Tagung: “Flucht, Religion und Integration – Interreligiöse Impulse”

Das Jakobushaus in Goslar, die Akademie des Bistums Hildesheim lädt am 15./16. Oktober 2016 zu einer  Tagung “Flucht, Religion und Integration – Interreligiöse Impulse” ein.

Ziel dieser Tagung ist es, den Zusammenhang Flucht – Religion – Integration genauer zu beleuchten und auch zu hinterfragen, ob Religion darin tatsächlich eine relevante Größe ist, oder ob nicht noch andere Faktoren (politische, kulturelle, wirtschaftliche o.ä.) eine bedeutende Rolle spielen. Zu diesem Thema diskutieren Wissenschaftler_innen aus unterschiedlichen Bereichen – Theologie, Religionswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Islamwissenschaft, Sozialwissenschaft etc. Gleichzeitig erfolgt eine Rückschau auf die Flüchtlingshilfe der vergangenen Jahre durch Berichte aus der Praxis: Wie sichtbar (und wichtig) ist Religion bei der Flüchtlingshilfe in Moscheevereinen und kirchlichen Einrichtungen? Und was kann interreligiöser Austausch bei der Integration der Geflüchteten leisten?

Referent_innen sind u. a.  Prof. Dr. Micha Brumlik (Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main und Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg), Dr. Hans-Jürgen Marcus (Diözesan-Caritasdirektor Hildesheim), Prof. Dr. Alexander-Kenneth Nagel (Georg-August-Universität Göttingen), Pater Frido Pflüger SJ (Direktor Jesuiten-Flüchtlingsdienst, Berlin), Prof. Dr. Riem Spielhaus (Georg-August-Universität Göttingen und Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung, Braunschweig) sowie Vertreter_innen der Flüchtlings- und Integrationshilfe der Stadt Goslar.

Mehr Informationen sowie das Programm befinden sich auf der Tagungshomepage.

CfP und Tagungshinweis: Brauchen Maschinen Ethik – und wenn ja, welche?

Die diesjährige Tagung des Interdisciplinary Media Ethics Center Vienna (IMEC) findet vom 1.12.2016 (Get together) bis zum 3.12.2016 an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg statt. Die Entwicklung autonomer medialer Systeme werfen besondere Probleme auf. Thema der Tagung sind daher die ethischen Konsequenzen aus einer zunehmenden Kommunikation und Steuerung durch autonome Systeme. Dies wird vor dem Hintergrund der kommunikationswissenschaftlichen Mediatisierungs­kon­zeption betrachtet.

Der Call for Papers kann hier heruntergeladen werden (offen bis 15. September 2016).

Die Durchführung der Tagung ist eine Kooperation der Forschungsgruppe Medienethik der PHL (Leitung Matthias Rath) sowie der Professur „Kommunikations- und Medien­­wissenschaft mit dem Schwer­punkt soziale Kommu­nikation und Mediatisierungs­­for­schung“  (Friedrich Krotz) am ZeMKI der Universität Bremen.

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos, allerdings ist die Zahl der Teilnehmer­Innen beschränkt. Anmeldungen mit diesem Formular an IMEC2016(at)ph-ludwigsburg.de. Weitere Informationen finden sich auf der Tagungswebsite.

Ausschreibung: Wissenschaftliche_r Mitarbeiter_in an der Universität Würzburg

An der Professur für Christliche Sozialethik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Prof. Dr. Michelle Becka) ist zum 1.10.2016 (oder später) die Stelle eines/einer wissenschaftlichen Mitarbeiters/-in (Vergütung nach TV-L, mit der Hälfte der regulären Arbeitszeit) zu besetzen. Die Stelle ist zunächst auf voraussichtlich drei Jahre befristet. Eine Verlängerung des Beschäftigungsverhältnisses um weitere drei Jahre wird angestrebt. Es ist erwünscht, dass die Stelle mit einem eigenen Forschungsprojekt in Form einer Promotion oder Habilitation verbunden wird.

