Monthly Archive for Juni, 2010

Neugründung

Am Samstag, 26. Juni 2010, wurde in Köln im Rahmen des Kongresses “Bildungsstandards auf dem Prüfstand” die neue GESELLSCHAFT FÜR BILDUNG UND WISSEN gegründet. Die neue  Gesellschaft versteht sich nicht als Partei, wohl aber als ein Zusammenschluss von Verantwortlichen aus unterschiedlichen Bereichen des Bildungswesens, der bewusst die “offensive politische Kommunikation mit gesellschaftlichen Gruppen und der (Medien-) Öffentlichkeit” sucht. “Die Aktivitäten”, so schreibt die neue Gesellschaft in ihrer Selbstdarstellung, “leben von der Leidenschaft am argumentativen Streit um die gemeinsame Sache von Bildung und Wissen”.

Kontakt und weitere Informationen:

Gesellschaft für Bildung und Wissen e. V.

Goethe-Universität Frankfurt am Main

Sophienstraße 1 – 3

D-60487 Frankfurt am Main

Tel. (0 69) 7 98-2 81 50

Fax (0 69) 7 98-2 27 78

E-Mail: info@bildung-wissen.eu

Internet: www.bildung-wissen.eu

Tagung „Sozialethik konkret“ im September zu “Gleichheit – Ungleicheit – Gerechtigkeit”

bild_10-81620. – 21. September 2010
Gleichheit – Ungleichheit – Gerechtigkeit
Fachtagung in der Reihe: Sozialethik konkret
Tagungsort: Akademie Franz Hitze Haus, Münster

Trotz hoher Investitionen in Bildung, Integration und die anderen Bereiche des Sozialstaats steigt in Deutschland das Risiko, von Armut betroffen zu sein. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens seines Landes zur Verfügung hat. So hat es die Europäische Kommission festgelegt, die 2010 zum Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung ausgerufen hat.

bild_flyer_10-816Immer häufiger ist von einer Spaltung der Gesellschaft die Rede. Wieviel Ungleichheit verträgt eine Gesellschaft, wieviel Gleichheit ist notwendig, um den Zusammenhalt der Gesellschaft zu gewährleisten? Wie positioniert sich die Christliche Sozialethik angesichts der Armuts- und Exklusionsphänome? Welche Lösungsstrategien bietet sie an und wie werden diese aus der Sicht anderer Wissenschaftsdisziplinen beurteilt?

In der Reihe „Sozialethik konkret“ wird mit der diesjährigen Tagung diese vielschichtige Problematik aufgegriffen und aus der Sicht unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen diskutiert. Dabei soll der spezifisch wissenschaftliche Lösungsbeitrag der Christlichen Sozialethik zu den Frage- und Problemstellungen der Armutsthematik herausgearbeitet werden.

Im Dialog mit den anderen Wissenschaften sollen eine ausgewogene Beurteilung der jeweils analysierten Problemstellung erreicht, Vorschläge zur konkreten Gestaltung von Reformprozessen und Strukturveränderungen erarbeitet und offene und weiterführende Fragestellungen identifiziert werden.

Weitere Informationen zur Tagung mit allen Themen und Referenten unter: http://www.franz-hitze-haus.de/info/10-816. Siehe dazu auch den Flyer.

Umstrittene Denkschrift

Kirche und unternehmerisches Handeln. Neue Perspektiven der Dialogarbeit – so heißt ein neuer Sammelband des “Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt” (kda), der sich mit der Unternehmerdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland beschäftigt. Die Beiträge fragen danach, wie der Dialog zwischen Kirche und Wirtschaft heute gelingen kann. Aus genuin sozialethischer Sicht kommentieren Prof. Dr. Hans-G. Ulrich, evangelischer Sozialethiker aus Erlangen, und Dr. Axel Bernd Kunze, katholischer Sozialethiker aus Bamberg, die umstrittene und äußerst kontrovers diskutierte Denkschrift.

Johannes Rehm, Sigrid Reihs (Hgg.): Kirche und unternehmerisches Handeln. Neue Perspektiven der Dialogarbeit, Stuttgart: W. Kohlhammer 2010.

