Archive for Januar, 2008

Ethica - Ausgabe 4/2007

Cover EthicaIn der letzten Ethica-Ausgabe des vergangenen Jahres stellt Hanspeter Schmitt, Inhaber des Lehrstuhls für Theologische Ethik an der Theologischen Hochschule in Chur, unter dem Titel „Gewissensbildung. Zur Soziogenese sittlicher Kompetenz“ (339-375) sein Modell der Entwicklung des Gewissens in pluralen Lebensvollzügen dar. Es geht ihm dabei „um die Beschreibung und Kultur eines gestaltungsfähigen Gewissens, das über die bloße Anpassung an schematisch festliegende Vorgaben und eine lediglich abschließende Beurteilung des Handelns hinauszugehen vermag“ (340). Zu diesem Zweck bestimmt er in Auseinandersetzung mit Kohlberg, Habermas, Freud und Schöpf die Ontogenese des Gewissens als Soziogenese, welche gekennzeichnet ist durch diverse interaktionale Prozesse, die die Grundlage dafür bilden, dass das „Gewissen einmal jene Interaktionskompetenz darstellt, die in der Lage ist, Pluralität zugunsten verantwortlichen Handelns zu gestalten“ (371). Grundlage eines solchen Handelns ist der „Drang, das eigene Leben gelingend zu entfalten“ (361) und entsprechende Interessen möglicher anderer Personen selbstreflexiv in das eigene Wollen und Tun zu integrieren. Abschließend werden schließlich die aufgrund dieser Annahmen nahe liegende Behauptung der sozialen Determiniertheit des Gewissens gegenüber einer dennoch anzunehmenden sittlichen Autonomie und Verantwortung zurückgewiesen sowie erste Folgerungen für eine Gewissenspädagogik gezogen.

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Onlinemagazin www.denk-doch-mal.de

Das Netzwerk Gesellschaftsethik e. V. gibt seit Oktober 2007 ein neues Onlinemagazin unter dem Titel www.denk-doch-mal.de heraus. Die Zeitschrift beschäftigt sich aus gesellschaftsethischer Perspektive mit den Themen Arbeit, Bildung und Gesellschaft.

Die erste Ausgabe beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen im Bereich der europäischen und deutschen Berufsbildungspolitik: “Ohne Berufe geht es nicht - Betrachtungen über den Beruf als gesellschaftlich, ökonomisch und sozial unverzichtbare Größe in der europäischen Gesellschaft”. Autoren sind u. a. Prof. Felix Rauner (Bremen), Prof. Friedhelm Hengsbach S. J. (Frankfurt am Main), Prof. Fritz Böhle (München) und Frank Braun (München).

Die neue Zeitschrift soll viermal im Jahr erscheinen und steht kostenfrei unter der gleichnamigen E-Mail-Adresse www.denk-doch-mal.de zur Verfügung. Als weitere Themen sind geplant: Europäische Berufsbildungs- und Qualifizierungspolitik, Schwierige Arbeitsverhältnisse - nicht nur am Rande der Arbeitsgesellschaft, Öffentliche Verantwortung oder Privatisierung von Bildung, Rente mit 67 und die Folgen, Zerstückelung der Berufe und die Folgen für die Arbeitsverhältnisse.

Der Redaktion gehören an: Mechthild Bayer und Klaus Heimamann (V. i. S. d. P.), Michael Ehrke, Gerhard L. Endres, Peter Faulstich, Roman Jaich, Rudi Letschert und Hermann Nehls. Unterstützt wird die Redaktion durch den wissenschaftlichen Beraterkreis der Gewerkschaften IG Metall und ver.di.

Der Herausgeber, das 2001 gegründete Netzwerk Gesellschaftsethik e. V., versteht sich als ein Zusammenschluss von Gesellschaftsethikern und gesellschaftsethisch Interessierten aus Wissenschaft, Parteien, Gewerkschaften, Sozialverbänden, Kirchen und Betriebsseelsorge. Vorsitzender ist der Münchener Journalist und Theologe Gerhard L. Endres, Tel. (0 89) 94 53 97 60, E-Mail: NetzwerkGesethik@aol.com.


Herder Korrespondenz - Ausgabe 1/2008

Titel Herder Korrespondenz“Abschied von den ‘Heidelberger Thesen’?” - so fragt die Herder Korrespondenz in der ersten Ausgabe des neuen Jahres (S. 20 ff.). Thomas Hoppe, Professor für Katholische Sozialethik an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg, unternimmt eine kritische Lektüre der aktuellen Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Diese war Ende Oktober 2007 unter dem Titel “Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen” veröffentlicht worden.

Angesichts des Titels liegt es nahe, die evangelische Stellungnahme mit der friedensethischen Positionsbestimmung der Deutschen Bischofskonferenz “Gerechter Friede” aus dem Jahr 2000 zu vergleichen. Hoppe erkennt zwischen beiden Dokumenten dann auch durchaus Parallelen, auch wenn der genuin theologische Teil im evangelischen Papier deutlich geringer ausfällt als im seinerzeitigen Dokument der katholischen Bischöfe.

Übersichtlich wird dargestellt, wie sich die aktuelle Denkschrift gegenüber aktuellen Herausforderungen der Friedensethik positioniert; behandelt werden dabei folgende Themen: “Internationale Gerechtigkeit”, “Terrorismus”, “Weiterentwicklung internationaler Institutionen zur Friedenssicherung”, “Humanitär begründete Interventionen” sowie “Ethische Bewertung nuklearer Abschreckung”.

Die Drohung mit Nuklearwaffen - so das Fazit zum letztgenannten Thema - sei heute nicht mehr ein Mittel legitimer Selbstverteidigung. Der Verfasser erklärt am Ende seines Beitrags, dass eine Politik, die daraus auch tatsächlich Konsequenzen ziehe, weiterhin glaubwürdig eingefordert werden müsse. Sein Fazit daher am Schluss: “Dies erneut bekräftigt zu haben, ist ein nicht geringes Verdienst der neuen Friedensdenkschrift” (S. 25).

Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.