Ethik und Gesellschaft 1/2015 – Pragmatismus und Sozialethik

Die neueste Ausgabe der ökumenischen Online-Zeitschrift Ethik und Gesellschaft dreht sich um das Thema “Pragmatismus und Sozialethik”.

Sowohl in der praktischen Philosophie als auch in den normativ ausgerichteten Sozialwissenschaften und in der theologischen Sozialethik ist seit Jahren eine verstärkte Bezugnahme auf den klassischen amerikanischen Pragmatismus – und seine neopragmatistischen Weiterentwicklungen – zu beobachten.

Obwohl es sich beim Pragmatismus um ein heterogenes Phänomen handelt, lassen sich doch einige zentrale Motive der aktuellen Pragmatismus-Rezeption identifizieren, die in diesem Heft aufgegriffen, profiliert und für die Sozialethik fruchtbar gemacht werden sollen. Dabei geht es nicht nur um den Primat des Sozialen vor dem Individuellen, sondern auch um das Problem der Handlungsfreiheit und die Fragen nach der Begründungsfähigkeit und dem Geltungsanspruch moralischer Überzeugungen.  Nicht zuletzt geht es dabei auch um die Frage, wie sich pragmatistische Motive und Einsichten für die Profilierung heutiger Entwürfe und Diskurse einer Wirtschafts- und Sozialethik fruchtbar machen lassen.

Die Aufsätze der aktuellen Ausgabe finden sich hier.

CfP Workshop Ethik: Quellen des Sollens

Vom 14.-16. März 2016 findet der 15. Workshop Ethik im Martin-Niemöller-Haus in Schmitten-Arnoldshain statt. Das Diskussionsforum steht diesmal unter dem Thema “Quellen des Sollens”.

Die Metaethik hat sich nach einer sprachphilosophisch geprägten Phase auch wieder mit den ontologischen Grundlagen unseres Moralverständnisses beschäftigt und sich gefragt, ob es so etwas wie moralische Tatsachen gibt, die unsere moralischen Urteile wahrmachen, was für einen ontologischen Status moralische Eigenschaften haben und in welchem Verhältnis diese zu natürlichen stehen. Man kann von hier aus aber noch weiter fragen: Was ist die Quelle der bindenden Kraft einer moralischen Norm? Woher kommt das unbedingte Sollen, wie kommt es in die Welt? Was ist der Grund dafür, dass bestimmte Handlungen überhaupt bestimmte moralische Eigenschaften haben? Sind es diese Gründe, die auch zum moralischen Handeln motivieren, oder sind Handlungsmotivationen etwas, das zusätzlich zu Gründen benötigt wird? Wer oder was stiftet diese normativen Zusammenhänge, wer oder was knüpft überhaupt diese Verbindungen?

Der Workshop Ethik ist für den wissenschaftlichen Nachwuchs eine gute Gelegenheit, sich einem jungen interdisziplinären Fachpublikum mit einem Vortrag zu präsentieren.

An diesem Workshop werden mit Prof. Dr. Detlef Horster, Prof. Dr. Christoph Halbig und PD Dr. Eva Harasta drei ausgewiesene Experten teilnehmen. Alle weiteren Vorträge werden von den Teilnehmenden übernommen. Für jeden Vortrag sind 20 Minuten mit anschließender 40-minütiger Diskussion vorgesehen.

Der CfP findet sich hier und ist bis zum 1.12.2015 geöffnet.

 

CfP Workshop: Theologie von den Rändern

Am 27. Oktober 2015 findet an der Uni Tübingen, organisiert von den dortigen Lehrstuhlassistenten, ein Workshop zum Thema “Theologie von den Rändern. Migration und Gastfreundschaft” statt. Dazu sind alle eingeladen, die sich in Ihrer Promotion entweder direkt mit dem Thema Migration oder mit anderen “Rändern der Theologie” beschäftigen. Als Referentin wird am Workshop Dr. Susanna Snyder aus Oxford teilnehmen, die zum Thema Migration und empirisches Arbeiten in der Theologie promoviert hat.

Am 28. Oktober 2015 wird das Thema mit einem Studientag fortgeführt, an dem Referenten aus der Theorie (u. a. Muna Tatari und Hans-Joachim Sander) mit Menschen aus der Praxis weiter diskutieren. Dazu sind die TeilnehmerInnen des Workshops ebenfalls herzlich eingeladen.

