Archive for Mai, 2008

Stellenausschreibung DCV

Der Deutsche Caritasverband sucht zum 01. Juli 2008 (befristet bis zum 31. Juli 2009) einen Projektreferenten oder eine Projektreferentin im Projekt “Theologische und sozialethische Inspiration und Reflexion in der Caritas”. Anbei die Stellenausschreibung


Herder Korrespondenz - Ausgabe 5/2008

“Wie leistungsfähig sind naturrechtliche Ansätze in der Ethik?”, fragt Eberhard Schockenhoff in der aktuellen Maiausgaber der Herder Korrespondenz (S. 236 ff.). Der Freiburger Moraltheologe, zugleich Mitglied im Deutschen Ethikrat, kommt am Ende seiner Überlegungen zu dem Schluss: “In der Stärke des Naturrechts, die seinen Forderungen allgemeine Geltung verleiht, liegt aber zugleich seine innere Grenze. Denn nur ein material bescheidenes Naturrecht, das sich auf die unerlässlichen Mindestvoraussetzungen des Menschseins beschränkt, lässt genügend Freiraum für individuelle Lebenserfahrungen und kulturelle Unterschiede unter den Menschen.” (S. 241) Wie schon in seinem Werk “Grundlegung der Ethik” bemüht sich Schockenhoff auch an dieser Stelle darum, zwischen Naturrechtsethik und Konzeptionen Autonomer Moral zu vermitteln: “Viele Neuansätze  der philosophischen und theologischen Ethik erweisen sich bei näherer Betrachtung nicht als Alternativen zum Naturrecht, sondern als Modifikationen innerhalb desselben Paradigmas, die vor allem auf die Integration humanwissenschaftlicher Erkenntnisse zielen, um gesicherte Einsicht in die anthropologische Verfassung des Menschen zu gewinnen.” (ebd.)

Lesenswert ist auch das Interview mit dem Jesuiten Johannes Siebner, Direktor des Kollegs Sankt Blasien im Schwarzwald: “Damit Schule nicht so wichtig ist” (S. 232 ff.). Die Antworten des Schulleiters lassen durchaus ungewohnte und wohltuend besonnene Töne innerhalb der gegenwärtigen, mitunter reichlich überhitzten Bildungsreformdebatte anklingen. So warnt er davor, die Schule nicht mit Erziehungserwartungen zu überfordern, für die gar nicht genügend pädaogisch geschultes Personal zur Verfügung steht: “Wenn es ständig heißt, Kinder sind unsere Zukunft, unsere Hoffnung, dann klingt doch in Klammern immer mit, dass sie auch unsere Enttäuschung, unsere Desillusionierung, unsere geplatzte Hoffnung sein werden. Es wird heute viel zu viel auf die junge Generation projeziert. Wer gute Erziehung leisten will, muss sich dagegen immer wieder einüben zu sagen, dass Kinder und Jugendliche um ihrer selbst willen begleitet und erzogen werden müssen - nicht weil sie unsere Zukunft sind.” (S. 234) Eltern rät er dann auch, die Schule ernst, aber nicht zu wichtig zu nehmen: “Schule [breitet sich] immer mehr im Alltag der Kinder aus, und deshalb wachsen die Erwartungen an Schule geradezu bedrohlich. Wer immer etwas von Jugendlichen will, ob Wirtschaft oder Werbung - alle gehen in die Schule. [...] Schule ist gesellschaftlich so wichtig geworden, dass wir als Schule zunehmend die Aufgabe haben, die Schülerinnen und Schüler zu schützen, indem wir ihnen Räume, Zeit und Ort geben für so etwas wie das Übernützlich. Wir wollen bilden, nicht ausbilden.” (S. 233) Bildungspolitisch spricht sich Siebner für eine Wahlfreiheit der Eltern und Schüler aus - und damit auch gegen die Ganztagesschule als Regelfall für alle Schüler in Deutschland.

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.


Wozu noch Bildung? - Tagungsdokumentation liegt vor

Wozu noch Bildung? - Mit dieser Frage beschäftigte sich die Jahrestagung 2007 der Sektion für Pädagogik der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft, deren Generalversammlung im vergangenen Jahr in Fulda stattfand. Inzwischen liegen die Beiträge der Tagung in gedruckter Form vor - und zwar in Heft 1/2008 der Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik:

a) Volker Ladenthin (Bonn): Bildung, Bildung und Bildungsgerechtigkeit (S. 3 ff.)

b) Ursula Frost (Köln): Anpassung und Widerstand. Reflexionen über Bildung in Zeiten der Unbildung (S. 10 ff.)

c) Renate Girmes (Magdeburg): Bildung als orientierende Kategorie verantworteter Bildungsräume (S. 27 ff.)

d) Andreas Poenitsch (Koblenz): Bildung heute (S. 51 ff.)

e) Axel Bernd Kunze (Bamberg): Beitragen und Teilhaben. Konturen von Bildungsgerechtigkeit im Licht des Berichts des UN-Sonderberichterstatters für das Recht auf Bildung zu seinem Deutschlandbesuch 2006 (S. 65 ff.)

In diesem Zusammenhang ist weiterhin der Beitrag von Ursula Reitemeyer mit dem Titel “Bildung und Kritik. Zur historischen und systematischen Bedeutung der Kritischen Theorie für den erziehungswissenschaftlichen Diskurs der Gegenwart” (S. 111 ff.) interessant, der im selben Heft erschienen ist. Weitere bildungstheoretische Beiträge beschäftigen sich mit Friedrich Nietzsche (Christian Niemeyer: “Meine Religion leigt in der Arbeit für die Erzeugung des Genius” Nietzsches Abwendung von Wagner im Spiegel der Vierten Unzeitgemässen Betrachtung Richard Wagner in Bayreuth (1876). Anmerkungen aus pädagogischer und rezeptionsgeschichtlicher Sicht, S. 85 ff.) und Ludwig Wittgenstein (Gabriele Weigand: “Nichts weiter als Unsinn”? Ludwig Wittgensteins Grundlegung der Ethik, S. 97 ff.).

Unter den Rezensionen dürfte für Theologen vor allem noch die Besprechung des Sammelbandes “Hans-Georg Ziebertz/Günter R. Schmidt (Hgg.): Religion in der Allgemeinen Pädagogik. Von der Religion als Grundlegung bis zu ihrer Bestreitung (Freiburg i. Brsg./Basel/Wien 2006)” aus der Feder von Thomas Mikhail interessant sein.