Alle weiteren relevanten Informationen finden sich in der Stellenausschreibung. Bewerbungsschluss ist der 31.08.2016.

Neuer Studiengang Medienethik an der Hochschule für Philosophie in München

An der Hochschule für Philosophie in München kann man ab Wintersemester 2016/2017 berufsbegleitend Medienethik studieren. Inhalte sind vor allem ethische Aspekte der Berufspraxis des Journalismus, der strategischen Kommunikation (Öffentlichkeitsarbeit…), der Unterhaltung und der Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien.

Zwei Varianten werden angeboten: a) Intensiv (4-8 Semester) als weiterbildender Masterstudiengang „Ethik“ mit dem Schwerpunkt Medienethik (Abschluss Master of Arts) und b) kompakt (2-3 Semester) als Modulstudium Medienethik (Abschluss Zertifikat „Medienethik“). Der spezifisch medienethische Anteil am Studienumfang liegt für beide Varianten bei ca. 50%; restliche Studieninhalte sind bspw. philosophische Grundlagen. Bewerbungsschluss ist jährlich der 15. September.

Nähere Informationen zu den neuen Studienangboten und ihren Zielgruppen unter:

Kontakt zur Hochschule für Philosophie in München: Telefon: +49 (0)89 2386-2143, E-Mail: medienethik-studieren@hfph.de, Website: www.hfph.de/medienethik-studieren.

Ausschreibung: Wissenschaftliche_r Mitarbeiter_in (50%) an der Universität Osnabrück

Am Lehrstuhl für Christliche Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück (Prof. Dr. Andreas Lienkamp) ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin/eines wissenschaftlichen Mitarbeiters (Entgeltgruppe 13 TV-L, 50 %) zu besetzen. Zu den Aufgaben gehören unter anderem die Mitwirkung in Lehre (im Umfang von 5 SWS) und Forschung im Fachgebiet Christliche Sozialwissenschaften einschließlich qualifizierter Mitarbeit an Forschungsprojekten.

Vorausgesetzt wird ein abgeschlossenes Studium der Katholischen Theologie; erwünscht das Interesse an umwelt- und sozialethischen Fragestellungen. Die Stelle ist befristet bis zum 31.03.2019; alle relevanten Informationen finden sich in der Stellenausschreibung. Bewerbungsschluss ist der 29.07.2016.

Ausschreibung: Wissenschaftliche_r Mitarbeiter_in (75%) an der WWU Münster

Das Seminar für Moraltheologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Prof. Dr. Monika Bobbert) sucht zum 01.09.2016 eine wissenschaftliche Mitarbeiterin/einen wissenschaftlichen Mitarbeiter mit 75% der regelmäßigen Arbeitszeit (29,53 Std. wöchentl.; Entgeltgruppe TV-L 13). Erwartet wird neben der Bereitschaft zur interdisziplinären Arbeit zwischen Ethik und Psychologie ein Studienabschluss in Theologie bzw. Philosophie (möglichst mit ethischem Schwerpunkt) oder aber in Psychologie, mit Kenntnissen im jeweils anderen Bereich.

Die Stelle ist auf drei Jahre befristet; eine Promotion ist möglich und erwünscht. Bewerbungen können bis zum 20.07.2016 eingereicht werden. Alle erforderlichen Informationen finden sich in der Stellenausschreibung.

Fachtagung “Wirtschaft der Gesellschaft” am 22./23. September 2016

Herzliche Einladung zur fünften interdisziplinären Fachtagung “Wirtschaft der Gesellschaft”, die das Nell-Breuning-Institut gemeinsam mit der Forschungsstääte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) am 22./23. September 2016 in Frankfurt am Main veranstaltet.

In diesem Jahr geht es in der Fachtagung um das Thema: “Stadtluft mach reich/arm. Städtische Reichtumsproduktion – öffentliche Armut – soziale Ungleicheiten”. Alle weiteren Informationen zu Programm und Anmeldung finden sie auf der Homepage des Nell-Breuning-Instituts.