Der CfP sowie nähere Informationen finden sich hier. Der Call ist bis 31. August 2015 geöffnet.

CfP zur Jahrestagung des Netzwerks Medienethik 2016

Am 18. und 19. Februar 2016 findet wie gewohnt die Jahrestagung der Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik und des Netzwerks Medienethik in München statt. Die Tagung trägt den Titel „Die Macht der strategischen Kommunikation – Medienhandeln im Zusammenhang von Propaganda, PR und Big Data“ und beschäftigt sich mit normativen Fragestellungen der strategischen Kommunikation in ihrer ganzen Komplexität.

Zu dieser Tagung gibt es einen bewusst offen formulierten Call,  der Personen aus Praxis und Theorie wie auch unterschiedlichen Spezialisierungsgebieten ansprechen soll.

Immer wieder aktualisierte Informationen zur Tagungsorganisation finden sich auf der Website des Netzwerkes Medienethik. Abgabefrist für die Einreichungen zum Call ist der 1. Oktober 2015.

Communicatio 2/2015: Glaubwürdigkeit und Vertrauen

Communicatio Socialis„Lügenpresse“ – das Unwort des Jahres 2014 illustriert die Krise, in der traditionelle Medien und Journalist_innen stecken. Wachsende Geschwindigkeit des Informationsflusses und Diversifizierung der Kommunikationsinhalte, -formen und -orte haben die Intensität der öffentlichen Debatte erhöht und zugleich nachhaltig auf die Qualität zurückgewirkt. Konstruktive Medienkritik wird zunehmend von pauschalen Beleidigungen und Verschwörungstheorien übertönt.

Medien haben in einer Mediengesellschaft orientierende und anleitende Funktion und sind daher substantiell auf Vertrauen und Akzeptanz angewiesen. Mit den vielgestaltigen Ursachen dieser Glaubwürdigkeitskrise beschäftigt sich das neue Heft der Communicatio Socialis. Texte von Lutz Hagen, Ulrich Wolf, Patrick Zoll, Petra Hammelmann sowie von dem Autorenteam Tanja Thomas, Elke Grittmann und Fabian Virchow nehmen unter anderen die Themen Medienkritik, Ressourcenkrise, Verschwörungstheorien oder Qualitätsforschung in den Blick.

Das Heft erscheint als Printausgabe und online.

CfP (Un)sichtbarkeit im Konflikt und (un)sichtbare Konflikte

Die Konferenz des Arbeitskreises junger Wissenschaftler_innen der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK) findet im Jahr 2016 vom 2.-3.- März zum Thema „Making the Invisible Visible: (Un)sichtbarkeit im Konflikt und (un)sichtbare Konflikte” im Gustav Stresemann Institut (GSI) in Bonn statt.

Die Konferenz thematisiert Fragen der Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Konflikt(gescheh)en. Hiermit möchte der Arbeitskreis kritische und innovative Diskussionen zur Repräsentation von Konfliktgeschehen in öffentlichen Debatten befördern. Darüber hinaus sollen auch die Praktiken und Diskurse internationaler Akteure sowie der Friedens- und Konfliktforschung selbst hinterfragt werden. Der breit gefasste Titel zielt darauf ab, junge Forschende aus unterschiedlichen (Teil-)Disziplinen zu ermutigen, „Licht ins Dunkel“ häufig vernachlässigter Aspekte der Friedens- und Konfliktforschung zu bringen.

Für diese Tagung gibt es auch einen Call, der bis zum 15. August 2016 geöffnet ist.

Einladung Forum Sozialethik 2015

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 Vom 16.-18. September 2015 findet in diesem Jahr das Forum Sozialethik zum Thema “Demokratie und Partizipation im 21. Jahrhundert” statt.

„Alles Politische beginnt (und endet) mit der Partizipation“, so der Befreiungsphilosoph Enrique Dussel.
Ob in Lateinamerika, Europa, Nordafrika oder Asien – vielerorts fordern Menschen demokratische Partizipation ein, unabhängig davon ob sie bereits in einer Demokratie leben oder nicht. Auch neuere Konzepte wie E-Demokratie oder Liquid Democracy fordern die bestehenden (meist) repräsentativen Demokratien heraus.
Im Rahmen des diesjährigen Forums Sozial-ethik wollen wir der Frage nach Anspruch und Wirklichkeit von Demokratie und Partizipation nachgehen, aber auch den Blick auf die Zukunft von demokratischer Partizipation und künftiger Demokratie richten. Außerdem müssen und wollen wir uns fragen, welchen Beitrag die christliche Sozialethik innerhalb solcher Diskurse leisten kann und muss.

