben, die von den Befristungsmöglichkeiten fast keinen Gebrauch machen. Das Hofgeismarer Gespräch soll eine aktuelle Lageeinschätzung zu den Perspektiven der Beschäftigungsstrukturen in öffentlich finanzierten Wissenschaftssektor liefern und Reformbedarf und –optionen im Befristungsrecht für Wissenschaftler diskutieren.

Das detaillierte Programm ist unter http://www.ekkw.de/akademie.hofgeismar/tagungen.htm abrufbar.

Für Rückfragen steht gern zur Verfügung:
Studienleiter Dr. jur. Herwig Unnerstall M. A.
Evangelische Akademie Hofgeismar
Postfach 12 05
34362 Hofgeismar

Tel. (0 5 67) 8 81-1 19
Telefax (0 5 67) 8 81-1 54
E-Mail: Herwig.Unnerstall@ekkw.de

Internet: www.akademie-hofgeismar.de