Einladung Forum Sozialethik 2015

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 Vom 16.-18. September 2015 findet in diesem Jahr das Forum Sozialethik zum Thema “Demokratie und Partizipation im 21. Jahrhundert” statt.

„Alles Politische beginnt (und endet) mit der Partizipation“, so der Befreiungsphilosoph Enrique Dussel.
Ob in Lateinamerika, Europa, Nordafrika oder Asien – vielerorts fordern Menschen demokratische Partizipation ein, unabhängig davon ob sie bereits in einer Demokratie leben oder nicht. Auch neuere Konzepte wie E-Demokratie oder Liquid Democracy fordern die bestehenden (meist) repräsentativen Demokratien heraus.
Im Rahmen des diesjährigen Forums Sozial-ethik wollen wir der Frage nach Anspruch und Wirklichkeit von Demokratie und Partizipation nachgehen, aber auch den Blick auf die Zukunft von demokratischer Partizipation und künftiger Demokratie richten. Außerdem müssen und wollen wir uns fragen, welchen Beitrag die christliche Sozialethik innerhalb solcher Diskurse leisten kann und muss.

Dazu laden das Vorbereitungsteam und die KOMMENDE Dortmund herzlich ein. Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung findet Ihr auf der Tagungswebsite.

Zwischen Medizin- und Militärethik: “Ethik & Militär” 1/2015

(c) Katharina Wieland Müller| pixelio.de

Die neue Ausgabe des halbjährlich erscheinenden E-Journals “Ethik und Militär” widmet sich einem ethischen “Randgebiet” im doppelten Wortsinn: Medizinische Hilfeleistungen in Gewaltkonflikten werfen sowohl militär- als auch medizinethische Probleme auf. Damit bewegen sie sich nicht nur an den Rändern verschiedener ethischer Spezialgebiete, sondern erscheinen auch im Gesamtbild der (Sozial-)Ethik zunächst marginal.

Was auf den ersten Blick exotisch wirkt, bietet bei näherem Hinsehen eine Fülle von Anknüpfungspunkten an andere ethische Diskussionen. So ist etwa das Thema Human Enhancement, also die Steigerung menschlicher Leistungsfähigkeit z. B. durch technische und pharmazeutische Mittel, in militärischen und militärmedizinischen Kontexten von besonderer Brisanz, wie Bernhard Koch in seinem Artikel ausführt. Die in diesem Zusammenhang relevante Frage, ob Soldaten bevorzugt Zugang zu leistungssteigernden Mitteln und medizinischen Leistungen erhalten sollten, stellt sich im weiteren Sinn schon bei der Behandlung Verwundeter und Kranker in Konflikt- und Krisensituationen, in denen sowohl Soldaten als auch Zivilisten der Hilfe bedürfen – und Militärärzte bzw. Sanitäter sich in Rollenkonflikten wiederfinden. Ethisch akzentuierte Perspektiven dazu bieten neben anderen die Beiträge von Daniel Messelken und Paul Bouvier. Abgerundet wird die Ausgabe u. a. durch diverse praxisbezogene Beiträge aus den Reihen der Bundeswehr und internationaler Hilfsorganisationen.

Alle Artikel sind nachzulesen unter ethikundmilitaer.de. Wie bei den bisherigen Ausgaben verhelfen kurze Abstracts zu den einzelnen Artikeln sowohl dem interessierten Laien als auch dem kursorisch lesenden Experten zu einem guten Überblick.

Fachtagung: „Wen kümmert die Sorgearbeit?“

Im Auftrag der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz hat die Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ eine Studie zum Thema „domestic workers“ erstellt. Vor dem Hintergrund der 2011 verabschiedeten ILO-Konvention 189, die im Sommer 2013 von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert wurde und deren Anliegen in der Öffentlichkeit bisher nur wenig diskutiert werden, wird das Thema Hausangestellte entwicklungspolitisch, aber auch im Hinblick auf seine Bedeutung für die wirtschaftliche und soziale Integration Europas sowie für die Migrations- und Arbeits(markt)politik in Deutschland untersucht.

Die Ergebnisse dieser Studie möchte das Nell-Breuning-Institut gerne mit Vertretern aus Wissenschaft, Kirche, Politik, und Wirtschaft bei der Fachtagung „Wen kümmert die Sorgearbeit?“ am 02.07.15 in Berlin diskutieren.