Einladung Forum Sozialethik 2016

Vom 05.-07. September findet 2016 die Jahrestagung des Forum Sozialethik statt. Das Thema könnte aktueller kaum sein: “Flucht – Zuwanderung – Integration. Multidisziplinäre und normative Vergewisserungen zu Herausforderungen der Migration”.

Etwa eine Millionen Menschen haben allein im letzten Jahr Zuflucht in Deutschland gesucht. Klatschende Bürger/innen, die die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen haben, wurden zum Symbol einer neuen deutschen Willkommenskultur. Monate später ist das Engagement der Freiwilligen ungebrochen – nicht nur in Deutschland –, doch es bilden sich auch nationalistische Gegenbewegungen.

Die gegenwärtigen Ereignisse stellen uns deshalb vor die Aufgabe, im gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs, Antworten auf höchst komplexe Fragen rund um die „Herausforderungen der Migration“ zu finden. Nicht zuletzt müssen normative Begründungen für konstruktive Lösungen auch die Akzeptanz einer Gesellschaft gewinnen, denn Deutschland und die EU-Mitgliedsstaaten ringen bis heute um langfristige und tragfähige Ansätze zur Aufnahme und Verteilung derjenigen Flüchtlinge, die Europa erreichen.

Das Forum Sozialethik 2016 möchte ein Beitrag zu diesen – nicht nur ethisch bedeutsamen – Diskursen sein. Angefangen bei der Frage „Grenzen setzen oder öffnen?“ beleuchten wir diesen Themenkomplex aus der „Perspektive Integration“. Dabei setzen wir uns mit der Rolle von „Identität und Religion“ auseinander und suchen nicht zuletzt Antworten hinsichtlich der „Vorbeugung von Fluchtursachen“.

Dazu laden das Vorbereitungsteam und die KOMMENDE Dortmund herzlich ein. Weitere Informationen zu Programm und Anmeldung finden sich auf der Tagungswebsite.

CfP „Migration, Integration, Inklusion“, Jahrestagung Netzwerk Medienethik 2017

Das Netzwerk Medienethik veranstaltet im Februar 2017 seine Jahrestagung unter dem Titel „Migration, Integration, Inklusion – medienethische Herausforderungen und Potenziale für die digitale Mediengesellschaft“. Mit dem jetzt veröffentlichten Call for Papers zur Jahrestagung 2017 laden die Veranstalter Kolleginnen und Kollegen aus der Wissenschaft ebenso wie Kommunikationsexperten aus der Praxis herzlich ein, sich mit einem Beitrag an der Tagung zu beteiligen. – Die Tagung wird wie immer das Gespräch zwischen Wissenschaft und Praxis anzielen.

Die vollständige Einladung zur Einreichung finden Sie hier (offen bis 1.10.2016). Die Tagung findet statt am 16.-17. Februar 2017 in München und wird ausgerichtet zusammen mit der Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik in der DGPuK und in Kooperation mit der Akademie für politische Bildung, Tutzing.

Integrationsfunktion der Medien im Zeitalter der Migration

Integration gilt als eine der wichtigsten Aufgaben der Massenmedien. Denn in einer demokratischen Gesellschaft haben diese den Auftrag, zum sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft beizutragen. Integration kann in einer pluralistischen Gesellschaft jedoch nur dann gelingen, wenn verschiedene gesellschaftliche Wirklichkeitsentwürfe und Werte eine Chance haben, an der Gestaltung gesellschaftlicher Realitäten mitzuwirken. Massenmedien müssen sich somit daran messen lassen, ob und in welchem Maße es ihnen gelingt, einen Dialog zwischen Individuen mit ganz unterschiedlichen Einstellungen, Werten und Wirklichkeitsentwürfen herzustellen.

