Archive for April, 2008

Amosinternational - Ausgabe 1/2008

Logo Zeitschrift AmosDas im Februar erschienene Heft 1/2008 (2. Jg.) von Amosinternational (ja, hier hat sie sich plötzlich umbenannt…) versammelt Beiträge zum Schwerpunktthema “Klima im Wandel”. Das Konzept des Schwerpunktthemas stammt laut Impressum von Andreas Lienkamp; er hat es geschafft, lesenswerte Beiträge einschlägiger Experten unterschiedlicher Disziplinen in diesem Heft zusammen zu bringen. Das Editorial schreibt Peter Klasvogt.

Andreas Lienkamp (Berlin), u. a. mit seiner Habilitation (Bamberg) ein ausgewiesener Experte in diesem Feld, betrachtet “Die Ungerechtigkeit des Klimawandels” (3-9) zunächst aus der Perspektive der Nachhaltigkeit. Mit einer Unterscheidung von Judith Shklar versteht er den Klimawandel nicht als Unglück oder als Katastrophe, sondern als Ungerechtigkeit. Einen in diesen Tagen sehr aktuellen Beitrag liefern die Münchner Jochen Ostheimer und Markus Vogt (”Energie für die Armen”, 10-16).1 In ihrem Entwurf einer nachhaltigen Energieentwicklung sehen sie in der Bioenergie einen entscheidenden Faktor, ohne freilich die Ambivalenz (”Hungern oder Frieren”) zu übersehen und sorgfältig abzuwägen:

“Der vermehrte Anbau von Energiepflanzen kann die Ernährungssituation gefährden. Zwar ist Hunger gegenwärtig nicht primär eine Folge von absolutem Nahrungsmittelmangel, sondern ein Verteilungsproblem. Dennoch führt der in der Ernergieversorgung der westlichen Welt herrschende Kostendruck derzeit zu einem Ausbau der Bioenergie in Entwicklungsländern und dadurch zu einer Flächenkonkurrenz gegenüber dem Getreideanbau. In der Folge kommt es zu Preissteigerungen, die den Hunger in der Dritten Welt verschärfen. Dem ist ethisch entgegen zu halten, dass dem Recht auf Nahrung ein Vorrang gegenüber dem Ziel der Energieversorgung zur Wohlfahrtssteigerung zukommt.”

Christian-Dietrich Schönwiese (Frankfurt a.M.) präsentiert sehr informativ den Wissensstand zum “Klimawandel in Vergangenheit und Zukunft” (17-23). Danach plädieren Ottmar Edenhofer und Christian Flachsland (Potsdam) für einen “Global Deal für den Klimaschutz” (24-31). Das wieder sehr interessante und lehrreiche Interview thematisiert drängende Herausforderungen durch den Klimawandel mit der renommierten Wiener Meteorologin Helga Kromp-Kolb (34-41).

Nach einem weiteren Interview (mit Martin Stauch) zur Klimaneutralität des Katholikentages folgen die Buchbesprechungen: Günter Wilhelms rezensiert Alexander Filipovićs medienethische Dissertation zur “Öffentlichen Kommunikation in der Wissensgesellschaft” ([da wähle ich jetzt keine Wertung aus, da es sich um mein Buch handelt...]), Axel Bohmeyer bespricht den von M. Dabrowski und J. Wolf herausgegebenen Konferenzband “Aufgaben und Grenzen des Sozialstaates” (die Beiträge “inspirieren zum weiteren [...] Nachdenken”), Klaus Baumann präsentiert seine Einschätzung zu Sabine Schäpers Dissertation zur “Ökonomisierung der Behindertenhilfe” (”leistet sowohl für die Behindertenhilfe [...] als auch für die Theologie einen wichtigen Beitrag”) und Markus Babo äußert sich zur sozialethischen Dissertation von Andreas Fisch mit dem Titel “Menschen in aufenthaltsrechtlicher Illegalität” (”gründlich gearbeitete, kenntnis- und materialreiche Studie”).