Anmeldungen sind bis 20.06.2015 direkt an prisca.patenge@sankt-georgen.de, oder das NBI, die Teilnahme ist kostenlos.

ICS Münster startet die Reihe „Sozialethische Arbeitspapiere“

Mit einer theologischen Stellungnahme zu den Ergebnissen der Außerordentlichen Synode zur Familie eröffnet das ICS Münster die Reihe „Sozialethische Arbeitspapiere des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften“. In den „Sozialethischen Arbeitspapieren“, die in loser Folge erscheinen werden, bietet das Team des ICS ethische Analysen zu aktuellen gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Themen an und gibt Impulse für die öffentliche, wissenschaftliche sowie innerkirchliche Debatte.

Das Papier trägt den Titel „Voraussetzungen, Ansätze und Schwierigkeiten der Vermittlung von kirchlicher Lehre und christlicher Praxis“. Seine Analyse fokussiert das Familienbild der Bischöfe, den Umgang mit Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sowie die Wahrnehmung der Gender-Frage. Erträge und Blockaden der bisherigen Diskussion werden im Hinblick auf die bevorstehende Ordentliche Synode im Herbst 2015 erörtert.

Wenn Sie Interesse haben, mit einem Newsletter darüber informiert zu werden, wenn ein neues Papier erschienen ist, schreiben Sie bitte eine kurze Mail an ics@uni-muenster.de (Betreff: Sozialethische Arbeitspapiere).

Das Papier zur Familiensynode ist hier zu finden.

Tagung: Die Welt ist nur nach vorwärts interessant.

Am 29. und 30. August 2015 bietet die Thomas-Morus-Akademie Bensberg eine Sommerakademie mit dem Titel “Die Welt ist nur nach vorwärts interessant. Optionen für eine Theologie von morgen” an.

Das Angebot richtet sich insbesondere an angehende Theologiestudierende sowie Theologeninnen und Theologen in weiteren Qualifizierungsphasen. Zusammen mit Prof. Jürgen Bründl (Lehrstuhl für Fundamentaltheologie und Dogmatik in Bamberg) sollen Texte zum Thema aus Gaudium et Spes und Evangelii gaudium, von Walter Benjamin und Elmar Klinger vorgestellt und diskutiert werden.

Ausführliche Informationen sowie das Programm finden sich auf dem Flyer.

Tagung: “Der kultivierte Affe”

20150520_1120_prog_19846Die Diskussion um das Verhältnis von Mensch und Tier, um Würde und Rechte von Tieren wird in der philosophischen Ethik seit Jahren (vgl. etwa die immer wieder erneuerte Forderung von Peter Singer nach “Menschenrechten” für die Großen Menschenaffen), in der theologischen Ethik noch sehr zurückhaltend, jedoch mit zunehmender Intensität geführt. Zu nennen wären hier etwa die Arbeiten von Gerhard Marschütz, Kurt Remele sowie von Rainer Hagencord.

Mindestens mit Blick auf die Menschenaffen können die Befunde ja auch durchaus irritieren. Menschenaffen teilen mit uns Lachen und Trauer, Brutpflege, Zuneigung und Fürsorge, List, Täuschung und Verrat. Menschen und Schimpansen unterscheiden sich nur in ungefähr einem Prozent ihrer genetischen Ausstattung voneinander. Biologisch betrachtet sind sie näher miteinander verwandt als Pferde und Esel. Und doch trennen wir Menschen uns selbst von den Menschenaffen als „Menschen“ und „Tiere“. Ist das legitim? Und wenn es uns schwer fällt, zwischen Menschen und Menschenaffen eine klare Abgrenzung vorzunehmen, wo und mit welchen Gründen ziehen wir die Grenze zwischen “Tier” und “Mensch” dann? Wie verhält es sich mit Delfinen, wie mit Schweinen, wie sieht es mit der Tierwelt außerhalb des “Säugetierkosmos” aus? Und welche Konsequenzen hätte eine solche Abgrenzung dann? Ist Ähnlichkeit aus einer christlichen Perspektive überhaupt der adäquate Argumentationszugang, zeichnet doch die priesterschriftliche Schöpfungserzählung in Gen 1-2 eine ursprünglich vegane Schöpfung, die “sehr gut” ist und die es (durch den Menschen als Bild / Statue Gottes) zu erhalten gilt?

