Gegenwärtig wird vor dem Hintergrund großer Fortschritte in der Hirnforschung die Frage gestellt, ob die Willensentschlüsse eines Menschen wirklich noch als unabhängig von den zerebralen Funktionen angenommen werden können, oder ob diese nicht eigentlich als den konkreten biologischen und neurophysiologischen Prozessen innewohnend gedacht werden müssten. Nicht zum ersten Mal in der Geistesgeschichte steht damit die Unabhängigkeit des menschlichen Willens und damit die Annahme einer in der Transzendenz verankerten menschlichen Grundfähigkeit zur willentlichen Selbstbestimmung, wie sie die in der antiken Philosophie fundierte christliche Tradition kennt, zur Debatte.
Josef Römelt geht im Bewusstsein dieser Diskussion in seinem Aufsatz (S. 227-240) von einem geschichtlichen
„Wandel von Konzepten einer Willenstheorie, die den Willen als eine Grundkraft im Menschen deuten und stark machen, hin zu schwachen Theorien der Willensphänomene als flexible Orientierungsversuche des Individuums im Kontext der sich wandelnden Biographie“ (S. 229)
aus und reflektiert dieses gewandelte Verständnis auf kulturelle Dimensionen hin. Über einen Durchgang durch die geistesgeschichtliche Entwicklung des Willensverständnisses und eine summarische Auseinandersetzung mit sprachphilosophischen und handlungstheoretischen Ansätzen sowie eher therapeutischen Konzepten kommt er zu dem Schluss, dass auch „in den unübersichtlichen Welten der komplexen Wirklichkeiten“ (S. 238) der Postmoderne die theologisch vermittelte transzendente Verankerung menschlicher Seinsweisen dem Menschen bei seiner Suche nach stabilen Willenserfahrungen unterstützen kann. –
„Sie [die transzendente Verankerung, SZ] versteht sich jedenfalls als ein wesentliches Moment der Ermutigung, in den komplizierten Verwerfungen und Risiken menschlichen Lebens eine stabile Willensintegration und Lebensgestaltung zu wagen. Sie ist Ausdruck der Hoffnung, dass sich menschliches Leben in seinen Risiken in diesem Sinne tatsächlich humanisieren lässt“ (239).
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