Das so beschriebene medienethische Feld der Integration wird aktuell besonders durch Zuwanderung, Flucht und Migration herausgefordert. Dies nimmt die Tagung zum Anlass, Integration und Inklusion und ihre Anforderungen an die (digitale) Mediengesellschaft zum Thema ihrer Jahrestagung 2017 zu machen. Im Vordergrund steht zum einen die Frage nach den Möglichkeiten, durch Medien und digitale Dienste gesellschaftliche Integration und Inklusion zu rahmen und zu unterstützen. Zum anderen soll eine medienethische Bestandsaufnahme zur journalistischen Berichterstattung zu diesen Themen erfolgen.

Call ist offen formuliert

Die Tagung beschäftigt sich mit den normativen Fragestellungen des Integrationsauftrages der Medien in ganzer Komplexität und Breite. Der Call ist offen formuliert und soll Personen aus Praxis und Theorie wie auch unterschiedlichen Spezialisierungsgebieten ansprechen.

Aktualisierte Informationen finden sich auf der Tagungs-Website.

Migration, Sicherheit und Frieden (S+F 1/2016)

(c) Nomos Verlag

Die neue Ausgabe der Zeitschrift “Sicherheit und Frieden” (S+F) widmet sich interdisziplinären Fragen rund um das Thema Migration. Zu Anlass und Inhalt schreibt Chefredakteurin Patricia Schneider:

Die Vorstellung, dass steigende Opferzahlen im Mittelmeer abschreckend wirken, wie häufig propagiert, hat sich als Fehlschluss herausgestellt. Vielmehr ist die Anzahl der Flüchtlinge, die das Mittelmeer überqueren, aufgrund eines Mangels an legalen Einreisemöglichkeiten und befeuert durch aktuelle Krisen und Konflikte 2015 weiter erheblich gestiegen. Die Zahl der Todesopfer und Vermissten ist auf Rekordhöhe.

Angesichts dieser Situation stehen die Politik- und Sozialwissenschaften vor zahlreichen Fragen, die auch für eine praxisrelevante ethische Auseinandersetzung mit Flucht und Migration beachtenswert sind:

Inwiefern werden die Ursachen in den Herkunftsländern bisher in politischen Konzepten adressiert und wie könnten Ansätze verbessert werden? Welche Auswirkungen hat Migration auf den sozialen Frieden, Freiheit und regionale Stabilität, nicht nur in Anrainerländern von Konfliktstaaten, sondern auch in Aufnahmeländern (Chancen und Risiken)? Ist ein Normenwandel in der Gesellschaft hinsichtlich der Behandlung und Akzeptanz von Flüchtlingen festzustellen? Wie könnte dieser Wandel sich auf Migranten auswirken? Welche Genderaspekte sind zu berücksichtigen? Welches Risiko besteht für Zuwanderungsländer durch Terroristen, die sich als Flüchtlinge tarnen, tatsächlich? Welche Konsequenzen könnte der Diskurs über Flüchtlinge als Risiko und damit als Grenzschutzaufgabe für Menschenrechte und internationale Verpflichtungen haben? Welche Folgen hat der Diskurs über Flüchtlinge als innergesellschaftliches Destabilisierungsrisiko innerhalb der EU?

Viele dieser Fragen werden von den aus unterschiedlichen Disziplinen stammenden Autorinnen und Autoren der Ausgabe aufgegriffen. Ein Teil der Beiträge ist zum freien Download verfügbar unter http://www.sicherheit-und-frieden.nomos.de/archiv/2016. Weitere Informationen und Ausgaben finden sich unter http://www.sicherheit-und-frieden.nomos.de/archiv.

Tagungsbericht: „Der philosophische Pragmatismus in der Bewährung“

(von Ana Honnacker)

Am 3. und 4. Juni 2016 lud das Rottendorf-Projekt an der Hochschule für Philosophie München zu seinem jährlich stattfindenden Symposion ein. Ziel der Veranstaltung unter Leitung von Prof. Dr. Alexander Filipović war es, die philosophische Tradition des Pragmatismus auf dessen Potentiale für die Bearbeitung „gesellschaftliche[r] Konflikte zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ (so der Untertitel der Konferenz) hin zu befragen.