Auf einer Tagung der Katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Tagungshaus Weingarten soll unter dem Titel “Der kultivierte Affe. Über Intelligenz, Empathie und Moral bei Tieren” vom 3.-4. Juli 2015 das Verhältnis von Mensch und Tier, ausgehend von den höheren Primaten, neu in den Blick genommen und die Frage nach der Sonderstellung des Menschen neu gestellt werden.

Das Programm, nähere Informationen sowie Anmeldemöglichkeiten finden sich hier.

 

Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes: Überfälliger Warnruf oder “irreführende Polemik”?

(c) Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) | pixelio.de

“Die zerklüftete Republik”: Schon der Titel des Berichts zur regionalen Armutsentwicklung in Deutschland 2014, den der Paritätische Wohlfahrtsverband im Februar präsentierte, klingt bewusst alarmierend. Entsprechend dramatisch formulieren die Berichtsautoren ihr Fazit schon in der Einleitung:

“Die Armut in Deutschland hat nicht nur ein neuerliches trauriges Rekordhoch erreicht, auch ist Deutschland dabei, regional regelrecht auseinander zu fallen. Zwischen dem Bodensee und Bremerhaven, zwischen dem Ruhrgebiet und dem Schwarzwald ist Deutschland, was seinen Wohlstand und seine Armut anbelangt, mittlerweile ein tief zerklüftetes Land.”
Von Armut betroffen oder bedroht seien vor allem Menschen in den nördlichen Bundesländern und im Ruhrgebiet; als Risikogruppen gelten speziell Erwerbslose, Alleinerziehende, Kinder und alte Menschen. All diese Feststellungen klingen mittlerweile schon relativ bekannt (und damit potentiell uninteressant für viele Medien), was einen Grund für die teils drastische Wortwahl im Bericht darstellen dürfte.
Eben diese Wortwahl kritisiert der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, Prof. Dr. Georg Cremer, in einem jüngst erschienenen ausführlichen FAZ-Artikel als “irreführende Armutspolemik”. Cremer zufolge leidet der Bericht zudem unter methodischen Ungenauigkeiten (wie beispielsweise der Gleichsetzung von Armutsrisiko und Armut), die – seiner Ansicht nach unzulässiger- und unnötigerweise – absichtlich für eine höhere politische Durchschlagskraft in Kauf genommen werden:
“Es ist überfällig, Fachlichkeit nicht in grober Weise der im politischen Lobbying üblichen Zuspitzung unterzuordnen.”

Als Beitrag zu der von Cremer beabsichtigten Versachlichung der Debatte kann im Übrigen auch die hier bereits vorgestellte aktuelle Ausgabe 01/2015 des EthikJournal zur Finanzierung sozialer Dienstleistungen gelesen werden. Während der Paritätische Wohlfahrtsverband für eine bessere Armutsbekämpfung Steuererhöhungen und eine “stärkere Heranziehung großer Vermögen und hoher Einkommen” fordert, bieten die Autoren des EthikJournals insgesamt eine deutlich weitere Perspektive, aus der sich u. a. gerade die “Verstaatlichung der sozialen Dienste” (Matthias Möhring-Hesse) kritisch betrachten lässt.

Ausschreibung: Lehrstuhl für CSW an der Theologischen Fakultät Trier

Die Theologische Fakultät Trier hat den Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaften (W3-Professur; Nachfolge Prof. Dr. Wolfgang Ockenfels) zur Neubesetzung ausgeschrieben. Frauen werden ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert, um den – derzeit relativ geringen – Frauenanteil in Forschung und Lehre an der Fakultät zu erhöhen. Als staatliche anerkannte Hochschule in kirchlicher Trägerschaft ist die Theologische Fakultät Trier zugleich eigenständig und über einen Kooperationsvertrag eng mit der Universität Trier verbunden.

Bewerbungen sind bis zum 05. Juni 2015 an den Rektor der Theologischen Fakultät Trier, Prof. Dr. Johannes Brantl, zu richten. Die vollständige Ausschreibung findet sich hier.

Stellenausschreibung: Unternehmensverantwortung im öffentlichen Diskurs

Am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster ist eine Doktorandenstelle im Rahmen des DFG finanzierten Forschungsprojekts “Unternehmensverantwortung im öffentlichen Diskurs” unter Federführung von Prof. Ulrike Röttger zu besetzen, die auch für Sozialethiker interessant sein könnte. Die Stelle ist auf drei Jahre befristet und hat einen Umfang von 65%. Die Promotion wird als “integraler Bestandteil der Arbeit” verstanden.