Dazu laden das Vorbereitungsteam und die KOMMENDE Dortmund herzlich ein. Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung findet Ihr auf der Tagungswebsite.

Zwischen Medizin- und Militärethik: “Ethik & Militär” 1/2015

(c) Katharina Wieland Müller| pixelio.de

Die neue Ausgabe des halbjährlich erscheinenden E-Journals “Ethik und Militär” widmet sich einem ethischen “Randgebiet” im doppelten Wortsinn: Medizinische Hilfeleistungen in Gewaltkonflikten werfen sowohl militär- als auch medizinethische Probleme auf. Damit bewegen sie sich nicht nur an den Rändern verschiedener ethischer Spezialgebiete, sondern erscheinen auch im Gesamtbild der (Sozial-)Ethik zunächst marginal.

Was auf den ersten Blick exotisch wirkt, bietet bei näherem Hinsehen eine Fülle von Anknüpfungspunkten an andere ethische Diskussionen. So ist etwa das Thema Human Enhancement, also die Steigerung menschlicher Leistungsfähigkeit z. B. durch technische und pharmazeutische Mittel, in militärischen und militärmedizinischen Kontexten von besonderer Brisanz, wie Bernhard Koch in seinem Artikel ausführt. Die in diesem Zusammenhang relevante Frage, ob Soldaten bevorzugt Zugang zu leistungssteigernden Mitteln und medizinischen Leistungen erhalten sollten, stellt sich im weiteren Sinn schon bei der Behandlung Verwundeter und Kranker in Konflikt- und Krisensituationen, in denen sowohl Soldaten als auch Zivilisten der Hilfe bedürfen – und Militärärzte bzw. Sanitäter sich in Rollenkonflikten wiederfinden. Ethisch akzentuierte Perspektiven dazu bieten neben anderen die Beiträge von Daniel Messelken und Paul Bouvier. Abgerundet wird die Ausgabe u. a. durch diverse praxisbezogene Beiträge aus den Reihen der Bundeswehr und internationaler Hilfsorganisationen.

Alle Artikel sind nachzulesen unter ethikundmilitaer.de. Wie bei den bisherigen Ausgaben verhelfen kurze Abstracts zu den einzelnen Artikeln sowohl dem interessierten Laien als auch dem kursorisch lesenden Experten zu einem guten Überblick.

Fachtagung: „Wen kümmert die Sorgearbeit?“

Im Auftrag der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz hat die Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ eine Studie zum Thema „domestic workers“ erstellt. Vor dem Hintergrund der 2011 verabschiedeten ILO-Konvention 189, die im Sommer 2013 von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert wurde und deren Anliegen in der Öffentlichkeit bisher nur wenig diskutiert werden, wird das Thema Hausangestellte entwicklungspolitisch, aber auch im Hinblick auf seine Bedeutung für die wirtschaftliche und soziale Integration Europas sowie für die Migrations- und Arbeits(markt)politik in Deutschland untersucht.

Die Ergebnisse dieser Studie möchte das Nell-Breuning-Institut gerne mit Vertretern aus Wissenschaft, Kirche, Politik, und Wirtschaft bei der Fachtagung „Wen kümmert die Sorgearbeit?“ am 02.07.15 in Berlin diskutieren.

Anmeldungen sind bis 20.06.2015 direkt an prisca.patenge@sankt-georgen.de, oder das NBI, die Teilnahme ist kostenlos.

ICS Münster startet die Reihe „Sozialethische Arbeitspapiere“

Mit einer theologischen Stellungnahme zu den Ergebnissen der Außerordentlichen Synode zur Familie eröffnet das ICS Münster die Reihe „Sozialethische Arbeitspapiere des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften“. In den „Sozialethischen Arbeitspapieren“, die in loser Folge erscheinen werden, bietet das Team des ICS ethische Analysen zu aktuellen gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Themen an und gibt Impulse für die öffentliche, wissenschaftliche sowie innerkirchliche Debatte.