Dabei wurde ein weiter thematischer wie disziplinärer Bogen geschlagen, der die Bandbreite der möglichen Anknüpfungspunkte pragmatistischen Denkens aufzeigte, diese zugleich aber immer auch wieder auf ihr Gemeinsames zusammenführte. Dieser rote Faden wurde gelegt mit dem Vortrag von Prof. Andrea Esser (Philosophie, Universität Jena), der, v.a. ausgehend von C.S. Peirce, die grundlegende Denkdynamik des philosophischen Pragmatismus nachzeichnete. Esser stellte insbesondere das kritische Potential, das aus der Hinwendung zum Primat der Praxis entsteht, in den Vordergrund. Die pragmatistische Einsicht in die Fallibilität von Zeichenzusammenhängen und (Selbst-)Deutungen transformiere die Suche nach Wahrheit in eine gemeinsame Bemühung um gesicherte Überzeugungen, ein genuin öffentliches Wissen, das in produktiven Forschungszusammenhängen erreicht und immer wieder neu geprüft wird.

Dr. Mara-Daria Cojocaru (Philosophie, Hochschule für Philosophie München) nahm in ihrem Vortrag die Frage nach den Idealen im Pragmatismus auf. Das formale Ideal des Wachstums, sei es als Zunahme konkreter Vernünftigkeit (Peirce) oder von Selbstverwirklichung (Dewey), führe zur globalen Solidarität. Das „Prinzip gelebten Zweifels“ diene dabei als affektiver Antrieb. Ob allerdings mit Rorty die (Sprach-)Gemeinschaft gegenüber der Erkenntnis Vorrang habe, oder – mit Peirce – umgekehrt, und mit welchem Zugang die Hoffnung auf globale Solidarität stärker zu untermauern sei, bliebe noch zu diskutieren.

Eine deutlich kritische Perspektive auf das Konzept des homo oeconomicus brachte Dr. Andreas Gösele SJ (Sozialethik, Hochschule für Philosophie München) ein. Mit Dewey zeigte Gösele, das diese anthropologische Annahme, gleichwohl weit über die Wirtschaftswissenschaften hinaus wirksam, einem pragmatistischen „Realitätscheck“ nicht standhalten kann. Allein der Theorieansatz, aus einem fixierten und vermeintlich „natürlichen“ Menschenbild allgemeingültige Gesetze über menschliches Handeln abzuleiten, könne als verfehlt betrachtet werden. Dem entgegenzusetzen und zu entwickeln sei vielmehr das alternative Bild des homo democraticus.

Der Vortrag von Prof. Dr. Michael Reder (Philosophie, Hochschule für Philosophie München) brachte die Traditionen des Pragmatismus und des Poststrukturalismus zusammen, um eine angemessene Demokratietheorie zu entwerfen. Dabei hob er zunächst auf die Verkürzungen des prägenden Paradigmas des politischen Liberalismus ab: die Setzung des Sozialen als sekundär gegenüber den als frei aufgefassten Subjekten und die Fokussierung auf Recht und Gerechtigkeitsprinzipien, die auf rein deliberative Verfahren setzen. Unter Rückgriff auf den Pragmatismus könne das Wechselverhältnis von Individuum und Gesellschaft besser gefasst werden und Deliberation um die Komponente der reflexiven Verarbeitung von (disruptiven) Erfahrungen erweitert werden. Jedoch habe, so Reder, auch dieser Ansatz einen blinden Fleck. Der Pragmatismus übersehe nämlich die aporetische Struktur von Demokratie und sei nicht in der Lage, die Vermachtung des Sozialen zu erfassen. Reder plädierte dafür, dass diese Mängel durch eine alternative Heuristik sichtbar gemacht werden müssten, etwa durch Bezug auf Butler oder Foucault.