In dem Projekt soll untersucht werden, wie Verantwortungsurteile gegenüber Unternehmen im öffentlichen Diskurs faktisch zustande kommen. Auf der Grundlage einer Netzwerkanalyse ist es das Ziel “Einflussfaktoren auf die Zuschreibung und Bewertung unter-nehmerischer Verantwortung aufzudecken und zum anderen, Differenzen sowie Ko-Orientierungen zwischen Medien, Bürgern und Unternehmen zu analysieren”. Nähere Informationen zum Projekt finden sich im Rahmen des Webauftritts des Instituts für Kommunikationswissenschaft.

Den kompletten Text der Stellenausschreibung kann man hier einsehen. Bewerbungsschluss ist der 26. Mai 2015.

Tagung: Menschenbilder – Wertebilder

Das Katholisch-Soziale Institut der Erzdiözese Köln veranstaltet am 8. / 9. Juni 2015 eine Tagung zur gemeinsamen gesellschaftlichen Verantwortung von Christen und Muslimen in Deutschland mit dem Titel “Menschenbilder – Wertebilder”.

Für die durchaus prominent besetzte Tagung (u. a. Hansjörg SchmidTarek BadawiaKlaus von StoschMouhanad Khorchide) kann man sich noch bis zum 29.05. anmelden.

Programm und nähere Informationen finden sich hier.

CfP: Responsibility and Resistance: Ethics in Mediatized Worlds

Am 10. und 11. Dezember 2015 findet an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien die internationale Tagung “Responsibility and Resistance: Ethics in Mediatized Worlds” statt. Organisiert wird die Tagung in einer Kooperation zwischen Prof. Dr. Dr. Matthias Karmasin (ÖAW/Klagenfurt), Prof. Dr. Dr. Matthias Rath (Ludwigsburg) und dem DFG-Schwerpunktprogramm “Mediatisierte Welten” unter Leitung von Prof. Dr. Friedrich Krotz (Bremen).
Einreichungen für Beiträge, die eine medienethische Perspektive auf das Konzept und Prozesse der Mediatisierung eröffnen, werden noch bis zum 1. Juni 2015 erbeten. Der vollständige Text des Calls findet sich hier.

Flüchtlingsforschung – ein neuer Blog und ein ethisch bedeutsames Thema

(c) Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) | pixelio.de

Flucht, Vertreibung und durch wirtschaftliche Not erzwungene Migration gibt es vermutlich schon mindestens so lange wie die Menschheit. Dass Menschen sich gezwungen sehen, ihre bisherige Heimat zu verlassen und nach neuen Orten zu suchen, kann viele Gründe haben – und wirft noch mehr Fragen auf. Angesichts der jüngsten Tragödien im Mittelmeer wird wieder einmal deutlich, wie vielschichtig “die Flüchtlingsproblematik” ist und wie schwierig sich der Umgang damit gestaltet: Politiker wollen unter dem Druck der öffentlichen Meinung die Ursachen bekämpfen und Flüchtlingsströme regulieren – doch die Ursachen sind so vielfältig wie die Entwicklungszusammenarbeit mühsam ist. Hilfsorganisationen und die italienische Marine möchten so viele Menschenleben wie möglich retten – doch je mehr es ihnen gelingt, desto mehr Menschen wagen die gefährliche Überfahrt. Schleuser profitieren von millionenfacher Not und Verzweiflung einerseits und strikten Einwanderungsregeln andererseits. Die europäischen Bürger schwanken zwischen Hilfsbereitschaft, Ratlosigkeit und undifferenzierter Fremdenfeindlichkeit. Und die tatsächlich irgendwo angekommenen Flüchtlinge sehen sich mit ungeahnten Schwierigkeiten konfrontiert …

Die zahlreichen unterschiedlichen Aspekte und Detailprobleme haben inzwischen eine Vielzahl wissenschaftlicher Herangehensweisen in verschiedenen Disziplinen inspiriert, die lose unter dem Schlagwort Flüchtlingsforschung zusammengefasst werden:

“Die Flüchtlingsforschung – oder konkreter die Zwangsmigrations- und Flüchtlingsforschung – konzentriert sich auf die wissenschaftliche Untersuchung u.a. rechtlicher, politischer, sozialer, geographischer und kultureller Aspekten der Zwangsmigration. So erklärt sich, dass die Flüchtlingsforschung multi- und interdisziplinär ist und u.a. die Soziologie, Politik-, Geschichts- oder Rechtswissenschaft, Ethnologie, Wirtschaftswissenschaften, Geographie, Kultur- und technische Wissenschaften oder medizinische Wissenschaftsfelder umfasst.” (Ulrike Krause)

Seit anderthalb Jahren existiert in Deutschland das Netzwerk Flüchtlingsforschung, dessen im Februar 2015 neu gestartetem FlüchtlingsforschungsBlog auch das obige Zitat entnommen ist. Netzwerk und Blog versammeln Beiträge aus Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Soziologie, Rechtswissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung, Psychologie, Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften. Eine beeindruckende Bandbreite, in der aus sozialethischer Sicht das scheinbare Fehlen jeglicher ethischen Reflexion auffällt – scheinbar deswegen, weil viele Wortmeldungen und Publikationen aus verschiedenen Disziplinen ethische Fragen zumindest anreißen. Als Beispiel seien die einleitenden Worte eines Kommentars zum EU-Flüchtlingsgipfel zitiert:

“Die Ergebnisse des Flüchtlingsgipfels entsprechen nicht den menschen- und flüchtlingsrechtlichen Verpflichtungen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten. Diese entspringen einer Situation, in der die Europäer selbst Verfolgung ausgesetzt waren. Sie daran heute zu erinnern, ist Aufgabe einer wachen Wissenschaft und Zivilgesellschaft.” (Petra Bendel)

Dass zu einer wachen Wissenschaft und Zivilgesellschaft auch eine wache und interdisziplinär arbeitende Sozialethik gehört, sollte sich eigentlich von selbst verstehen … Im Rahmen des Forum Sozialethik beschäftigt sich derzeit die auf der Forumstagung 2014 ins Leben gerufene AG Friedensethik mit dem Thema Flüchtlinge und Flüchtlingsarbeit – und freut sich jederzeit über Diskussionsanstöße, Informationen und Interessierte, die vielleicht selbst schon an ethisch relevanten Aspekten der Flüchtlingsforschung arbeiten (gerne die Kommentarfunktion auf dieser Seite nutzen)!

EthikJournal 1/2015: Die Finanzierung sozialer Dienstleistungen

Das vor wenigen Tagen veröffentlichte EthikJournal 1/2015 beschäftigt sich in Beiträgen von Matthias Möhring-Hesse, Jochen Ostheimer, Stefan Bestmann, Peter G. Kirchschläger und Tobias Nickel-Schampier mit der Finanzierung sozialer Dienstleistungen.

Im Editorial von Christian Spieß heißt es dazu:

„Die vorliegende Ausgabe des EthikJournals enthält Beiträge, die sich auf die Gestaltung der sozialpolitischen Rahmenbedingungen für soziale Dienste beziehen, soweit sie Aspekte der Finanzierung betreffen. Die Annahme, dass der ökonomische Druck auf die Organisationen und Akteure der Sozialen Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen ist, dass mithin eine „Ökonomisierung” der sozialen Dienste zu verzeichnen ist, hat sich vor allem innerhalb der sozialprofessionellen Milieus, aber auch im sozialpolitischen und sozialethischen Diskurs als eine Art Narrativ herausgebildet. Fragen der Finanzierung sozialer Dienstleistungen werden deshalb gegenwärtig vor allem mit dem Hinweis auf diese angenommene Ökonomisierung diskutiert. Dabei wird dieses Motiv sowohl mit kritischer – das heißt verbunden mit der Kritik an einem zunehmenden Druck auf Organisationen des Drittes Sektors, der die Erbringung der eigentlichen sozialen Dienstleistungen erschwere – als auch in positiver – das heißt verbunden mit dem Hinweis auf Effizienz- und Effektivitätsgewinne – Stoßrichtung verwendet. Es ist weithin unstrittig, dass der ökonomische Druck auf die Organisationen, die sozialprofessionelle Dienstleistungen erbringen, erhöht wurde, während die damit verbundenen Wettbewerbseffekte umstritten sind – was wiederum, je nach Standpunkt, sowohl positiv als auch negativ bewertet werden kann…“

Die gesamte aktuelle Ausgabe findet sich hier.

