Archive for Juli, 2008

Neuerscheinungen in der Reihe “Forum Bildungsethik”

In der Reihe “Forum Bildungsethik” sind zwei neue Bände erschienen:

Band 3 beschäftigt sich mit dem Thema Geschlechterbilder in der Katholischen Erwachsenenbildung. Dabei handelt es sich um eine bildungsethische Dissertation von Stefanie Rieger-Görtz, die unter der Betreuung von Frau Prof. Dr. Wiltrud Gieseke an der Berliner Humboldt-Universität entstanden ist.

Band 4 dokumentiert den letztjährigen Kongress der Internationalen Vereinigung für Moraltheologie und Sozialethik, der Ende August 2007 in Luzern stattfand (vgl. das Posting über den Call for Papers zur Tagung). Der Sammelband unter dem Titel Wann ist Bildung gerecht? Ethische und theologische Beiträge im interdisziplinären Kontext wird von dem Luzerner Sozialethiker Hans Jürgen Münk herausgegeben.

Die Reihe “Forum Bildungsethik” steht im Zusammenhang mti dem DFG-Projekt “Das Menschenrecht auf Bildung: anthropologisch-ethische Grundlegung und Kriterien der politischen Umsetzung”, das in Kooperation zwischen dem Lehrstuhl für Christliche Soziallehre und Allgemeine Religionssoziologie der Universität Bamberg und dem Forschungsinstitut für Philosophie Hannover durchgeführt wird. Das Projekt aus dem Bereich der normativen Bildungsforschung wird durch einen Wissenschaftlichen Beirat begleitet. “Forum Bildungsethik” veröffentlicht die Ergebnisse des Projekts sowie darüber hinaus weitere Beiträge zu einer Sozialethik der Bildung.

Die Reihe erscheint im Bielefelder W. Bertelsmann-Verlag und wird herausgegeben von Marianne Heimbach-Steins (Universität Bamberg), Gerhard Kruip (Forschungsinstitut für Philosophie Hannover) und Axel Bernd Kunze (Universität Bamberg).

Weitere Informationen zum genannten Forschungsprojekt finden sich unter www.menschenrecht-auf-bildung.de.


Interview: Bibel und Christliche Sozialethik

Wenn Christliche Sozialethik als theologische Ethik verstanden wird, bleibt der Rekurs auf die Bibel unverzichtbar. Nicht ganz klar ist allerdings, wie dieser Rekurs methodisch vorgenommen wird. Heinrich Bedford-Strohm, evangelischer Theologe und Professor für systematische Theologie und theologische Gegenwartsfrage an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, hat zu dieser Frage gearbeitet. In seiner Disseration (1993) “Vorrang für die Armen. Auf dem Weg zu einer theologischen Theorie der Gerechtigkeit” (Gütersloh: Kaiser (Öffentliche Theologie, 4)) äußert er sich ausführlich dazu.

Das folgende Interview entstand zur Vorbereitung auf ein Oberseminar am Bamberger Lehrstuhl Christliche Soziallehre und Allgemeine Religionssoziologie (Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins) zum Thema “Biblische Hermeneutik und christliche Sozialethik” (Mai 2008). Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die Frage nach dem Zusammenhang von Bibel und Christlicher Sozialethik; gefragt wird auch zu dem gerade genannten Buch.

Ich stelle das Video hier zur Verfügung, weil die Vermittlung recht lebendig und vielleicht von allgemeinerem Interesse ist. Vielleicht kann es auch in Schule und Universität genutzt werden. Der Film ist Creative-Commons-Lizensiert (by-sa) und kann unter bestimmten Bedingungen frei weiterverbreitet und genutzt werden.

Die erste Frage geht etwas unter: Gefragt ist nach der aktuellen Relevanz des Zusammenhangs von Bibel und Sozialethik.


Armut und Prekariat - Amosinternational, Ausgabe 2/2008

Logo Zeitschrift AmosMit „Armut und Prekariat“ rückt das Heft ein zweifellos aktuelles Thema in den Blickpunkt. Werner Schönig kritisiert gängige Ansätze und Begriffe der Armutsforschung, welche mittelschichtsorientiert seien und Formen extremer sowie „akut-finaler“ Armut ausblendeten.

Integrationspotenziale der bundesdeutschen Sozialpolitik untersucht Udo Lehmann facettenreich, u.a. im Hinblick auf Erwerbsarbeit, Familien, Vorbehalte in Öffentlichkeit und Wirtschaft.

Am Beispiel des Haushalts-Organisations-Trainings (HOT) zeigt Andreas Lob-Hüdepohl die präventive, auf alltagsnahe Kompetenzförderung und eigenverantwortliche Lebensführung ausgerichtete Komponente des Sozialstaates. Freilich verdeutlicht er auch Ambivalenzen sozialstaatlicher Instrumente.

Den Entwicklungszusammenhang der Option für die Armen rekonstruiert Gerhard Kruip sehr differenziert, um sodann nach den Eigenheiten zu forschen, welche eine Option für die Armen heute in Deutschland angesichts globaler Zusammenhänge beinhalten sollte.