Einladung zum Forum Sozialethik 2010

Liebe Freundinnen und Freunde des Forums Sozialethik!
Gerechtigkeitsdiskurse gehören zu den klassischen Aufgaben der Philosophie. Heute stellt sich die Geechtigkeitsfrage in einer radikal globalen Weise, da das Nebeneinander von Überfluss und tödlicher Not medial vermittelt für jeden Menschen erfahrbar wird.
Das Schlagwort „Entwicklung“ betrifft dabei nicht nur den Bereich der Politik, die den Aufbau tragfähiger Überlebensstrukturen in ärmeren Volkswirtschaften zum Ziel hat, sondern auch in grundlegender Weise die Suche nach normativen Ordnungen für das Zusammenleben von Menschen auf der ganzen Erde.
Gerade vor dem Hintergrund einer immer rasanter werdenden Dynamik globaler Zusammenhänge fragt deshalb das diesjährige Forum Sozialethik nach einer „Ethik der Entwicklung“. Auf der Basis der Diskussion grundlegender ethischer Perspektiven hinsichtlich der Systematik von Entwicklung stehen drei konkrete Anwendungsbereiche im Fokus: Politisch-ethische Beiträgen diskutieren die Ansätze von Entwicklungszusammenarbeit und Good Governance und öffnen dem Blick auf den Beitrag weiterer supranationaler institutioneller Akteure. Es schließen sich wirtschaftsethische Fragestellungen an, die sich Gerechtigkeitsfragen in ökonomischen Zusammenhängen stellen. Schließlich liegt ein dritter Schwerpunkt auf Entwicklungsverantwortlichkeiten unter umweltethischen Aspekten. Wir sind gespannt auf anregende und intensive Diskussionen!
Ganz besonders freuen wir uns, dass sich das Forum Sozialethik in diesem Jahr zum zwanzigsten Mal jährt. Zur gebührenden Feier dieses Jubiläums laden wir deshalb zu einem abendlichen Podiumsgespräch, das Einblick in Gründung und Geschichte des Forum Sozialethik gibt, mit anschließendem Empfang herzlich ein.

Es grüßt herzlich das Vorbereitungsteam
Markus Demele (Frankfurt am Main)
demele@sankt-georgen.de

Michael Hartlieb (Würzburg)
michael.hartlieb@uni-wuerzburg.de

Anna Noweck (München)
a.noweck@missio.de

Programm und Informationen zur Anmeldungen finden Sie auf der Tagungswebseite.

Katholische Friedensstiftung gegründet

Am 5. März 2010 wurde die Katholische Friedensstiftung gegründet. Ziel der Stiftung ist es, Mittel für die friedensethische Forschung, Lehre und Publikation des Instituts für Theologie und Frieden (ithf) bereitzustellen.

Wer sich über die Arbeit der Katholischen Friedensstiftung informieren möchte, kann unter folgendem Link den vier mal jährlich erscheinenden Newsletter abonnieren: http://www.katholische-friedensstiftung.de/newsletter.php

Ein Probeexemplar sowie ein Flyer zur Friedensstiftung finden sich hier: Newsletter und Flyer.

Stellenausschreibung Sozialethik Linz

Am Institut für Pastoraltheologie und Christliche Sozialwissenschaften der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz wurde eine Planstelle einer Universitätsprofessorin/eines Universitätsprofessors für Christliche Sozialwissenschaften ausgeschrieben. Bewerbungsschluss ist der 20. Juni 2010! Weitere Informationen finden sich hier: ausschreibung_linz

Netzwerk Soziale Theologie

Etwa 600 unterschiedliche Besucher nützen monatlich die Online-Plattform www.soziale-theologie.net. Die Plattform dokumentiert die Profile von Theologinnen und Theologen unterschiedlicher Fachdisziplinen, die sich mit Fragen der Sozialen Arbeit beschäftigen und in den Fachbereichen des Sozialwesens kirchlicher Fachhochschulen, an caritaswissenschaftlichen- und diakoniewissenschaftlichen Instituten von Universitäten sowie in Bildungseinrichtungen und Institutionen der konfessionellen Wohlfahrtsverbände arbeiten und lehren. Inzwischen sind über 50 Theologinnen und Theologen aus 6 europäischen Ländern beteiligt. Damit bietet das Netzwerk Soziale Theologie einen Überblick über die “theologische Szene” im Bereich sozialprofessionellen Handelns.

