Ethik in der Wissenschaft?

Das Titelthema der neuen Ausgabe (5/2010) von “Forschung und Lehre”, der Zeitschrift des Deutschen Hochschulverbandes, ist sozialethisch besonders interessant: Ethik in der Wissenschaft?

Das Fragezeichen auf dem Titelblatt fällt besonders auf. Beim Lesen fällt dann auf, vor welchen politischen Zielkonflikten die Wissenschaft gegenwärtig steht: So beklagt beispielsweise Bernhard Kempen, der Präsident des Verbandes, in seinem Beitrag die mangelnde sittliche Verantwortlichkeit der akademisch Lehrenden und die zu geringe ethische Verantwortung der Universitäten, die sich nur noch auf die Vermittlung von “Berufsfähigkeit” konzentrieren, ihre Absolventen aber nicht mehr zu einer akademischen Haltung hinführen wollen. Die beiden Beiträge von Hans-Hellmut Nagel und Michael Zürn im weiteren Verlauf des Heftes gehen davon aus, dass in der sogenannten “Wissensgesellschaft” ein enormer Druck bestehe, immer mehr jungen Menschen “eine Ausbildung zu vermitteln, die ihren Einsatz in modern geführten Betrieben erlaubt” und deutlich mehr Glieder eines Jahrgangs akademisch “auszubilden”. Dies ist eine politische Entscheidung – läuft aber den kritischen Anfragen, die Kempen an die heutigen Universitäten richtet, zuwider. Die wissenschaftlich Handelnden werden vor diesem Zielkonflikt nicht mehr lange die Augen verschließen können. Praktisch ist er schon heute wirksam – mit der Folge, dass die Wissenschaft nur noch Getriebene der Politik ist.

Ethik in der Wissenschaft? – Die Christliche Sozialethik sollte sich an dieser wissenschaftsethischen Debatte engagiert beteiligen.

Die Zeitschrift “Forschung und Lehre” kostet für Nichtmitglieder im Abonnement 70 Euro zuzüglich Porto. Weitere Informationen: www.forschung-und-lehre.de.

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