Pädagogik statt Lerntherapie – ein bildungsethischer “Zwischenruf”

„Bildung“ ist derzeit in aller Munde, von Erziehung und Selbstverantwortung ist hingegen kaum die Rede. Überdies bringen die wenigsten, die sich in der überhitzten Reformdebatte zu Wort melden, praktische Unterrichtserfahrung mit. Ein Interview mit der Soziologin Heike Solga, das die „Süddeutsche Zeitung“ anlässlich des Nationalen Bildungsgipfels am 20. Oktober 2008 veröffentlichte, ist hierfür geradezu exemplarisch. Derartige Positionen verschärfen die gegenwärtigen Probleme, statt sie zu lösen: Schulprobleme durch Lerntherapeuten zu pathologisieren, führt nicht weiter. Selbst das „gerechteste“ und beste Bildungssystem könnte Bildung nicht einfach „machen“. Sicher, Schüler müssen pädagogisch gefördert werden. Ihnen und ihren Eltern allerdings zu suggerieren, es bestehe allein eine Bringschuld der Schule, ist pädagogisch unverantwortlich.

Kinder und Jugendliche müssen auch gefordert werden. Ohne Anstrengung, Leistungswillen und Eigenverantwortung kann Bildung nicht gelingen. Diese bei Kindern und Jugendlichen zu wecken, verlangt pädagogische Führungsstärke. Damit sie ihrer schwierigen Erziehungsaufgabe gerecht werden können, benötigen Lehrer bessere Arbeitsbedingungen als gegenwärtig, Unabhängigkeit, sichere Stellen und pädagogische Freiheit. Solga fordert Visionen: Es ist an der Zeit, Lehrern den Rücken zu stärken! Und es ist an der Zeit, wieder mehr über den Zusammenhang von Bildung und Erziehung zu reden.

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