E-Journal “Ethik und Militär”: Cyberwar – ein Angriff auf Freiheit und Demokratie?

Quelle: ethikundmilitaer.de | Special 2/2014 - Cybersicherheit in Deutschland

Unangenehme Osterüberraschungen: In den vergangenen Tagen sind mit dem französischen Sender TV5 Monde und der belgischen Zeitung Le Soir zwei Medienunternehmen Ziel aufsehenerregener Hackerangriffe geworden. Solche Attacken, ob sie nun von Terroristen, Kriminellen, Geheimdiensten, Netzaktivisten oder anderen ausgehen, gehören längst zum digitalen Alltag. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt oder gar ignoriert, werfen sie aber deutlich mehr als “nur” technische Fragen auf – und verdienen kritische Aufmerksamkeit auch außerhalb der Büroräume von Kaspersky, McAfee & Co.

Einen ersten Überblick über das Spektrum ethisch relevanter Aspekte im Themenkomplex “Cyberwarfare und IT-Sicherheit” bietet die derzeit aktuelle Ausgabe 2/2014 des noch jungen E-Journals “Ethik und Militär. Kontroversen der Militärethik & Sicherheitskultur”, herausgegeben vom Hamburger Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften (zebis). Die Autorinnen und Autoren der Ausgabe – Politikwissenschaftler, Ethiker, Juristen, Politiker und Computerexperten – thematisieren eine Vielzahl von Fragen: Wird das Internet zum “Schlachtfeld der Zukunft”, auf dem jeder halbwegs fähige kriminelle Hacker mit sehr realen Auswirkungen Krieg spielen kann? Welche Rolle spielen Staaten und Privatwirtschaft? Ist der Cyberspace ein rechtsfreier Raum bzw. inwiefern ist hier geltendes nationales und internationales Recht anwendbar? Und was kann die wissenschaftliche Ethik zur Regulierung des Cyberkriegs beitragen? Die in Deutsch und Englisch verfügbaren Artikel sind relativ kurz gehalten und mit Abstracts versehen, um die behandelten Themen auch über die jeweiligen Fachkreise hinaus zu vermitteln und damit das interdisziplinäre Gespräch anzuregen. Alle Beiträge und Abstracts auf einen Blick finden sich auf ethikundmilitaer.de.

BMBF-Fachtagung: Arbeit in der digitalisierten Welt

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung veranstaltet am 28./29. Mai 2015 eine Fachtagung zur “Arbeit in der digitalisierten Welt”.

Viele Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche werden zunehmend durch Digitalisierung verändert. Hinzu kommen gesellschaftliche Veränderungen, die etwa durch den demografischen Wandel, die Globalisierung, aber auch durch veränderte Wertvorstellungen von Menschen angeschoben werden. Dies hat fundamentale Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Arbeitsstrukturen, die Arbeitsorganisation und -gestaltung werden zukünftig in anderer Form erfolgen. Aber wie?

Bundesbildungsministerin Wanka wird die Veranstaltung eröffnen. Die einführenden Vorträge werden gehalten von Reiner Hoffmann, Bundesvorsitzender des DGB, Ingo Kramer, Präsident der BDA und Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.

Darüber hinaus sollen in zehn Sessions Themen und Aspekte vertieft, die unterschiedliche Veränderungen in der Arbeitswelt mit jeweils erheblichen Auswirkungen auf alle Wirtschafts- und Gesellschaftsbereiche beinhalten. Im Fokus stehen Themen wie „Soziale und technische Innovationen in der Industrie 4.0 gestalten“, „Sicher und gesund arbeiten in der digitalisierten Welt“, „Digital Working und Crowd Working: Neue Arbeits- und Beschäftigungsformen heute und für die Zukunft“, „Digitale Belegschaften, digitale Arbeitsplätze … digitale Führung?“ Die Veranstaltung schließt mit einem Dialog über die “Digitalisierung der Arbeit als soziale Innovation”, Vorträgen zur Zukunft der Arbeit vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der Industrialisierung und der zunehmenden Technisierung.

Ausführliche Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden sich auf der Tagungswebsite (für Anmeldungen bis zum 11. April gibt es einen Frühbucherrabatt :-)).