Dr. Benjamin Herborth (International Relations, University of Gronigen) stellte eine Kritik staatszentrierten Denkens im Anschluss an den „radikalen Demokraten“ Dewey vor, und forderte, vor dem Hintergrund der Globalisierungsdebatte über den Staat hinaus und damit in einem grundlegend anderen begrifflichen Rahmen zu denken. Herborth identifizierte den Begriff des Staates als regelrechte Denkblockade mit quasi-transzendentalem Status, der mit seiner absolutistischen Logik selbst bis in aktuelle transnationale Überlegungen hineinreiche. Als „schlechte Abstraktion“ verstelle er unsere Visionen für politische Lösungen in einer globalisierten Welt.

Auf seine Implikationen für die philosophische Ethik hin befragte Prof. Dr. Dr. h.c. Julian Nida-Rümelin (Philosophie, Universität München) den Pragmatismus. Dieser könne vor allem als ein Kontrapunkt zu rationalistischen Ethiken fungieren, die Gefahr liefen, die Quellen der Normativität versiegen zu lassen, indem sie sich rein auf logische Prinzipien beriefen. Moralische Überzeugungen ließen sich jedoch nicht strikt deduktiv-abstrakt gewinnen, sondern seien stets in lebensweltliche Kontexte eingebettet. Keineswegs sei damit jedoch einem Relativismus das Wort geredet, vielmehr diene das in der Praxis angelegte Ideal der inkludierenden Kohärenz zugleich als Kriterium der Beurteilung moralischer Situationen und als Antrieb zu moralischer Entwicklung.

Für ein Zusammendenken der beiden Wurzeln pragmatistischer Religionstheorie sprach sich schließlich Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joas (Religionssoziologie, HU Berlin) aus: die empirische Religionspsychologie von William James mit ihrem Abheben auf individuelle Erfahrung auf der einen Seite, Peirces Semiotik auf der anderen Seite. In Josiah Royces Ansatz sei zwar eine Theorie der Interpretation religiöser Erfahrung vorgelegt worden, die die hermeneutische Lücke zwischen der Erfahrung des Subjekts und der sozial-institutionell vermittelten Deutung zu schließen versuche. Jedoch, so Joas, habe Royce wiederum eine allzu versöhnliche Teleologie eingeführt, die den Sinn für das Tragische, die echten Verluste und Verlustträger der Geschichte, den zumindest James aufweist, verliere. Es gelte, aus den Quellen des Pragmatismus eine Religionstheorie zu schöpfen, die der prekären Situation des Menschen Rechnung trage.

Der Tagung ist es gelungen, den Pragmatismus und dessen Potentiale sowohl für Forschende anderer Denktraditionen zu erschließen und ihn als relevante und produktive Haltung vorzustellen, als auch den „innerpragmatistischen“ Diskurs zu vertiefen und weiter aufzufächern. Die zum Teil lebhaft geführten Diskussionen im Anschluss an die Vorträge und bis in die Pausen hinein können als Zeichen dafür gelesen werden, dass nicht nur die in Deutschlang lange zögerliche Rezeption des Pragmatismus noch weiter vorangetrieben werden muss, sondern auch der Selbstverständigungsprozess darüber, wie sich der Pragmatismus verortet und wohin er führt, noch am (verheißungsvollen) Anfang stehen.

Zum detaillierten Tagungsprogramm

Ana Honnacker, Dr. phil., wiss. Assistentin am Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

Neues aus der Friedensforschung

(c) Thomas Max Müller / pixelio.de

Migration ist ein friedensethisch relevantes Problem: Was fast schon trivial klingt, wird durch das soeben erschienene Friedensgutachten 2016 und den neuen Global Peace Index bestätigt und wissenschaftlich unterfüttert. Die weltweite Zunahme von Flucht- und Wanderungsbewegungen korrespondiert demnach einem globalen “Rückzug” des Friedens und dem bereits im Februar vom Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI konstatierten Anstieg der weltweiten Rüstungsausgaben.