Was heißt “Inklusion”?

Die neue Ausgabe der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung, die als Beilage der Wochenzeitung Das Parlament beiliegt, ist dem Thema “Menschen mit Behinderungen” gewidmet (Ausgabe 23/2010 vom 07. Juni 2010).

Valentin Aichele, Leiter der Monitoringstelle zur UN-Behindertenrechtskonvention am Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin, führt in das neue UN-Dokument ein (S. 13 – 19).

Bildungsethisch interessant sind darüber hinaus vor allem die beiden Beiträge von Thomas Stöppler, Leiter des Seminars für Didaktik und Lehrerbildung in Stuttgart sowie Vorsitzender des Verbandes Sonderpädagogik e. V. (S. 19 – 24), und Hans Wocken, Professor für Lernbehindertenpädagogik und Integrationspädagogik an der Universität Hamburg (S. 25 – 31). Beide setzen sich mit der Forderung nach inklusiver Bildung auseinander – und kommen dabei zu gegensätzlichen Antworten: Stöppler sieht die bestmögliche Förderung eines jeden Schülers durch eine differenzierte Vielfalt (sonder-)pädagogischer Angebote gewährleistet und äußert sich sehr kritisch gegenüber solchen Positionen, die mit menschenrechtlichen Argumenten das Sonderschulwesen insgesamt zu schleifen versuchen. Wocken hingegen plädiert dafür, die räumliche Trennung zwischen Regel- und Sonderschulsystem weitgehend zu überwinden.

In Abwägung beider Positionen wird man bildungsethisch davon ausgehen müssen, dass es pädagogisch wie menschenrechtlich verfehlt wäre, auf sonderpädagogische Einrichtungen gänzlich verzichten zu wollen. Ein solch einseitiges Verständnis von “Inklusion” ist momentan in der Debatte um ein Recht auf Bildung sehr beliebt, verspricht aber keineswegs die bestmögliche individuelle Förderung für jeden Einzelnen. Nicht jede äußere Differenzierung im Schulwesen ist bereits diskriminierend. Ein solches Missverständnis von Diskriminierung verneint letztlich die vielfältigen individuellen Voraussetzungen, inhomogenen Bedürfnisse und differenzierten Förderansprüche. Ein solches Gleichheitsverständnis verkehrt legitime menschenrechtliche Forderungen in den Zwang staatlich verordneter Gleichmacherei – und widerspricht damit dem Charakter der Menschenrechte als Freiheitsrechte. Wird über den Zusammenhang von Inklusion und Bildung diskutiert, ist bildungsethisch eine differenzierte Zuordnung von Gerechtigkeit und Differenz gefordert. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Würde und Wert des Individuums mit den sozialen Ansprüchen der Gemeinschaft verrechnet werden – in der Folge würde der Einzelne reduziert auf eine Funktion der sozialen Frage. Gleichheit darf nicht das Recht auf Ungleichheit beseitigen. Und der Einzelne ist stets mehr als allein Teil eines Kollektivs.

Ob eine inklusive Beschulung sinnvoll und möglich ist, sollte stärker als bisher geprüft werden. In welchen Fällen eine äußere Differenzierung sinnvoller ist und die bessere Förderung verspricht, bleibt allerdings weiterhin im Einzelfall zu prüfen. Dies kann nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden werden. “Inklusion” ist ein Prinzip zur Anwendung der Menschenrechte, keine universale und vor allem keinesfalls einseitig auszulegende Norm. Was die bestmögliche individuelle Förderung verspricht, bleibt situativ pädagogisch, therapeutisch und psychologisch zu entscheiden – und kann nicht aus einer Gerechtigkeitsformel abstrakt abgeleitet werden.

