Veränderungen bei der Zeitschrift “Concilium”

CONCILIUM zieht nach Madras

Ein besonderes Signal in Zeiten der Globalisierung: Die internationale theologische Zeitschrift CONCILIUM, mitbegründet u. a. von Karl Rahner, Yves Congar und Edward Schillebeeckx, hat ihr Hauptquartier aus dem niederländischen Nimwegen nach Madras in Südindien verlegt.

„Das ist eine klare Botschaft auf dem Weg, den die Zeitschrift über Grenzen und Schranken hinweg zu­rückgelegt hat“, sagt Professor Felix Wilfred, der neu­gewählte Präsident der Zeitschrift. Christliche Theolo­gie entsteht heute nicht nur in den Zentren der Alten Welt, sondern überall, wo Menschen im Geiste Christi nach einem Leben in Solidarität mit den Armen und Stummgemachten suchen. Dementsprechend will CONCILIUM noch wesentlich mehr als bisher den Stimmen der ganzen Weltkirche Gehör verschaffen. „Es gibt immer mehr als nur eine Stimme“, sagen die CONCILIUM-Macher mit Blick auf alle Tendenzen zur Zentralisierung und Vereinheitlichung der katholischen Kirche. „Wer wissen will, worüber die christliche Theologie heute nachdenkt, sollte nicht nur nach Europa schauen“, fügt Elaine Wainwright, CONCILIUM-Mit­herausgeberin aus Neuseeland, hinzu.

CONCILIUM lädt deshalb Theologinnen und Theolo­gen in aller Welt zur Mitarbeit ein und hat – neben dem jeweiligen thematischen Schwerpunkt – in jedem Heft nun ein „Theologisches Forum“ eingerichtet, das etwas von den lebendigen christlichen Debatten in aller Welt widerspiegeln soll. So diskutieren im neuesten Heft Theologen aus Brasilien, den Philippinen und aus Deutschland darüber, was sich seit der Veröffentlichung der Enzyklika Humanae vitae vor 40 Jahren in puncto Familienplanung und Sexualität verändert hat.

Als Schwerpunktthema der ersten Ausgabe aus Madras packt CONCILIUM jedoch noch eine andere inner­kirchlich äußerst umstrittene Frage an: die christliche Sicht der Homosexualität – oder genauer gesagt: der Homosexualitäten. Anthropologische und historische Forschungen jüngerer Zeit zeigen, dass es „die Homo­sexualität“ gar nicht gibt, sondern nur durch Zeiten und Kulturen hindurch höchst unterschiedliche Ausprägun­gen von gleichgeschlechtlichem Verhalten unter allen Menschen – zwischen Chile und Samoa, Großbritannien und Südafrika. Wenn Theologie und Kirche diesen Be­fund ernst nehmen, wird dies bedeutsame Konsequen­zen für ihre Verkündigung haben.

aus dem Inhalt:

REGINA AMMICHT QUINN
„Wir“ und „die anderen“
NORBERT RECK
Gefährliches Verlangen. Die katholischen Diskurse über gleichgeschlechtliche Sexualität
JULIE CLAGUE
Europas moralische Werte: Kennzeichen oder Wunden der Zivilisation?
CHARLES P. RYAN
Homosexualität in Südafrika
NANCY CARDOSO PEREIRA
Der stille Krieg. Wie die Menschen in Lateinamerika sein können, was sie sein wollen
PHILIP CULBERTSON / TAVITA MALIKO
„Ein G-String-Tanga ist nicht samoanisch“. Erkundun­gen zu einer grenz-überschreitenden pazifischen Theo­logie des Dritten Geschlechts
ERIK BORGMAN
Un-Fixing Nature: Für die Wieder-Befreiung der Natur. Homosexualität und die Erneuerung des Naturrechts
DERYN GUEST
Begegnungen mit Tieren: Lesbische Bibelhermeneutik auf dem Weg
MARCELLA MARÍA ALTHAUS-REID
Queer-Theorie und Befreiungstheologie. Der Durch­bruch des sexuellen Subjekts in der Theologie
JAMES ALISON
Brief an einen jungen schwulen Katholiken

Bestellungen und Rezensionsexemplare unter vertrieb@gruenewaldverlag.de oder im Buchhandel

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