Angesichts dieser Entwicklungen plädieren die Autoren des Friedensgutachtens für strukturelle Veränderungen wie eine gerechtere Welthandelsordnung und mehr Ressourcen für zivile Konfliktbewältigung. In der flankierenden Presseeklärung fordern sie unter anderem ein Ende der Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien, an kurdische Peschmerga-Kämpfer und generell in Krisengebiete. Hinzu kommt scharfe Kritik an Integrationshemmnissen wie der Wohnsitzauflage und dem erschwerten Zugang zu Sprachkursen.

Das Friedensgutachten ist das gemeinsame Jahrbuch des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, des Instituts für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg-Essen, der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung und des Internationalen Konversionszentrums. Der ebenfalls jährlich erscheinende Global Peace Index wird herausgegeben vom Institute for Economics and Peace.

CfP Berliner Werkstattgespräch 2017: Krise der Europäischen Union – Herausforderung für die christliche Sozialethik

Das nächste Berliner Werkstattgespräch wird sich vom 20.-22.02.2017 mit der “Krise der Europäischen Union” als Herausforderung für die christliche Sozialethik beschäftigen. Dazu hat die Vorbereitungsgruppe einen Call for Papers veröffentlicht.

Einsendungen werden erbeten zu den Themenschwerpunkten der Tagung

  1. Problemanalyse – was läuft falsch in /mit der Europäischen Union?
  2. Die Rolle der christlichen Kirchen / religiösen Akteure in der EU
  3. Europäisierung und/oder Re-Nationalisierung – sozialethische Aspekte auf politische Entwicklungen (in) der EU
  4. Ideelle Grundlagen für die Zukunft der Europäischen Union
  5. Die globale Verantwortung der EU

Aus den Einsendungen werden Themen ausgewählt für die Workshops im Rahmen der Tagung sowie Beiträge für eine geplante Veröffentlichung.

Einsendeschluss ist der 15. September 2016. Der ausführliche Call mit sämtlichen Informationen findet sich hier.

Fachkonferenz Arbeit 4.0

Arbeitsministerin Andrea Nahles hat ein Grünbuch zur „Arbeit 4.0“ vorgelegt. Darin wird die Zukunft der Arbeit in einer digitalisierten Welt dargestellt. Die Bevölkerung und ihre vielfältigen Organisationen sind eingeladen, das Grünbuch nicht nur zu lesen, sondern auch Ideen, Wünsche und Forderungen für die Gestaltung der zukünftigen Arbeitswelt zu formulieren.

Dieses Ansinnen soll in der Fachkonferenz “Arbeit 4.0. Arbeit in der digitalisierten Welt – Zukunft der Arbeit denken” aufgegriffen werden. Die Veranstaltung findet statt am 1. Juli 2016 in der Stiftungsfachhochschule München. Veranstalter ist das KAB Bildungswerk München und Freising.

Das detaillierte Programm (unter anderem mit Benjamin Mikfeld, Leiter der Grundsatzabteilung des Bundesarbeitsministerium) sowie Anmeldeinformationen finden sich hier.

P. Johannes Schasching SJ-Fellowship an der ksoe

Die Katholische Sozialakademie Österreichs schreibt für die Forschungsjahre 2016/2017 sowie 2017/2018 jeweils ein Fellowship für einen einjährigen Forschungsaufenthalt an der Sozialakademie aus.

Mögliche Themenfelder für ein Fellowship sind: “Laudato si – Ethik der Nachhaltigkeit”, “‘Primat des Marktes’ – ethische Fragen”, “‘Zeit-Architektur’ – Mensch und Gesellschaft” sowie “solidarisch Wirtschaften”.

Voraussetzung ist eine Promotion in Theologie oder einem anderen themenrelevanten Studienfach. Bewerbungsschluss ist der 30.06.2016.

Ausführliche Informationen finden sich hier.