Das Heft schließt mit einem Text von Elmar Brok zur europäischen Charta der Grundrechte aus christlicher Sicht und der “Postition” von Elmar Nass zu “Welcher Glaube ist heute gefragt? Anstöße aus der Shell Jugendstudie für das ethische Profil der Kirche”.


Herder Korrespondenz - Ausgabe 4/2008

Titel Herder KorrespondenzDie aktuelle Aprilausgabe der Herder Korrespondenz enthält zwei Bamberger Beiträge, die sozialethisch interessant sind:

Zum einen fragt Heinrich Bedford-Strohm, Direktor der im Januar 2008 an der Universität Bamberg neugeschaffenen Dietrich-Bonhoeffer-Forschungsstelle: “Wie eng ist die Verbindung zwischen Ekklesiologie und Ethik?” (S. 192 - 196). Seine Antwort entwickelt Bedford-Strohm in Auseinandersetzung mit “zwei prominenten ökumenisch relevanten Entwürfen der Sozialethik” (S. 196): Dabei handelt es sich zum einen um die Darstellung seiner Bamberger Kollegin, Marianne Heimbach-Steins, in dem von ihr herausgegebenen Lehrbuch “Christliche Sozialethik” (Regensburg 2004 f.), zum anderen um das Werk “Perspektiven ökumenischer Sozialethik” aus der Feder von Ingeborg Gabriel (katholisch), Ulrich Körtner (evangelisch) und Alexandros Papaderos (orthodox). Bedford-Strohm wendet sich gegen Positionen (z. B. Helge Wulsdorf, Wolfgang Thönissen), die jüngst noch einmal die fortbestehenden fundamentalen Differenzen zwischen katholischer und evangelischer Sozialethik betont haben, beispielsweise im Kirchenverständnis. Der Bamberger Sozialethiker plädiert hingegen für einen verstärkten gemeinsamen Lernprozess. Sein Fazit am Ende: “Ein Blick auf den Pluralismus in der katholischen Ethik und ihr Pochen auf den Sensus fidelium als Quelle der Verbindlichkeit auf der einen Seite und auf die neue Suche nach Verbindlichkeit in der evangelischen Ethik auf der anderen Seite zeigen, dass das wechselseitige Gespräch nicht nur längst begonnen hat, sondern auch schon reife Früchte getragen hat. [...] Es ist Zeit, die Sozialethik und die Ethik überhaupt konsequent als ökumenische Ethik zu begreifen. Der Pluralismus innerhalb der unterschiedlichen konfessionellen Traditionen gibt dazu schon jetzt genügend Ansatzpunkte.” (S. 196).

Zum anderen geht Andreas Lienkamp, Professor für theologisch-ethische Grundlagen Sozialer Arbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und Habilitand an der Universität Bamberg, unter dem Titel “Ansprüche noch nicht Gezeugter” der Frage nach, ob Generationengerechtigkeit als Staatsziel in das Grundgesetz aufgenommen werden sollte, damit die Rechte künftiger Menschen besser als gegenwärtig geschützt werden können (S. 204 - 208). Der Autor plädiert auf Basis seiner menschenrechtsethischen Überlegungen am Ende dafür, entsprechende Parlamentsinitiativen zu unterstützen und “so zum Abbau eines entscheidenden Strukturdefizits auch der deutschen Demokratie beizutragen” (S. 208). Sicherlich wäre es spannend, die genannte Frage auch noch einmal rechtsethisch und rechtssystematisch zu beleuchten.

Desweiteren findet sich in der genannten Ausgabe der Herder Korrespondenz ein Beitrag von Johannes Reiter zur Frage “Menschenwürde oder Forschungsfreiheit? Die Stammzellforschung bleibt umstritten” (S. 178 - 182). Die drei Akademiedirektoren Joachim Hake (Berlin), Stephan Loos (Hamburg) und Joachim Valentin (Frankfurt a. M.) machen sich Gedanken, über die “Aufgabe katholischer Akademien in säkularen Metropolen” (S. 182 - 187). Lesenswert schließlich noch ein Beitrag von Udo Schnieders zum Fundraising in deutschen Bistümern: “Mehr als kirchliches Spendenwesen” (S. 187 - 192).

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.