Das im November erschienene Heft 4/2007 versammelt Beiträge zum Schwerpunkt- thema “Internationale Finanzmärkte”. Das Konzept des Schwerpunktthemas stammt laut Impressum von Bernhard Emunds; das Editorial von Peter Klasvogt. Jürgen Kädtler untersucht zunächst den “Finanzmarktkapitalismus” (S. 3-9) und versteht diesen nicht als neue Epoche des Kapitalismus, sondern als ziemlich problembehaftetes Entwicklungsstadium unserer Wirtschaftsform. Luc Van Liedekerke und Peter-Jan Engelen versuchen eine ethische Beurteilung des “Insiderhandels mit Aktien” (S. 10-18). In dem Beitrag belegen sie die finanzmarkttheoretischen Schwächen rechtswissenschaftlicher und philosophischer Ansätze. Vor allem zeige sich am Insiderhandel der “Wert” von Informationen. Wenn man, so ihr Fazit, Insiderhandel für moralisch problematisch halte, und dafür gebe es gute Gründe, dann solle man auch die Vergütung von Managern mit Aktionsoptionspaketen für moralisch problematisch halten.
Mit dem Ziel einer Ethik der Internationalen Finanzmärkte schreibt Bernhard Emunds über “Gerechtigkeitsprobleme bei privaten Finanzströmen in Schwellen- und Transformationsländern” (S. 19-26). Dafür begreift er die “internationalen Finanzmärkte als einen inter-nationalen Kooperationszusammenhang” (S. 19) und fordert eine entwicklungsförderliche Gestaltung internationaler Finanzmärkte (S. 25f.). Christian Spieß beleuchtet (unterbrochen von der Mittelseite “Amos und Kunst”) unter dem Titel “Freiheit – Effizienz – Gerechtigkeit” Finanztransaktionen aus Sicht der Sozialenzykliken. Die römische Eigentumslehre eigne sich recht gut, so Spieß, “für eine ethische Bewertung von Transaktionen auf internationalen Finanzmärkten” (S. 27).
Ein wiederum interessantes Interview beschließt das Schwerpunktthema: Karin Kortmann, Parlamentarische Staatssekretärin im BMZ, antwortet auf Fragen zu dem Zusammenhang von Finanzmärkten und Entwicklungsfinanzierung.
Nach einer Vorstellung der Schuldenkrise am Beispiel von Sambia und den Berichten (unter anderem ein Bericht zum Forum Sozialethik 2006) folgen die Buchbesprechungen: Udo Lehmann bespricht einen wirtschaftsethischen Sammelband zum Thema der Sozialwirtschaft (“Vielfalt differenzierter Argumente”), Hans-Joachim Höhn teilt seine Einschätzung zu Matthias Sellmanns sozialethischer Dissertation “Religion und soziale Ordnung” mit (“souveräne Kenntnis”, “instruktiver Einblick”, “verdient es, [...] rezipiert und diskutiert zu werden”) und Peter Schallenberg lobt Heinrich Pompeys Kommentar zur Enzyklika Deus Caritas est “Zur Neuprofilierung der caritativen Diakonie der Kirche” (“rundum gelungen”, “eine Bereicherung”).
Das nächste Heft erscheint im Februar zum Thema Energie/Klimawandel.
Die Ausgaben der Zeitschrift “Amos – Gesellschaft gerecht gestalten” erscheint vierteljährlich im Aschendorff Verlag (Münster) und kostet im Jahresabonnement 49,80 Euro (ermäßigt 39,80 Euro). Informationen zum Bezug des Heftes hier.

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