Das Papier trägt den Titel „Voraussetzungen, Ansätze und Schwierigkeiten der Vermittlung von kirchlicher Lehre und christlicher Praxis“. Seine Analyse fokussiert das Familienbild der Bischöfe, den Umgang mit Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sowie die Wahrnehmung der Gender-Frage. Erträge und Blockaden der bisherigen Diskussion werden im Hinblick auf die bevorstehende Ordentliche Synode im Herbst 2015 erörtert.

Wenn Sie Interesse haben, mit einem Newsletter darüber informiert zu werden, wenn ein neues Papier erschienen ist, schreiben Sie bitte eine kurze Mail an ics@uni-muenster.de (Betreff: Sozialethische Arbeitspapiere).

Das Papier zur Familiensynode ist hier zu finden.

Tagung: Die Welt ist nur nach vorwärts interessant.

Am 29. und 30. August 2015 bietet die Thomas-Morus-Akademie Bensberg eine Sommerakademie mit dem Titel “Die Welt ist nur nach vorwärts interessant. Optionen für eine Theologie von morgen” an.

Das Angebot richtet sich insbesondere an angehende Theologiestudierende sowie Theologeninnen und Theologen in weiteren Qualifizierungsphasen. Zusammen mit Prof. Jürgen Bründl (Lehrstuhl für Fundamentaltheologie und Dogmatik in Bamberg) sollen Texte zum Thema aus Gaudium et Spes und Evangelii gaudium, von Walter Benjamin und Elmar Klinger vorgestellt und diskutiert werden.

Ausführliche Informationen sowie das Programm finden sich auf dem Flyer.

Tagung: “Der kultivierte Affe”

20150520_1120_prog_19846Die Diskussion um das Verhältnis von Mensch und Tier, um Würde und Rechte von Tieren wird in der philosophischen Ethik seit Jahren (vgl. etwa die immer wieder erneuerte Forderung von Peter Singer nach “Menschenrechten” für die Großen Menschenaffen), in der theologischen Ethik noch sehr zurückhaltend, jedoch mit zunehmender Intensität geführt. Zu nennen wären hier etwa die Arbeiten von Gerhard Marschütz, Kurt Remele sowie von Rainer Hagencord.

Mindestens mit Blick auf die Menschenaffen können die Befunde ja auch durchaus irritieren. Menschenaffen teilen mit uns Lachen und Trauer, Brutpflege, Zuneigung und Fürsorge, List, Täuschung und Verrat. Menschen und Schimpansen unterscheiden sich nur in ungefähr einem Prozent ihrer genetischen Ausstattung voneinander. Biologisch betrachtet sind sie näher miteinander verwandt als Pferde und Esel. Und doch trennen wir Menschen uns selbst von den Menschenaffen als „Menschen“ und „Tiere“. Ist das legitim? Und wenn es uns schwer fällt, zwischen Menschen und Menschenaffen eine klare Abgrenzung vorzunehmen, wo und mit welchen Gründen ziehen wir die Grenze zwischen “Tier” und “Mensch” dann? Wie verhält es sich mit Delfinen, wie mit Schweinen, wie sieht es mit der Tierwelt außerhalb des “Säugetierkosmos” aus? Und welche Konsequenzen hätte eine solche Abgrenzung dann? Ist Ähnlichkeit aus einer christlichen Perspektive überhaupt der adäquate Argumentationszugang, zeichnet doch die priesterschriftliche Schöpfungserzählung in Gen 1-2 eine ursprünglich vegane Schöpfung, die “sehr gut” ist und die es (durch den Menschen als Bild / Statue Gottes) zu erhalten gilt?

Auf einer Tagung der Katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Tagungshaus Weingarten soll unter dem Titel “Der kultivierte Affe. Über Intelligenz, Empathie und Moral bei Tieren” vom 3.-4. Juli 2015 das Verhältnis von Mensch und Tier, ausgehend von den höheren Primaten, neu in den Blick genommen und die Frage nach der Sonderstellung des Menschen neu gestellt werden.

Das Programm, nähere Informationen sowie Anmeldemöglichkeiten finden sich hier.

 

Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes: Überfälliger Warnruf oder “irreführende Polemik”?

