Monthly Archive for Mai, 2011

Helmuth Becker verstorben

Am 20. Mai 2011 verstarb im Alter von 81 Jahren der frühere Vizepräsident des Deutschen Bundestages und langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. E. h. Helmuth Becker. Bundestagspräsident Norbert Lammert würdigte bei einer Schweigeminute im Parlament den Verstorbenen als “außergewöhnliche Parlamentarierpersönlichkeit” und “Meister des Pragmatismus”, der über alle Parteigrenzen hinweg geschätzt worden sei.

Dem Parlament gehörte Becker, der über die Gewerkschaftsarbeit zur Politik kam, von 1969 bis 1994 an. Er war unter anderem Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundespostministerium sowie nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik von 1995 bis 2000 Präsident der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments. Der in Münster geborene Diplomingenieur engagierte sich nicht zuletzt für die deutsch-polnische Aussöhnung; die Universität Breslau ehrte ihn dafür mit der Ehrendoktorwürde.

Dr. E. h. Helmuth Becker hatte seinerzeit die Veröffentlichung des Forums Sozialethik von 2002 mit dem Titel “Wissensgesellschaft. Herausforderungen für die christliche Sozialethik” mit einer Spende
unterstützt.

R. I. P.

APUZ 20-21/2010: Organspende und Selbstbestimmung

apuz1Zum nahenden “Tag der Organspende” am 04. Juni widmet sich die neue Ausgabe der Zeitschrift “Aus Politik und Zeitgeschichte (kurz: APuZ)” (20-21/2011) den medizinischen, rechtlichen und ethischen Aspekten der Transplantationsmedizin:

Angesichts der vielfältigen Kritik am Hirntodkriterium, welches in den meisten europäischen Ländern als das Kriterium für die legale Organentnahme gilt, diskutiert der Beitrag “Wie tot sind Hirntote. Alte Fragen – neue Antworten” von Sabine Müller drei Optionen: 1.  eine Neubestimmung des Todeskriteriums, 2. die Abschaffung der Tote-Spender-Regel (dead donor rule) und 3. ein Verbot von Organentnahmen aus hirntoten Patienten.

Die Tatsache, dass trotz aufwändiger Initiativen der Mangel an Organen ein chronisches Problem der Transplantationsmedizin ist, verweise, so die zentrale These des Essays “Organspende – tödliches Dilemma oder ethische Pflicht?” von Anna Bermann, auf das ethische Problem, dass in der Transplantationsmedizin zwei sich widersprechende Ethiken in Konkurrenz zueinander stehen: Einerseits die potenzielle Lebensrettung durch Organspende, anderseits die damit einhergehenden Tabuüberschreitungen, die unsere Vorstellungen von Menschenwürde, Medizinethik und des sozialen Umgangs mit sterbenden und verstorbenen Menschen aus den Angeln heben.

Der Beitrag “Transplantationsmedizin zwischen Fortschritt und Organknappheit” von Eckhard Nagel, Kathrin Alber und Birgitta Bayerl gibt einen knappen Überblick über die Geschichte der Transplantationsmedizin und fasst zentrale rechtliche und ethische Aspekte zur Organspende zusammen.

Der Frage, ob und inwiefern der menschliche Körper und seine Teile als Eigentum behandelt werden können, widmet sich der Artikel “Mein Körper – mein Eigentum?” von Christian Lenk

Aus sozialethischer Sicht  besonders interresant ist der Beitrag “Kann ein regultierter Organmarkt den Organmangel beheben” von Ingrid Schneider, in dem die Autorin Modelle zur Kommerzialiserung sowohl der postmortalen Organspende als auch der Lebendspende und ihrer Auswirkungen einer kritischen Überprüfung unterzieht.

Ellen E. Küttel-Pritzer und Ralf R. Tönjes widmen sich in ihrem gemeinsamen Artikel “Tierorgane und Gewebezüchtung als Alternativen zum Spendeorgan?” der Frage, ob die Übertragung von lebens- und funktionstüchtigen Zellen oder Zellverbänden, einschließlich ganzer Organe, zwischen verschiedenen Spezies (die sog. Xenotransplantation) eine Möglichkeit wäre, der Versorgungsknappheit der Warteliste bei der Allotransplantation, also der Transplantation menschlicher Organe, zu begegnen.

Der abschließende Beitrag “Zum Wandel im Umgang mit der menschlichen Leiche” von Dominik Groß untersucht, angesichts der Individualisierungstendenzen bei der Bestattung des menschlichen Leichnams neue Möglichkeiten der Bestattung, z. B. die Promession (Kompostierung des toten Körpers), Resomation (Auflösung des Leichnams durch Einwirkung einer starken Lauge), die Diamantisierung oder der Plastination, bei der das in den Zellen enthaltene Wasse duch Kunststoff ersetzt wird. Groß deutet diesen “Bestattungspluralismus” als Ausdruck des Bestrebens, den persönlichen Handlungspielraum über den Tod hinaus auszudehnen.

Zur Zeitschrift: APuZ ist eine kostenlose Beilage der Wochenzeitung “Das Parlament” und wird von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben. APuZ versteht sich als

Forum kontroverser Diskussion, eine Einführung in komplexe Wissensgebiete und bietet eine ausgewogene Mischung aus grundsätzlichen und aktuellen Analysen.

Das vollständige Heft kann hier eingesehen werden.

Aktualisierter Call for Posters

Anlässlich der Fachtagung „Ressourcen – Lebensqualität – Sinn. Gerechtigkeit für die Zukunft denken“ (04. – 06. Oktober 2011) sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Christlichen Sozialethik (und ihren Bezugswissenschaften) eingeladen, ihre aktuellen Forschungsprojekte als Posterpräsentation vorzustellen:

Im Stile eines „Markts der Möglichkeiten“ soll hier Gelegenheit zum Austausch über innovative Konzepte in sozialethisch relevanten Theorie- und Praxisfeldern gegeben werden sowie ein Dialog zwischen den ForscherInnengenerationen zustande kommen. Die Vorstellung von Projekten, die nicht unmittelbar an das Tagungsthema anknüpfen, ist daher ausdrücklich erwünscht. Die Ausschreibung ist auch für Studierende offen, die eine Abschlussarbeit mit sozialethischem Schwerpunkt erstellen.

Zudem besteht für NachwissenschaftlerInnen und Studierende die Möglichkeit, sich – in Verbindung mit einer Posterpräsentation – für ein Stipendium zur Teilnahme an der Tagung zu bewerben.

Den Call for Posters mit weiteren Hinweisen können Sie hier downloaden.