Monthly Archive for März, 2009

Bericht vom 8. Workshop Ethik „Moralische Gefühle und moralischer Realismus – Wirklichkeit und Erkennbarkeit der Moral“.

Von Volker Drell

Vom 16. – 18. März fand im Martin-Niemöller Haus in Arnoldshain der Workshop Ethik statt. Veranstalter waren das Zentrum Rabanus Maurus, das Nell-Breunig-Institut, die Evangelische Akademie Arnoldshain und das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover. Der diesjährige Workshop Ethik stand unter dem Titel „Moralische Gefühle und moralischer Realismus – Wirklichkeit und Erkennbarkeit der Moral“. Vor allem Nachwuchswissenschaftler/innen nutzten die Gelegenheit, um vor mehr als 40 Kollegen und Interessierten ihre aktuellen Projekte vorzustellen und intensiv zu diskutieren.

Die inhaltliche Breite reichte von autorenbezogenen Vorträgen zu Peter Stemmer, David Hume, Max Scheler und Philippa Foot über allgemeinere Fragstellungen des Neosentimentalismus und der Erkennbarkeit von Moralnormen bis hin zu Anwendungsfragen, die beispielsweise eine metaethische Reflexion der ethischen Expertise in Ethikkommissionen betrafen.

Die Rekonstruktion der Wirklichkeit moralischer Gefühle wurde vor allem mit anthropologischen und phänomenologischen Ansätzen versucht. Im zweiten thematischen Schwerpunkt wurde die Debatte um den moralischen Realismus durchaus kontrovers geführt. Der Abendvortrag von Peter Schaber (Zürich) bot hierfür durch die klare Argumentation für eine realistische Position einen pointierten Einstieg. So gelang es, trotz einiger kurzfristiger, krankheitsbedingter Absagen, alle vorgesehenen Aspekte zu behandeln und schließlich zusammenzuführen.

Auch aufgrund der durchweg guten Atmosphäre während und nach den Diskussionen herrschte am Ende der fast dreitägigen Veranstaltung bei den Teilnehmer/innen das Gefühl vor, zahlreiche Anregungen und Impulse für die eigene Arbeit bekommen zu haben.

Salzburger Hochschulwoche 2008 zum Nachlesen

Wunibald Müller, promovierter Theologe und Diplompsychologe sowie Leiter des Recollectiohauses in Münsterschwarzach, hat seine Vorträge, die er auf der Salzburger Hochschulwoche 2008 gehalten hat, inzwischen in einem kleinen Bändchen veröffentlicht:

Wunibald Müller: Größer als alles aber ist die Liebe. Für einen ganzheitlichen Blick auf Homosexualität, Ostfildern: Matthias-Grünewald-Verlag  der Schwabenverlag AG 2009, 104 Seiten.

Der Band beschäftigt sich mit dem Thema aus psychologischer, biblischer, theologisch-ethischer und pastoralpraktischer Perspektive.

Das besondere Verdienst von Müller ist, dass er die verschiedenen Positionen innerhalb der christlichen Kirchen, nicht allein der katholischen, reflektiert und sachlich fundiert darstellt, ohne in Einseitigkeiten zu verfallen. Der bekannte Autor, der als einer der ersten Theologen im deutschsprachigen Raum zu diesem Thema geforscht und publiziert hat, vermeidet sowohl restriktive Engführungen als auch idealistische Überhöhungen. Wer sich ausgewogen informieren will, um sich dann ein eigenes Urteil zu bilden, ist mit dem vorliegenden, sehr persönlich geschriebenen Bändchen gut beraten. Eine tiefergehende moraltheologische oder lebensformenethische Reflexion bietet der Verfasser allerdings nicht; hierfür muss man an anderer Stelle suchen. 

Am Ende formuliert Müller pastoral ein sehr kluges Fazit: “Stört die Liebe nicht”. Kirchenpolitisch bleiben allerdings durchaus Fragen offen.

Stelle in Freiburg/CH

Am Departement an der theologischen Fakultät der Universität Freiburg/CH ist eine interessante Stelle zu besetzen. Es handelt sich um eine 75% Stelle als Lehr- und Forschungsrat im Bereich Sozialethik. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Doktorat in theologischer Ethik und ein angestrebtes Habil-Projekt.

Es handelt sich, so Andreas Hugentobler, um eine attraktive Stelle, die in Deutschland als Titularprofessur bezeichnet würde, 4.5JWS Lehrveranstaltung umfasst  und grosse Forschungsfreiheiten bietet.

Weitere Informationen hier.

Fellowships beim FIPH in Hannover

Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover schreibt zum 1. Oktober 2009 wieder Fellowships aus:

“Neusprech im Überwachungsstaat”

“Wie lassen sich Einschränkungen der Bürgerfreiheit als Gewinn für alle verkaufen? Indem man sie sprachlich vernebelt. Ein Katalog des Neusprech zur Inneren Sicherheit.” – So beginnt “Schäubles Wörterbuch”, das seit kurzem in der Onlineausgabe der “ZEIT” zu finden ist und mit dem die bekannte Hamburger Wochenzeitung die Debatte um die neuen Sicherheitsgesetze kritisch begleiten will. Ergänzungen aus dem Leserkreis sind möglich. “Schäubles Wörterbuch” ist zu finden unter: http://www.zeit.de/online/2009/04/neusprech-schaeuble-lexikon. Dort findet sich auch der Vortrag “Neusprech im Überwachungsstaat” , den der Bamberger Professor Martin Haase Ende November 2008 vor der Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg e. V. hielt. Der Vortrag lieferte wichtige Anregungen für das Projekt, das die “ZEIT” jetzt gestartet hat.