(c) Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) | pixelio.de

“Die zerklüftete Republik”: Schon der Titel des Berichts zur regionalen Armutsentwicklung in Deutschland 2014, den der Paritätische Wohlfahrtsverband im Februar präsentierte, klingt bewusst alarmierend. Entsprechend dramatisch formulieren die Berichtsautoren ihr Fazit schon in der Einleitung:

“Die Armut in Deutschland hat nicht nur ein neuerliches trauriges Rekordhoch erreicht, auch ist Deutschland dabei, regional regelrecht auseinander zu fallen. Zwischen dem Bodensee und Bremerhaven, zwischen dem Ruhrgebiet und dem Schwarzwald ist Deutschland, was seinen Wohlstand und seine Armut anbelangt, mittlerweile ein tief zerklüftetes Land.”
Von Armut betroffen oder bedroht seien vor allem Menschen in den nördlichen Bundesländern und im Ruhrgebiet; als Risikogruppen gelten speziell Erwerbslose, Alleinerziehende, Kinder und alte Menschen. All diese Feststellungen klingen mittlerweile schon relativ bekannt (und damit potentiell uninteressant für viele Medien), was einen Grund für die teils drastische Wortwahl im Bericht darstellen dürfte.
Eben diese Wortwahl kritisiert der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, Prof. Dr. Georg Cremer, in einem jüngst erschienenen ausführlichen FAZ-Artikel als “irreführende Armutspolemik”. Cremer zufolge leidet der Bericht zudem unter methodischen Ungenauigkeiten (wie beispielsweise der Gleichsetzung von Armutsrisiko und Armut), die – seiner Ansicht nach unzulässiger- und unnötigerweise – absichtlich für eine höhere politische Durchschlagskraft in Kauf genommen werden:
“Es ist überfällig, Fachlichkeit nicht in grober Weise der im politischen Lobbying üblichen Zuspitzung unterzuordnen.”

Als Beitrag zu der von Cremer beabsichtigten Versachlichung der Debatte kann im Übrigen auch die hier bereits vorgestellte aktuelle Ausgabe 01/2015 des EthikJournal zur Finanzierung sozialer Dienstleistungen gelesen werden. Während der Paritätische Wohlfahrtsverband für eine bessere Armutsbekämpfung Steuererhöhungen und eine “stärkere Heranziehung großer Vermögen und hoher Einkommen” fordert, bieten die Autoren des EthikJournals insgesamt eine deutlich weitere Perspektive, aus der sich u. a. gerade die “Verstaatlichung der sozialen Dienste” (Matthias Möhring-Hesse) kritisch betrachten lässt.

Ausschreibung: Lehrstuhl für CSW an der Theologischen Fakultät Trier

Die Theologische Fakultät Trier hat den Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaften (W3-Professur; Nachfolge Prof. Dr. Wolfgang Ockenfels) zur Neubesetzung ausgeschrieben. Frauen werden ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert, um den – derzeit relativ geringen – Frauenanteil in Forschung und Lehre an der Fakultät zu erhöhen. Als staatliche anerkannte Hochschule in kirchlicher Trägerschaft ist die Theologische Fakultät Trier zugleich eigenständig und über einen Kooperationsvertrag eng mit der Universität Trier verbunden.

Bewerbungen sind bis zum 05. Juni 2015 an den Rektor der Theologischen Fakultät Trier, Prof. Dr. Johannes Brantl, zu richten. Die vollständige Ausschreibung findet sich hier.

Stellenausschreibung: Unternehmensverantwortung im öffentlichen Diskurs

Am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster ist eine Doktorandenstelle im Rahmen des DFG finanzierten Forschungsprojekts “Unternehmensverantwortung im öffentlichen Diskurs” unter Federführung von Prof. Ulrike Röttger zu besetzen, die auch für Sozialethiker interessant sein könnte. Die Stelle ist auf drei Jahre befristet und hat einen Umfang von 65%. Die Promotion wird als “integraler Bestandteil der Arbeit” verstanden.

In dem Projekt soll untersucht werden, wie Verantwortungsurteile gegenüber Unternehmen im öffentlichen Diskurs faktisch zustande kommen. Auf der Grundlage einer Netzwerkanalyse ist es das Ziel “Einflussfaktoren auf die Zuschreibung und Bewertung unter-nehmerischer Verantwortung aufzudecken und zum anderen, Differenzen sowie Ko-Orientierungen zwischen Medien, Bürgern und Unternehmen zu analysieren”. Nähere Informationen zum Projekt finden sich im Rahmen des Webauftritts des Instituts für Kommunikationswissenschaft.

Den kompletten Text der Stellenausschreibung kann man hier einsehen. Bewerbungsschluss ist der 26. Mai 2015.