Antrittsvorlesung

Die neue Direktorin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins, hält am Freitag, 11. Juni 2010, ihre Antrittsvorlesung zum Thema “Migration und Zugehörigkeit. Sozialethische Perspektiven”. Die Vorlesung beginnt um 12 Uhr c. t. im Hörsaal AudiMax der Universität Münster, Johannisstraße 12 bis 20.

Bildungsprobleme aus Sicht eines Jugendpsychiaters

“Kinder wollen Grenzen – und brauchen sie auch.” Zu dieser Erkenntnis kommt eine neue Studie der beiden Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann und Sabine Andresen, die in diesen Tagen veröffentlicht wurde. Ob Erziehung gelingt oder nicht, ist nicht allein eine finanzielle Frage. Und noch etwas zeigt die Studie: Die Erziehung, welche Kinder erfahren, wirkt sich auf das spätere Leben als Erwachsener aus.

Davon ist auch der Bonner Kinder- und Jugendpsychotherapeut Michael Winterhoff überzeugt, der durch seine Präsenz in der “Bild”-Zeitung bundesweit bekannt wurde. Für Furore sorgte er durch seine beiden Bände “Warum unsere Kinder Tyrannen werden” und “Tyrannen müssen nicht sein”. Nun hat Winterhoff nachgelegt. Gemeinsam mit Isabel Thielen, Personalleiterin in einem Medienunternehmen und freiberufliche Mediatorin, zeigt er auf, wie sich Erziehungsfehler im späteren Jugend- und frühen Erwachsenenalter auswirken. Anhand zahlreicher Beispiele schildern beide Autoren sehr lebendig, wie schwer sich junge Auszubildende beim Übergang von der Schule in den Beruf tun, wenn sie bestimmte psychische Reifungsschritte nicht vollzogen haben. Den Grund hierfür orten die beiden Psychologen in einer überzogenen und falsch verstandenen Form partnerschaftlicher Erziehung, ohne dabei – wie sie mehrfach betonen – alle Eltern oder Heranwachsenden über einen Kamm scheren zu wollen.

Der Band “Persönlichkeiten statt Tyrannen” weist daraufhin, dass die gegenwärtigen Bildungsprobleme nicht allein strukturell zu lösen sein werden. Wichtig ist es auch, die vorherrschenden Erziehungskonzepte auf den Prüfstand zu stellen. Umgekehrt geht es Winterhoff und Thielen aber auch nicht darum, die gegenwärtige Ausbildungsmisere zu individualisieren. Vielmehr zeigt ihr Band, dass bei der Beschäftigung mit Bildungsproblemen individual- und sozialpsychologische Perspektiven zusammengedacht werden müssen.

Die Ausbildungsreife vieler Jugendlicher ist beträchtlich gesunken: eine Entwicklung, die bedenklich stimmen sollte. Was in der Schule noch kaschiert werden kann, tritt im Beruf oft unübersehbar zu Tage. Winterhoff und Thielen warnen vor den gesellschaftlichen Folgekosten, die dadurch entstehen. Zugleich machen sie aber auch Mut, das Problem bildungspolitisch und pädagogisch anzugehen. Gelingen kann dies nach beider Ansicht nur, wenn dabei pädagogische, psychologische und soziologische Perspektiven miteinander verschränkt werden – etwas, was bisher leider viel zu selten gelingt. Dabei schreiben die beiden Autoren den politisch Verantwortlichen ins Stammbuch, der Qualität der Beziehungsebene verstärkt Aufmerksamkeit zu widmen – und den Lehrern wieder mehr pädagogischen Spielraum für ihre schwerer gewordene Erziehungsaufgabe zuzugestehen.

Michael Winterhoff/Isabel Thielen (in Zusammenarbeit mit Carsten Tergast): Persönlichkeiten statt Tyrannen. Oder: Wie junge Menschen in Leben und Beruf ankommen, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2010, 189 Seiten.

Axel B. Kunze (Rez.)