Das Interview mit dem in der Arbeitswelt ebenso wie in der Ethik erfahrenen EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla lenkt den Blick auf europaweite Dimensionen von Armut und schließt die zentrale Thematik des Heftes ab.

Ob freilich das Schwerpunktthema nicht zu sehr auf Zustände ausgerichtet ist und zu wenig der (von Lehmann angesprochenen) Prozesshaftigkeit und Dynamik von Ausgrenzung nachgeht? Mehr als auf Armut und Prekariat wäre einzugehen auf Prekarisierung und ihre gesellschaftliche Wirkung, und zwar als Kehrseite der wirtschaftlich und gesellschaftlich erwünschten Flexibilisierung. Die sozialwissenschaftliche Prekarisierungsforschung hat Paradoxien von Integration und Desintegration herausgestellt: Verhalten sich noch oder nicht mehr abhängig Beschäftigte als flexible und marktgängige “Arbeitskraftunternehmer”, so verzichten sie allzu oft zugunsten wenig nachhaltiger und gesicherter Jobs auf langfristige Perspektiven, weil dies den Erhalt oder Erlangung eines Arbeitsplatzes (oder aber mehr persönliche Freiheit) verheißt. Solche „Bereitwilligkeit“ wird hervorgerufen durch globale Konkurrenz und zunehmende Angst vor gesellschaftlicher Entkopplung. Prekarisierung mithin als systemisch bedingten, weit in bislang gesicherte Bevölkerungsschichten wirkenden Prozess zu verstehen, böte eine fruchtbare Grundlage für die Reflexion sozialpolitischer Ansätze und ihrer (Neben-)Wirkungen.

In zwei Tagungsberichten resümieren Bernhard Eder die Fachtagung der AKSB zu Solidaritätsförderung in Lernprozessen (4.-5.3.08 in Nürnberg) und Anna Noweck das zweite Symposion des DFG-Projekts Menschenrecht auf Bildung.

Rezensiert werden folgende Buchveröffentlichungen:

  • Bogner, Daniel: Ausverkauf der Menschenrechte? Herder 2007 (von Andreas Fisch);
  • Wirz, Stephan: Erfolg und Moral in der Unternehmensführung. Eine ethische Orientierung im Umgang mit Managementtrends. Peter Lang Verlag 2007 (von Christoph Giersch);
  • Stahlmann, Michael / Wendt-Kleinberg, Walter: Zwischen Engagement und innerer Kündigung. Fortschreitender Personalabbau und betriebliche Interaktionskulturen. Verlag Westfälisches Dampfboot 2008 (von Norbert Zöller);
  • Kruip, Gerhard / Fischer, Michael (Hg.): Gerechtigkeiten. Hannoversche Zwischenrufe 2006 (von Christof Mandry) - Dieser Band fasst die Beiträge einer Ringvorlesung zu gerechtigkeitstheoretischen Ansätzen, Kontexten und Anwendungsfeldern zusammen;
  • Wagner, Thomas: Draußen - Leben mit Hartz IV. Eine Herausforderung für die Kirche und ihre Caritas. Lambertus 2008 (von Richard Geisen).

Die Rede Papst Benedikts XVI vor der UNO-Vollversammlung am 18. April 2008 kommentiert Ingeborg Gabriel. Ihr Fazit: Viel Licht, insbesondere was die kirchliche Anerkennung und Unterstützung für Menschenrechte und Vereinte Nationen angeht, aber Mangel an konkreten Aussagen zu globalen sozialen Verhältnissen.

In einem weiteren Beitrag stellt Ingeborg Gabriel das Projekt “Sozialethik aus ökumenischer Perspektive” an der katholischen Fakultät der Uni Wien vor.

Abschließend untersucht Günter Wilhelms den Stellenwert von Caritas gegenüber dem kategorialen Rahmen funktionierender Marktwirtschaft. Interessanterweise lässt sich hier eine gegenüber Michael Schramm (im Vorwort) sowie G. Kruip verschiedene Sichtweise möglicher Anwendungsprobleme der Sozialethik erkennen.


Konferenz Wirtschaftsethik: Three Perspectives on Economics and Faith

Vom 16. bis 18. April 2009 findet an der Baylor University (Texas/USA) eine Konferenz zum Thema “Three Perspectives on Economics and Faith” statt.

Einsendeschluss für Entwürfe auf das Call for Papers ist der 15. Oktober 2008.
Informationen unter: www.baylor.edu/ifl/aceconference


Sozialethik konkret: Globalisierung und Gerechtigkeit

Eine sozialethische Fachtagung mit dem Titel “Globalisierung und Gerechtigkeit” findet am 22./23. September 2008 in der Akademie Franz Hitze Haus (Müster) statt. Hauptreferentinnen und -referenten zur Thematik sind Gerhard Kruip (Option für die Armen), Bernhard Emunds (Ethik der Finanzmärkte), Johannes Wallacher (Welthandel) und Markus Vogt (Klimaschutz). Näheres zum Programm und zu den Anmeldemöglichkeiten hier.

Die Tagung ist Teil der Reihe “Sozialethik Konkret”.