Deutschland steckt gegenwärtig inmitten einer neuen und - wie sich einige Jahre nach der ersten PISA-Studie inzwischen zeigt - mitunter sehr polarisierend geführten Bildungsdebatte. Ende März 2007 veröffentlichte der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Bildung, Vernor Munoz, den Bericht zu seinem Deutschlandbesuch im vergangenen Jahr. Nahezu zeitgleich veröffentlichte der Aktionsrat Bildung im Auftrag der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft sein Jahresgutachten unter dem Titel “Bildungsgerechtigkeit”. Beide Stellungnahmen haben in der öffentlichen Debatte sowohl begeisterte Zustimmung als auch herbe Kritik erfahren. Die Bamberger Sozialethikerin und Projektleiterin des DFG-Projekts “Das Menschenrecht auf Bildung: anthropologisch-ethische Grundlegung und Kriterien der politischen Umsetzung” Marianne Heimbach-Steins (S. 311 - 316) unterzieht beide Stellungnahmen in der neuen Juniausgabe der Herder Korrespondenz einer sozialethischen Kritik, wobei sie die Leseperspektive, die beide Texte jeweils selbst vorgeben, als Maßstab heranzieht: zum einen den menschenrechtlichen, zum anderen den gerechtigkeitstheoretischen Zugriff auf das Thema. Gerade die Stellungnahme des Aktionsrates Bildung zeigt dabei eine “minimalistische Vorstellung von Chancengleichheit” (S. 314), die sozialethischen Ansprüchen keinesfalls genügen kann. Der Text ist online verfügbar.
Angesichts des in Kürze im deutschen Ostseebad Heiligendamm stattfindenden G-8-Gipfels unterzieht Gerhard Kruip in derselben Ausgabe der Zeitschrift das genannte Politgroßereignis einer kritischen Beurteilung mit Hilfe der Entwicklungsenyklika “Populorum Progressio” von Paul VI. (S. 290 - 294). Karl Osner, vormals Ministerialdirigent im Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, stellt einige Seiten weiter die Wirkung sogenannter “Exposureprogramme” dar, die inzwischen zu einem wichtigen Instrument für die Entwicklungspolitik geworden sind (S. 317 - 322).
Gerd Engels, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz, fragt im Blick auf das diskutierte Verbot brutaler Computerspiele “Kulturgut oder Killerkurs?” (S. 303 - 307). In seinem Fazit plädiert er für eine Verschränkung rechtlicher und pädagogischer Maßnahmen: “Es gibt also keinen Grund zur Hysterie. Allerdings muss man bei entsprechend dispnierten Personen von einer Wirkung ausgehen, die einen gesetzlichen Schutz notwendig macht. Es bedarf jedoch vor allem pädagogischer Anstrengungen, um jungen Menschen einen verantwortlichen Umgang mit der Kulturtechnik Computerspiel nahezubringen” (S. 307).
Weitere Beiträge beschäftigen sich mit der Lateinamerikareise Benedikts XVI. (S. 277 - 279), der Rolle der Kirchen innerhalb der Klimaallianz (S. 274 f.) oder dem Verhältnis der Kirche zu den linken Regierungen Lateinamerikas (S. 294 - 298).
Die Herder Korrespondenz erscheint monatlich im Verlag Herder und kostet im Abonnement 10,20 Euro (ermäßigt 8,00 Euro) pro Heft (zzgl. Versandkosten). Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit uner www.herderkorrespondenz. de.
0 Responses to “Herder Korrespondenz - Ausgabe 6/2007”